FĂ€hrmann


Der FĂ€hrmann (historisch auch Ferge, FĂ€rer) fĂŒhrt eine FĂ€hre ĂŒber einen Wasserlauf oder See. Der Beruf des FĂ€hrmannes war sehr verbreitet, als es an den mitteleuropĂ€ischen Strömen und FlĂŒssen noch wenig BrĂŒckenverbindungen gab. Damals war die FĂ€hre ein ĂŒbliches Verkehrsmittel, wenn Reisende keine Furt nutzen konnten.
Der vorwiegend in Basel geprĂ€gte Spruch Verzell du daas em FÀÀrimaa! besagt, dass man seinem GegenĂŒber keinen Glauben schenkt (siehe Basler FĂ€hren). Dem FĂ€hrmann wird dabei attestiert, er sei ein guter Zuhörer fĂŒr die Sorgen seiner FahrgĂ€ste.
Der FĂ€hrmann als Symbol und Motiv
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Die Gestalt des FĂ€hrmanns besaĂ in vielen Kulturen eine mythologische Bedeutung und wurde oft mit dem Ăbergang vom Leben in den Tod assoziiert.
Die Fahrt mit einer FĂ€hre ist in Mythen und ErzĂ€hlungen oft als Metapher fĂŒr Ăbergang oder entscheidende Phasen einer Reise zu finden. Der FĂ€hrmann erscheint dabei meist als ein FĂŒhrer oder Helfer fĂŒr jene, die er zum anderen Ufer, sei es das Reich der Toten oder der nĂ€chste Abschnitt der Reise, bringt.
In der Mythologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bereits im Gilgamesch-Epos, einer der Ă€ltesten bekannten Dichtungen der Menschheit, die von der Suche des sumerischen Königs Gilgamesch (regierte etwa 2652â2602 v. Chr.) nach Unsterblichkeit erzĂ€hlt, erscheint der FĂ€hrmann Ur-ĆĄanabi, der den König ĂŒber die Wasser des Todes bringt.
GemÀà dem Ăgyptischen Totenbuch bringt Mahaf die Seelen der Toten auf einem Boot aus Papyrus in die Unterwelt. Das Totenschiff steht unter der Obhut des Gottes Aken, der die meiste Zeit damit verbringt, am Ruder zu schlafen. Sollen Seelen zu dessen Gemahlin Amet, die die Seelen am Tor der Unterwelt begrĂŒĂt, gebracht werden, muss Mahaf ihn erst aufwecken â was allerdings, glaubt man den alten Texten, mitunter nicht einfach ist.
Aus der griechischen Mythologie ist der FĂ€hrmann Charon bekannt, der ebenfalls die Seelen der Toten ĂŒber den Fluss Acheron (auch Lethe oder Styx) zum Eingang des Hades bringt. Als Bezahlung fĂŒr die Ăberfahrt wurde den Toten in Griechenland eine MĂŒnze unter die Zunge gelegt.
In der Iranistik wird der Name Zarathustra auch mit der Beschreibung einer religiösen Funktion und in diesem Zusammenhang mit â(Jenseits-)FĂŒhrerâ, âFĂ€hrmannâ (indogermanisch geront) und so mit einer bis zu 4000 Jahre alten religiösen Ăberlieferung in Verbindung gebracht.
In der nordischen Mythologie erscheint Odin als FĂ€hrmann namens HĂĄrbarðr (âGraubartâ), der seinem Sohn Thor eine Lektion erteilt. In der 25. Aventiure des Nibelungenlieds erschlĂ€gt Hagen den unwilligen FĂ€hrmann, setzt das Burgunderheer selber ĂŒber die Donau und zerstört anschlieĂend die FĂ€hre, um niemandem die RĂŒckkehr in die Heimat zu ermöglichen.
In der Kunst
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die mythologische Figur des FĂ€hrmanns fand auch Eingang in die Kunst. So erscheint in Dante Alighieris Göttlicher Komödie (Divina Comedia), entstanden im frĂŒhen 14. Jahrhundert, im achten Gesang des ersten Buches (Inferno, âHölleâ), der FĂ€hrmann Phlegias, um Dante und Vergil ĂŒber den Fluss Styx zu bringen. Das Motiv wird in den 1950er Jahren zum Vorbild fĂŒr Salvador DalĂs Der Nachen mit dem Engel als FĂ€hrmann, in seiner aus 101 Aquarellen bestehenden Serie zur Divina Comedia.
August Kopisch lĂ€sst in seiner Ballade Des winzigen Volkes Ăberfahrt den FĂ€hrmann ein unsichtbares Zwergenvolk ĂŒbersetzen, das vor der modernen Zivilisation fliehen will. Hermann Hesse greift das Motiv des FĂ€hrmanns in seinem Buch Siddhartha (1922) auf, indem er Siddhartha, den Suchenden, an einem Wendepunkt seines Lebens zum Gehilfen des FĂ€hrmanns Vasudeva und spĂ€ter selbst zum FĂ€hrmann werden lĂ€sst.
Chris de Burghs Popsong Donât Pay the Ferryman (1982) handelt von einem FĂ€hrmann mit finsteren Absichten. In Max Bruchs Oper Die Loreley ist ein FĂ€hrmann Vater der der Oper ihren Namen gebenden Rheinnixe. Die Nacht des FĂ€hrmanns ist ein Roman von Jean-Pierre Lefebvre.
Sonstiges
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Hallo, der in vielen Sprachen gebrĂ€uchliche GruĂ oder Anruf, um jemand auf sich aufmerksam zu machen, ist sprachgeschichtlich möglicherweise mit âhollaâ, dem verkĂŒrzten Ruf âHol ĂŒber!â an den FĂ€hrmann, verwandt.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber FĂ€hrmann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek