Dingstock

Dingstock (abgeleitet von Thing) hat verschiedene Bedeutungen.
Gerichtsschranke, Gericht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Wort Dingstock (dĂ€nisch tingstok) ist ursprĂŒnglich eine alte, vor allem im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitete Bezeichnung fĂŒr eine Gerichtsschranke.[1]
Insbesondere die Wendung âdie vier Dingstöckeâ wurde im ĂŒbertragenen Sinn fĂŒr das Gericht selbst verwendet.[2] Vier BĂ€ume oder Hölzer grenzten bei Verhandlungen unter freiem Himmel den Bereich ab, den nur die beteiligten Parteien und Zeugen betreten durften.[3]
Der Thingplatz der Riesebyharde befand sich in Rieseby. Daran erinnern ein Gedenkstein mit der Beschriftung Dingstock â ThingstĂ€tte wie auch die dortigen StraĂennamen Dingstock und Am Dingstock.
Stock zur Weitergabe von Einladungen und Nachrichten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Anfang des 17. Jahrhunderts kam im schleswig-holsteinischen Raum eine weitere Bedeutung des Begriffs Dingstock auf, nĂ€mlich âDorfstock, mit dem zum Ding oder zur Fron geladen wirdâ (Deutsches Rechtswörterbuch).[4]
Form
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Der Dingstock ist typischerweise ein etwa 30 Zentimeter langer, in der Grundform stabförmiger, manchmal kreuzförmiger Gegenstand, meist aus Eisen. Ansonsten variiert die Gestalt. Meist sind ein oder mehrere Ringe am Dingstock angebracht. Er kann eine Vorrichtung wie eine Klemme oder eine Tasche aufweisen, so dass schriftliche Bekanntmachungen hineingesteckt werden konnten.[5]
Verwendung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Dingstock diente meist dazu, im Rahmen bĂ€uerlicher Selbstverwaltung zu ZusammenkĂŒnften oder Verhandlungen beim Bauernvogt einzuladen. Der Dingstock wurde dazu in festgelegter Reihenfolge von Hofstelle zu Hofstelle weitergereicht. Wurde die Weitergabe unterlassen oder verzögert, so wurde dieses VersĂ€umnis bestraft und im BrĂŒcheregister vermerkt.[6]
Dingstöcke waren in manchen Orten noch im 20. Jahrhundert in Gebrauch. In Vollstedt wurden Ende der 1960er Jahre noch zwei Dingstöcke verwendet; in einer Radiosendung gab der BĂŒrgermeister Auskunft dazu (in plattdeutschem Dialekt).[7]
In Norstedt wurden Nachrichten sogar noch im Jahr 2015 per Dingstock weitergegeben,[8] jedoch nicht mit dem originalen Dingstock aus dem Jahr 1670. Dieser wurde bis 1977 verwendet und dann von Nachbauten abgelöst. Das historische Original wurde seitdem vom jeweiligen BĂŒrgermeister aufbewahrt und im Jahr 2018 dem Nordfriisk Instituut in Bredstedt fĂŒr seine Dauerausstellung ĂŒberlassen.[9]
Darstellung in Wappen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Wappen von Borgstedt ist ein stabförmiger Dingstock mit mehreren Ringen zu sehen. Die Gemeinde Borgstedt erklĂ€rt zu ihrem Wappen: âDie Vergangenheit Borgstedts als Bauerndorf reprĂ€sentiert der Dingstock, mit dem die Dorfbewohner frĂŒher zu Versammlungen zusammengerufen wurden.â[10]
Der Dingstock im Wappen von Högel ist ein einfacher Stab mit einem Ring. Die Gemeinde Högel nennt ihn âThingstabâ und erlĂ€utert, er sei ein Symbol fĂŒr den jahrhundertealten nordischen Brauch, âNachrichten mit dem Thingstab innerhalb des Dorfes weiterzugebenâ.[11]
Im Wappen von Rieseby ist ein kreuzförmiger Dingstock mit zwei Ringen und mit einer Klemme am Schaft zu sehen. Die Gemeinde Rieseby erklĂ€rt, der Dingstock in ihrem Wappen verweise âauf die mittelalterliche VersammlungsstĂ€tte (ThingstĂ€tte) im Raum Rieseby als damaliger Mittelpunkt der âRiesebyhardeââ.[12] Dieses Wappen verwendet also einen Dingstock im jĂŒngeren Sinn als Symbol fĂŒr die ThingstĂ€tte (âDingstockâ im Ă€lteren Sinn).
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Dorfzeitung der Gemeinde Schafflund heiĂt Dingstock. Auf der Titelseite ist ein Dingstock dargestellt.[13]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung I 1; siehe auch âdie 4 ding-stöcke oder schranckenâ und weitere Zitate unter I 2.
- â Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung I 2.
- â Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung I 1, zweites und drittes Zitat.
- â Dingstock. In: Deutsches Rechtswörterbuch, Band 2, Heft 7 (Erscheinungsdatum zwischen 1933 und 1935), siehe Bedeutung II.
- â Siehe Beispiele in der Objektdatenbank des Museumsverbandes Schleswig-Holstein und Hamburg e. V. Bei Eingabe von Dingstock ins Suchfeld werden sechs Dingstöcke angezeigt. NĂ€here Angaben sind durch Klick abrufbar.
- â Silke Göttsch: Stapelholmer Volkskultur. AufschlĂŒsse aus historischen Quellen (= Studien zur Volkskunde und Kulturgeschichte Schleswig-Holsteins. Band 8). Wachholtz, NeumĂŒnster 1981, ISBN 3-529-02457-0 (zugleich: Kiel, UniversitĂ€t, Dissertation, 1980: Untersuchungen zur Volkskultur in Stapelholm).
- â Dingstock statt Amtsaushang Radiobeitrag des NDR vom 22. Oktober 1958 in der ARD Mediathek (5 Min.).
- â Dingstock: Besser als eine Mail shz.de, 5. August 2015.
- â Amt Viöl aktuell (Nachrichtenblatt des Amtes Viöl), Ausgabe 4/2018, S. 16 f.
- â Beschreibung des Wappens gemeinde-borgstedt.de
- â Gemeindewappen hoegel-nf.de
- â Die Geschichte Riesebys rieseby.de
- â Dingstock Archiv schafflund.de