ARD Retro

ARD Retro ist ein gemeinsames Archivprojekt der ARD-Landesrundfunkanstalten und des Deutschen Rundfunkarchivs (DRA).[1] Das Projekt wurde zum UNESCO Welttag des Audiovisuellen Erbes am 27. Oktober 2020 und damit genau ein Jahr nach dem Vorbild SWR Retro in der ARD Mediathek gestartet und bietet tausende FernsehbeitrĂ€ge aus den 1950er und 1960er Jahren an, die einen âEinblick in die frĂŒhe Fernsehberichterstattung der Bundesrepublik Deutschland und der DDRâ geben sollen.[2]
Entstehung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem auf Initiative von Frank Adam, Leiter des Archivs des SĂŒdwestrundfunks, die Depublikationspflicht auf öffentlich-rechtliche Rundfunkinhalte fĂŒr zeit- und kulturgeschichtliche Archive aus dem Rundfunkstaatsvertrag im Mai 2019 entfiel, veröffentlichte die Rundfunkanstalt seit 27. Oktober 2019 Archivinhalte unter der Marke SWR Retro online.[3][4] Am 3. MĂ€rz 2020 veröffentlichten Wikimedia Deutschland, der Deutsche Bibliotheksverband und das BĂŒndnis freie Bildung einen offenen Brief, in dem sie das ZDF sowie die Rundfunkanstalten der ARD dazu aufforderten, Bildungsinhalte nach Möglichkeit unter freien Lizenzen und dauerhaft online verfĂŒgbar zu halten.[5] Der offene Brief wurde von 28 Unternehmen und 10.620 Privatpersonen unterstĂŒtzt und am 3. Juli 2020 der ARD-GeneralsekretĂ€rin Susanne Pfab und der ZDF-Fernsehratsvorsitzende Marlehn Thieme ĂŒberreicht.[6][7] Bereits vor der Ăbergabe der Unterschriften kĂŒndigte die ARD in einer Pressemitteilung vom 16. Juni 2020 an, zum UNESCO Welttag des Audiovisuellen Erbes am 27. Oktober 2020 nicht-fiktionale Bewegtbildmaterialien, die bis 1966 ausgestrahlt wurden, in der ARD Mediathek verfĂŒgbar zu machen. Durch ein modifiziertes Urheberrecht 1966 konnten spĂ€ter erstausgestrahlte Inhalte nicht verfĂŒgbar gemacht werden.[4] Das Archivangebot startete schlieĂlich zum angekĂŒndigten Datum unter der Marke ARD Retro.[8]
Angebote
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Archivprojekt ARD Retro stellt zahlreiche Sendungen und BeitrĂ€ge der (ehemaligen) ARD-Landesrundfunkanstalten sowie des Deutschen Fernsehfunks (DFF) in der ARD Mediathek zur VerfĂŒgung, die in den 1950er und 1960er Jahren ausgestrahlt wurden. Aus urheberrechtlichen GrĂŒnden dĂŒrfen bisher (Stand 2022) nur FernsehbeitrĂ€ge bis 1965 zur VerfĂŒgung stehen, da zum 1. Januar 1966 das deutsche Urheberrechtsgesetz in Kraft trat. ZukĂŒnftig sollen auch VideobeitrĂ€ge angeboten werden, die nach 1965 produziert und ausgestrahlt wurden. Diese mĂŒssen aber einzeln rechtlich geprĂŒft werden.[2][9]
Das Projekt startete mit etwa 9.000 VideobeitrĂ€gen, umfasst aktuell gut 21.000 Videos (Stand 13. November 2024) und soll in Zukunft rund 30.000 BeitrĂ€ge in der Mediathek anbieten. Dabei handelt es sich um Eigen- oder Auftragsproduktionen, die in Das Erste, den dritten Fernsehprogrammen der ARD oder im DFF ausgestrahlt wurden. Enthalten ist darin ein groĂer Bestand an regionalen NachrichtenbeitrĂ€gen und regionale Sportberichterstattung, sowie Dokumentationen, Reportagen und Unterhaltungs- und Bildungsformate.[9][10]
Die BeitrĂ€ge können zentral ĂŒber die ARD Mediathek abgerufen werden. BeitrĂ€ge und Sendungen aus den einzelnen Sendegebieten werden separat im jeweiligen Retro-Channel der Landesrundfunkanstalten gebĂŒndelt. So sind Sendungen und BeitrĂ€ge aus Berlin und Brandenburg im Retro-Channel ârbb Retroâ des Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) zu finden; Sendungen und BeitrĂ€ge aus Bayern wiederum im Retro-Channel âBR Retroâ des Bayerischen Rundfunks (BR). DarĂŒber hinaus strahlt ARD alpha die Sendereihe alpha-retro aus. Die VideobeitrĂ€ge sind dauerhaft abrufbar.

