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Fiat 15

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Fiat 15
Fiat 15 ter ohne Plane
Fiat 15 ter ohne Plane
Basisinformation
Hersteller Fiat Veicoli Industriali
Modell Fiat 15 ter
Produktionszeit 1911–1922
Fahrzeugklasse leichter LKW
Varianten Fiat 15,
Fiat 15 bis,
Fiat 15 ter
Karosseriebauform Pritsche, Kasten, Feuerwehr, Bus etc.
VorgÀngermodell keiner
Nachfolgemodell SPA 25C
Technische Daten[1]
Eigengewicht 2120 kg
Nutzlast 1500 kg
Gesamtgewicht 3620 kg
LĂ€nge 4750 mm
Breite 1740 mm
Höhe 2700 mm
Radstand 3070 mm
Spurweite vorne 1400,
hinten 1420 mm
Wendekreis 12 m
Motor Vierzylinder-Ottomotor
Bohrung × Hub 100 × 140 mm
Hubraum 4398 cmÂł
Drehmoment 1600
Leistung 40 PS (zivil), 36 PS (mil.)
Geschwindigkeit 30 km/h,
kurzzeitig 50 km/h
Kraftstoffvorrat 80 l
Getriebe 4 GĂ€nge + R
Antriebsformel 4 × 2
ReifengrĂ¶ĂŸe 880 × 120 Vollgummi

Der Fiat 15 war ein leichter Lastkraftwagen, der von Fiat Veicoli Industriali in verschiedenen Varianten von 1911 bis 1922 hergestellt wurde. Er gehört zu den meistgebauten Lkw-Typen seiner Zeit.

Ziviler Fiat 15, beladen mit Wollballen, sĂŒdlich von Winton, Queensland, ca. 1915

Das Ausgangsmodell Fiat 15 ist im einschlĂ€gigen Schrifttum kaum erwĂ€hnt. Sein Konstrukteur soll Carlo Cavalli gewesen sein, der den Typ im Jahr 1911 als leichten Lkw mit einer Tonne Nutzlast konstruierte. Der Motor entstammte dem seit 1909 gebauten Pkw-Modell Brevetti Fiat 15/25 HP Tipo 2: Vierzylinder, Bohrung × Hub 90 × 120 mm, Hubraum 3052 cmÂł, 20–25 PS. Die Höchstgeschwindigkeit des Fiat 15 lag bei 35 km/h. Als Besonderheit wird erwĂ€hnt, dass das Benzin aus dem Tank mittels Kraftstoffpumpe und nicht mehr mittels Schwerkraft (Fallbenzin) zum Vergaser befördert wurde. Möglicherweise blieb der Wagen ein Unikat.[A 1]

Im Italienisch-TĂŒrkischen Krieg stellte sich fĂŒr die Italiener das Problem heraus, in Libyen, dessen GrĂ¶ĂŸe damals auf 1.100.000 kmÂČ mit 723.000 Einwohnern geschĂ€tzt wurde,[2][A 2] die dort eingesetzten Truppen mit Nachschub zu versorgen. Unmittelbar an der KĂŒste war dies ĂŒber zahlreiche (wenn auch meist kleinere) HĂ€fen durchaus möglich, nicht indessen ĂŒber hunderte Kilometer im Landesinnern ohne jegliche Eisenbahnlinien, zumal das Land vielfach noch völlig unerforscht war und kaum Karten vorlagen, aus denen geographische Hindernisse (Sand, Gebirge, FlusslĂ€ufe) und deren Ausmaß ersichtlich waren. Um den Nachschub sicherzustellen, wurden vor allem leichte Lkw benötigt, die in der Lage waren, die bestenfalls vorhandenen Karawanenwege zu benutzen.

Dementsprechend entwickelte Fiat 1911 eine als Fiat 15 bis bezeichnete Variante speziell fĂŒr MilitĂ€rdienst, die sich hauptsĂ€chlich durch eine höhere Nutzlast (bis 1,5 Tonnen) und ein dementsprechend erhöhtes Gewicht eines robusteren Fahrgestells von ihrem VorgĂ€nger unterschied. Der Dreiliter-Motor mit 20 PS wurde beibehalten. LandlĂ€ufig wurde diese Variante in der italienischen Armee auch als „Tipo Libya“ bezeichnet. FĂŒr die italienische Armee wurden folgende Mengen bestellt, wobei das Fahrzeug nicht als „Fiat 15 bis“, sondern als „Fiat XV ter modello 1911“ bzw. „modello 1912“ bezeichnet wird:

