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Datasette

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Commodore Datassette 1530

Eine Datasette (Commodore: Datassette) ist ein in den 1980er Jahren weitverbreitetes Bandlaufwerk, um Computerdaten auf herkömmlichen Kompaktkassetten (CC) zu speichern. Datasette ist ein Kofferwort aus Data (englisch fĂŒr Daten) und Cassette. Die Bezeichnung stammt ursprĂŒnglich von Commodore, wurde spĂ€ter gelegentlich auch fĂŒr Ă€hnliche GerĂ€te anderer Heimcomputer, u. a. von Atari, Apple, Robotron, Tandy, Sinclair, Texas Instruments und Amstrad/Schneider verwendet.

DatentrÀger

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Typische Beschriftung von Kassetten-Inlays mit den ZÀhlerstÀnden der Datasette und den entsprechenden Computerspiele-Titeln

Es gab speziell als DatenbĂ€nder bezeichnete Kassetten (z. B. die Produkte Magna oder Computape), allerdings waren diese teuer und boten weniger Speicherplatz als herkömmliche Kassetten an, so dass meistens handelsĂŒbliche Audio-Kassetten als Daten-Kassette genutzt wurden. Auf einer herkömmlichen Kassette mit 30 Minuten können im Standardformat der Commodore-Rechner rund 100 kByte gespeichert werden. Durch die Verwendung von Ladebeschleunigern wie Turbo Tape können grob 1 MByte pro 30 Minuten Band gespeichert werden. Die Bitrate liegt im Bereich von rund 300 Bit/s bis zu knapp 5 kBit/s.

Heute kommen Datasetten nicht mehr zum Einsatz, da sie den aktuellen DatentrĂ€gern in Bezug auf KapazitĂ€t und Geschwindigkeit um viele GrĂ¶ĂŸenordnungen unterlegen sind. Zudem sind fast alle Datasetten rein lineare Medien, bei dem Bandstellen vom Benutzer per Hand mittels langwierigem Spulen aufgesucht werden mĂŒssen; damit sind sie den Medien mit wahlfreiem Zugriff, wie etwa Disketten, Festplatten oder CD-ROMs, auch prinzipiell unterlegen.

FĂŒr die programmierbaren Taschenrechner der HP-41-Serie (ab 1979) gab es eine Datasette, die ĂŒber die HP-IL-Schnittstelle angeschlossen wurde

Kassettenlaufwerke mit wahlfreiem Zugriff waren nur in der mittleren Datentechnik vor allem der 1970er Jahre vertreten; als einzige Heimcomputer, die ĂŒber ein Kassettenlaufwerk mit wahlfreiem Zugriff verfĂŒgten, gelten der Philips P2000M aus dem Jahr 1980 sowie der tragbare Epson HX-20 und PX-8. Beide verwendeten die vom Hersteller fĂŒr DiktiergerĂ€te entwickelte und auf den Start-/Stopp-Betrieb ausgelegte Minikassette. Dort brachten beide etwa 170 KB an Daten unter.

Daneben gab es noch eine Reihe von Laufwerken, die spezielle Kassetten mit einem Endlosband verwendeten, etwa das MicroDrive der Firma Sinclair, oder das eher exotische Entrepo Quick Data Drive fĂŒr den Commodore 64.

Entfernte Verwandte der Datasette sind Laufwerke, die Daten auf VHS-Videokassetten oder auf Video-8-BĂ€nder abspeichern. Diese wurden wegen ihres hohen Preises nicht bei Heimcomputern verwendet, kamen aber teilweise im Profibereich zur Datensicherung großer Archive zum Einsatz, da sie fĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse eine extrem hohe SpeicherkapazitĂ€t boten (auf einem 240-Minuten-VHS-Band konnten schon Mitte der 1980er Jahre ĂŒber 2 Gigabyte gespeichert werden, was damals dem Inhalt mehrerer Dutzend Festplatten entsprach). Bandlaufwerke dieser Art werden auch als „Streamer“ bezeichnet.

Auch die ersten digitalen Synthesizer (sowie einige Analog-Synthesizer mit Speichermöglichkeit, wie der Korg Poly 61) verfĂŒgten oft ĂŒber eine Buchse zum Anschluss eines TonbandgerĂ€tes oder eines Kassettenrekorders, ĂŒber die sich einzelne Presets auf Tonband oder Kassette speichern und wieder abrufen ließen. Da vom jeweiligen Instrument selber keine Steuerung des Laufwerks vorgenommen wurde, konnte prinzipiell jedes zur Aufzeichnung von Audio geeignete Medium verwendet werden. Die in den Tonstudios verwendeten Medien variierten mit der Zeit und so wurden auch digitale Formate wie DAT, DCC und MiniDisc hĂ€ufig genutzt. Liebhaber von klassischen Synthesizern speichern ihre Presets heute in der Regel ĂŒber die Audioschnittstelle eines Personal Computers.

