Copeptin
| Copeptin | ||
|---|---|---|
| Eigenschaften des menschlichen Proteins | ||
| Masse/LÀnge PrimÀrstruktur | 39 AminosÀuren | |
| PrÀkursor | AVP-NPII | |
| Bezeichner | ||
| Gen-Name | AVP | |
| Externe IDs | ||
| Vorkommen | ||
| Homologie-Familie | Hovergen | |
Copeptin (auch C-terminales proAVP, CT-proAVP) ist ein aus 39 AminosÀuren bestehendes glykosyliertes Peptid, das zusammen mit Vasopressin (auch als AVP oder Antidiuretisches Hormon bezeichnet) und Neurophysin II als Prohormon im Hypothalamus synthetisiert wird (PrÀprovasopressin). Die schrittweise proteolytische Spaltung des Prohormons hat die Freisetzung der Peptide Vasopressin, Neurophysin II und Copeptin in Àquimolaren Mengen zur Folge. Copeptin entsteht dabei durch Abspaltung des C-terminalen Teils des Prohormons.
Die physiologische Bedeutung von Copeptin ist noch nicht vollstÀndig geklÀrt. Diskutiert wird eine Beteiligung wÀhrend der Faltung und des Transports des reifenden Vasopressins vom Hypothalamus zur Neurohypophyse. Nach entsprechendem Reiz (osmotischer Reiz oder Stressreaktion) wird Copeptin zusammen mit Vasopressin und Neurophysin II aus der Neurohypophyse in den Blutkreislauf freigesetzt.
Copeptin-Werte sind insbesondere bei Patienten mit schweren Erkrankungen wie Sepsis, aber z. B. auch bei Herzinsuffizienz, erhöht.
Copeptin ist, anders als AVP, im Serum und EDTA-Plasma bei Raumtemperatur fĂŒr 7 Tage stabil.
Diagnostik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Copeptin wird aufgrund seiner Biosynthese sowie seiner Eigenschaften als alternativer Biomarker zur AVP-Bestimmung fĂŒr die Diagnostik verschiedener Erkrankungen eingesetzt.[1][2]
Ein Vorteil von Copeptin fĂŒr die Diagnostik besteht in der relativen StabilitĂ€t des Analyten. Im Gegensatz zu Copeptin ist das hormonell wirksame Vasopressin ein kleines (9 AminosĂ€uren) und sehr instabiles MolekĂŒl. Um eine valide Messung von Vasopressin zu gewĂ€hrleisten, wird empfohlen, die Blutabnahme mit vorgekĂŒhlten Röhrchen vorzunehmen (ausschlieĂlich EDTA-Plasma), die Probe gekĂŒhlt zu transportieren und bei â20 °C zu lagern. Die Aufarbeitung von Blutproben, in denen der Vasopressingehalt bestimmt werden soll, ist darĂŒber hinaus zeitaufwendig und technisch anspruchsvoll. Dies hat die Anwendung von Vasopressinmessungen in der klinischen Routine, obwohl oftmals angezeigt und fĂŒr den Patienten von Nutzen, eingeschrĂ€nkt. Copeptin hingegen ist sowohl in Blut als auch in Plasma stabil und deshalb gut messbar. Da Copeptin und Vasopressin in gleichem VerhĂ€ltnis aus dem Prohormon abgespalten werden, gilt Copeptin als ein Surrogatmarker fĂŒr das schwieriger zu bestimmende Vasopressin. Aufgrund seiner technischen Vorteile hat die Bestimmung von Copeptin in verschiedenen Indikationen bereits Eingang in die Routine gefunden.
So kann durch eine Kombination von Copeptin und Troponin die frĂŒhe Diagnose des Herzinfarkts verbessert werden.[3][4] Weitere Untersuchungen konzentrieren sich auf die Rolle von Copeptin beim Schlaganfall. Hier wird ein Zusammenhang zwischen Copeptin-Werten und der Prognose und MortalitĂ€t der Erkrankung gesehen.[5] Copeptin kann auch als Biomarker fĂŒr Risiken einer Pneumonie[6] oder zur Differentialdiagnose beim zentralen Diabetes insipidus bzw. Polyurie-Polydipsie-Syndrom[7][8] herangezogen werden.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â N. G. Morgenthaler, J. Struck, C. Alonso, A. Bergmann: Assay for the measurement of copeptin, a stable peptide derived from the precursor of vasopressin. In: Trends Endocrinol Metab. Band 19, Nr. 2, MĂ€rz 2008, S. 43â49.
- â Khan in: Circulation. Band 115, Nr. 16, 24. April 2007, S. 2103â2110. PMID 18291667.
- â Schneller Ausschluss von Herzinfarkt mit Kombination von Troponin und Copeptin ist sicher. In: healthcare-in-europe.com. Abgerufen am 14. Mai 2024.
- â T. Reichlin u. a.: Incremental value of copeptin for rapid rule out of acute myocardial infarction. In: J Am Coll Cardiol. Band 54, Nr. 1, 30. Juni 2009, S. 60â68. PMID 19555842.
- â Katan u. a. In: Ann Neurol. Band 66, Nr. 6, Dezember 2009, S. 799â808. PMID 20035506.
- â M. Kolditz u. a.: Copeptin und MR-proADM als Biomarker. In: Respir. Medicine. Band 106, 2012, S. 1320â1328.
- â W. Fenske, M. Christ-Crain: Stellenwert von CT-proAVP (Copeptin) in der AbklĂ€rung des Polyurie-Polydipsie-Syndroms. In: Med. Welt. Band 1, 2011, S. 3â8.
- â W. Fenske, M. Quinkler, D. Lorenz, K. Zopf, U. Haagen, M. Papassotiriou, A. H. Pfeiffer, M. Fassnacht, S. Störk, B. Allolio: Copeptin in the differential diagnosis of polyuria-polydipsia syndrome: revisiting the direct and indirect water deprivation test. In: The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism. 2011, S. 2010â2345.