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Filamin

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Filamine (FLN) sind Proteine bei Eukaryoten und gehören zu den Aktin-bindenden Proteinen (ABP). Sie sind an der Quervernetzung von Aktinfilamenten, einem Hauptbestandteil des Zytoskeletts, sowie der Vernetzung von Aktinfilamenten mit Proteinen in der Zellmembran beteiligt. Indirekt spielen sie darĂŒber hinaus eine wichtige Rolle bei Zell-Zell- und Zell-Matrixverbindungen, der Fortbewegung von Zellen (ZellmotilitĂ€t) sowie bei der Entwicklung von Eukaryoten (Ontogenese). Mutationen in den fĂŒr Filamin-B oder -C codierenden Genen können seltene Erbkrankheiten verursachen.[1]

Die Nomenklatur war lange Zeit relativ uneinheitlich. Sehr viele verschiedene Namen beziehungsweise AbkĂŒrzungen können leicht zu Verwechslungen fĂŒhren. Erst im Jahre 2001 wurde eine einheitliche Nomenklatur eingefĂŒhrt.[1] Der AbkĂŒrzung FLN kann dabei ein PrĂ€fix vorangestellt, der darauf hinweist aus welchem Organismus das entsprechende Filamin isoliert wurde, wenn dies nicht aus dem Kontext ersichtlich ist:

Eine Übersicht ĂŒber die verschiedenen Filamine bietet die folgende Tabelle: [2][3]

Name Alte Bezeichnungen Anzahl der Einheiten
hsFLNa ABP, ABP280, FLN1 Non-muscle FLN, αFLN, Filamin A 24
hsFLNb ÎČFLN, FH1, FLN3, Filamin B 24
hsFLNc ÎłFLN, ABP-L, FLN2, Filamin C 24
ggFLNb FLN 24
ddFLN ABP120, Gelationsfaktor 6
dmFLN1-20 Filamin-240, Filamin1 20
dmFLN1-9 Filamin90 9
dmFLN2 20

Die Filamine des Menschen

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Beim Menschen gibt es 3 verschiedene Filamine: Filamin A (α-Filamin), Filamin B (ÎČ-Filamin) und Filamin C (Îł-Filamin). Sie bestehen aus 24 Wiederholungen, die jeweils von etwa 96 AminosĂ€uren gebildet werden. Am carboxyterminalen (C-terminalen) Ende besitzen die Filamine eine flexible Gelenkregion, die sich in elektronenmikroskopischen Aufnahmen V- oder Y-förmig darstellt. Sie verleihen den Quervernetzungen eine gewisse FlexibilitĂ€t. Von den Filaminen A und B gibt es jeweils noch 2 Isoformen, jeweils eine mit oder ohne eine zweite Gelenkregion.

Die Funktionen der Filamine sind zahlreich und werden durch Verbindungen, hauptsĂ€chlich zwischen Aktin und Membranproteinen vermittelt. Es sind inzwischen mehr als 20 dieser Interaktionen bekannt. Bei den Membranproteinen handelt es sich hĂ€ufig um Rezeptoren, die bei Bindung ihres Liganden, Signale in die Zelle weiterleiten (sog. SignalĂŒbermittlung). Die Verbindungen der Filamine werden ĂŒber Signale gelöst oder neu gebildet und können dadurch zu einer Umorganisation des Zytoskeletts fĂŒhren. Die SignalĂŒbertragung wird unter anderem durch Phosphorylierung und Dephosphorylierung vermittelt.

Ein Beispiel ist die Interaktion der Filamine A und B zwischen Aktin und einem Rezeptor, der unter anderem bei den BlutplĂ€ttchen (Thrombozyten) vorkommt, der so genannte Von-Willebrand-Faktor-Rezeptor. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Initiation der Blutgerinnung. Bindet der Rezeptor seinen Liganden, den Von-Willebrand-Faktor dann kommt es unter anderem durch diese Verbindung zu einer Aktivierung der BlutplĂ€ttchen und zu einer Umorganisation des Zytoskeletts. Ein weiterer Rezeptor, der bei der Blutgerinnung eine Rolle spielt und mit Filamin interagiert, ist der Rezeptor fĂŒr den Gewebefaktor.

Des Weiteren können ĂŒber die Interaktion mit zahlreichen Integrinen Zell-Zell- und Zell-Matrix-Verbindungen gelöst oder gebildet werden. Integrine binden beispielsweise außerhalb der Zelle an Strukturen des Bindegewebes, wie Kollagen und Filamin. Sie tragen damit zur StabilitĂ€t von ZellverbĂ€nden bei.

