Conwip
ConWIP (Constant Work-In-Process) nennen Wallace J. Hopp und Mark L. Spearman eine Methode der Produktionssteuerung.[1] Produktionssysteme werden prinzipiell nach einem Pull- oder einem Push-System angesteuert. Hopp und Spearman definieren Push-Systeme als Produktionssysteme, in denen ProduktionsauftrĂ€ge gemÀà der Nachfrage neu ausgelöst werden, wĂ€hrend in Pull-Systemen der Auftrag auf der Basis eines Systemzustands ausgelöst wird[1.1]. In Push-Systemen steuert also ein Plan auĂerhalb des Produktionssystems die Auslösung von AuftrĂ€gen an. In Pull-Systemen ist der Auslöser ein Zustand im System selbst. In CONWIP-Systemen ist der Auslöser, wenn ein Auftrag das System verlĂ€sst. Es wird also nur dann ein neuer Auftrag in das System aufgenommen, wenn ein Auftrag das System verlĂ€sst. Dadurch ist die Anzahl der AuftrĂ€ge im System und damit WIP relativ konstant.
Im Unterschied zu anderen Verfahren werden nicht primĂ€r Termine gesteuert, sondern die Höhe des Materialbestands in der Produktion. Dieser Materialbestand wird weitgehend konstant gehalten. Die durchschnittlichen Durchlaufzeiten bleiben so weitgehend stabil. Diese Produktionssteuerung ist sehr einfach. Das Verfahren Ă€hnelt Kanban, welches NachfĂŒllprozesse steuert. Im Unterschied zu diesem wird aber nicht in einer Kette von Station zu Station ein Bestand verfolgt, sondern von definierten Start- und Endpunkte ĂŒber mehrere Stationen hinweg.
Steuerungsprinzip
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In einem logistischen System, z. B. in einer Montagelinie, steigt oder fĂ€llt die Durchlaufzeit eines Produktionsauftrags proportional zur Höhe des Bestands, der sich aktuell im System befindet (Littles Gesetz). Diesen Zusammenhang nutzt ConWIP. Mit ConWIP wird der Bestand innerhalb eines logistischen Systems konstant gehalten. Ăhnlich dem Kanban Verfahren werden dazu Karten (ConWIP-Karten) genutzt, entweder physisch oder elektronisch. Diese Karten reprĂ€sentieren BestĂ€nde und sind den einzelnen AuftrĂ€gen im System zugeordnet.
Typische MaĂeinheiten fĂŒr ConWIP Karten sind die Anzahl Produkte, die Anzahl AuftrĂ€ge oder auch KapazitĂ€tsstunden. Wichtig ist es, eine hohe Vergleichbarkeit zwischen den ProduktionsauftrĂ€gen herzustellen. Werden z. B. in einem Fertigungsbereich unterschiedliche Produkte mit unterschiedlichem Arbeitsinhalt hergestellt, so eignet sich beispielsweise die Einheit KapazitĂ€tsstunde besser als die Einheit StĂŒck.
In einem Prozessabschnitt der mit ConWIP gesteuert wird, wird immer erst dann ein neuer Auftrag gestartet, wenn ein anderer abgeschlossen ist und die entsprechende ConWIP Karte(n) frei wurde(n). Das gewĂ€hrleistet â unter Beachtung einiger weiterer Randbedingungen und Spielregeln, wie z. B. FIFO â weitgehend stabile Auftragsdurchlaufzeiten. Je geringer die Bestandshöhe (bis zu einer praktikablen Untergrenze) im System ist, umso kĂŒrzer ist die Durchlaufzeit eines Auftrags. Etwas idealisiert ist das die Ăbertragung der Prinzipien der FlieĂfertigung auf die WerkstĂ€ttenfertigung.
Funktion
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Komplexe ProduktionsablĂ€ufe lassen sich meist in ĂŒberschaubare, teilautonome Abschnitte gliedern. Kritisch fĂŒr den Auftragsdurchlauf sind Produktionsabschnitte, die potenzielle EngpĂ€sse darstellen, besonders solche mit wechselnden EngpasskapazitĂ€ten (Maschinen oder ArbeitsplĂ€tzen). Als ConWIP Regelkreis gestaltet, lassen sich diese Situationen beherrschen. ConWIP Regelkreise können parallel angeordnet oder hintereinander gekoppelt werden.
Kombiniert mit ergĂ€nzenden Verfahren, beispielsweise einer PrioritĂ€tensteuerung fĂŒr KundenauftrĂ€ge, kann sich die ConWIP Steuerung fĂŒr herstellende Unternehmen mit diskreter Fertigung hervorragend eignen, um einen sehr hohen Lieferservice gegenĂŒber Kunden sicherzustellen.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- H. Lödding: Verfahren der Fertigungssteuerung. Springer-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-540-20232-3.
- W. Hopp, M. Spearman: Factory Physics. McGraw-Hill Higher Education, New York 2001, ISBN 0-256-24795-1.
- Herbert Jodlbauer: Produktionsoptimierung, Wertschaffende sowie kundenorientierte Planung und Steuerung. 2. Auflage. Wien / New York 2008, ISBN 978-3-211-78140-1.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Wallace J. Hopp, Marl L. Spearman: Factory Physics: foundations of manufacturing management. 2. Auflage. McGraw-Hill Higher Education, 2000, ISBN 0-256-24795-1.
- â S. 340