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FeenlÀmpchenspinnen

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(Weitergeleitet von Agroeca)
FeenlÀmpchenspinnen

Heide-FeenlÀmpchenspinne (Agroeca proxima), Weibchen

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Echte Webspinnen (Araneomorphae)
Familie: Feldspinnen (Liocranidae)
Gattung: FeenlÀmpchenspinnen
Wissenschaftlicher Name
Agroeca
Westring, 1861

Die FeenlĂ€mpchenspinnen (Agroeca) bilden eine Gattung innerhalb der Familie der Feldspinnen (Liocranidae), die wiederum der Ordnung der Webspinnen zugehörig ist. Einige Arten der fast weltweit verbreiteten Gattung sind fĂŒr ihre charakteristischen Eikokons bekannt, die aufgrund ihrer Gestalt als „FeenlĂ€mpchen“ bezeichnet werden. Dies hat der Gattung der FeenlĂ€mpchenspinnen ihren Trivialnamen eingebracht.

MÀnnliche FeenlÀmpchenspinne

Bei den FeenlĂ€mpchenspinnen handelt es sich um kleine bis mittelgroße Echte Webspinnen (Araneomorphae), wobei die KörperlĂ€nge je nach Art variieren kann. Allen Vertretern der Gattung ist der kompakte Habitus (Erscheinungsbild) gemeinsam.[1]

Der kephale (am Kopf gelegene) Bereich erscheint undeutlich ausgeprĂ€gt und das Peltidium bzw. der Carapax, das RĂŒckenschild des Prosomas, eiförmig und ziemlich flach. Er ist etwa 3/4 so breit wie lang und mit kurzen liegenden Setae (chitinisierten Haaren) bedeckt. Die Fovea (Apodem) erscheint tief und deutlich ausgeprĂ€gt.[1] Die Pars cephalica (Kopfteil) ist wenig vom Brustteil (Pars thoracica) getrennt.[2] Die Augen sind je zu viert in zwei Reihen eng miteinander gruppiert und ungleich groß. Die anterior (vorne) medianen (mittleren) Augen einiger FeenlĂ€mpchenspinnen fallen etwas kleiner aus. Die anteriore Augenreihe erscheint von vorne gesehen leicht prokurv (vorgebogen), von oben gesehen jedoch gerade. Die posteriore (hintere) Augenreihe erscheint hingegen deutlich prokurver als die anteriore.[1] Sie ist auch kĂŒrzer als die andere.[2] Die AbstĂ€nde zwischen den Augen in der posterioren Reihe sind untereinander gleich.[1] Bei beiden Reihen können die Augen auch von identischer GrĂ¶ĂŸe sein und gleichen Anstand haben.[2] Das mediane Augenviereck wird in posteriore Richtung breiter. Der Clypeus (Abschnitt zwischen dem anterioren Augen und dem Vorderrand des Carapax) ist etwas höher als die Breite eines einzelnen anterior medianen Auges,[1] er ist eher schmal.[2]

Die Cheliceren (Kieferklauen) haben eine ziemlich kurze und krĂ€ftige Gestalt sowie flache Condylen (AusstĂŒlpungen an der Basis der Cheliceren). Promarginal (vorne randseitig) besitzen die Cheliceren je drei und retromarginal (hinten randseitig) je zwei bis drei ZĂ€hne. Das Labium (sklerotisierte bzw. verhĂ€rtete Platte zwischen den Maxillae und vor dem Sternum) ist entweder so breit wie lang oder etwas breiter als lang. Die prolateralen (vorne seitlichen) FlĂ€chen der Maxillae (umgewandelte Coxen bzw. HĂŒftglieder der Pedipalpen) verlaufen parallel.[1] Das Sternum (Brustschild des Prosomas) ist fast so breit wie lang und anterior abgestumpft.[2]

