Zum Inhalt springen

Bullaun

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Der Bullaun Lydacan

Bullaun (irisch bullĂĄn oder bollĂĄn – von englisch bowl; oder französisch bol – dt. SchĂŒssel) ist der irische Name fĂŒr einen Steinbrocken oder tragbare Steine mit einem oder mehreren runden, von Menschenhand geformten Löchern. Sie werden manchmal als heilige Quellen angesprochen.[1]

UrsprĂŒnglich bezeichnete ballĂąn oder bullĂĄn in Connacht runde Löcher in Felsen, die oft mit Wasser gefĂŒllt waren. Der Begriff steht auch fĂŒr kleines Loch, Milchkanne oder TrinkgefĂ€ĂŸ. FrĂŒhe Antiquare verwendeten den Begriff lose, sei es fĂŒr SchĂ€lchensteine, sei es fĂŒr Steinschalen in MegalithgrĂ€bern.[2] Im 19. Jahrhundert war der Begriff rock basin, also „Felsschale“, fĂŒr die heute als Bullauns bezeichneten GegenstĂ€nde gelĂ€ufiger.[3]

Falkiner nahm an, dass Bullauns durch Gletscher entstanden und verweist auf seine diesbezĂŒglichen Beobachtungen im Gletschergarten Luzern.[4]

Corlett weist darauf hin, dass der Begriff Bullaun schlecht definiert ist und fordert eine Unterteilung in verschiedene Varianten, etwa bedrock mortar fĂŒr Aushöhlungen in gewachsenen Fels und stone mortar fĂŒr solche in tragbaren Einzelsteinen.[3] Einzelne Bullauns haben auch konische Löcher.[3]

Andere Namensbedeutungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Nach Mills kann Bullaun einen runden HĂŒgel bezeichnen, wie in dem Ortsnamen BallĂĄn in Galway.[5]

Bullauns dienten zum Mahlen oder Zermalmen.[6] Aushöhlungen im gewachsenen Fels dienten als Mörser.[3] Tragbare Steine mit runden Aushöhlungen können auch zum Zerkleinern von Erz gedient haben.[7] Dies hĂ€lt Corlett besonders bei Bullauns mit konischen Löchern fĂŒr wahrscheinlich.[3] Manchmal wird eine Verwendung von Bullauns als Taufbecken angenommen, Ray hĂ€lt dies aber fĂŒr unwahrscheinlich.[8] Collins nimmt unter Berufung auf volkskundliche Quellen an, dass einige Bullauns zur Verarbeitung von Stechginster dienten.[9] Auch Farbstoffe könnten hier zerkleinert worden sein.[10] In Schottland wurden bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Ă€hnliche Steine als Getreidemörser benutzt.[10]

Bullauns können prinzipiell aus jeder Zeitperiode stammen.[3] Es ist unklar, auf wen die Datierung in die „heidnische Vorzeit“ zurĂŒckgeht. Bereits Falkiner lehnt sie als unbelegt ab und nimmt einen natĂŒrlichen Ursprung an.[4] Nach dem irischen Sites and Monuments Record datieren Bullauns vorwiegend ins FrĂŒhmittelalter, d. h. ins 5. bis 12. Jahrhundert.[10]

Im irischen Denkmalregister[11] sind 995 Bullauns verzeichnet, 95 in der nordirischen Liste,[12] darunter sieben zweifelhafte.[2] Besonders zahlreich sind sie in der Provinz Leinster und dort in den Grafschaften Carlow (Busherstown) und Wicklow (Glendalough). In Glendalough selbst gibt es ĂŒber 30 Bullauns[13]. Im Burren werden sie unter anderem in Erdbefestigungen (caher) gefunden.[14] Die Bullans in der Grafschaft Wicklow befinden sich fast alle im gewachsenen Granitfelsen.[3]

FrĂŒhchristliche Periode

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Viele Bullauns wurden in der NĂ€he von frĂŒhchristlichen Kirchen und Klöstern gefunden und wurden daher vielleicht fĂŒr religiöse Zwecke verwendet.[10]

Ein Bullaun wird daher heute oft als Indiz fĂŒr eine verschwundene Kirche betrachtet.[15]

Mehrfach-Bullauns

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Dreifach-Bullaun von Clonmore, Grafschaft Carlow

Bullauns im gewachsenen Felsen können bis zu sechs Löcher haben.[3]

  • Doppelt-Bullaun in Park, Grafschaft Waterford.[16]
  • St MobhĂ­, Rusheens, Grafschaft Mayo, Felsen mit drei runden Aushöhlungen in einer Reihe.[17]
  • Dreifach-Bullaun in einem gewachsenen Felsen in Rathdrum.[18]
  • Dreifach-Bullaun in einem lĂ€nglichen Felsen, Clonmore, County Carlow.
  • Sechsfach Bullaun in Kilbeg.[19]
  • „Ninehole Stone“ (OF017-018), Meelaghan townland, Co. Offaly, Felsen mit 10 Löchern.[10]
  • Der Bullaun im St. Bridget's stone in Termon bei Blacklion, Kirchspiel von Killinagh in der Grafschaft Cavan hat neun runde Löcher mit Steinen darin, er wurde als Fluchstein verwendet.[20]

