Kriging

Unter Kriging (oder auch: Krigen) versteht man ein geostatistisches Prognose- und Interpolationsverfahren, mit dem man eine rĂ€umlich verortete Variable an Orten, an denen sie nicht gemessen wurde, durch umliegende Messwerte interpolieren oder auch annĂ€hern kann. Stark vereinfacht könnte man sagen, diese Prognose ist eine Art gewichteter Mittelwert aus allen oder einigen der bekannten Messwerte einer Stichprobe. AuĂerhalb der Geostatistik ist das Verfahren als GauĂprozess-Regression bekannt.[1]
Der sĂŒdafrikanische Bergbauingenieur Danie Krige entwickelte 1951 fĂŒr den Goldbergbau eine Interpolationsmethode, die auf der AbhĂ€ngigkeit der Messwerte von den AbstĂ€nden basiert, die zwischen den zugehörigen Messpunkten liegen. Der französische Mathematiker und Ingenieur Georges Matheron veröffentlichte 1960 die Arbeit âKrigeage dâun Panneau Rectangulaire par sa PĂ©riphĂ©rieâ[2], welche die theoretische Grundlage der von Danie Krige entwickelten Methode schuf und sie nach ihm benannte.
Der wesentliche Vorteil gegenĂŒber einfacheren Methoden wie beispielsweise der Inversen Distanzwichtung ist die BerĂŒcksichtigung der rĂ€umlichen Varianz, die sich mit Hilfe von Semivariogrammen ermitteln lĂ€sst. Die Semivarianz beschreibt, wie die Unterschiede zwischen den Messwerten zunehmen bzw. die Ăhnlichkeit zwischen den Messwerten abnimmt, wenn der Abstand zwischen den Messpunkten gröĂer wird. Sie eignet sich also dafĂŒr, die Gewichte der Mittelwertsbildung zu bestimmen, indem sie fĂŒr nĂ€her gelegene Stichprobenwerte gröĂere Gewichte, und fĂŒr entferntere Stichprobenwerte kleinere Gewichte vergibt. FĂŒr einen gesuchten Wert werden dabei die Gewichte der in die Berechnung einflieĂenden Messwerte so bestimmt, dass der Prognosefehler möglichst gering ist. Der Prognosefehler hĂ€ngt dabei von der QualitĂ€t des Variogramms bzw. der Variogrammfunktion ab, also wie gut das Semivariogrammmodell die tatsĂ€chliche rĂ€umliche Autokorrelation beschreibt.
Bei einfacheren Interpolationsverfahren können bei HĂ€ufung der Messpunkte Probleme auftreten. Dies wird beim Kriging vermieden und zwar durch die BerĂŒcksichtigung der statistischen AbstĂ€nde zwischen der in die Berechnung eines Punktes einflieĂenden Nachbarn und Optimierung der gewichteten Mittel. Tritt an einer Stelle eine Clusterung auf, werden die Gewichte der Punkte innerhalb dieses Clusters gesenkt.
Unter Kriging versteht man die Bestimmung der besten linearen Prognose (oder Vorhersage) (englischer Kurzbegriff BLP, best linear prediction) eines Messwertes an einem nicht beobachteten Ort auf der Basis von Messwerten an beobachteten Orten. Dabei werden die Messwerte als Realisierungen von Zufallsvariablen (zufÀlliger Messungen) modelliert, die ein Zufallsfeld mit bekannter Erwartungswertfunktion und Kovarianzfunktion bilden. Werden in einem allgemeineren Kontext unbekannte Parameter in der Erwartungswertfunktion unverzerrt (erwartungstreu) geschÀtzt, so ergibt sich das Konzept der besten linearen unverzerrten Prognose (englischer Kurzbegriff BLUP, best linear unbiased prediction).