Die Beinformel (absteigende LĂ€ngenformel der Beinpaare) lautet wie bei den meisten Spinnen 4-1-2-3, wobei die beiden mittleren Beinpaare fast gleich lang sind.[2] Die Trochanter (Schenkelringe) des vierten Beinpaars haben ventral (unten) je eine tiefe Kerbe. Die Femora (Schenkel) des ersten Beinpaars verfĂŒgen dorsal (oben) ĂŒber jeweils drei Stacheln sowie prolateral ĂŒber einen bis zwei weitere und dessen Tibien (Schienen) je ĂŒber zwei Paare ventraler Stacheln. Die Metatarsen (Fußglieder) des ersten und des dritten Beinpaars besitzen jeweils drei Paare ventraler Stacheln.[1] Die Tarsen (Fußglieder) können schwach ausgeprĂ€gte Scopulae (HaftsetaebĂŒschel) aufweisen, wobei diese auch ganz fehlen können. KlauenbĂŒschel fehlen dafĂŒr ganz.[2]

Das Opisthosoma (Hinterleib) ist von ovaler Form und fĂŒr gewöhnlich in der Mitte am breitesten.[3] Die Spinnwarzen sind zweigliedrig aufgebaut und die posterioren sind lĂ€nger. Der Abstand der anterioren Spinnwarzen zueinander betrĂ€gt etwa die HĂ€lfte ihrer maximalen Breite.[1] Diese sind außerdem breiter als die posterioren Spinnwarzen.[4]

Genitalmorphologische Merkmale

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NÀhere Frontalansicht einer mÀnnlichen FeenlÀmpchenspinne mit erkennbaren Bulbi

Die Pedipalpen (umgewandelte ExtremitĂ€ten im Kopfbereich) der mĂ€nnlichen FeenlĂ€mpchenspinnen werden unter anderem je durch eine transparente membranöse Struktur (am Ende gelegene) charakterisiert, bei der es sich womöglich um eine terminale (am Ende gelegene) Apophyse (Fortsatz) handelt. Diese Struktur ist mit dem Embolus (letztes Sklerit bzw. Hartteil) des jeweiligen Bulbus (mĂ€nnliches Geschlechtsorgan) verbunden. Daneben besitzen die Pedipalpen je eine mediane hakenförmige Apophyse. Die Epigyne (weibliches Geschlechtsorgan) ist bei den FeenlĂ€mpchenspinnen vergleichsweise simpel aufgebaut. Nach außen hin besitzt diese ein oder zwei Paare KopulationskanĂ€le, die je nach Art variabel gekurvt sind.[4]

Differenzierung von den Laubstreunern

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Die FeenlĂ€mpchenspinnen können leicht mit den ebenfalls zu den Feldspinnen (Liocranidae) zĂ€hlenden Laubstreunern (Apostenus) verwechselt werden. Diese besitzen allerdings deutlich grĂ¶ĂŸere Augen, eine höhere Anzahl an Beinstacheln und außerdem je zwei spatelförmige Setae zwischen den Tarsalklauen.[4]

Verbreitung und Lebensweise

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Die Gattung FeenlÀmpchenspinnen ist mit Ausnahme der Antarktika auf allen Kontinenten der Welt vertreten, den Verbreitungsschwerpunkt der Gattung bildet jedoch die Holarktis.[5] Zu den Habitaten (LebensrÀume) der Spinnen zÀhlen etwa bodennahe Vegetation sowie Moos- und Streuschichten.[6]

Weibliche FeenlÀmpchenspinne mit Beute

FeenlĂ€mpchenspinnen sind wie alle Feldspinnen (Liocranidae) nachtaktiv und jagen Beutetiere ohne ein Spinnennetz.[6] Die terrestrischen (bodenbewohnenden) Spinnen bewegen sich gerne flink auf dem Bodengrund oder in der Bodenstreu umher und halten sich im Winter gerne in Geröll auf.[4] Einige Arten, etwa die Große (A. brunnea) oder die Heide-FeenlĂ€mpchenspinne (A. proxima), produzieren einen markanten Eikokon, der an einem dĂŒnnen Stiel befestigt ist und von der Form her an ein umgedrehtes Weinglas erinnert. Der Kokon, der oftmals leichter zu finden ist als sein Erbauer, wird zur Tarnung mit Erdpartikeln bedeckt.[6]

