August Tonnar

August Tonnar (* 27. August 1827 in Eupen; â 24. Mai 1909 ebenda) war ein deutscher Bierbrauer sowie Dialektforscher und Heimatdichter im preuĂisch verwalteten Eupen.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]August Tonnar war das sechste Kind des Brot- und ObsthĂ€ndlers Arnold Lambert Tonnar und seiner Ehefrau, Maria Elisabeth, geborene Hoen, sowie Bruder des in DĂŒlken tĂ€tigen Ingenieurs und Unternehmers Felix Tonnar (1829â1912).[1] August Tonnar, der durch den frĂŒhen Tod seiner Mutter mit sieben Jahren Halbwaise wurde, erlernte nach seinem Schulbesuch das Brauereihandwerk bei verschiedenen Brauereien in MĂŒlheim, Erkelenz und in Bonn. AnschlieĂend ging er von 1848 bis 1849 auf Wanderschaft und vertiefte seine Kenntnisse an groĂen Brauereien in MĂŒnchen, Wien und Budapest sowie in Oberitalien und in der Schweiz.

Nachdem sein Vater 1852 mehrere zusammenhĂ€ngende HĂ€user an der Ecke HookstraĂe/Werthplatz in Eupen erworben hatte, darunter auch das aus dem 17. Jahrhundert stammende und heute unter Denkmalschutz stehende Haus Werthplatz 2, spĂ€ter Haus Tonnar genannt[2], richtete August Tonnar dort zunĂ€chst eine eigene Brauerei mit einer kleinen GaststĂ€tte ein. Bereits zwei Jahre spĂ€ter erweiterte er den Betrieb um ein gröĂeres Restaurant im gleichen GebĂ€udekomplex, genannt âHarmonieâ, mit Gartensaal, Billardsaal und Kegelbahn sowie um eine KleinkunstbĂŒhne fĂŒr Musik- und Unterhaltungsabende. Auftritte von lokalen Ensembles und internationalen GĂ€sten, beispielsweise aus dem Zillertal und der Steiermark, machten Tonnars Lokal zu einem Kulturzentrum fĂŒr Eupen.
Ab 1859 verpachtete Tonnar sein Restaurant und widmete sich vorrangig seiner Brauerei und der Entwicklung neuer Brauereimaschinen. Zwei Jahre spĂ€ter gelang ihm der Durchbruch und er erhielt in England, in PreuĂen und mehreren anderen deutschen Staaten, darunter am 25. Juli 1861 durch den König von Bayern, Maximilian II. Joseph, das Patent fĂŒr eine neue von ihm entwickelte Malzdarr- und Reinigungsmaschine.[3] Die Maschinenfabrik Breslau erhielt daraufhin von Tonnar die Rechte, 60 Maschinen dieses Typs anzufertigen, wobei die erste an die Brauerei Sedlmayr in MĂŒnchen, das heutige SpatenbrĂ€u, ausgeliefert wurde. Der bestens laufenden eigenen Brauerei fĂŒgte er spĂ€ter, im Jahr 1881, eine Kaffeerösterei hinzu.
Im Jahr 1867 ĂŒbernahm Tonnar die Leitung seines Restaurantbetriebes wieder selber und erweiterte den Komplex um einen groĂen Festsaal. Jetzt konnte er im wöchentlichen Rhythmus gröĂere Musik- und Theaterensembles aufbieten, darunter neben ortsansĂ€ssigen Gruppen mehrfach auch das Opern- und Schauspiel-Ensemble des Theater Aachens und das Musikcorps des Infanterie-Regiments âvon Goebenâ (2. Rheinisches) Nr. 28. DarĂŒber hinaus stellte Tonnar seinen Festsaal als eine Art âVolkshochschule des 19. Jahrhundertsâ fĂŒr seine Eupener Bevölkerung zur VerfĂŒgung und organisierte VortrĂ€ge von namhaften Professoren und Dozenten zu aktuellen Themen der Zeit. Höhepunkt seiner Arrangements war 1885 der Auftritt einer Abordnung des Zirkus Sanger & Barnum, der seine Zelte auf der Festwiese hinter dem Gartensaal aufschlug.
Bereits ab 1870 begann Tonnar damit, selber TheaterstĂŒcke, Texte, Gedichte, Lieder und Couplets zu schreiben und sie in seinem Saal auffĂŒhren zu lassen. Mehr als 150 Einzelwerke kamen in den folgenden Jahrzehnten zusammen, darunter am bekanntesten das Drama in fĂŒnf AufzĂŒgen Das Ende der Herrschaft Stockem. Nachdem er im April 1898 seine gesamten Unternehmen an Matthias Joisten ĂŒbertragen hatte, zwecks spĂ€terer Ăbernahme ab 1908 durch Tonnars Schwiegersohn Ferdinand Neuhaus, widmete sich August Tonnar verstĂ€rkt dem Studium des Eupener Dialekts und brachte 1899 zusammen mit Wilhelm Evers das Wörterbuch der Eupener Sprache mit rund 6.000 Stichwörtern in Platt-Hochdeutsch heraus. 2013 kam es durch Siegfried Theissen mit dem Werk Neues Wörterbuch der Eupener Mundart zu einer Neuauflage dieses Werkes mit mittlerweile 10.000 Stichwörtern, diesmal zusĂ€tzlich auch in Hochdeutsch-Platt. In den Jahren 1900 und 1902 brachte Tonnar in zwei BĂ€nden noch die gebundenen Ausgaben seiner gesammelten und selbst getexteten Lieder und Gedichte im Eupener Platt heraus.