Einzelbeispiele

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Killina westlich von Tullamore in der Grafschaft Offaly liegen nahe beieinander eine Heilige Quelle, ein Mass Rock und ein Bullaun. Bei der Kirche von Toureen Peacaun in der Grafschaft Tipperary umschließt der niedrige Steinkreis Beakan’s Cell mit vier Metern Durchmesser zwei Bullauns. Der grĂ¶ĂŸere ist unregelmĂ€ĂŸig und scheint nicht zum Mahlen genutzt worden zu sein. Vor dem aufrechten Saint Brigid's Stone im County Laois liegt ein „Kneeling stone“, auf dem gekniet und gebetet wurde, bevor der Stein gekĂŒsst wurde.

Bullauns gibt es auch in England, Cornwall, Wales und Schottland, Frankreich (pierres Ă  bassin[21] oder pierre Ă  cupule) und Litauen bei Zarasai (Akmuo su debeniu, Ć ilalės Aukuro akmuo, LĆ«ĆŸĆł akmuo su dubeniu).

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Celeste Ray: The Origins of Ireland’s Holy Wells. Archaeopress, Oxford 2014, ISBN 1-78491-044-9, S. 65.
  2. 1 2 Brian Dolan: ‘Mysterious waifs of time‘: some thoughts on the functions of Irish bullaun stones. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Band 142/143, 2012/2013, S. 42–58, hier S. 42, JSTOR:24892509.
  3. 1 2 3 4 5 6 7 8 Chris Corlett: Life is a Grind. In: Archaeology Ireland. Band 23, Nummer 2, 2009, S. 32–33, JSTOR:20617992.
  4. 1 2 William F. Falkiner: Bullaun. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Series 5, Band 16 = Band 36, Nummer 4, 1906, S. 420–421, JSTOR:25507561.
  5. ↑ Bullaun. In: Anthony D. Mills: A Dictionary of British Place Names. Revised edition. Oxford University Press, Oxford 2011, ISBN 978-0-19-960908-6.
  6. ↑ „could have served any number of functions related to crushing or grinding“. Chris Corlett: Life is a Grind. In: Archaeology Ireland. Band 23, Nummer 2, 2009, S. 32–33, JSTOR:20617992.
  7. ↑ Vgl. Brian Dolan: ‘Mysterious waifs of time‘: some thoughts on the functions of Irish bullaun stones. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Band 142/143, 2012/2013, S. 42–58, JSTOR:24892509.
  8. ↑ Celeste Ray: The Origins of Ireland’s Holy Wells. Archaeopress, Oxford 2014, ISBN 1-78491-044-9, S. 91.
  9. ↑ J. F. Collins: Bullauns – relict agricultural processing utensils? In: Archaeology Ireland. Band 27, Nummer 3, 2013, S. 9–11, JSTOR:41982494.
  10. 1 2 3 4 5 Matt Kelleher, Caimin O’Brien: Between a Rock and a Hard Place. In: Archaeology Ireland. Band 22, Nummer 3, 2008, S. 8–9, hier S. 9, JSTOR:20617926.
  11. ↑ National Monuments Database.
  12. ↑ Northern Ireland Sites and Monuments Record.
  13. ↑ Liam Price: Rock-Basins, or „Bullauns“, at Glendalough and elsewhere. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Band 89, Nummer 2, 1959, S. 161–188, JSTOR:25509363.
  14. ↑ Thomas J. Westropp: Prehistoric Remains in the Burren, County Clare (Carran, and Kilcorney). In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Series 5, Band 8 = Band 28, Nummer 4, 1898, S. 352–366, hier S. 355, JSTOR:25508557.
  15. ↑ Seán Duffy (Hrsg.): Medieval Ireland. An Encyclopedia (= Routledge Encyclopedias of the Middle Ages. 10). Routledge, New York NY u. a. 2005, ISBN 0-415-94052-4, S. 253.
  16. ↑ P. Lyons: Double-Bullaun at Park, Parish of Rathgormuck, Co. Waterford. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Band 78, Nummer 2, 1948, S. 178, JSTOR:25510661.
  17. ↑ Celeste Ray: The Origins of Ireland’s Holy Wells. Archaeopress, Oxford 2014, ISBN 1-78491-044-9, Abb. 11.
  18. ↑ Bullaun-Stone at Rathdrum. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Series 6, Band 3 = Band 43, Nummer 2, 1913, S. 170, JSTOR:25517383.
  19. ↑ David McGuinness, Markus Redmond: Two Bullaun Stones in Kilbeg Townland, County Wicklow. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Band 125, 1995, S. 129–131, JSTOR:25549793.
  20. ↑ Liam Price: Rock-Basins, or „Bullauns“, at Glendalough and elsewhere. In: The Journal of the Royal Society of Antiquaries of Ireland. Band 89, Nummer 2, 1959, S. 161–188, hier S. 166, JSTOR:25509363.
  21. ↑ Roger Mathieu: Le mystùre des pierres à bassins. Éditions Per Lous Chamis, Yssingeaux 1984.