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Automatic Voice Network

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Eine AUTOVON-Telefontastatur mit den vier Bevorrechtigungs-Stufen

Das Automatic Voice Network (AUTOVON) war ein weltweites militĂ€risches Telefonnetz der USA. Der Aufbau des Systems startete im Jahr 1963 auf Basis des existierenden Switch Communications Automated Network (SCAN) der US Army. Im Juni 1966 wurde das Air Defense Command-Telefonnetz in das neue System ĂŒberfĂŒhrt.[1] 1969 wurden AUTOVON-Vermittlungsstellen im Vereinigten Königreich und spĂ€ter anderen europĂ€ischen Staaten, in Asien, dem mittleren Osten und Panama eröffnet. Es war ein Hauptbestandteil des Defense Communications System (DCS) und fĂŒr die Bereitstellung von nicht-gesicherten automatisch vermittelten Sprachdiensten zustĂ€ndig. Das System wurde in den frĂŒhen 1990er Jahren durch das Defense Switched Network ersetzt.

AUTOVON nutzte eine Kombination aus exklusiv verlegten Leitungen und solchen, welche bei AT&T und kleinen, unabhĂ€ngigen Telefongesellschaften angemietet wurden. Die Leitungen waren an Vermittlungsstellen angeschlossen, welche abseits von anderen zivilen oder militĂ€rischen Zielen gebaut wurden. In den USA wurden hierfĂŒr hauptsĂ€chlich L-carrier Coaxialkabel-Multiplexer verwendet, welche durch AT&T gebaut wurden. AT&T verwendete ÜberkapazitĂ€ten auch, um zivile Weitverkehrsverbindungen abzuwickeln. Auch wenn sie heute ungenutzt sind, existieren einige der Kabel heute noch und ihre Routen sind auf Satellitenfotos zu erkennen. Die Inhalte des Netzes wurden – neben Erdkabeln – auch ĂŒber andere Medien ĂŒbertragen, inklusive Mikrowellen-Links, Freileitungen und – kurz vor Ablösung des Systems – Glasfaserkabeln. Im Gegensatz zu Geschichten ĂŒber betonierte KanĂ€le wurden die Kabel in Wirklichkeit meist direkt in der Erde verlegt und waren nur durch eine Ölschicht geschĂŒtzt.

Die meisten Repeater-GebĂ€ude wurden an private Investoren verkauft, um damit bestehende KapazitĂ€ten zu verstĂ€rken oder sie in TelekommunikationsrĂ€ume umzubauen etc. AT&T ließ unterirdische Teile vor dem Kauf auffĂŒllen, es sei denn, sie verkauften an ein großes Unternehmen. Mit ein paar Ausnahmen wurden auch die Knotenpunkte des AUTOVON-Netzwerkes verkauft. Meist war hierbei die Technik komplett ausgebaut, auch wenn der Knotenpunkt in Mounds, Oklahoma mit dem gesamten Equipment verkauft wurde.

Als Vermittlungsstellen wurde am Anfang eine 4-Ader-Version des 5XB switch verwendet, welcher in den frĂŒhen 1970ern durch den vielseitigeren 1ESS switch ersetzt wurde, nachdem dieser seine ZuverlĂ€ssigkeit beweisen konnte.

Multilevel precedence and preemption

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Das AUTOVON-System stellte eine Funktion zum Unterbrechen und Erzwingen von GesprĂ€chen bereit, welche sich multilevel precedence and preemption (MLPP) nannte. Im öffentlichen Telefonnetz konnte es passieren, dass eine Leitung zwischen Anrufer und angerufenem nicht zur VerfĂŒgung stand und daher das GesprĂ€ch nicht hergestellt wurde. Der Anrufer bekam dann eine spezielle Form des Besetztzeichens („reorder tone“). In einem militĂ€rischen Telefonnetz war ein solches Verhalten nicht akzeptabel, da manche Telefonate keinen Aufschub duldeten.