Filamin C besitzt eine spezifische AminosĂ€uresequenz, die mit der Z-Scheibe der Aktinfilamente in Muskelzellen interagiert. Dies fĂŒhrt zu einer Quervernetzung der Muskelfibrillen und trĂ€gt damit zu einer Stabilisierung bei.

Filamin-assoziierte Erkrankungen beim Menschen

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Mutationen in den Genen, die fĂŒr die Filamine codieren, können zu zahlreichen, insgesamt aber seltenen Erkrankungen fĂŒhren.

FĂŒr das Filamin A (FLNA) sind Mutationen und daraus resultierende Erkrankungen beschrieben, die sowohl zu einer verminderten oder komplett aufgehobenen Funktion fĂŒhren können (loss of function), als auch solche, die eine ÜberaktivitĂ€t und verstĂ€rkte Funktion bedingen können (gain of function).[4]

Bei den angeborenen Syndromen mit vermehrter FLNA-Wirkung kommt es zu Skelettdysplasien mit Taubheit, dazu zÀhlen die Otopalatodigitalen Syndrome OPD-Typ 1 und OPD Typ 2 sowie das Melnick-Needles-Syndrom.

Mutationen, die zu einer verminderten Wirkung von FLNA fĂŒhren, werden als FLNA-related disease (FLNA-assoziierte Erkrankung) zusammengefasst. Dies ist eine X-chromosomal-dominante Erkrankung mit einer sehr stark variablen AusprĂ€gung, die bei Jungen in der Regel tödlich ist. Aufgrund der klinischen Ähnlichkeiten gehört die FLNA-assoziierte Erkrankung zu der Gruppe der Bindegewebs-Syndrome mit Marfan-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom und Loeys-Dietz-Syndrom.

Zu den hÀufigen klinischen Manifestationen zÀhlen:

Mutationen im Filamin C-Gen (FLNC) sind beispielsweise die Ursache der Filaminopathie, einer Form der myofibrillĂ€ren Myopathien (MFM). MFM sind eine klinisch und genetisch heterogene Gruppe von Muskelerkrankungen, die durch eine fokale Auflösung von Muskelfibrillen sowie durch die abnorme Ansammlung und Zusammenlagerung von diversen Proteinen in den Muskelfasern der Patienten charakterisiert sind. Alle bisher beschriebenen FLNC-Mutationen betreffen die DimerisierungsdomĂ€ne. FĂŒr die p.W2710X-Mutation, die zu einer Deletion der carboxyterminalen 16 AminosĂ€uren in DomĂ€ne 24 fĂŒhrt, konnte gezeigt werden, dass hierdurch die Dimerisation gestört wird und die mutierten FilaminmolekĂŒle sich stattdessen zusammenlagern und Aggregate bilden. Ferner ist das mutierte Filamin C instabiler und anfĂ€lliger fĂŒr die Proteolyse. Klinisch fĂŒhrt die Filaminopathie zu einer langsam fortschreitenden MuskelschwĂ€che, die bevorzugt die stammnahe Muskulatur betrifft. Eine hĂ€ufige und ernste Komplikation stellt die Ateminsuffizienz infolge der Beteiligung der Atemmuskulatur dar.

Einzelnachweise

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  1. 1 2 T. P. Stossel u. a.: Filamins as integrators of cell mechanics and signalling. In: Nat Rev Mol Cell Biol. 2(2), 2001 Feb, S. 138–145. PMID 11252955.
  2. ↑ M. Knuth: Identifizierung und Charakterisierung von FIP, einem neuen Filamin-bindenden Protein. Dissertation. 2001. PDF-Version
  3. ↑ U. Tigges: Charakterisierung der Interaktion zwischen dem Strukturprotein Filamin und der Proteinkinase C α. Dissertation. 2003. PDF-Version
  4. ↑ Ted M. Kremer, Mark E. Lindsay, T. Bernard Kinane, Megan H. Hawley, Brent P. Little, Mari Mino-Kenudson: Case 28-2019: A 22-Year-Old Woman with Dyspnea and Chest Pain New England Journal of Medicine 2019, Band 381, Ausgabe 11 vom 12. September 2019, Seiten 1059-1067, DOI: 10.1056/NEJMcpc1904041