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Dirty Protest

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Der Dirty Protest (deutsch: Schmutziger Protest), in Irland auch No Wash Protest genannt,[1] war ein Teil des fĂŒnf Jahre anhaltenden Protests wĂ€hrend des Nordirlandkonflikts, den Gefangene der Provisional Irish Republican Army (IRA) und der Irish National Liberation Army (INLA) ausĂŒbten, die in Long Kesh (Maze Prison) und dem FrauengefĂ€ngnis Armagh festgehalten wurden.

Dem Dirty Protest vorausgegangen war der Blanket Protest, bei dem sich Gefangene weigerten, GefĂ€ngniskleidung zu tragen. Als dieser Protest nichts bewirkte, wurde von ihnen der Dirty Protest begonnen. Auch der Dirty Protest fĂŒhrte nicht zum Erfolg und deshalb begannen republikanische Gefangene am 27. Oktober 1980 den Irischen Hungerstreik von 1980.

40 Gefangene hatten in einem Hungerstreik im Juli 1972 unter der FĂŒhrung des IRA-Veterans Billy McKee einen speziellen Status erkĂ€mpft, wonach sie keine GefĂ€ngniskleidung mehr tragen und keine GefĂ€ngnisarbeit verrichten mussten.[2] 1976 versuchte die britische Regierung den Sonderstatus abzuschaffen, da sie die Gefangenen wie gewöhnliche Kriminelle behandeln wollte. Von dieser Maßnahme ausgenommen waren diejenigen republikanischen Gefangenen, die vor dem 1. MĂ€rz in Haft gekommen waren.[3] Die Beendigung des Spezialstatus war ein ernsthafter Angriff auf die paramilitĂ€rische FĂŒhrung im GefĂ€ngnis, der die britische Position in der Öffentlichkeit stĂ€rken und HandlungsfĂ€higkeit demonstrieren sollte.[2] Der Entzug des Sonderstatus bedrohte aber auch das auskömmliche Nebeneinander von Gefangenen und GefĂ€ngniswĂ€rtern. In dieser Situation forderten die Freiwilligen der IRA im GefĂ€ngnis die FĂŒhrung der IRA zu AnschlĂ€gen auf das GefĂ€ngnispersonal auf. In einer Botschaft hieß es: „We are prepared to die for political status. Those who try to take it away from us must be fully prepared to pay the same price.“ („Wir sind bereit fĂŒr unseren politischen Status zu sterben. Diejenigen, die ihn [Sonderstatus] uns wegnehmen, mĂŒssen damit rechnen, dass sie den gleichen Preis zu zahlen haben“.)[4] Außerhalb des GefĂ€ngnisses wurde der GefĂ€ngniswĂ€rter Patrick Dillon im April 1976 erschossen, der erste der 19 GefĂ€ngniswĂ€rter, die in dem fĂŒnf Jahre andauernden Konflikt getötet wurden.[5]

Schmutziger Protest

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Am 14. September 1976 begann der Blanket Protest, der durch den neu ins GefĂ€ngnis gekommenen Kieran Nugent eingeleitet wurde, bei dem sich die republikanischen Gefangenen keine GefĂ€ngnisuniform mehr anzogen und sich entweder nackt oder in Decken gehĂŒllt auf ihren Zellenboden legten.[3] Dieser Protest fĂŒhrte zu keinem Erfolg.

Daraufhin weigerten sich im MĂ€rz 1978 einige Gefangene, ihre Zellen zum Duschen oder zur Toilette zu verlassen, da sie auf dem Weg dorthin von den GefĂ€ngniswĂ€rtern misshandelt wurden. Die GefĂ€ngnisleitung ließ Handwaschbecken in ihre Zellen einbauen.[5][6] Die Gefangenen verweigerten jedoch die Installation der Waschbecken oder zerschlugen diese nach erfolgter Montage.[5] Ende April 1978 kam es zu einem Kampf zwischen einem GefĂ€ngniswĂ€rter und einem Gefangenen im H-Block 6, woraufhin der Gefangene in Einzelhaft kam. Diese Nachricht verbreitete sich im gesamten GefĂ€ngnisblock.[5] Daraufhin zerschlugen die Gefangenen die Möbel in ihren Zellen und die GefĂ€ngnisleitung entschied, dass alle Möbel aus den Zellen entfernt und lediglich Decken und Matratzen in den Zellen ausgelegt wurden.[5] Die Gefangenen antworteten weiterhin mit der Weigerung, ihre Zellen zu verlassen, so dass die GefĂ€ngniswĂ€rter die Zellen nicht mehr reinigen konnten. Weil die Gefangenen nicht mehr die GefĂ€ĂŸe ihrer Notdurft entleerten ("slop out"), entwickelte sich der Blanket Protest zum Dirty Protest. Dabei schmierten die Gefangenen ihre Exkremente an die ZellenwĂ€nde.[7]

