Kampanje
Die Kampanje (englisch companion), auch Kampanjedeck, in der Literatur auch HĂŒttendeck genannt, war eines der Decks auf gröĂeren Segelschiffen und bezeichnete einen Aufbau auf dem hinteren Schiffsoberdeck.

Wortherkunft
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das niederlĂ€ndische Wort Kampanje, das als Lehnwort in die deutsche Seemannssprache ĂŒbernommen wurde,[1] leitet sich vom altfranzösischen Wort compagnie (= Genossenschaft) ab und ist mit der deutschen âKompanieâ (Infanterieeinheit bzw. frĂŒher Handelsgesellschaft) verwandt. Es war eine KajĂŒte fĂŒr die feine oder höhere Gesellschaft an Bord.[2]
Definition
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In der einschlĂ€gigen Literatur wird die Kampanje in der Regel als das Deck ĂŒber der HĂŒtte definiert,[3][4] manchmal sogar als HĂŒtte[5][6] selbst bezeichnet.[7]
Sie war in frĂŒheren Zeiten auf Linienschiffen und groĂen Fregatten[8] aufgebaut.
Die Kampanje diente hauptsĂ€chlich zu astronomischen Beobachtungen und war in ihrer Beschaffenheit durch recht dĂŒnne Decksbalken und Planken charakterisiert. Eingegrenzt wurde sie durch den Kampanjebogen (= einem GelĂ€nder), an dessen Ă€uĂeren Enden kleine Treppen auf das Quarterdeck oder die Schanze fĂŒhrten. Auf einigen Schiffen wurde das Kampanjedeck mit Kanonen leichteren Kalibers bestĂŒckt. Da hierdurch aber der Schwerpunkt des Schiffes nach oben wanderte und somit die Rollbewegungen des gesamten Schiffes im Wasser begĂŒnstigt wurden, konnte hierdurch kein echter Zuwachs an Feuerkraft erlangt werden, da auf einem stark rollenden Schiff nicht nur die Treffergenauigkeit, sondern generell auch die SeetĂŒchtigkeit litt. Somit ging man schlieĂlich dazu ĂŒber, statt Kanonen an entsprechender Stelle Seesoldaten mit Musketen zu platzieren, um Feinde zu bekĂ€mpfen.[3]
Die LĂ€nge der Kampanje wurde meistens durch den Standort des Besanmastes begrenzt. So reichte sie auf einem 70 Kanonenschiff bis auf ungefĂ€hr 18 Zoll vor den Besanmast heran[9][10] und erstreckte sich in der Gegenrichtung bis zum Halbbord.[10] Charakteristisch fĂŒr die Kampanje war zudem, dass sie nach achtern immer ein wenig in die Höhe stieg.[9]
Unter der Kampanje lag im Regelfall die HĂŒtte[11] (=Wohnquartier) des KapitĂ€ns. Vor der HĂŒtte an beiden Borden lagen die Quartiere der Schiffsoffiziere. Die Kampanje bildete eine Ăberdachung zwischen KapitĂ€ns- und Schiffsoffizierskabinen und bot somit auch einen (Wetter-)Schutz, wenn man den Quartiersbereich verlieĂ. Unter dieser Ăberdachung befand sich zudem hĂ€ufig das Steuerrad des Schiffes.[10] Auf (zit.) âallergröĂten Schiffenâ konnte sich hinten ĂŒber der Kampanje noch ein Aufsatz befinden, der als OberhĂŒtte bezeichnet wurde.[5]
Anmerkungen und Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â nach Parashkewow
- â Zur Zeit der Kolonisation bzw. Expansion europĂ€ischer Staaten in Richtung anderer Kontinente war es nicht selten ĂŒblich, dass neben dem KapitĂ€n und seinen Offizieren auch die (Ober-)Kaufleute und hochgestellte Passagiere auf den Schiffen mitfuhren und die verhĂ€ltnismĂ€Ăig groĂzĂŒgigen und bequemen Quartiere im hinteren Schiffsteil beanspruchten. Siehe hierzu auch NiederlĂ€ndische Ostindien-Kompanie
- 1 2 nach Bobrik
- â nach Hirtenfeld
- 1 2 nach Martini
- â nach Bohnstedt
- â hier meistens aber im Zusammenhang mit Schlagwortverzeichnissen, bei denen keine erschöpfende ErklĂ€rung erfolgt
- â GroĂe oder Schwere Fregatten der frĂŒhen Neuzeit waren hĂ€ufig Zweidecker
- 1 2 nach KrĂŒnitz, Flörke, Flörke, Korth
- 1 2 3 nach Hirtenfeld und Meynert
- â nach Martini: ein bedeckter Raum auf dem hinteren Ende des halben Verdeckes, der 1/12 bis 1/20 der SchiffslĂ€nge betrug
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Johann Georg KrĂŒnitz, Heinrich Gustav Flörke, Friedrich Jakob Flörke, Johann Wilhelm David Korth: Oeconomische EncyclopĂ€die oder Allgemeines System der Staats-, Stadt, Haus- und Landwirtschaft und der Kunstgeschichte in alphabetischer Ordnung. Band 143. PreuĂische Buchhandlung, Berlin 1826, S. 269 ff.
- Eduard Bobrik: Allgemeines nautisches Wörterbuch, mit SacherklÀrungen: Deutsch, Englisch, französisch, Spanisch, Portugiesisch, italienisch, Schwedisch, DÀnisch, HollÀndisch. Verlagsbureau, Leipzig 1850.
- Anton Benedikt Reichenbach: Neuester orbis pictus; oder: Die sichtbare Welt in Bildern: ein Universalbilderbuch. Band 1. BaumgÀtners Buchhandlung, Leipzig 1854, S. 495 ff.
- Fr. Leop Martini: Die Wissenschaft des Seekrieges: Nach ihren neuesten Ansichten und Haupt-Momenten dargestellt von Fr. Leop Martini. B. Ph. Bauer, Wien / Krems 1823, S. 30 ff.
- Professor Bohnstedt: Praktischer Schiffbau (1907). Salzwasser Verlag, Bremen, S. 13. Reprint: 2010.
- HĂŒtte. In: Oesterreichisches MilitĂ€r-Konversations-Lexikon. Redigirt und herausgegeben von Jaromir Hirtenfeld. Band 3. Eigenthum des Herausgebers, Wien 1852, S. 283; Digitalisat in der Google-Buchsuche
- Boris Parashkewow: Wörter und Namen gleicher Herkunft und Struktur: Lexikon etymologischer Dubletten im Deutschen.