Daher bekam AUTOVON vier Bevorrechtigungs-Stufen: Routine, Priority, Immediate und Flash, außerdem gab es eine ĂŒbergeordnete Stufe mit der Bezeichnung Flash Override. Diese Stufen wurden durch Tasten in einer zusĂ€tzlichen Spalte auf dem Nummernschalter aktiviert, durch welche die DTMF Signale A, B, C und D erzeugt wurden:

  • A (679 und 1633 Hz): Flash Override (FO)
  • B (770 und 1633 Hz): Flash (F)
  • C (852 und 1633 Hz): Immediate (I)
  • D (941 und 1633 Hz): Priority (P)

Routine war die Stufe ohne PrioritĂ€t und benötigte kein spezielles Signal – der Benutzer musste einfach nur die Telefonnummer wĂ€hlen. FĂŒr Anrufe mit PrioritĂ€t musste vor der Telefonnummer die genannte PrioritĂ€tsstufe gewĂ€hlt werden. GesprĂ€che mit einer höheren PrioritĂ€t konnten niedere GesprĂ€che unterbrechen, wenn es nötig war. Falls beispielsweise ein GesprĂ€ch mit der Vorrangstufe Flash aufgebaut wurde und auf der Route war in einem LeitungsbĂŒndel keine freie Leitung mehr vorhanden, beendete die Vermittlungsstelle ein Telefonat mit der Vorrangstufe Routine oder – falls kein solches aktiv war – einen Anruf mit der Stufe Priority oder Immediate. Nur wenn alle Leitungen bereits mit Flash oder Flash Override-Anrufen belegt waren, hörte der Anrufer ein Besetztzeichen.

Wer welche Vorrang-Stufen verwenden durfte, war Gegenstand eines komplexen Regelwerks.[2] Flash Override war nicht als Bevorrechtigungsstufe entworfen, sondern sollte dem US-PrÀsident oder anderen Mitgliedern der National Command Authority die Möglichkeit geben, im Notfall jedweden anderen Telefonverkehr zu unterbrechen.

Die Internationale Fernmeldeunion akzeptierte die MLPP-Spezifikation als Empfehlung Q.955.3 im MĂ€rz 1993.[3]

Nummerierungsplan

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AUTOVON nutzte einen Nummerierungsplan, welcher dem Nordamerikanischen Nummerierungsplan Ă€hnlich war. Das Telefonnetz hatte seine eigenen dreistelligen Gebietsnummern (Area Codes) fĂŒr diverse geografische Regionen weltweit. Jedes Gebiet war unterteilt in diverse dreistellige „exchange codes“, welche in der Regel einer Vermittlungsstelle in einer MilitĂ€reinrichtung zugeordnet waren. Dadurch konnte fast jede MilitĂ€reinrichtung direkt via AUTOVON angerufen werden. Eine ausgewĂ€hlte Anzahl an Telefonen waren Vierdraht-Telefone, welche direkt GesprĂ€che ins AUTOVON-Netz aufbauen konnten. Andere konnten AUTOVON-GesprĂ€che mit Hilfe einer Vermittlungsperson aufbauen.

Obwohl der Nummerierungsplan Ă€hnlich dem zivilen Plan war, war die Routing-Struktur – im Gegensatz zu der hierarchischen zivilen Variante – ein sehr komplexes, stark vermaschtes System. Es war am Limit der 5XB-Vermittlungsstellen, auf welchen es implementiert war. Die nicht-hierarchische Routing-Struktur war nötig, um noch jedes Ziel erreichen zu können, wenn eine grĂ¶ĂŸere Zahl von Vermittlungsstellen wĂ€hrend eines Krieges zerstört war. Dieses System inspirierte Ă€hnlich ĂŒberlebensfĂ€hige Systeme fĂŒr den Nachrichtenaustausch inklusive des spĂ€teren Internets.

Lokale Vermittlungsstellen waren ĂŒber ein paar Vermittlungsleitungen an das AUTOVON-System angeschlossen, welche man durch Wahl der Nummer 8 (oder in einigen FĂ€llen 88) erreichen konnte. Um lokal zu telefonieren, musste die 9 gewĂ€hlt werden. FĂŒr kommerzielle Weitverkehrsverbindungen – sofern unterstĂŒtzt – musste die 1 vorgewĂ€hlt werden. Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten (DoD) rechnete Verbindungen zum AUTOVON-System ĂŒber ein kompliziertes Verrechnungssystem ab, und jede Einrichtung rechnete nach lokalen Richtlinien ab.

Einzelnachweise

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  1. ↑ AT&T (1974) Events in Telephone History
  2. ↑ Copy of a 1971 "Official Global Autovon Telephone Directory"
  3. ↑ Clause 3 - Multi-Level Precedence and Preemption (MLPP) International Telecommunication Union Recommendation Q.955.3. Abgerufen am 27. Dezember 2013 (englisch).