Die ZustÀnde waren unertrÀglich. Ein Journalist berichtete anlÀsslich eines GefÀngnisbesuchs:

„Having spent the whole of Sunday in the prison, I was shocked at the inhuman conditions prevailing in H-Blocks, three, four and five, where over 300 prisoners were incarcerated. One would hardly allow an animal to remain in such conditions, let alone a human being. [
] The stench and filth in some of the cells, with the remains of rotten food and human excreta scattered around the walls was almost unbearable. In two of them I was unable to speak for fear of vomiting.“

(„Ich verbrachte einen ganzen Sonntag im GefĂ€ngnis und war schockiert von den unmenschlichen VerhĂ€ltnissen, die in den H-Blöcken Drei, Vier und FĂŒnf herrschten, wo mehr als 300 Gefangene eingekerkert waren. Niemand wĂŒrde ein Tier in diesen VerhĂ€ltnissen leben lassen, geschweige ein menschliches Wesen. [
] Der Gestank und Unrat in einigen Zellen, mit dem Rest verrotteten Essens und menschlichen Exkrementen, die ĂŒber die ZellenwĂ€nde verstreut waren, war fast unertrĂ€glich. In zwei von den Zellen war ich unfĂ€hig zu sprechen, weil ich Angst hatte, mich zu erbrechen.“)[8]

AnfĂ€nglich fand dieser Protest außerhalb des GefĂ€ngnisses wenig Beachtung und sogar die IRA betrachtete ihn als nebensĂ€chlich, da sie ihre bewaffnete Kampagne fĂŒr wichtiger hielt.[9][10] Erste öffentliche Beachtung fand der Streik, als TomĂĄs Ó Fiaich, der römisch-katholische Erzbischof von Armagh & South Tyrone, die Gefangenen besuchte und die unertrĂ€glichen VerhĂ€ltnisse, unter denen sie vegetieren mussten, verurteilte.[11]

Trotz dieser unmenschlichen Bedingungen war die Moral der Gefangenen hoch, sagte der Erzbischof:

„In isolation and perpetual boredom they maintain their sanity by studying Irish. It was an indication of the triumph of the human spirit over adverse material conditions to notice Irish words, phrases and songs being shouted from cell to cell and then written on each cell wall with the remnants of toothpaste tubes.“

(„In Isolation und andauernder Langeweile behalten sie [die Gefangenen] ihre Vernunft durch das Erlernen der Irischen Sprache. Es war ein Anzeichen dafĂŒr, dass sich der menschliche Geist ĂŒber die feindliche materielle Umgebung erhebt, indem irische Wörter, Redewendungen und Lieder von Zelle zu Zelle gerufen werden und an jede Zellenwand mit Resten aus Zahnpastatuben geschrieben werden.“)[12]

Das Ziel dieser Proteste war die Wiederherstellung des Sonderstatus als politische HĂ€ftlinge. Die Forderungen der Protestierenden, die so genannten „Five Demands“, lauteten:

  • Das Recht, keine GefĂ€ngnisuniformen zu tragen
  • Das Recht, GefĂ€ngnisarbeit zu verweigern
  • Das Recht, freie Verbindungen mit anderen Gefangenen aufzunehmen und Bildungs- und Freizeitveranstaltungen zu organisieren
  • Das Recht auf einen Besuch, einen Brief und Paket je Woche
  • Voller Straferlass der am Streik Beteiligten[13]

Im Februar 1980 traten MairĂ©ad Farrell, die 1988 wĂ€hrend der Operation Flavius in Gibraltar von der Spezialeinheit SAS erschossen wurde, und ĂŒber dreißig andere Gefangene im FrauengefĂ€ngnis Armagh in den Schmutzigen Protest ein. Es folgten eine Reihe von Auseinandersetzungen mit der GefĂ€ngnisleitung und Beschuldigungen, dass die gefangenen Frauen von den GefĂ€ngniswĂ€rterinnen schlecht behandelt wurden.[14] Sie traten nicht in den Blanket Protest ein, da weibliche Gefangene in Nordirland das Recht auf Tragen eigener Kleidung hatten; aber sie schmierten aus Protest gegen die herrschenden Bedingungen Menstruationsblut an ihre WĂ€nde, da auch sie ihre GefĂ€ngniszellen nicht verlassen wollten.