  • September 1911: 6 Fiat XV ter 1911
  • Februar 1912: 60 Fiat XV ter 1911
  • Februar – November 1912: 237 Fiat XV ter 1912
  • Zusammen also 303 StĂŒck.[3] Diese StĂŒckzahlen erscheinen uns heute als recht unbedeutende Mengen, waren zur damaligen Zeit jedoch (als das MilitĂ€r Kraftfahrzeuge in EinzelstĂŒcken, bestenfalls in ein oder zwei Dutzend Exemplaren zu Testzwecken bestellte) ganz enorme und in keinem anderen Staat der Erde beschaffte Mengen und zeigen, welchen Aufwand Italien betrieb, um seine neu erworbene Kolonie Libyen unter seine Kontrolle zu bringen und den Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu ersticken.

Um die Jahreswende 1913/14 wurde der Fiat 15 bis durch den Fiat 15 ter[A 3] in der Produktion abgelöst. Diese Variante erhielt einen stĂ€rkeren Motor des Typs 53A: 4 Zylinder, Bohrung × Hub 100 × 140 mm, 4398 cmÂł Hubraum, 40 PS, in der MilitĂ€rversion auf 36 PS gedrosselt.

Das Fahrgestell des zivilen Lastkraftwagens wurde neben den unzĂ€hligen Sonderausstattungen der zahlreichen KarosseriewerkstĂ€tten auch fĂŒr den Bau von Bussen und Löschfahrzeugen fĂŒr die BĂŒrgerfeuerwehr verwendet.

Üblicherweise waren die an das MilitĂ€r ausgelieferten Fiat 15 ter solche mit Pritsche und Plane. Daneben gab es folgende Aufbau-Varianten:

  • SanitĂ€tskraftwagen: Schon vom Fiat 15 bis gab es SanitĂ€tskraftwagen mit hölzernem Kastenaufbau statt offener LadeflĂ€che.[4] Die auf Fahrgestell des Fiat 15 ter hatten den ĂŒblichen Radstand von 3,07 m, waren jedoch aufgrund des lĂ€ngeren Kastenaufbaues fast 5 m lang.[5] Die an das italienische Rote Kreuz gelieferten Fahrzeuge hatten statt des Kastenaufbaus eine Pritsche mit besonders hoch aufgezogener Plane, sodass vier liegende Verwundete transportiert werden konnten.[6]
  • Scheinwerfer-Kraftwagen („stazione fotoelettriche“): Auf dem verlĂ€ngerten Fahrgestell (Radstand 3,315 m) wurde ein Scheinwerfer mit 90 cm Durchmesser montiert, der Motor diente auch als Generator fĂŒr den benötigten Strom. Das Fahrgestell, normalerweise 4,545 m lang, maß jetzt 4,69 m, der Platzbedarf auf der LadeflĂ€che betrug 4,89 × 1,78 × 2,70 m. 1915 entstanden von dieser Variante 105 StĂŒck.[7]
  • Werkstattwagen („autofficina“): Auf der Ladepritsche waren zahlreiche Werkmaschinen montiert, um andere Fahrzeuge bei Bedarf instand setzen zu können.[8]
  • Einige Fahrzeuge erhielten einen Aufbau, mit dem Seilbahnen betrieben werden konnten.[9]
  • Weitere waren als Löschfahrzeuge mit großem Wassertank oder einer Drehleiter ausgerĂŒstet.[9]
  • Funkwagen: Diese Fahrzeuge erhielten einen hölzernen Kofferaufbau und waren mit diversen FunkgerĂ€ten und -antennen ausgerĂŒstet.[10]
  • Als „autotipolitografico“ hatten die Fahrzeuge einen Kofferaufbau mit großen Fenstern und Druckmaschinen[11].

Der Lkw war auf beiden Achsen mit HolzspeichenrĂ€dern ausgestattet, wobei die Hinterachse doppelt bereift war. Beim Fiat 15 ter waren die RĂ€der aus Stahlblech. In den 1930er Jahren wurden die Vollgummireifen meist durch pneumatische ersetzt. Der wassergekĂŒhlte Motor lag bei allen Varianten vorne. Beim Fiat 15 ter lag die maximale SteigfĂ€higkeit bei 16 %. Die Bodenfreiheit betrug 27 cm.[12] FĂŒr die ĂŒbrigen technischen Daten wird auf die Infobox verwiesen.