Die meistgebauten Datasetten 1530 und 1531 von Commodore sind 0,7 kg schwer und 19,5 cm breit, 5 cm hoch und 15 cm tief. Sie unterschieden sich durch GehĂ€usefarbe und Steckertyp voneinander. Letztere hat einen 8-poligen Mini-DIN-Rundstecker nur fĂŒr den Anschluss an die Heimcomputer der Commodore-264-Serie (C16, C116 und Plus/4), bei einigen 1531-Modellen lag ein 1530-kompatibler Adapterstecker bei. FrĂŒhe AusfĂŒhrungen der 1531 hatten ein anderes Chassis und GehĂ€use, sie waren bis auf die Farbgebung baugleich mit dem im PET 2001 neben der Tastatur intern verbauten Kassettenlaufwerk.[1]

Datensignal einer Datassette: 15 Sekunden Audio-Beispiel (kein Schnelllader)
Signalverlauf einer beispielhaften Datenfolge bei der Commodore Datassette
Datasetten-Anschluss des Commodore 64

Zum Bau einer Datasette werden das Laufwerk, der VorverstÀrker und die Tonköpfe eines normalen Musik-Kassettenrekorders verwendet, auf Lautsprecher und Mikrofon wird verzichtet. Als zusÀtzliches Element besitzt sie einen Demodulator, welcher in diesem Fall ein Schmitt-Trigger ist und zur Ermittlung der NulldurchgÀnge des empfangenen Signals dient.

Die Daten werden meist mit einer modifizierten Frequenzumtastung auf dem Band gespeichert, wie in nebenstehender Abbildung dargestellt. Bei dieser Aufzeichnung trĂ€gt die Amplitude keine Information. Beim Lesen und zum Dekodieren wurden nach dem Schmitt-Trigger die zeitlichen AbstĂ€nde zwischen den positiven bzw. negativen NulldurchgĂ€ngen des Signals ĂŒber Timer-Bausteine wie den MOS Technology CIA (6526) ausgemessen und aus dieser Zeitinformation die Dateninformation zurĂŒckgewonnen. In nebenstehender Skizze sind die fĂŒr die Datenrekonstruktion wichtigen negativen NulldurchgĂ€nge des Signals als schwarze Kreise auf der Mittellinie eingezeichnet. Je nach zeitlichem Abstand können so die beiden Werte logisch-1 und logisch-0 unterschieden werden.[2]

Die so einzeln empfangenen Bits werden dann in ein Schieberegister geschoben und am Anfang einer DatenĂŒbertragung fortlaufend mit speziellen Bitsequenzen zur Synchronisation verglichen. Das erste Byte einer solchen Sequenz zur Synchronisation des Blockanfangs wird als Lead-In-Byte bezeichnet, gefolgt von mehreren Sync-Bytes, welche dazu dienen, mögliche Gleichlaufschwankungen des Bandes durch Abstimmung der Timer zu kompensieren. Beispielsweise verwendet der am Commodore 64 verwendete Schnelllader Turbo Tape 64 als Lead-In-Byte 0x02, gefolgt von der Sync-Sequenz 0x08, 0x07, 0x06, 0x05, 0x03, 0x02, 0x01. Danach folgten die eigentlichen Nutzdaten.

GerĂ€te der Firma Atari verwendeten eine direkte Frequenzumtastung. Statt die NulldurchgĂ€nge des Signals zu erkennen und deren Zeitabstand zu messen, wurden beim Abspielen zwei feststehende Frequenzen, die fĂŒr die Bitwerte 0 und 1 standen, mittels Bandpassfiltern aus dem Audiosignal herausgefiltert und in ihrer Amplitude verglichen; das jeweils stĂ€rkere Signal bestimmte den von der Atari-Datasette ausgegebenen Logikpegel. Schnelllade-Programme ließen sich mit den Atari-Datasetten nicht nutzen, da die meisten Eigenschaften des Aufzeichnungsformats durch die Hardware der GerĂ€te unverĂ€nderlich vorgegeben waren.

FĂŒr manche Computermodelle (u. a. Apple II, die Sinclair-Modelle und die Homecomputer KC 85 aus DDR-Produktion) gab es keine passenden speziellen Datasetten vom selben Hersteller. Stattdessen konnte jeder handelsĂŒbliche Audio-Kassettenrekorder ĂŒber die Ton-Ein- und AusgĂ€nge angeschlossen werden, der Demodulator befand sich in diesem Fall im Computer selbst.

Auch beim ursprĂŒnglichen IBM-PC sowie beim IBM PCjr war ein Datasettenport vorhanden, welcher wie der Tastaturport als 5-poliger weiblicher DIN-Rundsteckeranschluss ausgefĂŒhrt war.[3] Allerdings galten Kassetten als Speichermedien bereits zur EinfĂŒhrung des IBM-PC fĂŒr das angepeilte Marktsegment als veraltet; außerdem konnte nur ĂŒber das interne ROM-Basic des IBM-PC direkt auf die Datasette zugegriffen werden, nicht aber ĂŒber das wesentlich mĂ€chtigere und meist eingesetzte DOS. Aus diesen GrĂŒnden wurde das Interface kaum genutzt und es entstand, anders als bei frĂŒheren Kleincomputern, kein Markt fĂŒr vorbespielte Programmkassetten. Bereits beim unmittelbaren Nachfolger, dem IBM PC XT, wurde die Schnittstelle nicht mehr verwendet. Seitens des PC-BIOS war die Programmierschnittstelle fĂŒr Anwendungsprogramme sehr einfach gehalten und bestand aus vier Funktionen des Software-Interrupts 15h. Diese ermöglichten, den Laufwerksmotor zu starten (Funktion 00h, AH=00h), zu stoppen (Funktion 01h, AH=01h) sowie das Lesen (Funktion 02h) und Schreiben (Funktion 03h) einer bestimmten Anzahl von Bytes auf das Band, welche in CX angegeben werden musste. In ES:BX war der Zeiger auf die Speicheradresse des Datenpuffers zu nennen.[4] Da DOS – im Gegensatz zum Handling von Diskettenlaufwerken – keine weiteren Routinen fĂŒr die Datasette bot, standen lediglich die Lowlevel-Zugriffsroutinen des BIOS fĂŒr die Nutzung der Schnittstelle durch Programmierer und Anwender zur VerfĂŒgung, welche eigene Wege fĂŒr die Verwaltung der Rohdaten auf den Kassetten finden mussten. Nach dem Verschwinden der Datasetten-Schnittstelle wurde bei den PC-Nachfolgern der Interrupt 15h fĂŒr andere Zwecke verwendet. Beim PC AT konnte ein versuchter Aufruf der Datasettenroutinen sogar zum Systemabsturz fĂŒhren.

Zur Aufzeichnung und zum Auslesen von Daten ist es wichtig, dass der Tonkopf richtig justiert ist. Verwendet wurde typischerweise nur eine Monospur mit einer typischen Bandbreite von rund 10 kHz. Eine Ausnahme sind die GerĂ€te von Atari, die auf einer Stereospur die Daten, auf der anderen eine Musikspur zur Untermalung des Ladevorgangs unterbrachten. Gleichlaufschwankungen, die vom Antrieb und der Kassette herrĂŒhren, wurden entweder durch eine entsprechend geringe und somit robustere Datenrate, oder bei einigen Schnellladern durch spezielle, laufend wiederholte Synchronisations-Sequenzen zur Laufzeit kompensiert, welche je nach Verfahren auch innerhalb von Datenblöcken wiederholt wurden.

Vereinzelt erschienen Computerzeitschriften mit einer zwischen den Seiten beigelegten Schallfolie, die auf Kassette ĂŒbertragen eine von der Datasette einlesbare Aufzeichnung erzeugte,[5] wobei sich ein Einspur-Tonkopf fĂŒr monophone Aufzeichnungen besser eignete, sofern der verstĂ€rkte Lautsprecher-Ausgang des Plattenspielers einen als Datasette gebrauchten gewöhnlichen Audio-Kassettenrekorder ersetzen konnte. Dedizierte Datasetten-GerĂ€te hatten keine Audio-AnschlĂŒsse und benötigten nicht die 44-kHz-Bias zur Vormagnetisierung, da die modulierten Signale nur feste Pegel ohne jegliche Dynamik besaßen.[6]

Gespeichert werden kann, je nach Heimcomputer, in verschiedenen Dateiformaten. Selbstgeschriebene Programme wurden hĂ€ufig als eine einzelne BASIC-Datei gespeichert. Kommerzielle Programme und Spiele bestanden, ebenso wie Diskettenprogramme, in der Regel aus mehreren Dateien (Titelgrafik, weitere Level), die dann nachgeladen wurden und oft in Maschinensprache gespeichert waren. Auf der RĂŒckseite der Kassette befand sich hĂ€ufig eine identische Kopie des Spiels oder weitere Level.

Emulatoren verwenden fast nur Kassettenabbilder, wie .TAP und .T64, seltener auch echte Tondateien wie .WAV.

In der Fernsehsendung WDR Computerclub wurden Audiosignale als sogenannter Hard-Bit-Rock in BASICODE gesendet, die man aufnehmen und per Datasette einlesen konnte. Im Sommer 1986 startete Radio DDR II mit Rem eine Lehrsendung ĂŒber Computertechnik, in der ebenfalls Programmlistings in BASIC ĂŒbertragen wurden.

Commons: Compact Cassette-based tape drives – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ VC-1531. In: C64-Wiki. Abgerufen am 10. November 2014.
  2. ↑ How Commodore tapes work. wav-prg.sourceforge.net (englisch); abgerufen am 25. Oktober 2010.
  3. ↑ Heca's Computer Museum (Memento vom 11. November 2014 im Internet Archive)
  4. ↑ Programmer’s Technical Reference for MSDOS and the IBM PC. o3one.org
  5. ↑ The Sinclair ZX Spectrum. PediaPress, S. 41 (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  6. ↑ RMC – The Cave: Retro Tech Nibble: Pete Shelley – Software on Vinyl Records Pt.1/2 - ft. Techmoan auf YouTube, 19. Juli 2018, abgerufen am 25. Februar 2024 (Laufzeit: 15:20 min).