Blattfedergabel
Die Blattfedergabel ist eine Bauart der Vorderradgabel am Motorrad. Die erste Blattfedergabel stammt vom belgischen Hersteller Minerva, der diese Konstruktion 1905 vorstellte.[1] Das Reiben der FederblÀtter der Blattfeder aneinander dÀmpft die Bewegung.
Teils wurde das DĂ€mpfen der Vorderrad-Schwingungen nicht allein der inneren Reibung der Blattfedern ĂŒberlassen, sondern mit seitlichen Reibscheiben eine zusĂ€tzliche, ĂŒber Spannschrauben einstellbare DĂ€mpfung installiert.
Die eingeschrĂ€nkten Federungs- und DĂ€mpfungseigenschaften solcher Konstruktionen wurden mit zunehmenden Motorleistungen und Geschwindigkeiten â bei fortdauernd schlechten StraĂen und noch nicht vorhandenen Autobahnen â zusehends gefĂ€hrlich. Prominentes Beispiel ist die BMW R 16, deren OHV-gesteuerter Motor mit 33 PS Geschwindigkeiten von mehr als 130 km/h ermöglichte â auf den StraĂen der frĂŒhen 1930er-Jahre eine extrem gefĂ€hrliche Angelegenheit, die Leistung der Maschine auszunutzen. Kuriere des NSKK fuhren â teils nachts â zwischen Berlin und MĂŒnchen mit solchen MotorrĂ€dern und verunglĂŒckten bei extremer Fahrweise öfter. Die EinfĂŒhrung der ersten hydraulisch gedĂ€mpften Teleskopgabel des ansonsten gleich gebliebenen Nachfolgemodells BMW R 17 (ab 1936) erhöhte deutlich die FahrstabilitĂ€t.
Die Blattfederung sieht man meist an alten MotorrÀdern mit gezogener Kurzschwinge, daneben sind auch geschobene Schwingen mit Blattfederung bekannt.
Blattfedern wurden an MotorrĂ€dern auch fĂŒr die Hinterradfederung verwendet.
Technik und Anwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Blattfedergabel wird das Vorderrad an kurzen Schwingarmen, unterstĂŒtzt von einer senkrecht stehende Hilfsgabel, gefĂŒhrt. Auf die Hilfsgabel wirkt eine viertelelliptische Blattfeder, die unter dem Gabelschaft eingespannt ist.
Bei Minerva waren in den Scheiden der Hilfsgabel zusĂ€tzliche Federn eingebaut.[1] Sie war an der Hauptgabel in einer GradfĂŒhrung verschiebbar gelagert.
In gröĂeren StĂŒckzahlen wurde die Blattfedergabel mit gezogener Kurzschwinge an der Hauptgabel bei Indian von 1910 bis 1946 gebaut; die Blattfedergabel war ein typisches Erkennungsmerkmal von Indian-MotorrĂ€dern.[2]
BMW baute Blattfedergabeln mit gezogener Kurzschwinge von 1923 bis 1936, bis zur EinfĂŒhrung der Teleskopgabel.
- Zeichnung aus US-Patent US1101435
- Zeichnung aus US-Patent US1101435
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Oskar Koch: Der heutige Stand der MotorfahrrĂ€der. In: Polytechnisches Journal. 321, 1906, S. 294â298.
- â Jerry Hatfield: Indian. Schrader Verlag, 1994, ISBN 3-921796-17-2, S. 20