BeitrĂ€ge aus der BRD sind mit einem gelben Wimpel gekennzeichnet, BeitrĂ€ge aus der DDR bzw. vom DFF mit einem grĂŒnen Wimpel.[2]
Viele der VideobeitrĂ€ge sind mit Stand 2022 noch nicht barrierefrei, die ARD will die Videos schrittweise nachtrĂ€glich barrierefrei gestalten und eine Untertitelung zur VerfĂŒgung stellen.[11]
Trivia
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zum Start von ARD Retro strahlte der rbb am 27. Oktober 2020 zwei Sondersendungen aus (rbb Retro: Ein Blick ins Fernseharchiv 1958 bis 1965 sowie Die Lange Archivnacht), moderiert von Anna Thalbach.[12][13]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ARD Retro in der ARD Mediathek
- ARD Retro in der ARD Audiothek
- Fragen und Antworten zu ARD Retro
- âARD Retroâ: Sender öffnen ihre Archive fĂŒr die ARDâMediathek, Medienkorrespondenz.de vom 9. Dezember 2020.
- âARD Retro. Die Archive sind offen und wollen erobert werden â wir zeigen wieâ. Youtube-Video der Volkshochschule Baden-WĂŒrttemberg (2023).
- âNiemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten! - Retro Spezial DDR in der ARD Mediathekâ. Youtube-Video eines Kurzvortrags auf der Konferenz âZugang gestalten!â 2021.
- HintergrĂŒnde zu den frĂŒhen DDR-Fernsehproduktionen im Angebotsschwerpunkt âRetro Spezial DDRâ auf den Seiten des Deutschen Rundfunkarchivs.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rabea Limbach: Ost- und Westfernsehen in der ARD Mediathek. In: Bibliothek â Forschung und Praxis. 2020 (edoc.hu-berlin.de PDF, Preprint-Version auf dem EDOC-Server der Humboldt-UniversitĂ€t Berlin)
- Christian MĂŒller: Ăffentlicher Zugang zu den Sendearchiven von Rundfunkanstalten. Am Beispiel des Schweizer Radio und Fernsehens, dem SĂŒdwestrundfunk und der British Broadcasting Corporation. In: Info7, Heft 3/2021.
- Wagner, Hans-Ulrich: Kulturelles Erbe. Das Online-Angebot âSWR Retroâ setzt einen Trend. In: epd medien, Nr. 49 vom 6. Dezember 2019.
- Rabea Limbach: Retro Spezial DDR â Ost-Fernsehen der 1950er und 1960er Jahre in der ARD Mediathek. In: Info7, 2/2020.
- Markus Görgen: Das Loch in der Wand. Ăffnung der öffentlich-rechtlichen Rundfunk-Archive im Lichte juristischer Machbarkeit. In: Info 7, 2/2019.
- Rabea Limbach: ArchivbestĂ€nde der Ăffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ins Netz! Ein Beitrag zu einem eigentlich unmöglichen Vorhaben? In: Info7, 3/2018.
- Till Kreutzer: Zugang fĂŒr alle? Online-Rundfunkarchive auf rechtlicher Sicht. In: Info7, 3/2016.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Zeitgeschichte neu entdecken: ARD Retro bĂŒndelt historisches Fernsehmaterial zu 60 Jahre Mauerbau. Abgerufen am 24. Januar 2022.
- 1 2 3 ARD öffnet Archive â DDR-Fernsehen in der ARD Mediathek. Deutsches Rundfunkarchiv, 27. Oktober 2020, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 31. Oktober 2020; abgerufen am 27. Oktober 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â Daniel Bouhs: Der mĂŒhsame Weg, das Rundfunk-GedĂ€chtnis zugĂ€nglich zu machen. In: uebermedien.de. 2019, abgerufen am 27. Januar 2023 (deutsch).
- 1 2 ARD-Sender öffnen ihre Archive. In: ard.de. ARD, archiviert vom am 29. Juni 2020; abgerufen am 27. Januar 2023 (deutsch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â Offener Brief. In: wikimedia.de. Abgerufen am 27. Januar 2023 (deutsch).
- â Ăffentliches Geld â Ăffentliches Gut! - Bildungsinhalte frei veröffentlichen. In: wikimedia.de. Wikimedia Deutschland, abgerufen am 27. Januar 2023 (deutsch).
- â Runder Tisch ĂRR Ăbergabe Unterschriften 3.jpg. In: Wikimedia Deutschland. Wikimedia Commons, abgerufen am 27. Januar 2023.
- â BR Retro zeigt das Bayern der 1950er und 60er Jahre. In: br.de. Bayerischer Rundfunk, abgerufen am 27. Januar 2023 (deutsch).
- 1 2 NDR Retro: Norddeutscher Rundfunk öffnet sein Fernseharchiv. NDR, 27. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.
- â ARD Retro startet am 27. Oktober 2020 in der ARD Mediathek. ARD, 27. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.
- â Fragen und Antworten zu ARD Retro. NDR, 27. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.
- â rbb Retro: Der rbb stellt historisches Archivmaterial frei zugĂ€nglich ins Netz. rbb, 23. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.
- â Ănderungen und ErgĂ€nzungen fĂŒr die 44. Kalnderwoche im rbb Fernsehen. (PDF) rbb, 23. Oktober 2020, abgerufen am 27. Oktober 2020.