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Andorra (1964)

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Film
Titel Andorra
Produktionsland Bundesrepublik Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1964
LÀnge 125 Minuten
Stab
Regie Kurt Hirschfeld
Gert Westphal
Drehbuch Max Frisch
Produktion Egon Monk
Kamera Hans Sommerfeld
Schnitt Helga Stumpf
Besetzung

Der Film Andorra aus dem Jahr 1964 ist eine westdeutsche Verfilmung des TheaterstĂŒcks Andorra des Schweizer Dramatikers Max Frisch. Der Film wurde am 18. Oktober 1964 uraufgefĂŒhrt.

Am Vortag des Sanktgeorgstags weißelt die 19-jĂ€hrige Andorranerin Barblin das Haus ihres Vaters, des Lehrers Can, und wird vom Soldaten Paider, der ein Auge auf sie hat, mit plumpen SprĂŒchen belĂ€stigt. Die Andorraner haben Angst vor dem Nachbarvolk der „Schwarzen“, die Andorra aus Neid auf seine weißen HĂ€user ĂŒberfallen könnten. Die „Schwarzen“ sind bekannt dafĂŒr, Juden zu verfolgen und zu ermorden.

Andri, der jĂŒdische Pflegesohn des Lehrers Can, möchte Barblin heiraten und freut sich, dass er seine Stelle als KĂŒchenhilfe beim Wirt bald fĂŒr eine Tischlerlehre aufgeben kann. Andri traut sich nicht, Barblins Vater von der Verlobung zu erzĂ€hlen, da es wie Undankbarkeit aussehen könnte, wenn er die Tochter seines Pflegevaters verfĂŒhrt. Doch auch in Andorra ist Andri mit antisemitischen Vorurteilen konfrontiert. Im Verlauf der Handlung werden die Aussagen der Beteiligten eingespielt, die sich unschuldig am spĂ€teren Schicksal Andris wĂ€hnen; einzig Pater Benedikt wird sich fragen, ob er nicht auch Mitschuld an den Vorkommnissen trĂ€gt.

Als Lehrer Can mit dem Tischler Prader ĂŒber eine Tischlerlehre fĂŒr Andri verhandelt, stellt der Tischler eine hohe Geldforderung fĂŒr die Lehre und meint, Andri solle lieber VerkĂ€ufer werden. WĂ€hrend des GesprĂ€chs fĂ€llt Lehrer Can ein Pfahl mit Strick auf, der kurz vorher noch nicht dastand. Soldat Paider lĂ€sst Andri auf plumpe Art und Weise seinen Antisemitismus spĂŒren. Als Tischler Prader Andri unterstellt, einen mangelhaften Stuhl gezimmert zu haben, begehrt Andri auf. Geselle Fedri kennt die Wahrheit, schweigt aber. Prader weist Andri nun die Verantwortung fĂŒr die Bestellungen zu, da diese TĂ€tigkeit fĂŒr ihn besser geeignet sei. Auch Doktor Ferrer, der im Ausland Karriere machen wollte und dann nach Andorra zurĂŒckgekehrt ist, um Amtsarzt zu werden, verĂ€rgert Andri mit einer antisemitischen Äußerung.

Schließlich fasst Andri Mut und hĂ€lt bei Lehrer Can um Barblins Hand an. Erschrocken lehnt Lehrer Can Andris Anliegen ab. In einem SelbstgesprĂ€ch von Lehrer Can erfĂ€hrt der Zuschauer, dass Andri sein Sohn ist und Andri und Barblin somit Halbgeschwister sind. Als Andri des Nachts vor Barblins TĂŒr liegt und aus dem Schlaf erwacht, erscheint Can und versucht, Andri zu erklĂ€ren, dass er sein Sohn ist, findet bei Andri aber kein Gehör. Als Andri zu Barblin will, erscheint Paider. Andri nimmt an, Barblin sei ihm untreu geworden. In Wahrheit wurde Barblin von Paider vergewaltigt.

Andri sucht bei Pater Benedikt Rat in seiner Verwirrung um seine IdentitĂ€t. Der Pater versucht zu helfen, hat dabei aber nur mĂ€ĂŸigen Erfolg, als schließlich auch er Vorurteile Ă€ußert. Am Ende rĂ€t der Pater Andri, sich selbst anzunehmen.