MilitÀrische Nutzung

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Der Fiat 15 und seine Derivate wurden insbesondere von der italienischen Armee eingesetzt. Daneben wurden vom Fiat 15 ter etliche Fahrzeuge an die französischen, englischen und russischen StreitkrĂ€fte sowie an die USA geliefert; im Rahmen der Zwölften Isonzoschlacht dĂŒrften auch etliche Fahrzeuge von den österreichisch-ungarischen StreitkrĂ€ften erbeutet worden sein. In Russland wurden die gelieferten Einzelteile im AMO-Werk in Moskau montiert. SpĂ€ter diente dieser Lkw als Basis fĂŒr das Modell AMO-F-15.[13][14]

Das mit Deutschland und Österreich verbĂŒndete Italien blieb bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges zunĂ€chst neutral und trat erst im Mai 1915 – jetzt auf alliierter Seite – in den Krieg ein. Diese Zeit nutzten die Italiener: Sie erkannten, dass der Krieg lange dauern werde, und das Kraftfahrzeug eine bedeutende Rolle spielen werde. Infolgedessen musste der Ausstoß vor allem an Lastkraftwagen deutlich erhöht werden, und es durften die Arbeiter in den Kraftfahrzeugfabriken nicht zum MilitĂ€r einberufen werden. So lieferte Fiat an das italienische Heer von August 1914 bis Mai 1915 insgesamt 360 Fiat 15 ter, davon 106 SanitĂ€tsfahrzeuge und 30 Scheinwerferwagen[15]. Der Fiat 15 ter wurde wĂ€hrend des ganzen Krieges weiter fĂŒr das italienische Heer (und andere alliierte StreitkrĂ€fte) produziert. Vor allem im Gebirgskrieg, aber auch im Kampf gegen AufstĂ€ndische in Libyen bewĂ€hrte sich das relativ leichte Fahrzeug. Am 1. Oktober 1918, kurz vor Kriegsende, verfĂŒgte die italienische Armee ĂŒber 8206 StĂŒck, davon 710 SanitĂ€tswagen.[16]

Als 1919 die italienische Armee auf Friedensfuß reduziert wurde, dĂŒrften etliche nicht mehr benötigte Fiat 15 ter versteigert worden sein: Ein Verfahren, das seit Jahrhunderten nach Friedensschluss allenthalben ĂŒblich war. Insbesondere aber in den italienischen Kolonien (in erster Linie Libyen, aber auch Eritrea und Italienisch-Somaliland) blieben die Fiat 15 ter weiterhin im Dienst des MilitĂ€rs fĂŒr allgemeine Transportaufgaben. Daneben wurde der Lkw bis 1922 weitergebaut, jetzt vor allem fĂŒr den zivilen Markt. Im Mutterland wurde der Fiat 15 ter ab 1925 durch den moderneren SPA 25C in der italienischen Armee abgelöst, in den Kolonien blieb das offenbar als unverwĂŒstlich geltende Fahrzeug aber weiterhin bis in die ersten Jahre des Zweiten Weltkrieges im Dienst der italienischen Armee[17]. In den 1930er Jahren wurden allerdings allenthalben die Vollgummireifen durch neue Druckluftbereifung ersetzt.

Nach einer nicht genannten Quelle soll Frankreich 500 Fiat 15 ter im Dezember 1914 und weitere 600 StĂŒck im Januar 1915 bestellt haben. Am 30. Juni 1915 seien 635 StĂŒck im Dienst der französischen StreitkrĂ€fte gewesen, am 31. Mai 1918 habe die Zahl 839 StĂŒck im Dienst der französischen FliegerstreitkrĂ€fte betragen. Nach einer anderen Quelle erfolgte die erste französische Bestellung von Fiat 15 ter (ĂŒber 304 Chassis) im Jahr 1915, bis 1918 wurden ĂŒber 1000 StĂŒck geliefert. Die Lieferungen blieben aber immer hinter dem Bedarf der französischen StreitkrĂ€fte zurĂŒck, was insbesondere fĂŒr das Jahr 1918 galt, als die USA bei Fiat 4000 StĂŒck bestellten, die vorrangig zu liefern waren.[18]

Großbritannien

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Zu Ende des Ersten Weltkrieges dienten 386 Fiat 15 ter in britischen StreitkrĂ€ften: 294 in Italien, 54 in Saloniki/Balkan, 37 in Mesopotamien und einer in Russland.[19] Andere Quellen erwĂ€hnen nur die 294 in Italien eingesetzten Fahrzeuge.[20] AuffĂ€llig ist, dass ihr Einsatz ausschließlich an NebenkriegsschauplĂ€tzen erfolgte und nicht am Hauptkriegsschauplatz in Frankreich. Offenbar setzte man in Frankreich die vertrauten britischen und amerikanischen Typen ein, wĂ€hrend man im Bereich des Mittelmeeres und des Nahen Ostens wegen der kĂŒrzeren Transportwege auch italienisches Material nicht verschmĂ€hte. Das eine Exemplar auf dem russischen Kriegsschauplatz dĂŒrfte aus einer Lieferung an Russland stammen, die die EnglĂ€nder bzw. die Nördliche Armee in Nordrussland 1918 erbeuteten.

An Frankreich, Großbritannien und Russland zusammen sollen 20.000 Fiat 15 ter geliefert worden sein[21]: Britische Truppen hatten Ende 1918 knapp 400 Fiat 15 ter im Dienst. Die Franzosen erhielten etwa 1100 StĂŒck, demnach bleiben fĂŒr Russland 18.400 StĂŒck ĂŒbrig. Diese Zahl dĂŒrfte allerdings erheblich zu hoch gegriffen sein. Fiat 15 ter eigneten sich fĂŒr die russischen StraßenverhĂ€ltnisse (Ă€hnlich wie fĂŒr Libyen) besonders, weil es leichte Lkw waren.

Von den an Russland gelieferten Fiat 15 ter erfolgten etliche in Teilen; das AMO-Werk in Moskau montierte daraus 432 StĂŒck 1917, 779 StĂŒck 1918 und 108 StĂŒck 1919, zusammen also 1319 StĂŒck. Weitere mögen komplett zusammengebaut geliefert worden sein, wobei als Ausladeorte lediglich Murmansk und (in den Sommermonaten) Archangelsk in Betracht kommen – die Ostsee- und SchwarzmeerhĂ€fen waren durch Deutschland bzw. die TĂŒrkei fĂŒr Schiffe der Entente versperrt, und Wladiwostok war zu weit entfernt. Als die Briten zur BekĂ€mpfung der russischen Revolutionstruppen 1918 in Murmansk und Archangelsk landeten, fanden sie etliche von der Entente gelieferte Flugzeuge und sonstiges Kriegsmaterial vor, das bislang von den Russen noch nicht ĂŒber die nur eingleisigen Bahnen abtransportiert worden war: Ob sich hierunter auch Fiat 15 ter befanden, ist nicht ĂŒberliefert.

Das AMO-Werk war ab 1919/20 vor allem mit der Reparatur der noch zahlreich vorhandenen Fiat 15 ter beschĂ€ftigt, um ab 1924 bis 1931 den Typ unter der Bezeichnung AMO-F-15 in ĂŒber 6000 StĂŒck nachzubauen.

Die USA bestellten 4000 Fiat 15 ter nach ihrem Kriegseintritt im April 1917[18], von denen bis Kriegsende 200 geliefert wurden.[21] Interessanterweise wird jedoch dieses Typs in der einschlĂ€gigen US-amerikanischen Literatur[22] nirgends ErwĂ€hnung getan, sodass zu schließen ist: Diese 200 StĂŒck wurden entweder zwar gefertigt und zur Abnahme bereitgestellt, aber wegen des mittlerweile erfolgten Kriegsendes nicht mehr abgenommen, oder sie wurden von den zustĂ€ndigen US-amerikanischen Dienststellen zwar abgenommen, aber nicht mehr an die Truppe ausgegeben. HierfĂŒr spricht auch der Umstand, dass die 200 StĂŒck erst im Dezember 1918 geliefert wurden[21], als der Erste Weltkrieg bereits beendet war und die Amerikaner unter ZurĂŒcklassung (bzw. teilweiser Vernichtung) etlichen Kriegsmaterials Europa wieder verließen.

Österreich-Ungarn

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Soweit italienische Kraftfahrzeuge in den Heeren Österreich-Ungarns verwendet wurden, stammten sie aus Kriegsbeute. Der Krieg Österreich-Ungarns gegen Italien war bis Ende Oktober 1917 im Wesentlichen ein Stellungskrieg, bei dem kaum ohnehin nur im rĂŒckwĂ€rtigen Frontbereich eingesetzte Kraftfahrzeuge erbeutet wurden. Erst in der Zwölften Isonzoschlacht wurden nach Durchbruch durch die italienische Front auch zahlreiche Kraftfahrzeuge erbeutet; die Erfassung, Bergung und Sichtung/Reparatur des erbeuteten Materials zog sich allerdings bis zum Februar/MĂ€rz 1918 hin. Aus erbeuteten Kraftfahrzeugen wurden schließlich ab MĂ€rz 1918 insgesamt zwölf Kraftfahrkolonnen aufgestellt[23], wobei eine Kraftfahrkolonne 20 Lkw umfasste. Anhand der fĂŒr Ende 1918 ĂŒberlieferten Zahlen waren etwa 30 % der Lkw der italienischen Armee vom Typ Fiat 15 ter, etwa 30 % der im Oktober/November 1917 erbeuteten Fahrzeuge dĂŒrften daher ebenfalls dieses Typs gewesen sein. Weitere Fiat 15 ter könnten im Rahmen der Besetzung der Ukraine ab MĂ€rz 1918 erbeutet worden sein. Der Beuteumfang dort umfasste rund 2200 Lkw, die nach einer Vereinbarung zu drei FĂŒnfteln an Österreich-Ungarn, zu zwei FĂŒnfteln an die Ukraine gingen. Allerdings sollen bei dieser Gelegenheit vor allem US-amerikanische Lkw (also im Wesentlichen wohl White TBC und White TAD, vielleicht auch Jeffery Quad) erbeutet worden sein.[24]

Im Sommer 1912 entstanden auf dem Fahrgestell des Fiat 15 bis zwei ĂŒberpanzerte Fahrzeuge: Der Aufbau wurde mit genieteten Panzerplatten versehen, auf dem Dach wurde ein um 360 Grad drehbarer GeschĂŒtzturm aufgesetzt, in dem ein Maschinengewehr mit Kaliber 6,5 mm (damaliges Standard-Kaliber der italienischen Infanterie) untergebracht war. Die Besatzung bestand aus drei Mann, darunter der Kommandant des Fahrzeugs. Die Fahrzeuge wurden nach Libyen gebracht und standen dort auch nach Ende des Italienisch-TĂŒrkischen Krieges noch lange Zeit in Dienst, zumal die Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölkerung in Libyen mit dem Frieden von Ouchy im Oktober 1912 nicht endeten, sondern bis Ende der 1920er Jahre andauerten. Zu einem unbekannten Zeitpunkt wurde der Turm der Panzerwagen durch einen solchen mit schrĂ€gen Panzerplatten ersetzt. Unklar ist, ob hierbei die Bewaffnung verdoppelt wurde, wie eine Quelle behauptet.[25]

Ab Mitte 1918 wurde eine weitere kleine Anzahl Panzerwagen – jetzt auf dem Fahrgestell des Fiat 15 ter – ausgeliefert: Insgesamt handelte es sich um mindestens zwölf StĂŒck. Sie hatten eine Besatzung von vier Mann: Kommandant, Fahrer, MG-SchĂŒtze und Mechaniker/MunitionsschĂŒtze. Auf dem Dach des zentralen Fahrerhauses war ein um 360 Grad drehbarer Turm installiert, in dem ein MG (jetzt vom Typ Fiat–Revelli Modello 1914) mit 8000 Schuss untergebracht war. Auch diese Fahrzeuge wurden nach Libyen verschifft, um im Kampf gegen AufstĂ€ndische zu dienen. Sie bildeten dort zunĂ€chst eine Squadriglia zu 12 Fahrzeugen und taten in den Jahren 1920 bis 1940 ihren Dienst.[26] Nach anderer Quelle soll der Turm drei MG des Typs Schwarzlose M7/12 aufgewiesen haben: Dies kann indessen nicht stimmen, da die österreichisch-ungarischen Schwarzlose-MG erst ab 1919 den Italienern zur VerfĂŒgung standen: Nachdem sich die österreichisch-ungarische Armree im Oktober 1918 quasi aufgelöst hatte, konnten die Italiener österreichische Waffen (darunter auch MG 07 Schwarzlose) im Winter 1918/19 an allen Fronten als Kriegsbeute kurzerhand einsammeln und anschließend eigenen BestĂ€nden hinzufĂŒgen: Eine Ausstattung mit Schwarzlose-MG war daher 1918 noch nicht möglich, sondern frĂŒhestens ab 1919 nach Sichtung und Erprobung der Beute. Außerdem zeigen vorhandene Abbildungen das Fahrzeug stets nur mit einem MG bewaffnet.[27]

Um ca. 1930 – mittlerweile wurden diese Panzerwagen inoffiziell im italienischen Heer als „Fiat tipo Libya“ bezeichnet – wurden die Formationen in Libyen umgegliedert und die Panzerwagen auf mehrere Squadriglie verteilt: Jede Squadriglia umfasste jetzt acht Offiziere, zehn Unteroffiziere und 100 Mannschaften und hatte an Kraftfahrzeugen drei Panzerwagen Fiat, vier gepanzerte Lkw und 23 (ungepanzerte) Transport-Lkw. Die Squadriglie wurden 1940 mit den ungepanzerten, aber erheblich moderneren 2,5-Tonnern des Typs Fiat-SPA 38R ausgerĂŒstet, einige Fahrzeuge bildeten jedoch noch eine Panzerauto-Schwadron in einer Panzerbrigade, die im Februar 1941 bei der britischen Offensive in Libyen vernichtet wurde.[26]

Folgende technische Daten des Panzerfahrzeugs sind ĂŒberliefert:[28]

  • Motor und Getriebe des Fiat 15 ter
  • Gewicht 1400–1450 kg, Zuladung 1,4 Tonnen
  • LĂ€nge × Breite 4,545 × 1,70 m
  • Radstand 3,07 m
  • Bodenfreiheit 27 cm
  • 4 Vollgummireifen 880 × 120 oder 6 StĂŒck 935 × 135 (Hinterachse doppelt bereift)
  • Höchstgeschwindigkeit 40–45 km/h
  • Max. SteigfĂ€higkeit 15 %
  • Wenderadius 7 m

Zumindest was Gewicht und Zuladung betrifft, dĂŒrften sich die Angaben allerdings auf den Fiat 15ter ohne Panzeraufbau beziehen.

Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurden viele Lkw, die die italienischen StreitkrĂ€fte nicht mehr benötigten, versteigert bzw. anderweitig verĂ€ußert und gelangten dadurch in zivile HĂ€nde. Da der Typ noch ĂŒber 1919 hinaus bis 1922 weitergebaut wurde, dĂŒrften auch etliche dieser Neubaufahrzeuge einen zivilen Eigner gefunden haben.

Eine grĂ¶ĂŸere Menge kaufte die unter dem KĂŒrzel AFEA registrierte Firma Officine Meccaniche Achille Andreoli & Figli in Codigoro (eine Gemeinde in der Provinz Ferrara) auf, entfernte die Lkw-Aufbauten und versah die Fahrgestelle mit Torpedo-Karosserien und wandelte sie so in Pkw der gehobenen Mittelklasse um.[29]