Die Systematik der FeenlĂ€mpchenspinnen wurde mehrfach geĂ€ndert. Der Gattungsname Agroeca stammt von dem altgriechischen Adjektiv agroikos, das ĂŒbersetzt „lĂ€ndlich“ oder „roh“ bedeutet.[7] Diese Bezeichnung rĂŒhrt von der Bevorzugung terrestrischer Habitate der Spinnen. Die Typusart der Gattung ist die Heide-FeenlĂ€mpchenspinne (A. proxima).[5]

Die Gattung der FeenlÀmpchenspinnen umfasst 36 Arten. Diese und ihre geographischen Verbreitungen sind:[5]

Transferierte Arten

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6 Arten galten einst als zu den FeenlÀmpchenspinnen zugehörig, wurden jedoch mittlerweile transferiert. Die Arten sind:[5]

Synonymisierte Arten

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5 einstige Arten, die zuletzt zu den FeenlÀmpchenspinnen zÀhlten, wurden mit einer anderen der Gattung synonymisiert und verloren somit ihren Artstatus. Diese Arten waren:[5]

  • A. flava (Chamberlin & Woodbury, 1929) – Synonymisiert mit A. trivittata unter Kaston, 1938b.
  • A. gaunitzi Tullgren, 1952 – Synonymisiert mit der Heide-FenlĂ€mpchencpinne (A. proxima) unter Kronestedt, 2009.
  • A. kalbica (Savelyeva, 1972) – Synonymisiert mit A. maculata unter Mikhailov & Marusik, 1996.
  • A. kiranensis (Paik, 1991) – Synonymisiert mit A. coreana unter Marusik & Koponen, 2000.
  • A. liocranoides Denis, 1956 – Synonymisiert mit A. annulipes unter Bosmans, 1999.
  • A. wallacei (Bryant, 1935) – Synonymisiert mit A. pratensis unter Ubick & Roth, 1973.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 6 7 8 Sven Almquist: Swedish Araneae, part 2 – families Dictynidae to Salticidae. In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 63, Nr. 1. Interpress, 2006, S. 336.
  2. 1 2 3 4 5 6 7 Benjamin J. Kaston: North American Spiders of the Genus Agroeca. In: American Midland Naturalist. Band 20, Nr. 1, November 1938, S. 562, doi:10.2307/2420292.
  3. ↑ Benjamin J. Kaston: North American Spiders of the Genus Agroeca. In: American Midland Naturalist. Band 20, Nr. 1, November 1938, S. 562–563, doi:10.2307/2420292.
  4. 1 2 3 4 Benjamin J. Kaston: North American Spiders of the Genus Agroeca. In: American Midland Naturalist. Band 20, Nr. 1, November 1938, S. 563, doi:10.2307/2420292.
  5. 1 2 3 4 5 Naturhistorisches Museum der Burgergemeinde Bern: World Spider Catalog – Agroeca. Abgerufen am 12. September 2022.
  6. 1 2 3 Lawrence Bee, Geoff Oxford, Helen Smith: Britain's Spiders: A Field Guide – Fully Revised and Updated Second Edition (= WILDGuides of Britain & Europe). Princeton University Press, 2020, ISBN 978-0-691-20474-1, S. 310.
  7. ↑ Agroeca. In: Spektrum.de. Spektrum der Wissenschaft, abgerufen am 12. September 2022.
  • Sven Almquist: Swedish Araneae, part 2 – families Dictynidae to Salticidae. In: Scandinavian Entomology (Hrsg.): Insect Systematics & Evolution, Supplement. Band 63, Nr. 1. Interpress, 2006, S. 336 (601 S.).
  • Lawrence Bee, Geoff Oxford, Helen Smith: Britain's Spiders: A Field Guide – Fully Revised and Updated Second Edition (= WILDGuides of Britain & Europe). Princeton University Press, 2020, ISBN 978-0-691-20474-1, S. 310 (496 S.).
  • Benjamin J. Kaston: North American Spiders of the Genus Agroeca. In: American Midland Naturalist. Band 20, Nr. 1, November 1938, S. 562–570, doi:10.2307/2420292.
  • Michael John Roberts: The Spiders of Great Britain and Ireland (= The Spiders of Great Britain and Ireland. Band 2). Brill Archive, 1985, S. 88 (256 S.).
Commons: FeenlĂ€mpchenspinnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien