Hufner
Ein Hufner, auch HĂŒfner genannt, ist ein Bauer, der als Grundbesitz eine, mehrere oder einen Teil einer Hufe Land bewirtschaftet.
Die Bezeichnungen fĂŒr diese Angehörigen des Bauernstands sind regional unterschiedlich. Sie lauteten im niedersĂ€chsischen Sprachraum Hovener oder Hofener, im mitteldeutschen Gebiet vorwiegend Hufner oder HĂŒfner und im Oberdeutschen Huber. In manchen Gegenden existierten auch völlig abweichende Bezeichnungen, wie zum Beispiel Ackermann, Pferdner oder im ObersĂ€chsischen auch besessener Mann.
Der Hufner war Vollmitglied der Gemeinde der Bauern, besaĂ Mitspracherecht in der Gemeinde und durfte die Allmende nutzen. In der dörflichen Sozialhierarchie standen die Hufner als Vollbauern und Besitzer eines Hofes mit Land von â regional unterschiedlich â 30 bis 100 Morgen vor den GĂ€rtnern und HĂ€uslern. Im Gegensatz zu diesen konnten sie im Dorf das Schöppenamt ausĂŒben.
Regionale Namensvarianten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Von diesem Berufsnamen und seinen regionalen Varianten leitet sich eine Vielzahl von Nachnamen ab. An erster Stelle zu nennen ist der Name Huber,[1] der im deutschen Sprachraum zu den fĂŒnf bis zehn hĂ€ufigsten Nachnamen gehört und neben SĂŒddeutschland besonders in der Schweiz und Ăsterreich verbreitet ist. Durch die regional unterschiedliche Aussprache des Nachnamens Huber entwickelten sich hier ferner die Nachnamen Huemer, Humer, Haumer, Huebmer und Hueber. Ebenfalls verbreitet sind die Formen Höf(f)ner, Huff und HĂŒb(e)ner.
Der Hufner hatte die gleiche soziale Stellung wie der EinspÀnner, der Besitzer eines Gespannes; beide waren fronpflichtig.[2]
Es ist allerdings auĂerdem auf die Art und RegionalitĂ€t des Hufen- oder Bauernguts zu achten, welches der Vollbauer bewirtschaftete. Handelte es sich um ein bonum censuale, also um ein bĂ€uerliches Erb- oder Zinsgut, so war auf dem bĂ€uerlichen Anwesen selbst manchmal die Fron und immer ein fester jĂ€hrlicher Zins, der bei Zahlungsausfall nicht zur Folge hatte, dass der Inhaber vom Gut vertrieben werden konnte.[3]
Diese ZinsgĂŒter konnten in Erbpacht, Lehn oder sogar in freiem Eigentum des persönlich freien Vollbauern stehen.[4] Die sogenannten schlechten ZinsgĂŒter waren fĂŒr den Bauern aber generell mit gröĂeren Besitzrechten einhergehend.[5] Die Obergrafschaft Katzenelnbogen beispielsweise kannte die schlechten ZinsgĂŒter nur als bĂ€uerliches Eigentum,[6] das mit einer grundherrlichen Reallast behaftet war und vom Bauern eigenmĂ€chtig verschuldet, vererbt oder frei verkauft werden konnte.[7] So waren ĂŒber 88 Prozent der BauerngĂŒter im Amt Lichtenberg zugleich bĂ€uerliches Eigentum.[8][9] Die schlechten ZinsgĂŒter durfte der Adel seit 1567 nicht mehr patrimonialherrschaftlich akquirieren.[10] Wobei der Verkauf durch einen landesherrlichen Beamten beurkundet werden musste.[8]
Im KurfĂŒrstentum und Königreich Sachsen gab es die bĂ€uerlichen GĂŒter der Vollhufner ebenfalls in der Form schlechter ZinsgĂŒter mit dem dominum directum also Obereigentum in der Hand des jeweiligen Hufners.[11][12]
Ganz Deutschland kannte solche BauerngĂŒter, die im vollfreien Eigentum des Bauern standen.[13] Neben den schlechten ZinsgĂŒtern gab es noch die ErbzinsgĂŒter, sogenannte bona emphyteutica, die sich darin unterschieden, dass das Obereigentum beim Grund- oder Gutsherr verblieb und der Inhaber damit keine freie VerfĂŒgung ĂŒber das Gut innehatte.[14]
Hufnerhaus
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Hufnerhaus ist die norddeutsche Bezeichnung fĂŒr das HauptgebĂ€ude einer Wohnanlage. Es steht in Marschhufendörfern mit dem Wohnteil (z. B. der quergestellten Wohndiele, Flett oder Fleet genannt) zum Deich hin.[15]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Heide Wunder: Die bÀuerliche Gemeinde in Deutschland (= Kleine Vandenhoeck-Reihe 1483). Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1986, ISBN 3-525-33473-7.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â GĂŒnther Herforth-Unger: Bauer & GĂ€rtner. In: Historische Berufe. Abgerufen am 31. MĂ€rz 2019.
- â J. Gorsler: Alte Berufsbezeichnungen aus KirchenbĂŒchern. In: baseportal.de. Abgerufen am 31. MĂ€rz 2019.
- â Johann Hieronymus Hermann: Teutsches Systema iuris civilis, worinnen das BĂŒrgerliche Recht nach der Ordnung der Pandecten deutlich und grĂŒndlich vorgetragen. Johann Rudolph Cröter, Jena und Leipzig 1735, S. 253 (Digitalisat).
- â Heinrich Zoepfl: AlterthĂŒmer des deutschen Reichs und Rechts. Band 2. Winterâsche Verlagshandlung, Leipzig/Heidelberg 1860, S. 146 (Digitalisat).
- â Brigitta Vits: HĂŒfner, Kötter und Beisassen â Die Wirtschafts- und Sozialstruktur lĂ€ndlicher Siedlungen in Nordhessen vom 16. bis 19. Jahrhundert. Band 25 Hessische Forschungen zur geschichtlichen Landes- und Volkskunde. Verlag des Vereins fĂŒr hessische Geschichte und Landeskunde, Kassel 1993, ISBN 3-925333-25-8, S. 64.
- â Heinz Taut: Die lĂ€ndliche Verfassung im Gebiete der ehemaligen Obergrafschaft Katzenelenbogen wĂ€hrend des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts â Ein Beitrag zur hessischen Agrargeschichte. In: Archiv fĂŒr hessische Geschichte und Altertumskunde. Band 16 â Neue Folge, 1930, ISSN 0066-636X, S. 418.
- â Winfried Noack: Landgraf Georg I. von Hessen und die Obergrafschaft Katzenelnbogen (1567â1596). Verlag des Historischen Vereins fĂŒr Hessen, Darmstadt/Mainz 1966, OCLC 251661225, S. 199, 201.
- 1 2 Brigitte Köhler und Diethard Köhler: Ausstellung. Das Amt Lichtenberg um 1750. Nr. 5 â Schriftenreihe des Museums Schloss Lichtenberg. Museumsverlag Schloss Lichtenberg, Fischbachtal 1985, ISBN 3-923366-02-7, S. 31.
- â Winfried Noack: Landgraf Georg I. von Hessen und die Obergrafschaft Katzenelnbogen (1567â1596). Verlag des Historischen Vereins fĂŒr Hessen, Darmstadt/Mainz 1966, OCLC 251661225, S. 201.
- â Winfried Noack: Landgraf Georg I. von Hessen und die Obergrafschaft Katzenelnbogen (1567â1596). Verlag des Historischen Vereins fĂŒr Hessen, Darmstadt/Mainz 1966, OCLC 251661225, S. 199.
- â Reiner GroĂ: Die bĂŒrgerliche Agrarreform in Sachsen in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts â Untersuchung zum Problem des Ăbergangs vom Feudalismus zum Kapitalismus in der Landwirtschaft. Band 8 Schriftenreihe des Staatsarchivs Dresden. Böhlau, Weimar 1968, OCLC 263363476, S. 29.
- â Manfred Wilde: Die Ritter- und FreigĂŒter in Nordsachsen â ihre verfassungsrechtliche Stellung, ihre Siedlungsgeschichte und ihre Inhaber. Band 12 Aus dem Deutschen Adelsarchiv. Starke Verlag, Limburg 1997, ISBN 3-7980-0687-3, S. 17.
- â Georg Ludwig von Maurer: Geschichte der Fronhöfe, der Bauernhöfe und der Hofverfassung in Deutschland. Band 3. Enke, Erlangen 1863, S. 221 f. (Digitalisat).
- â Georg Michael von Weber: Darstellung der sĂ€mmtlichen Provinzial- und Statuar-Rechte des Königreichs Bayern, mit AusschluĂ des gemeinen, preuĂischen und französischen Rechts nebst den allgemeinen, dieselben abĂ€ndernden, neuen Gesetzen. Band 2 Die Rechte von Mittelfranken. Kollmannâsche Buchhandlung, Augsburg 1838, S. 296 f. (Digitalisat).
- â AndrĂ© Winternitz: Sieghardt v. Köckritz-Preisgeld kommt Hufnerhaus zugute. In: rottenplaces.de. 23. Dezember 2016, abgerufen am 31. MĂ€rz 2019 (Abbildung eines teilweise auf das 16. Jahrhundert zurĂŒckgehenden Hufnerhauses in Hamburg-Allermöhe, Moorfleter Deich Nr. 483).