Im Juni 1980 klagten vier Gefangene einschließlich Kieran Nugent gegen die britische Regierung vor dem EuropĂ€ischen Gerichtshof fĂŒr Menschenrechte, gegen ihre „inhumane“ (unmenschliche) Haft. Der Gerichtshof beurteilte die VerhĂ€ltnisse als „self-inflicted“ („selbst verursacht“) und „designed to enlist sympathy for the prisoners political aims“ („darauf gezielt, Sympathie fĂŒr die politischen Ziele der Gefangenen zu erzeugen“).[13]

Am 27. Oktober 1980 begannen die Freiwilligen der IRA Brendan Hughes, Tommy McKearney, Raymond McCartney, Tom McFeeley, Sean McKenna, Leo Green und das INLA-Mitglied John Nixon einen Hungerstreik[15] zur Durchsetzung ihrer „Five Demands“.[13] Dieser Hungerstreik endete mit einem ZugestĂ€ndnis der britischen Regierung.

Als jedoch im Januar 1981 deutlich wurde, dass die „Five Demands“ nicht in GĂ€nze umgesetzt wurden, traten am 4. Februar 1981 Gefangene in einen Hungerstreik, und der Dirty Protest endete am folgenden Tag.[16] Dieser Hungerstreik endete am 3. Oktober 1981 und zehn MĂ€nner starben, einschließlich Bobby Sands.[17] Anschließend akzeptierte James Prior, der neue Northern Ireland Secretary, Forderungen der Gefangenen, einschließlich der unwiderruflichen Erlaubnis des Tragens eigener Bekleidung.[18]

Einzelnachweise

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  1. ↑ Melanie McFadyean: The legacy of the hunger strikes. The Guardian, 4. MĂ€rz 2006, abgerufen am 13. Dezember 2010 (englisch).
  2. 1 2 Ten men dead. The story of the 1981 Irish hunger strike. Atlantic Monthly Press, New York 1907, ISBN 0-87113-702-X, S. 13–16.
  3. 1 2 A Chronology of the Conflict – 1976. CAIN, abgerufen am 1. September 2007 (englisch).
  4. ↑ Patrick Bishop, Eamonn Mallie: The Provisional IRA. Corgi Books, 1987, ISBN 0-552-13337-X, S. 350.
  5. 1 2 3 4 5 Patrick Bishop, Eamonn Mallie: The Provisional IRA. Corgi Books, 1987, ISBN 0-552-13337-X, S. 351.
  6. ↑ Peter Taylor: Brits. The war against the IRA. Bloomsbury, London 2001, ISBN 0-7475-5806-X, S. 229.
  7. ↑ Patrick Bishop, Eamonn Mallie: The Provisional IRA. Corgi Books, 1987, ISBN 0-552-13337-X, S. 351–352.
  8. ↑ Peter Taylor: Provos The IRA & Sinn FĂ©in. Bloomsbury, London 1998, ISBN 0-7475-3818-2, S. 221–222.
  9. ↑ Provos The IRA & Sinn FĂ©in. S. 217.
  10. ↑ Jack Holland, Henry McDonald: INLA Deadly Divisions. Poolbeg, 1996, ISBN 1-85371-263-9, S. 261.
  11. ↑ The deaths that gave new life to an IRA legend. In: The Guardian. 5. Oktober 1981 (theguardian.com).
  12. ↑ Patrick Bishop, Eamonn Mallie: The Provisional IRA. Corgi Books, 1987, ISBN 0-552-13337-X, S. 353.
  13. 1 2 3 Provos The IRA & Sinn FĂ©in. S. 229–234.
  14. ↑ Tim Pat Coogan: The IRA. Harper Collins, London 2000, ISBN 0-00-653155-5, S. 490 (Erstausgabe: 1995).
  15. ↑ Richard O’Rawe: Blanketmen. An untold story of the H-block hunger strike. New Island Books, Dublin 2005, ISBN 1-84840-555-3, S. 103–104.
  16. ↑ Ten Men Dead. S. 55.
  17. ↑ The Hunger Strike of 1981 – A Chronology of Main Events. CAIN, abgerufen am 26. Mai 2007 (englisch).
  18. ↑ Patrick Bishop, Eamonn Mallie: The Provisional IRA. Corgi Books, 1987, ISBN 0-552-13337-X, S. 375.