HomogenitÀt (Wirtschaft)
HomogenitĂ€t ist in der Volkswirtschaftslehre eine Eigenschaft von GĂŒtern und Dienstleistungen, völlig einheitlich und undifferenziert zu sein und weder QualitĂ€tsunterschiede noch PrĂ€ferenzen aufzuweisen.
Allgemeines
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Um zu Erkenntnissen zu gelangen, mĂŒssen die Wissenschaften zunĂ€chst IdealzustĂ€nde analysieren und beschreiben, die im Alltag in dieser Form nicht anzutreffen sind. Diese Modelle können dann im Wege der abnehmenden Abstraktion an die RealitĂ€t sukzessive angenĂ€hert werden.[1] So verhĂ€lt es sich auch bei der HomogenitĂ€t, die auf GĂŒter, Dienstleistungen und MĂ€rkte (âhomogener Marktâ) Anwendung findet und in dieser Form in der Praxis kaum vorzufinden ist. Regelfall ist ihr Gegensatz, die HeterogenitĂ€t von MĂ€rkten, GĂŒtern und Dienstleistungen.
HomogenitÀtsbedingungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein homogener Markt liegt vor, wenn auf Seiten der Nachfrager keine PrĂ€ferenzen fĂŒr die auf ihm gehandelten GĂŒter/Dienstleistungen vorhanden sind.[2] Homogene GĂŒter sind unterschiedslose und nicht voneinander unterscheidbare GĂŒter, deren jeweilige Mengeneinheiten aus Sicht der Nachfrager völlig gleichartig sind, so dass keine PrĂ€ferenzen hinsichtlich der einzelnen Einheiten und keine QualitĂ€tsunterschiede vorhanden sind. Ihre Gleichartigkeit gibt den Nachfragern deshalb keinen Anlass, einen bestimmten Anbieter oder qualitativ höherwertige GĂŒter vorzuziehen und den Anbietern keinen Anlass, bestimmte Nachfrager zu prĂ€ferieren. Wegen ihrer Unterschiedslosigkeit sind homogene GĂŒter gegenseitig vollstĂ€ndig substituierbar. Ihr Gegensatz sind heterogene GĂŒter.[3]
Diese HomogenitĂ€tsbedingungen sind auf MĂ€rkten und bei GĂŒtern/Dienstleistungen in der RealitĂ€t kaum anzutreffen. Unterscheiden sich beispielsweise lediglich die Liefer- oder Zahlungsbedingungen der Lieferanten oder BonitĂ€ten/Zahlungsverhalten der Kunden in einem kleinen Detail, ist die HomogenitĂ€tsbedingung nicht mehr erfĂŒllt.
Arten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die folgende Tabelle zeigt die Unterschiede zwischen homogenen und heterogenen GĂŒtern:[4]
| Kriterium | homogene GĂŒter | heterogene GĂŒter |
|---|---|---|
| Marktform | Börse, Versandhandel | GeschÀfte, KaufhÀuser |
| Marktteilnehmer | interagieren indirekt | interagieren direkt |
| Preisbildung | Auktionen, kontinuierliche Preisanpassung | Listenpreise, individuelle Preisverhandlungen |
Homogene GĂŒter gibt es lediglich auf Börsen und teilweise im Versandhandel. Dort treten die Marktteilnehmer nur indirekt auf, denn die Ăbergabe der Handelsobjekte geschieht nicht unmittelbar zwischen VerkĂ€ufer und KĂ€ufer. Zwischen diese sind Börsenmakler oder Postunternehmen geschaltet.
Vollkommene MĂ€rkte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Beim vollkommenen Markt handelt es sich um ein von der Volkswirtschaftstheorie entwickeltes Gedankenmodell, dessen Voraussetzungen in der RealitĂ€t nicht zu verwirklichen sind.[5] Die HomogenitĂ€t ist eine der vielen PrĂ€missen fĂŒr vollkommene MĂ€rkte.
Auf vollkommenen MĂ€rkten herrschen folgende Marktbedingungen:
- Marktteilnehmer verhalten sich rational im Sinne der Gewinn- oder Nutzenmaximierung,
- keine QualitÀtsunterschiede der Handelsobjekte,
- keine zeitlichen, örtlichen, sachlichen oder persönlichen PrÀferenzen,
- einheitlicher Marktpreis,
- unendlich schnelle Anpassungsgeschwindigkeit der Marktteilnehmer,
- vollstĂ€ndige Markttransparenz fĂŒr alle Marktteilnehmer,
- keine Transaktionskosten,
- unendlich viele Marktteilnehmer bei Anbietern und Nachfragern (Polypol) und
- rÀumlicher und zeitlicher Punktmarkt.
Diese Bedingungen sind rein theoretischer Natur und können annĂ€hernd nur von Börsen erfĂŒllt werden.[6] Homogene GĂŒter sind Handelsobjekte auf vollkommenen MĂ€rkten mit vollstĂ€ndiger Information aller Marktteilnehmer ĂŒber die Marktdaten (Angebot, Nachfrage, Preis, ProduktqualitĂ€t). Es gibt einen einheitlichen Marktpreis, weil unterschiedliche Preise durch Arbitrage zum Ausgleich gebracht wĂŒrden.[7] Alle Marktteilnehmer verhalten sich als Mengenanpasser, denn der Preis ist ein Datenparameter, das Marktvolumen ein Aktionsparameter.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Rolf Becker/Wolfgang Lauterbach, Bildung als Privileg, 2016, S. 426
- â Wolfgang Hilke, Markt, Marktformen und Marktverhaltensweisen, in: Waldemar Wittmann (Hrsg.), Handwörterbuch der Betriebswirtschaftslehre, Teilband 2, 1993, Sp. 2772 f.
- â Walter Kortmann, Mikroökonomik: Methodik â Aufgaben â Begriffe, 2004, S. 277
- â JĂŒrgen Eichberger, GrundzĂŒge der Mikroökonomik, 2004, S. 17
- â Hans-Joachim Panten/Horst MĂ€nnel/Reinhold Stössel/Gerhard Fischer/Franz-Josef Trouvain/Adolf HĂŒttl/Manfred Wilsdorf/Hans Floitgraf, Volkswirtschaftslehre, 1975, S. 108
- â Hermann Witte, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 2007, S. 18
- â JĂŒrgen Eichberger, GrundzĂŒge der Mikroökonomik, 2004, S. 18