Modellannahme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Messwerte eines interessierenden Merkmals an den Orten werden als Realisierungen von reellwertigen Zufallsvariablen aufgefasst, die ein Zufallsfeld mit der Indexmenge bilden.[3] Eigenschaften der gemeinsamen Wahrscheinlichkeitsverteilung des Zufallsfeldes sind die Erwartungswertfunktion
und die Kovarianzfunktion
Im Spezialfall eines gauĂschen Zufallsfeldes liegt durch die Erwartungswertfunktion und die Kovarianzfunktion die multivariate Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zufallsvariablen als multivariate Normalverteilung fest.
Statistische Fragestellung und Kriging-Lösung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Kriging beantwortet die Aufgabenstellung, einen Prognosewert an einem nicht beobachteten Ort auf der Basis beobachteter Messwerte an den Orten anzugeben. Im einfachsten Fall, wenn die Erwartungswertfunktion bekannt ist, handelt es sich um ein Prognoseverfahren. In FĂ€llen, in denen Parameter der Ewartungswertfunktion geschĂ€tzt werden mĂŒssen, handelt es sich um ein kombiniertes SchĂ€tz- und Prognoseverfahren.
Bekannte Parameter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der einfachste Fall liegt vor, wenn die Erwartungswertfunktion und die Kovarianzfunktion bekannt sind. In diesem Fall ist die beste lineare Prognose (BLP) durch
gegeben. Dabei gelten die folgenden Bezeichnungen:
- bezeichnet den Erwartungswert der Zufallsvariablen ,
- bezeichnet den Vektor der beobachteten Messwerte,
- ist ein ()-Vektor mit den Erwartungswerten fĂŒr ,
- ist eine ()-Kovarianzmatrix mit den Kovarianzen und
- ist ein ()-Vektor mit den Kovarianzen fĂŒr .
Der hochgestellte Index bezeichnet die Transponierung und bezeichnet die invertierte Matrix.
GeschÀtzte Parameter
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wenn die Erwartungswertfunktion unbekannt ist und durch eine bekannte Funktion und einen unbekannten Parametervektor in der Form
dargestellt werden kann, ergibt sich ein kombiniertes SchĂ€tz- und Prognoseproblem, das durch die Angabe der besten linearen unverzerrten Prognose (BLUP) gelöst werden kann. Diese fĂŒhrt dann zum Prognosewert
mit dem SchÀtzwert
fĂŒr den unbekannten Parametervektor . Dabei ist eine ()-Matrix, bei der in der -ten Zeile der Vektor steht.
Beste lineare Prognose (BLP)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Minimierung des mittleren quadratischen Prognosefehlers
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die beste lineare Prognose beruht auf der Minimierung des mittleren quadratischen Prognosefehlers
zwischen der Prognose und der nicht beobachteten Zufallsvariable .[3] Dabei wird bei der Minimierung die Menge der zulÀssigen Funktionen auf lineare Funktionen der Form
beschrÀnkt.[3] Die sind die zufÀlligen Messungen an den Stellen , ist eine Konstante ist und die Koeffizienten sind Gewichte der einzelnen Messungen. Die Bildung des Erwartungswertes bezieht sich sowohl auf die Zufallsvariable als auch auf die Zufallsvariablen , die in eingehen.
Die Parameter der besten linearen Prognose im Sinn der Minimierung des mittleren quadratischen Prognosefehlers sind die Komponenten der Minimalstelle mit der Eigenschaft
Sie hĂ€ngen nur von der Erwartungswertfunktion und der Kovarianzfunktion des Zufallsfeldes ab.[3] FĂŒr den Parametervektor gilt[4]
und fĂŒr den Parameter gilt[4]
- .
Aus den bekannten Parametern , , und können die Parameter und bestimmt werden.
Der Minimalwert des mittleren quadratischen Prognosefehlers ist mit .[4]
Bester linearer Prognoswert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FĂŒr gegebene Messwerte als Realisierungen der Zufallsvariablen ist dann der Wert
der beste lineare Prognosewert fĂŒr die Messung am Ort . Der beste lineare Prognosewert ist eine Realisierung der Zufallsvariablen
die als beste lineare Prognose bezeichnet wird. Der zufÀllige Prognosefehler (die zufÀllige Prognoseabweichung) hat den Erwartungswert 0 und die Varianz .
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Die obige Darstellung enthĂ€lt die stillschweigend gemachte Voraussetzung, dass die Zufallsvariablen fĂŒr jeweils eine endliche Varianz besitzen. Ohne diese Annahme, die beispielsweise fĂŒr Cauchy-verteilte Zufallsvariablen verletzt ist, ist das Kriterium der Minimierung des mittleren quadratischen Prognosefehlers nicht anwendbar.
- Es ist oben vorausgesetzt, dass die Kovarianzmatrix invertierbar ist und somit die Kovarianzmatrix nicht nur positiv semidefinit, sondern positiv definit ist. Falls die Kovarianzmatrix nicht invertierbar ist, ist fĂŒr
- zwar das Minimum, nicht aber die Minimalstelle eindeutig. FĂŒr zwei verschiedene minimierende Parametervektoren und gilt in diesem Fall
- sodass zwar die Parameter nicht eindeutig sind, aber der prognostizierte Wert
- eindeutig ist.[4]
- Die beste lineare Prognose ist im Allgemeinen nicht die beste Prognose im Sinn der Minimierung des mittleren quadratischen Prognosefehlers, wenn fĂŒr die Prognose allgemeinere nichtlineare Funktionen zugelassen werden.[5]
- Eine Besonderheit ergibt sich im Spezialfall eines gauĂschen Zufallsfelds. Bei dieser speziellen Verteilungsannahme ist die beste Prognose bezĂŒglicher aller, auch nicht-linearer Funktionen, durch die beste lineare Prognose gegeben.[4] In diesem Fall ist also die beste lineare Prognose zugleich die beste Prognose. AuĂerdem ist die bedingte Verteilung von gegeben eine univariate Normalverteilung mit den Parametern[4]
- und
Beste lineare unverzerrte Prognose (BLUP)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wenn fĂŒr das Zufallsfeld die Erwartungswertfunktion und die Kovarianzfunktion bekannt sind, kann der beste lineare Prognosewert (BLP) fĂŒr den Ort basierend auf Messwerten an den Orten einfach, wie im vorausgegangenen Abschnitt angegeben, berechnet werden.
Wenn aber, was eher typisch ist, die Erwartungswert- und Kovarianzfunktion teilweise unbekannt sind, sind verschiedene einschrĂ€nkende Modellannahmen erforderlich, um die Zahl der unbekannten Parameter so zu senken, dass diese mit den vorhandenen Beobachtungen schĂ€tzbar sind. Es entsteht dann ein kombiniertes SchĂ€tz- und Prognoseproblem. Ein bestimmtes Verfahren, bei dem die unbekannten Parameter im Rahmen eines linearen Modellansatzes unverzerrt (erwartungstreu) geschĂ€tzt werden, heiĂt dann beste lineare unverzerrte Prognose (BLUP).
Beispiel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ein einfaches Beispielmodell beruht auf den beiden folgenden stark vereinfachenden Annahmen:
- Die Erwartungswertfunktion ist konstant, d. h.
- wobei der Parameter unbekannt ist.
- Die Kovarianzfunktion ist
- wobei der Parameter bekannt ist. Dabei bezeichnet die euklidische Distanz zwischen den Orten und . Die Distanz kann zweidimensional in der FlÀche, im dreidimensionalen Raum oder allgemeiner in einem -dimensionalen Raum gemessen werden, in dem die euklidische Distanz definiert ist.
Die Korrelationsfunktion ist in diesem Fall durch
gegeben. Mit zunehmender Distanz nimmt die Korrelation ab. Mit abnehmender Distanz nÀhert sich die Korrelation dem Wert Eins. Da die Koordinaten der Orte als bekannt vorausgesetzt sind, können die Distanzen und damit die Werte der Kovarianzfunktion bestimmt werden.
ParameterschÀtzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Beispielmodell gibt es den unbekannten Parameter . Da die beiden Parameter und zugleich der Erwartungswert und die Varianz der beobachtbaren Zufallsvariablen sind, also
gilt, scheint bei oberflĂ€chlicher Betrachtung ein Standardproblem der statistischen SchĂ€tztheorie vorzuliegen. Dies ist aber nicht der Fall, da bei Standardproblemen der statistischen SchĂ€tztheorie von stochastisch unabhĂ€ngigen Beobachtungen ausgegangen wird. In diesem Beispiel sind aber alle Beobachtungspaare positiv korreliert, wobei die Korrelation fĂŒr ein Paar durch gegeben ist.
Die SchĂ€tzung des Parameters aus gegebenen beobachteten Werten kann in diesem Modellzusammenhang mit Hilfe der verallgemeinerten Methode der kleinsten Quadrate erfolgen, die es ermöglicht, bei der SchĂ€tzung eine gegebene Korrelationsstruktur zwischen den beobachtbaren Variablen zu berĂŒcksichtigen.[6] Im Fall unkorrelierter Variablen fĂŒhrt die gewöhnliche Methode der kleinsten Quadrate zu dem ĂŒblichen SchĂ€tzwert
fĂŒr den Parameter . Dabei bezeichnet den Einsvektor der Dimension . Dagegen ergibt sich im hier vorliegenden Fall korrelierter Beobachtungen mit der verallgemeinerte Methode der kleinsten Quadrate der SchĂ€tzwert
fĂŒr den Parameter , der im Allgemeinen nicht mit dem arithmetischen Mittelwert ĂŒbereinstimmt. Das sich die Komponenten des Gewichtsvektors zu Eins addieren, wie man durch Rechtsmultiplikation mit dem Vektor unmittelbar verifiziert, handelt es sich um einen gewogenen arithmetischen Mittelwert der beobachteten Werte .
Im Spezialfall eines gauĂschen Zufallsfeldes ist die multivariate Wahrscheinlichkeitsverteilung der Zufallsvariablen durch die Erwartungswertfunktion und die Kovarianzfunktion als multivariate Normalverteilung vollstĂ€ndig festgelegt, so dass es möglich ist, den Parameter bei gegebenen Werten durch die Maximum-Likelihood-Methode zu bestimmen.[7]
Prognose
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]WĂ€re der Parameter bekannt, so ergĂ€be sich der beste lineare Prognosewert fĂŒr den Messwert , wie oben angegeben, als
wobei der mittlere quadratische Prognosefehler durch gegeben ist.
Wenn in einem ersten Schritt ein SchĂ€tzwert fĂŒr den Parameter bestimmt ist, kann in einem zweiten Schritt mit der geschĂ€tzten Erwartungswertfunktion
der beste lineare Prognosewert so bestimmt werden, als ob die Erwartungswertfunktion bekannt sei.[8] Es ergibt sich dann
als bester linearer unverzerrter Prognosewert. Der mittlere quadratische Prognosefehler erhöht sich durch den zufÀlligen SchÀtzfehler, der durch die ParameterschÀtzung verursacht ist. Der mittlere quadratische Prognosefehler der besten linearen unverzerrten Prognose ist durch
gegeben, wobei der letzte Term auf die SchĂ€tzung des Parameters zurĂŒckzufĂŒhren ist.[8][9]
Allgemeiner Fall
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der allgemeine Fall des Kriging, in dem eine beste lineare unverzerrte Prognose durchfĂŒhrbar ist, liegt vor, wenn die Erwartungswertfunktion teilweise unbekannt ist und durch eine bekannte vektorwertige Funktion mit und einen unbekannten Parametervektor in der Form
dargestellt werden kann. Es ergibt sich dann aus dem Ziel, eine Prognose fĂŒr abzugeben, ein kombiniertes SchĂ€tz- und Prognoseproblem, da fĂŒr eine Prognose implizit der unbekannte Parametervektor geschĂ€tzt werden muss. Die beste lineare unverzerrte Prognose kann mit einem zweistufigen Vorgehen gewonnen werden, bei dem zunĂ€chst der Parametervektor in einem linearen Modell geschĂ€tzt wird und dann mit den gewonnenen SchĂ€tzwerten formal eine beste lineare Prognose so berechnet wird, als ob die SchĂ€tzwerte die unbekannten Parameter seien.[8]
