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Kampanje

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Die Kampanje (englisch companion), auch Kampanjedeck, in der Literatur auch HĂŒttendeck genannt, war eines der Decks auf grĂ¶ĂŸeren Segelschiffen und bezeichnete einen Aufbau auf dem hinteren Schiffsoberdeck.

Die Kampanje (Bildmitte) einer Galeone (Schiffsmodell), darĂŒber das Poopdeck

Das niederlĂ€ndische Wort Kampanje, das als Lehnwort in die deutsche Seemannssprache ĂŒbernommen wurde,[1] leitet sich vom altfranzösischen Wort compagnie (= Genossenschaft) ab und ist mit der deutschen „Kompanie“ (Infanterieeinheit bzw. frĂŒher Handelsgesellschaft) verwandt. Es war eine KajĂŒte fĂŒr die feine oder höhere Gesellschaft an Bord.[2]

In der einschlĂ€gigen Literatur wird die Kampanje in der Regel als das Deck ĂŒber der HĂŒtte definiert,[3][4] manchmal sogar als HĂŒtte[5][6] selbst bezeichnet.[7]

Sie war in frĂŒheren Zeiten auf Linienschiffen und großen Fregatten[8] aufgebaut.

Die Kampanje diente hauptsĂ€chlich zu astronomischen Beobachtungen und war in ihrer Beschaffenheit durch recht dĂŒnne Decksbalken und Planken charakterisiert. Eingegrenzt wurde sie durch den Kampanjebogen (= einem GelĂ€nder), an dessen Ă€ußeren Enden kleine Treppen auf das Quarterdeck oder die Schanze fĂŒhrten. Auf einigen Schiffen wurde das Kampanjedeck mit Kanonen leichteren Kalibers bestĂŒckt. Da hierdurch aber der Schwerpunkt des Schiffes nach oben wanderte und somit die Rollbewegungen des gesamten Schiffes im Wasser begĂŒnstigt wurden, konnte hierdurch kein echter Zuwachs an Feuerkraft erlangt werden, da auf einem stark rollenden Schiff nicht nur die Treffergenauigkeit, sondern generell auch die SeetĂŒchtigkeit litt. Somit ging man schließlich dazu ĂŒber, statt Kanonen an entsprechender Stelle Seesoldaten mit Musketen zu platzieren, um Feinde zu bekĂ€mpfen.[3]

Die Kampanje (hinten) ĂŒberdacht das Steuerrad des Schiffes und ist zudem ein wettergeschĂŒtzter Zugang zu den Offiziersquartieren und der KapitĂ€nskajĂŒte

Die LĂ€nge der Kampanje wurde meistens durch den Standort des Besanmastes begrenzt. So reichte sie auf einem 70 Kanonenschiff bis auf ungefĂ€hr 18 Zoll vor den Besanmast heran[9][10] und erstreckte sich in der Gegenrichtung bis zum Halbbord.[10] Charakteristisch fĂŒr die Kampanje war zudem, dass sie nach achtern immer ein wenig in die Höhe stieg.[9]

Unter der Kampanje lag im Regelfall die HĂŒtte[11] (=Wohnquartier) des KapitĂ€ns. Vor der HĂŒtte an beiden Borden lagen die Quartiere der Schiffsoffiziere. Die Kampanje bildete eine Überdachung zwischen KapitĂ€ns- und Schiffsoffizierskabinen und bot somit auch einen (Wetter-)Schutz, wenn man den Quartiersbereich verließ. Unter dieser Überdachung befand sich zudem hĂ€ufig das Steuerrad des Schiffes.[10] Auf (zit.) „allergrĂ¶ĂŸten Schiffen“ konnte sich hinten ĂŒber der Kampanje noch ein Aufsatz befinden, der als OberhĂŒtte bezeichnet wurde.[5]

Anmerkungen und Einzelnachweise

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  1. ↑ nach Parashkewow
  2. ↑ Zur Zeit der Kolonisation bzw. Expansion europĂ€ischer Staaten in Richtung anderer Kontinente war es nicht selten ĂŒblich, dass neben dem KapitĂ€n und seinen Offizieren auch die (Ober-)Kaufleute und hochgestellte Passagiere auf den Schiffen mitfuhren und die verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig großzĂŒgigen und bequemen Quartiere im hinteren Schiffsteil beanspruchten. Siehe hierzu auch NiederlĂ€ndische Ostindien-Kompanie
  3. 1 2 nach Bobrik
  4. ↑ nach Hirtenfeld
  5. 1 2 nach Martini
  6. ↑ nach Bohnstedt
  7. ↑ hier meistens aber im Zusammenhang mit Schlagwortverzeichnissen, bei denen keine erschöpfende ErklĂ€rung erfolgt
  8. ↑ Große oder Schwere Fregatten der frĂŒhen Neuzeit waren hĂ€ufig Zweidecker
  9. 1 2 nach KrĂŒnitz, Flörke, Flörke, Korth
  10. 1 2 3 nach Hirtenfeld und Meynert
  11. ↑ nach Martini: ein bedeckter Raum auf dem hinteren Ende des halben Verdeckes, der 1/12 bis 1/20 der SchiffslĂ€nge betrug
  • Johann Georg KrĂŒnitz, Heinrich Gustav Flörke, Friedrich Jakob Flörke, Johann Wilhelm David Korth: Oeconomische EncyclopĂ€die oder Allgemeines System der Staats-, Stadt, Haus- und Landwirtschaft und der Kunstgeschichte in alphabetischer Ordnung. Band 143. Preußische Buchhandlung, Berlin 1826, S. 269 ff.
  • Eduard Bobrik: Allgemeines nautisches Wörterbuch, mit SacherklĂ€rungen: Deutsch, Englisch, französisch, Spanisch, Portugiesisch, italienisch, Schwedisch, DĂ€nisch, HollĂ€ndisch. Verlagsbureau, Leipzig 1850.
  • Anton Benedikt Reichenbach: Neuester orbis pictus; oder: Die sichtbare Welt in Bildern: ein Universalbilderbuch. Band 1. BaumgĂ€tners Buchhandlung, Leipzig 1854, S. 495 ff.
  • Fr. Leop Martini: Die Wissenschaft des Seekrieges: Nach ihren neuesten Ansichten und Haupt-Momenten dargestellt von Fr. Leop Martini. B. Ph. Bauer, Wien / Krems 1823, S. 30 ff.
  • Professor Bohnstedt: Praktischer Schiffbau (1907). Salzwasser Verlag, Bremen, S. 13. Reprint: 2010.
  • HĂŒtte. In: Oesterreichisches MilitĂ€r-Konversations-Lexikon. Redigirt und herausgegeben von Jaromir Hirtenfeld. Band 3. Eigenthum des Herausgebers, Wien 1852, S. 283; Digitalisat in der Google-Buchsuche
  • Boris Parashkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur: Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen.