Freedom Fries

Der englische Begriff Freedom Fries ist ein politisch motivierter Euphemismus fĂŒr Pommes frites (englisch French fries), der von Teilen der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten benutzt wurde. Der Euphemismus ist das Ergebnis antifranzösischer Ressentiments in den USA, die 2003 im Verlauf von Kontroversen ĂŒber den beschlossenen Einmarsch in den Irak entstanden. Frankreich bekundete seine Ablehnung gegenĂŒber einer Invasion im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Die französische Position wurde von einigen missbilligt, was zur BoykotterklĂ€rung französischer Waren und deren Handel sowie bei Produkten zur Beseitigung des LĂ€ndernamens fĂŒhrte.
Offizielle Umbenennung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Am 11. MĂ€rz 2003 lieĂen die republikanischen US-Politiker Robert Ney und Walter B. Jones, Vertreter von Ohio respektive North Carolina im US-ReprĂ€sentantenhaus, alle ErwĂ€hnungen von French fries und French toast ersetzen, die auf der Speisekarte in den drei vom Abgeordnetenhaus betriebenen Cafeterien zu finden waren. Die Aktion erforderte nicht die Zustimmung des Kongresses, da Ney Vorsitzender des fĂŒr die Hausverwaltung zustĂ€ndigen Ausschusses war und Weisungsbefugnis ĂŒber die Cafeterien im Haus besaĂ.[1]
Laut einer Stellungnahme Neys beabsichtigte er mit dieser MaĂnahme, Missfallen gegenĂŒber Frankreich auszudrĂŒcken, das âsich fortwĂ€hrend dem Beistand ihrer amerikanischen VerbĂŒndeten verweigerte.â In der Stellungnahme heiĂt es weiter: âDie heutige Aktion ist ein kleiner aber symbolischer Kraftakt, um das drastische Missfallen zu demonstrieren, das viele in Capitol Hill mit unserem so genannten VerbĂŒndeten Frankreich haben.â[2] Die französische Botschaft in Washington, D.C. gab dazu keinen Kommentar ab.[1]

Der Kongressabgeordnete Ney war nicht der erste, der French fries in Freedom fries umbenannte. Die Bewegung ging von dem in Privatbesitz befindlichen Fast-Food-Restaurant Cubbieâs in Beaufort aus,[3] dessen Besitzer Neal Rowland mit dem Verkauf von Pommes frites unter dem Namen Freedom fries bereits im Februar 2003 begann.[4] Viele seiner Kunden gehören zu den US-Truppen, da sich dort in der NĂ€he drei MilitĂ€rstĂŒtzpunkte befinden.
Sowohl das Restaurant als auch die StĂŒtzpunkte liegen in North Carolina, dem Bezirk des Kongressabgeordneten Jones, der dem Beispiel von Cubbieâs folgte,[1] indem er einen Brief an seine parlamentarischen Kollegen in Umlauf brachte. Darin ersuchte er sie, die KartoffelstĂ€bchen Freedom fries zu nennen, weil die Franzosen âAuĂenseiter seienâ (âsitting on the sidelinesâ).[3] Im MĂ€rz 2007 gelang es Cubbieâs Restaurantbesitzer Rowland, Freedom fries als Markenzeichen beim United States Patent and Trademark Office eintragen zu lassen.[4]
Beunruhigt ĂŒber die Entwicklung sah sich das Unternehmen Reckitt Benckiser, Hersteller der Senfmarke Frenchâs, genötigt, darauf hinzuweisen, dass sich ihr Markenname von einem Familiennamen herleite.[5]
Politische Umkehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Mai 2005 gelangte Jones zu der Ansicht, dass die USA in den Irakkrieg ohne Rechtfertigung eintraten, woraufhin er in Bezug auf die Freedom-Fries-Episode anmerkte: âIch wĂŒnschte, es wĂ€re nie passiert.â[6] Ende Juli 2006 wurden in allen Cafeterien des ReprĂ€sentantenhauses die NamensĂ€nderungen von French fries und French toast in aller Stille rĂŒckgĂ€ngig gemacht. Das betraf auch die Cafeteria im Abgeordnetenhaus Longworth House Office Building, die French fries bereits im Januar 2006 wieder auf die Speisekarte setzte.[3]
Freedom Fries in Kunst und Kultur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im MĂ€rz 2003 parodierte Tina Fey die Geschichte in einem Sketch der Reihe Weekend Update in der Comedy-Show Saturday Night Live: âin einem Ă€hnlichen Witz wird in Frankreich bei American cheese nun auf 'Idiot cheese' [IdiotenkĂ€se] verwiesen.â[7]
Der US-amerikanische Illustrator und Karikaturist Steve Brodner betitelte seine Sammlung von Illustrationen mit Freedom Fries.
In dem US-Comicstrip Doonesbury kritisierten die Figuren Mark Slackmeyer und Zonker Harris die Umbenennung auf Französisch. Slackmeyer meinte, dass Frankreich im Zweiten Weltkrieg von den USA befreit worden sei und dass die Schlagzeile zahlreicher französischer Zeitungen nach dem 11. September âWe are all Americansâ (Wir sind alle Amerikaner) lautete. Am Ende stellte er aber fest, dass die Gegner des Französischen jingoistische, selbstbezogene conquer-monkeys (etwa âBesatzungsaffenâ) seien, was sich auf die Phrase Cheese-eating surrender monkeys (etwa âkĂ€seessende Kapitulationsaffenâ) bezog, mit der Franzosen abfĂ€llig umschrieben werden.[8]
Das französisch-amerikanische Indie-Duo Freedom Fry (â(eine) Freiheitspommesâ) wĂ€hlten ihren Namen, der ironisch Bezug auf das Freedom-Fries-PhĂ€nomen nimmt.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Sean Loughlin: House cafeterias change names for 'french' fries and 'french' toast. CNN Washington Bureau, 12. MĂ€rz 2003, archiviert vom (nicht mehr online verfĂŒgbar) am 4. August 2011; abgerufen am 24. November 2012 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- â House Now Serving 'Freedom Fries'. FoxNews.com, 11. MĂ€rz 2003, archiviert vom am 1. Februar 2013; abgerufen am 24. November 2012 (englisch).
- 1 2 3 Christina Bellantoni: Hill fries free to be French again. The Washington Times, 2. August 2006, abgerufen am 24. November 2012 (englisch).
- 1 2 Latest Status Info, TM Reg. 3220999. United States Patent and Trademark Office, 11. MÀrz 2003, abgerufen am 24. November 2012 (englisch).
- â French's mustard denies French connection. CBC News, 27. MĂ€rz 2003, abgerufen am 24. November 2012 (englisch).
- â Jamie Wilson: French fries protester regrets war jibe. The Guardian, 25. Mai 2005, abgerufen am 24. November 2012 (englisch).
- â Weekend Update with Jimmy Fallon & Tina Fey. 15. MĂ€rz 2003, archiviert vom am 15. April 2013; abgerufen am 24. November 2012 (englisch).
- â Garry Trudeau: Doonesbury Comic Strip. GoComics.com, 4. MĂ€rz 2003, abgerufen am 24. November 2012 (englisch).