Abtei Chancelade

Die Abtei Chancelade liegt in Chancelade, einer französischen Gemeinde im Département Dordogne in der Region Nouvelle-Aquitaine.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Abtei von Chancelade, auch Abtei Notre-Dame von Chancelade, im Französischen Abbeye Notre-Dame de Chancelade, befindet sich in der Gemeinde Chancelade, rund 5 Kilometer nordwestlich des Stadtzentrums von Périgueux.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]GrĂŒndung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Jahr 1096 will Papst Urban II. die Mönche der Abtei Saint-Pierre de Cellefrouin dem Kloster Charroux angliedern. Da dies einen Ăbergang von der Ordensregel der Augustiner zu den Benediktinern bedeutet, widersetzt sich der Abt Foucault dieser Entscheidung und lĂ€sst sich als Einsiedler in Fons Cancellatus, der lateinischen Bezeichnung der Quelle von Chancelade, nieder. Dies wird als GrĂŒndungsdatum der spĂ€teren Abtei angesehen. Die Lage der Quelle wird durch eine GedĂ€chtnistafel an Alain de Solminihac gekennzeichnet.

Dem Abt Foucault schlieĂen sich sodann weitere Mönche an, sodass eine Gemeinschaft entsteht.
Der erste Abt von Chancelade, GĂ©rard de Montlau, wird im Jahr 1128 von Guillaume dâAuberoche, dem Bischof von PĂ©rigueux, gesegnet. Die Mönche beschlieĂen daraufhin, ein Kloster zu errichten. Sie erbauen die Abteikirche mitsamt den umfriedeten KonventsgebĂ€uden, sowie eine kleine Pfarrkirche in unmittelbarer NĂ€he. Beide Kirchen werden am 12. Oktober 1147 von Raymond de Mareuil geweiht â die Abteikirche der Jungfrau Maria und die Pfarrkirche der Heiligen Magdalena.
Um 1140 werden von Geoffroi de CauzĂ© der Abtei die LĂ€ndereien von Merlande als Schenkung ĂŒberreicht. Die Mönche erbauen an der dortigen Quelle eine Kapelle, die recht bald erweitert wird und sich zu einem eigenen Priorat weiter entwickelt.
Im Jahr 1360 besitzt die Abtei 22 Ordensmitglieder. Da sie sich dem Schutz des Kardinals Hélie de Talleyrand-Périgord unterstellt, erhÀlt sie von ihm als Gabe 3800 Gulden und kann damit weitere 38 Geistliche anwerben.
Status
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 1133 ist die Abtei Chancelade eine den Regeln des Heiligen Augustinus verpflichtete Abtei, ihre Mönche gehören den Augustiner-Chorherren an.
Im Jahr 1635 widersetzt sich Alain de Solminihac der vom Kardinal Rochefoucaud gegrĂŒndeten CongrĂ©gation de France. Seine Reformationsbestrebungen werden zwar untersagt, die Abtei Chancelade erhĂ€lt aber dennoch die Erlaubnis, als unabhĂ€ngige Kongregation weiter zu bestehen.
Kriege, PlĂŒnderungen und Zerstörungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von 1360 bis 1367 besetzen die EnglĂ€nder PĂ©rigueux. Sie verjagen die Mönche und quartieren eine eigene Garnison im Kloster ein. Nach seiner RĂŒckkehr aus Spanien kann Bertrand du Guesclin aber die Abtei zurĂŒckerobern. Sobald er sie jedoch wieder verlĂ€sst, rĂŒcken die EnglĂ€nder erneut nach und bleiben bis ins 15. Jahrhundert.
Gegen 1440 macht die Gemeinschaft unter der Schirmherrschaft von Arnaud de Bourdeille und dank ihres Abts Geoffroy de Pompadour einen Neuanfang.
WĂ€hrend der Hugenottenkriege wird PĂ©rigueux im Jahr 1575 von den Hugenotten erobert. Langoiran bemĂ€chtigt sich daraufhin der Abtei, die geplĂŒndert und gebrandschatzt wird. Von der Abteikirche ĂŒberdauern nur die Vierung mit ihrer Kuppel und der Kirchturm. Das Gewölbe des Kirchenschiffs und der romanische Chor werden zerstört.
Neubeginn
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Alain de Solminihac die Abtei im Jahr 1614 ĂŒbernimmt, sind nur noch vier Mönche zugegen. Nachdem er 1622 von Monseigneur de la BĂ©raudiĂšre in der Kathedrale Saint-Front in PĂ©rigueux den Segen erhĂ€lt, macht er sich an den Wiederaufbau der halbzerstörten Abteikirche und rekonstruiert den Kreuzgang, den Wohntrakt und die KonventsgebĂ€ude. Gleichzeitig fĂŒhrt er Reformen durch und wirbt neue Ordensmitglieder.