Bis kurz vor seinem Tod am 24. Mai 1909 nahm August Tonnar noch am gesellschaftlichen Leben Eupens teil. Er war seit 1865 verheiratet mit Sabine Zervais (* 1834), mit der er die Töchter Sabine (* 1866) und Juliane (* 1868) bekam.
August Tonnar gehörte zahlreichen Vereinen und VerbÀnden Eupens an, darunter dem Gewerbeverein und als Ehrenmitglied dem Eupener Turnverein und der Eupener Liedertafel.
Nach August Tonnar wurde in Eupen eine StraĂe benannt sowie das alte Stammhaus am Werthplatz und das im Jahr 2000 in dessen Anbau eingerichtete Einkaufszentrum, heute in Eupen Plaza umbenannt. DarĂŒber hinaus gedenkt die Stadt Eupen seiner mit der August-Tonnar-Plakette, mit der Persönlichkeiten geehrt werden, die sich um das lokale und kulturelle Leben verdient gemacht haben. DarĂŒber hinaus wurden anlĂ€sslich seines 100. Todestages zahlreiche Werke Tonnars vom Sender BRF aufgefĂŒhrt und ausgestrahlt.[4] Ebenso wurde bei der 800-Jahr-Feier Eupens im Jahr 2013 im Sender BRF neben vielen anderen auch an August Tonnar erinnert[5] und zum Abschluss der Feierlichkeiten sein TheaterstĂŒck âMejspektakel öm 1820â aufgefĂŒhrt.[6]
TheaterstĂŒcke
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Im Biwak von Metz, TheaterstĂŒck, Eupen 1870
- Die Verlobungen in der Cisterne, Lustspiel, Eupen 1871
- Die 25er im Elsass, Schauspiel, Eupen 1873
- En Mejnaht Ă€n ĂĂŒpen Ă€ frĂ¶ĂŒgere Tiet, Lokalposse, Eupen 1881
- Das Ende der Herrschaft Stockem. Ein vaterstĂ€dtisches Drama in 5 AufzĂŒgen, Als Buch erschienen 1889. ErstauffĂŒhrungen in Eupen am 13., 20. und 27. MĂ€rz 1898
Schriften (Auswahl)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- August Tonnar und Wilhelm Evers: Wörterbuch der Eupener Sprache. Mit sprachvergleichenden WorterklÀrungen von Wilhelm Altenburg, Erstausgabe Carl Braselmann, Eupen 1899, Neudruck M. SÀndig, Wiesbaden 1970, ISBN 3-500-21610-2.
- Leddchere Ă€nn Vertellchere Ă€n ĂĂŒpender Dötsch, Carl Braselmann, Eupen 1900.
- Gedechte Ă€n Ăupender Dötsch, Carl Braselmann, Eupen 1902.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ewald Neuhaus: August Tonnar der Eupener Heimatdichter, mit einer Einlage von Georg Scherdin, Röhrscheid, Bonn 1940
- Leo Hermanns: August Tonnar, Wegbereiter des Eupener Kulturlebens, in: Geschichtliches Eupen, Band XIV, Markus-Verlag, Eupen 1980, S. 17â37
- Robert Emondts: August Tonnar â GedĂ€chtniswort, in: Eifelkalender 1929, Eifelverein (Hrsg.), StollfuĂ, Bonn 1925â1955, S. 121/122 (Digitalisat auf dilibri.de)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â GrabstĂ€tte der Familie Tonnar
- â Haus Tonnar, Eupen
- â Die patentierte Malzdarr- und Reinigungsmaschine von A. Tonnar in Eupen. In: Polytechnisches Journal. 169, 1863, S. 261â266.
- â Gedenkveranstaltung fĂŒr August Tonnar im BRF am 25. September 2009
- â Pressemitteilung des BRF zur 800-Jahr-Feier Eupens vom 19. April 2013 ( des vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â âMejspektakel öm 1820â nach August Tonnar ( des vom 22. Dezember 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Mitteilung auf grenzecho.net vom 14. MĂ€rz 2014. Abgerufen am 30. Dezember 2015
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tonnar, August |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Bierbrauer, Dialektforscher und Heimatdichter in Eupen |
| GEBURTSDATUM | 27. August 1827 |
| GEBURTSORT | Eupen |
| STERBEDATUM | 24. Mai 1909 |
| STERBEORT | Eupen |