  • Wolfgang Schmarbeck: Alle Fiat-Automobile, Personen- und Rennwagen 1899-1981. 1. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 1982, ISBN 3-87943-459-X.
  • Sergio Puttino: Storia illustrata del Camion Italiano. Fondazione Negri, Brescia 2008, S. 42–43.
  • Carlo F. Zampini Salazar: Ottant' anni di camion FIAT. Gruppo Editoriale Forma, Turin 1983.
  • Nicola Pignato, Filippo Cappellano: Gli autoveicoli tattici e logistici del R. Esercito Italiano fino al 1943, Tomo primo. Officio Storico SME, Rom 2005, ISBN 88-87940-46-0.
  • Nicola Pignato, Filippo Cappellano: Gli autoveicoli da combattimento dell' Esercito Italiano, Volume primo. Officio Storico SME, Rom 2002, ISBN 88-87940-28-2.
  • Bart H. Vanderveen: The Observer's Army Vehicle Directory to 1940. Olyslager, London 1974, ISBN 0-7232-1540-5.
  • François Vauvillier: Les camionettes bachĂ©es de l' armĂ©e française, in: Guerre, Blindes et MatĂ©riel (GBM) No.91. Histoire & Collections 2010, 2010, ISSN 1956-2497, S. 85.
  • Giulio Benussi: Autocannoni, Autoblinde e veicoli speciali del Regio Esercito Italiano nella prima guerra mondiale. Intergest, Mailand 1973.
  • Tim Gosling: British Military Trucks of World War One. Tankograd Publishing Jochen Vollert, 2014, ISBN 978-3-936519-37-2, S. 110.
  • I. von Juraschek, Hermann R. v. Schullern zu Schrattenhofen, Hrsg.: Otto HĂŒbner's statistische Tabellen aller LĂ€nder der Erde, Ausgabe 1913. 1913. Auflage. Heinrich Keller, Frankfurt a. M. 1913, S. 31.
Commons: Fiat 15 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Benussi S. 20.
  2. ↑ HĂŒbners: Tabellen der Erde 1913. S. 31.
  3. ↑ Pignato/Cappellano: autoveicoli tattici e logistici. S. 24.
  4. ↑ Vanderveen S. 244 m. Abbildung
  5. ↑ Vanderveen S. 244, 246 m. Abbildung
  6. ↑ Abbildung Pignato/Cappellano S. 94
  7. ↑ Benussi S. 21, Pignato/Cappellano S. 82, 88, 89
  8. ↑ Benussi S. 9
  9. 1 2 Pignato/Cappellano S. 82
  10. ↑ Abbildungen Pignato/Cappellano S. 89, 90, 91
  11. ↑ Pignato/Cappellano S. 92
  12. ↑ Benussi S. 20 f.
  13. ↑ https://books.google.com/books?id=Dn8cie0kyScC&dq=fiat+15+ter&pg=PA12
  14. ↑ Lew M. Schugurow: АĐČŃ‚ĐŸĐŒĐŸĐ±ĐžĐ»Đž Đ ĐŸŃŃĐžĐž Đž ĐĄĐĄĐĄĐ . Teil 1. ILBI Prostreks, Moskau 1993, ISBN 5-87483-004-9.
  15. ↑ Benussi S. 14
  16. ↑ Benussi S. 15
  17. ↑ Pignato/Cappelano S. 82
  18. 1 2 Vauvillier: GBM 91. S. 85.
  19. ↑ Vanderveen: Directory. S. 246.
  20. ↑ Gosling, S. 110.
  21. 1 2 3 Benussi, S. 14
  22. ↑ z. B. Mroz, A.: American Military Vehicles of WW I. Jefferson, North Carolina 2009. oder F. W. Crismon: U.S. Military Wheeled Vehicles. Minneapolis 2001.
  23. ↑ Schimon S. 182
  24. ↑ Schimon S. 183
  25. ↑ Pignato/Cappellano: veicoli da combattimento. S. 41.
  26. 1 2 Pignato/Cappellano: veicoli da combattimento. S. 100–101.
  27. ↑ Pignato/Cappellano: veicoli da combattimento. S. 103–107.
  28. ↑ Pignato/Cappellano: veicoli da combattimento. S. 102.
  29. ↑ Achille Andreoli e Figli – storia motoristica italiana., auf dannatavintage.com
  1. ↑ Das Standardwerk fĂŒr FIAT-LKW "Carlo F.Zampini Salazar: Ottant' anni di camion FIAT. Gruppo Editoriale Forma, Turin 1983" erwĂ€hnt Lkw dieses Typs ĂŒberhaupt nicht, auch die auf MilitĂ€rfahrzeuge spezialisierten Publikationen von Benussi und Pignato/Cappellano behandeln nur die spĂ€teren Varianten Fiat 15 bis und 15 ter.
  2. ↑ TatsĂ€chlich misst heute Libyen rund 1.760.000 kmÂČ. Indessen muss man, um die damaligen Vorstellungen der Italiener und ihre PlĂ€ne zu bewerten, von den damals bekannten GrĂ¶ĂŸen ausgehen. Dies galt umso mehr, als die Grenzen zu den französischen Kolonialgebieten im SĂŒden und Westen und Ägypten im Osten noch völlig unklar waren und erst in nachfolgenden Verhandlungen mit Frankreich und Großbritannien festgelegt wurden.
  3. ↑ Neben der Schreibweise „Fiat 15 ter“ taucht in der Literatur auch „Fiat 15 Ter“ auf, vgl. Diskussionsseite. Speziell in der italienischen Armee (Regio Esercito) war offenbar die Schreibweise „Fiat XV ter“ gebrĂ€uchlich.