Alain de Solminihac wird am 17. Juni 1636 von Papst Leo XIII. zum Bischof von Cahors eingesetzt. 1638 kehrt er nach Chancelade zurĂŒck, um die wiedererbaute Abteikirche einzuweihen (am 4. Oktober 1981 wird Alain de Solminihac von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen, seine sterblichen Ăberreste befinden sich in der Kathedrale von Cahors).
Im 18. Jahrhundert hĂ€lt der Abt Jean IV. Antoine Le Gros de Beler (1730â1763) seine Mönche zu Studien an, und die Bibliothek bereichert sich an Kartenmaterial und 4000 BĂŒchern. Im Skriptorium wird intensiv gearbeitet â Handschriften werden kopiert, Texte und Urkunden klassifiziert. Hierbei wird vom Pater Prunis das Tagebuch der Reisen Montaignes entdeckt, das im Turm der BĂŒcherei in einem alten Koffer steckt. Es wird sodann 1774 in Rom veröffentlicht.
Zeitweiliger Verlust der einstigen religiösen Funktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Abtei wird wÀhrend der Französischen Revolution im Jahr 1790 als Nationalgut verkauft.
Zahlreiche Dokumente gehen dadurch an die BibliothĂšque nationale de France und liegen jetzt dort als 183 BĂ€nde vor. Mehrere hundert Werke finden sich in der StadtbĂŒcherei von PĂ©rigueux, darunter eine Abschrift des Kopialbuchs.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird aus der Abteikirche eine Pfarrkirche.
Wiedereröffnung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach der im Jahr 1955 begonnenen Renovierung der WirtschaftsgebĂ€ude durch die Eigner Herr und Frau Caignard öffnet die Abtei 1975 ihre Pforten fĂŒr Pilger und Publikum. Nach einer nochmaligen vorĂŒbergehenden SchlieĂung in den Jahren 2004 bis 2009 ist sie nun seit 2010 erneut geöffnet. Ab 1998 lassen sich in der Abtei Chancelade eine Gruppe von Augustiner-Chorherren nieder. Der Gruppe wird vom Bistum im Jahr 2004 das der Familie Caignard abgekaufte Abtshaus samt Parkanlage ĂŒbertragen, um hier ein spirituelles Zentrum einzurichten.
Architektur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von der einst sehr bedeutenden, im romanischen Stil des 12. Jahrhunderts erbauten Abtei sind nur noch die Abteikirche und ein Teil der KonventsgebĂ€ude wie beispielsweise das Pfarrhaus erhalten. Die ursprĂŒngliche Abteikirche erfĂ€hrt im 14., 16. und 17. Jahrhundert bedeutende bauliche VerĂ€nderungen.
Abteikirche
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die nach OstsĂŒdost ausgerichtete Abteikirche ist ein romanisches Bauwerk mit kreuzförmigen Grundriss. Vom einstigen GebĂ€ude des 12. Jahrhunderts bestehen nur noch die unteren Mauerabschnitte und die Fenster. Das Kirchenschiff wird im Jahr 1630 mit fĂŒnf Spitzbogenjochen versehen. Die Vierung wird mit einer Pendentifkuppel ĂŒberdeckt, auf der sich ein quadratischer Kirchturm erhebt. Der Chor wird im 17. Jahrhundert vollkommen neu erbaut und es wird eine Sakristei angesetzt. Das in ihm befindliche ChorgestĂŒhl aus 64 WalnuĂstĂŒhlen stammt aus derselben Zeit.
Nur 50 Meter sĂŒdwestlich des Eingangsportals zur Abteikirche befindet sich die nach Ostnordost orientierte Kapelle Saint-Jean, die noch im gleichen Jahr 1147 Johannes dem TĂ€ufer geweiht wird. Dieser kleine, nur 19 Ă 5 Meter messende romanische Bau des 12. Jahrhunderts ist ursprĂŒnglich mit Steinplatten gedeckt. Ihr Gewölbe besteht aus einer Spitztonne. Die halbkreisförmige Apsis trĂ€gt eine Apsiskalotte. Die Kapelle wird im Jahr 1912 unabhĂ€ngig von der Abteikirche als Monument historique eingetragen.
- Ansicht des Parks, der Abteikirche (links)
und des Abtshauses (rechts) - Abteikirche
- Eingangsportal
- Kirchenschiff
- Kanzel
- ChorgestĂŒhl
- Fresken oberhalb des ChorgestĂŒhls
- Verspottung Christi
(G. Van Hornthorst) - Kapelle Saint Jean
- Kirchenschiff der Kapelle
Pfarrhaus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Pfarrhaus trĂ€gt die Bezeichnung Logis de Bourdeilles. Es ist an die Nordwestecke der Abteikirche angesetzt. Errichtet wird es im 15. Jahrhundert und erfĂ€hrt im 17. Jahrhundert nochmals groĂe bauliche Ănderungen.