In einer Diskussion um einen möglichen Angriff der „Schwarzen“ auf Andorra hĂ€lt Doktor Ferrer einen solchen fĂŒr unmöglich, da Andorra in der Welt beliebt sei. Kurz darauf trifft die Senora, eine „Schwarze“, ein. Als Soldat Paider und seine Freude Andri provozieren und schließlich auf ihn einschlagen, kann die Senora Schlimmeres verhindern. Die Senora ist Andris Mutter und lĂ€sst sich von Andri zu Lehrer Can bringen. Als sie eine ErklĂ€rung verlangt, warum Lehrer Can die LĂŒge vom „jĂŒdischen Pflegesohn“ in die Welt gesetzt hat, erklĂ€rt sich Lehrer Can bereit, die Wahrheit öffentlich zu machen. Auch Pater Benedikts Versuch, Andri ĂŒber seine wahre IdentitĂ€t aufzuklĂ€ren, schlĂ€gt fehl, da Andri an seiner IdentitĂ€t als Jude festhĂ€lt, die ihm die ganze Zeit ĂŒber von seinem Umfeld suggeriert worden war.

In der Zwischenzeit fĂ€llt die Senora, die fĂŒr eine „Spitzelin“ gehalten wird, einem Steinwurf zum Opfer. Durch die Falschaussage des Wirtes, des wahren Steinewerfers, wird Andri fĂŒr den TĂ€ter gehalten. Als die „Schwarzen“ Andorra angreifen, geben die Andorraner ihre Waffen ab und biedern sich den „Schwarzen“ an. Lehrer Can versucht ein letztes Mal – jedoch vergeblich –, Andri von der Wahrheit zu ĂŒberzeugen.

Obwohl Andri Barblin ihre angebliche Untreue vorwirft, versucht sie, ihn vor der Verfolgung als angeblicher Jude zu retten. Andri wird von Soldat Paider und seinen Kumpanen abgefĂŒhrt; ihm droht die „Judenschau“. Kurz vor Beginn der „Judenschau“ versucht Lehrer Can – wiederum vergeblich –, den Andorranern die Wahrheit zu sagen. In der „Judenschau“ wird Andri als Jude identifiziert; auch diesmal hört niemand auf Lehrer Cans Beteuerungen. Andri wird der Finger mit dem Ring der Senora, den diese ihm bei ihrem Abschied geschenkt hatte, abgehackt; er selbst wird hingerichtet.

Nach den Geschehnissen erhĂ€ngt sich Lehrer Can im Lehrerzimmer, Barblin verliert vor Verzweiflung den Verstand und weißelt den Schauplatz der „Judenschau“.

Produktion und Ausstrahlung

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Der Film wurde 1964 im Studio Hamburg fĂŒr den Norddeutschen Rundfunk produziert. Er ist eine Fernsehfassung des TheaterstĂŒcks Andorra in der Inszenierung von Kurt Hirschfeld, die am 2. November 1961 im Schauspielhaus ZĂŒrich uraufgefĂŒhrt wurde. Auch die Darsteller sind diejenigen der ZĂŒrcher UrauffĂŒhrung. Fernsehregie fĂŒhrte Gert Westphal, der gleichzeitig auch die Rolle des Jemand spielte. Der Film wurde am 18. Oktober 1964 in der ARD und auf SF DRS ausgestrahlt.[1]

Die Kritik lobte den Film.[2] Joachim Holm beschrieb Andorra in der Anderen Zeitung als „Max Frisch bestes StĂŒck“, „ein konsequentes AufklĂ€rungsstĂŒck“, wie es von Bertolt Brecht abgesehen „bisher keinem deutschsprachigen Dramatiker geglĂŒckt ist“. Dabei habe die Fernsehumsetzung die Wirkung noch gesteigert: „Es ist erstaunlich, dass das StĂŒck vom Bildschirm her zwingender wirkte als auf der BĂŒhne.“[3]

Auch aus heutiger Sicht hĂ€lt Sabine Wolf den Film fĂŒr sehenswert, da er „ganz im Sinne Frischs zustande gekommen“ sei, der intensiv an Kurt Hirschfelds UrauffĂŒhrung mitgearbeitet hatte.[4]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Luis Bolliger (Hrsg.): jetzt: max frisch. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-39734-6, S. 154, 337.
  2. ↑ Gerhard P. Knapp, Mona Knapp: Max Frisch: Andorra. 7. Auflage. Diesterweg, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-425-06071-6, S. 42.
  3. ↑ Joachim Holm, Die Andere Zeitung, 20. Oktober 1964. Zitiert nach: Gerhard P. Knapp, Mona Knapp: Max Frisch: Andorra. 7. Auflage. Diesterweg, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-425-06071-6, S. 49–50.
  4. ↑ Sabine Wolf: Andorra von Max Frisch: LektĂŒreschlĂŒssel mit Inhaltsangabe, Interpretation, PrĂŒfungsaufgaben mit Lösungen, Lernglossar. Philipp Reclam jun., Ditzingen 2018, ISBN 978-3-15-015459-5, Kapitel Verfilmungen.