Balangay

Balangay, auch als Balanghai bezeichnet, ist ein Langboot, das auf den Philippinen wĂ€hrend des Mittelalters als Kriegs-, Handels- und Personenschiff verwendet wurde. Elf hochseetaugliche Schiffe wurden bei Ausgrabungen in der Stadt Butuan City auf der Insel Mindanao geborgen. Diese sind als Butuan-Boote bekannt geworden und gelten als archĂ€ologisch und historisch besonders wertvoll, da der Balangay der einzige bekannte Bootstyp ist, der nur in SĂŒdostasien ĂŒber einen Zeitraum von 1.300 Jahren Verwendung fand. Das Wort Balangay entstammt der austronesischen Sprachenfamilie und bedeutet Segelboot.
Balangay-Bootstypen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die bekannten Balangaybootstypen umfassen sowohl Ruder- als auch reine Segelschiffe. Das Volk der Tau (auch Yami genannt) auf der zu Taiwan gehörenden Insel Lan Yu verwendet Balangays bis heute als Ruderboote fĂŒr den Kurzstreckenverkehr auf See. Eine Ă€hnliche Bootsform verwenden auch die Bewohner im Malaiischen Archipel, in Indonesien und Malaysia.

Die bei den archĂ€ologischen Ausgrabungen in Butuan City zu Tage geförderten Schiffe waren hingegen reine hochseetaugliche Segelschiffe. Sie waren circa 15 Meter lang, bis vier Meter breit und konnten bis zu 90 Personen befördern. Die Beplankung der Schiffe Ă€hnelt der in Europa entwickelten Kraweelbauweise. Die Boote hatten keine hohen Aufbauten, jedoch konnte ein flacher, hausĂ€hnlicher Unterstand, der ein Drittel der BootslĂ€nge entsprach, nachgewiesen werden. Der Segeltyp entsprach dem eines Lateinersegel, dem es den Schiffen ermöglichte, gegen den Wind zu kreuzen. Der Bau des Ă€ltesten Balangay konnte um das Jahr 320 n. Chr. festgelegt werden, die anderen zehn Schiffe stammen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert n. Chr. Ein ausgegrabenes Boot befindet sich im Balangay-Shrine-Museum in Butuan City, ein anderes im Nationalmuseum der Philippinen in Manila. Drei Nachbauten des Balangays befinden sich seit 2009 wieder auf hoher See und konnte bereits mehrere tausend Seemeilen zurĂŒcklegen. Diese Boote wurden auf die Namen Masawa Hong Butuan, Diwata ng Lahi und Sama Tawi Tawi getauft.
Historische Bedeutung der Balangays
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Die Funde in Butuan konnten chinesische Berichte bestĂ€tigen, wonach Kaufleute von den Philippinen in das China der Song-Dynastie segelten, um Handel zu treiben. Typische Handelsprodukte der Filipinos waren unter anderem Bienenwachs, BetelnĂŒsse, Stoffe und Perlen. Der Ă€lteste dieser Berichte, aus Kanton, stammt von einem Chronisten und ist auf das Jahr 982 n. Chr. datiert. Die Kaufleute stammten von der Insel Ma-i, was den Quellen zufolge Mindoro entspricht. Andere Berichte ĂŒber philippinische Kaufleute stammen von Chronisten der Yuan-Dynastie und Ming-Dynastie. Ăbereinstimmend berichten die chinesischen Quellen, dass die philippinischen Kaufleute mit eigenen Schiffen nach China gelangten, den Balangays. Zwei weitere Schiffe dieser Bauart wurden auf Sumatra und der malaiischen Halbinsel gefunden. Dieses deutet darauf hin, dass dieser Bootstyp auf Handelsrouten in ganz SĂŒdostasien in Gebrauch war.
Historische Berichte ĂŒber Balangays
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die ersten historischen Berichte ĂŒber den Schiffstyp des Balangay stammen ausnahmslos von spanischen Chronisten. Der erste stammt aus dem Jahr 1521 vom Chronisten Antonio Pigafetta, welcher der Expedition des Ferdinand Magellan angehörte. Er schrieb: âWir trafen auf zwei Balanghai genannte Schiffe, die voller MĂ€nner waren. Auf einem der beiden residierte ein König mit seinem Gefolgeâ. Ein anderer entstand 1542 von Ruy LĂłpez de Villalobos. Weitere spanische Dokumente legen nahe, dass im 16. Jahrhundert Balangays von den Philippinen auch nach Borneo, Thailand und Japan segelten. Im 17. Jahrhundert starb der Bootstyp dann jedoch aus, da Filipinos keine eigenen hochseetauglichen Schiffe mehr besitzen durften. Auch waren die spanischen Karavellen leistungsfĂ€higer und konnten mehr Ladung aufnehmen.
Soziologische Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der vorkolonialen Zeit war das Wort Balangay nicht nur eine Bezeichnung fĂŒr Boote und Segelschiffe auf den Philippinen. Das Wort bezeichnete auch ein Dorf oder einen Familienclan, der an der KĂŒste siedelte und circa 30 bis 100 Familien umfassen konnte. Diesem stand ein Datu vor. Aus dem Begriff wurde von den Spaniern der Begriff Cabeza de Barangay abgeleitet, bevor sich die bis heute verwendete Kurzform Barangay aus diesem entwickelte.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- R. Stead, E. Dizon: A National Cultural Treasure Revisited â Re-assessing the âBalangayâ Boat Discoveries PDF-Datei (englisch, Archivlink)
- The Voyage of the Balangay Website (englisch)