KonventsgebÀude
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]An der SĂŒdostecke der Abteikirche steht das Abtshaus, das zwar im 13. Jahrhundert begonnen, jedoch im 18. Jahrhundert vollkommen erneuert wird. Es ist dreistöckig, wobei das Untergeschoss aus einer Arkadenreihe von acht Korbbögen aufgebaut wird. Die WirtschaftsgebĂ€ude bestehen aus einem Waschhaus, einer Speisekammer, einem Wohntrakt und einer MĂŒhle. Das Waschhaus verlĂ€ngert das Pfarrhaus und ist ein stattliches GebĂ€ude aus dem 15. Jahrhundert, das im 16. Jahrhundert mit einem Flachbogengewölbe versehen wird. Die im Nordwesten rechtwinklig angesetzte Speisekammer geht ins 14. Jahrhundert zurĂŒck, zusĂ€tzliche Gewölberippen werden im 17. Jahrhundert eingezogen. Von der Speisekammer nach SĂŒdost abzweigend verlĂ€uft ein Wohntrakt, an den sich im rechten Winkel eine befestigte MĂŒhle anschlieĂt, die fĂŒr die Abtei das Mehl lieferte. Gewisse Teile des Trakts sind 14. Jahrhundert, der ĂŒberwiegende Teil aber 15. und 16. Jahrhundert. Die MĂŒhle, deren romanische Ăffnungen spĂ€ter wieder verschlossen werden, wird von einem Abzweig der Beauronne gespeist. Der Nordostteil des rechteckigen Bauwerks ĂŒberragt diesen Zulauf vollstĂ€ndig.
Das Pfarrhaus, das Abtshaus, das Eingangstor, die WirtschaftsgebĂ€ude, die Terrassen und GĂ€rten, die Umfriedung, die BrĂŒcke, die MĂŒhle und die Abteikirche sind alle als Monument historique eingetragen. Die Bauzeit dieser GebĂ€ude erstreckt sich vom 12. bis zum 17. Jahrhundert.
- Pfarrhaus Le logis de Bourdeilles
- Pfarrhaus, Hinteransicht
- Abtshaus
- Kleine BrĂŒcke im Park
ĂŒber einen Arm der Beauronne
SchutzmaĂnahmen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Abteikirche ist seit 1909 klassifiziertes Bauwerk der Monument historique. Zwischen 1942 und 2008 werden noch weitere Bautrakte der Abtei unter Schutz gestellt.[1]
Mit der Abtei verbundene Persönlichkeiten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Nicolas Baudeau, Mönch von Cancelade und Wirtschaftswissenschaftler.
- Guillaume Vivien Leidet, Mönch von Cancelade und Geschichtswissenschaftler.
- Joseph Prunis, Prior und nach 1789 Politiker.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Christian Corvisier: Monuments en PĂ©rigord. SociĂ©tĂ© française dâarchĂ©ologie, Paris 1998, S. 358â361 (CongrĂšs archĂ©ologique de France. 156e session).
- J. D. de La Roche: Notice sur lâabbaye de Chancelade. In: Le Chroniqueur du PĂ©rigord et du Limousin. 1854, S. 31â34.
- François DeshouliĂšres: Chancelade. In: CongrĂšs archĂ©ologique de France 90e session. SociĂ©tĂ© française dâarchĂ©ologie, Paris, 1928, PĂ©rigueux 1927, S. 296â308.
- Bernard Reviriego: Chancelade â Les chemins de la mĂ©moire. municipalitĂ© de Chancelade, Chancelade 1994.
- Bernard Reviriego: Le Christ aux outrages de Chancelade. municipalité de Chancelade, Chancelade 1997.
- Jean Secret, Bernard DuprĂ©: Lâabbaye de Chancelade en PĂ©rigord. Fanlac, 1978.
- Jean Secret: PĂ©rigord roman. Ă©ditions Zodiaque (collection la nuit des temps no 27), La Pierre-qui-Vire, 1979, S. 20â21.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Base MĂ©rimĂ©e, ministĂšre français de la Culture: Ancienne abbaye de Chancelade. In: notice no PA00082470. 1992.
Koordinaten: 45° 12âČ 27âłÂ N, 0° 40âČ 0,1âłÂ O
- Sakralbau im Département Dordogne
- Kloster in Nouvelle-Aquitaine
- Augustiner-Chorherren-Stift
- Bauwerk der Romanik in Nouvelle-Aquitaine
- Romanische Kirche
- Monument historique seit 1909
- Kloster (12. Jahrhundert)
- Monument historique (Kloster)
- Monument historique in Chancelade
- Klosterbau in Nouvelle-Aquitaine
- Klosterbau in Europa