Europeras
Europeras ist der Titel einer Opernserie des Komponisten John Cage in fĂŒnf Teilen. Sie sind in seinem typischen experimentellen Stil gehalten. Die BĂŒhne der Opern ist in 64 Quadrate aufgeteilt, welche das Schema fĂŒr den BĂŒhnenablauf bilden. Die Positionen der Menschen und GegenstĂ€nde auf der BĂŒhne sind zufallsbestimmt. Innerhalb einer exakt vorgegebenen AuffĂŒhrungsdauer wurden mit Hilfe des Ă€ltesten chinesischen Orakelbuches I-Ging zufĂ€llige Zeiteinheiten festgelegt, wĂ€hrend deren die einzelnen Beteiligten ihre Aktionen ausfĂŒhren.
Europeras 1 & 2
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In seinen Opern Europeras 1 & 2 aus 200 Opern in 64 Bildern dekonstruiert John Cage mittels Zufallsoperationen die Sprache der klassischen Opern des 18. und 19. Jahrhunderts. Cage stellte das Konzept zusammengefasst so dar:
â200 Jahre lang haben uns die EuropĂ€er ihre Opern geschickt. Nun schicke ich sie alle zurĂŒck.â[1]
Er unterwarf nicht nur die Musik dem Zufallsgenerator, sondern auch BĂŒhnenbild, Requisiten, Licht, Tanzfiguren und Opernarien. Die Musik wurde von ihm zufĂ€llig aus ĂŒber 200 Opern ausgewĂ€hlt und wird ohne Dirigent aufgefĂŒhrt. Den 28 Musikern ist freigestellt, wann sie diese innerhalb fest vorgegebener Zeitblöcke spielen. Die Opernarien werden jeden Abend zufĂ€llig ausgewĂ€hlt und von 19 Solisten zu anderen Zeitpunkten und Orten auf der BĂŒhne gesungen.[2]
Die Spieldauern sind exakt 90 bzw. 45 Minuten, die mittels einer Digitaluhr angezeigt werden, damit alle Beteiligten ihre EinsÀtze exakt einhalten können.
Europeras 1 & 2 bildet Cages gröĂte und radikalste Musiktheaterarbeit. Es gibt keine Handlung, aber eine Zusammenfassung im dadaistischen Stil, die aus Opernlibretti zusammengestellt wurde. Sie stellt eine Anti-Oper dar, an die das Publikum nur schwer herangefĂŒhrt werden kann.[1][3] Keine der Noten ist von Cage im ursprĂŒnglichen Sinne komponiert worden, sondern er benutzt nur urheberrechtlich nicht mehr geschĂŒtztes Material anderer Komponisten. Cage âvermeidet ⊠in seinem Kompositionsprozess jegliche Semantisierung und erst in der inhaltlich nicht vom Komponisten beeinflussbaren Kombination der einzelnen Ebenen entstehen zufĂ€llige und unkalkulierbare semantische BezĂŒgeâ.[4]
Das Werk ist eine Auftragsarbeit von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn. Die UrauffĂŒhrung erfolgte im Dezember 1987 an der Oper Frankfurt unter Gary Bertini.[2] Das Werk wird nur selten aufgefĂŒhrt und ist noch nie eingespielt worden. 2012 eröffnete Heiner Goebbels mit ihm die Ruhrtriennale.[3] 2017 wurde es am Staatstheater Braunschweig mit 4âČ33âł als OuvertĂŒre aufgefĂŒhrt,[1] 2019 an der Oper Wuppertal unter dem Titel PLAY* Europeras 1&2 in der Regie von Daniel Wetzel vom Kollektiv Rimini Protokoll.[5]
Europeras 3
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Europeras 3 ist eine dramatische, dichte, wagnerianische Oper.
Europeras 4
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Europeras 4 ist eine kunstvolle, mozartische, vergnĂŒgliche Kammeroper.
Europeras 5
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Europera 5 ist die reduzierteste Form. Zwei SĂ€nger, ein Pianist und ein Grammophon-Spieler interpretieren jeweils sechs von ihnen ausgewĂ€hlte Werke der Opernliteratur. Diese werden zufĂ€llig unabhĂ€ngig nebeneinander dirigiert. Die AuffĂŒhrungsdauer betrĂ€gt exakt 60 Minuten.
John Cage hörte die Premiere seiner letzten Oper im Garten des Museum of Modern Art in New York, es war die letzte AuffĂŒhrung, die er erlebte.
2001 wurden zum ersten Mal alle Teile zusammen in der Staatsoper Hannover in einer Inszenierung von Nigel Lowry aufgefĂŒhrt, die von der Kritik allerdings als nicht werkgetreues âFiaskoâ beurteilt wurde.[4]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Staatstheater Braunschweig (Hrsg.): Europeras 1&2. Programmheft. 2017.
- 1 2 'John Cage Europeras: a light- and soundscape as a musical manifesto' by Stefan Beyst. Abgerufen am 26. November 2017.
- 1 2 Braunschweiger Zeitung: Ruhrtriennale eröffnet mit John Cages «Europeras 1 & 2». (braunschweiger-zeitung.de [abgerufen am 26. November 2017]).
- 1 2 Hanusa: Staatsoper Hannover: Cage: Europeras / Online Musik Magazin. Abgerufen am 26. November 2017.
- â Dokumentation zur Inszenierung auf der Website von Rimini Protokoll [Abgerufen am 21. MĂ€rz 2020]