ParameterschÀtzung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der unbekannte Parametervektor wird im Rahmen des linearen Modells
gesehen, wobei das Zufallsfeld die konstante Erwartungswertfunktion fĂŒr alle und dieselbe Kovarianzfunktion wie das Zufallsfeld hat. Hierbei handelt es sich zunĂ€chst nur um eine andere, inhaltlich Ă€quivalente Schreibweise fĂŒr das Zufallsfeld , indem man fĂŒr alle definiert. Diese Schreibweise macht es aber möglich, die Theorie linearer Regressionsmodelle mit korrelierten Fehlertermen anzuwenden und den SchĂ€tzwert
fĂŒr den unbekannten Parametervektor als beste lineare unverzerrte SchĂ€tzung mit bekannter Kovarianzmatrix zu bestimmen. Dabei bezeichnet eine ()-Matrix, bei der in der -ten Zeile der Vektor steht.[8]
Prognose
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die besten linearen unverzerrten Prognose ergibt sich, wenn der Prognosewert analog zum Vorgehen bei der besten linearen Prognose mit bekannter Erwartungsfunktion so bestimmt wird, als ob der SchÀtzwert der Parameter wÀre. Damit ergibt sich der Prognosewert
Der mittlere quadratische Prognosefehler der besten linearen unverzerrten Prognose ist durch
mit
gegeben, wobei der letzte Term auf die SchĂ€tzung des Parametervektors zurĂŒckzufĂŒhren ist.[8]
SpezialfÀlle des Kriging
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Beim einfachen Kriging (simple Kriging) ist die Erwartungswertfunktion konstant,
- fĂŒr alle
- und der Parameter ist bekannt. In diesem Fall kommt die beste lineare Prognose zur Anwendung.
- Beim gewöhnlichen Kriging (ordinary Kriging) ist die Erwartungswertfunktion konstant, aber der gemeinsame Erwartungswert ist unbekannt und muss aus den beobachteten Werten geschĂ€tzt werden. In diesem Fall kommt die beste lineare unverzerrte Prognose zur Anwendung. Das oben ausgefĂŒhrte Beispiel ist ein Fall des gewöhnlichen Kriging.
- Beim universalen Kriging (universal Kriging) ist die Erwartungswertfunktion nicht konstant und wird durch einen linearen Regressionsansatz modelliert. In diesem Fall kommt die beste lineare unverzerrte Prognose zur Anwendung, wobei Regressionsparameter mitgeschÀtzt werden.
- Unter bayesianischem Kriging (bayesian Kriging) versteht man ein Verfahren bei dem der Schritt der ParameterschĂ€tzung mit Hilfe bayesianischer SchĂ€tzverfahren durchgefĂŒhrt wird.
- Das Indikator-Kriging ist ein Spezialfall bei dem die beobachteten Werte nur die Werte 0 und 1 annehmen, beispielsweise den Wert 0, wenn ein Grenzwert nicht ĂŒberschritten ist, und den Wert 1, wenn ein Grenzwert ĂŒberschritten ist.
- Bei der inversen Distanzgewichtung (oder Distanzwichtung) ist der Prognosewert der gewogene arithmetische Mittelwert
- der beobachteten Werte mit den positiven Gewichten
- Wie das obige Beispiel zeigt, ergibt sich dieser Fall als beste lineare unverzerrte Prognose, und damit als Spezialfall des gewöhnlichen Kriging, wenn die Erwartungswertfunktion konstant ist und die Kovarianzfunktion die spezielle Form
- mit und hat. In diesem Fall ist der Nullvektor, ist eine Diagonalmatrik mit den Diagonalelementen fĂŒr und der SchĂ€tzwert vereinfacht sich zum gewogenen arithmetische Mittelwert , da sich der Faktor herauskĂŒrzt.
Abweichende Interpretationen und Verallgemeinerungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Teilweise wird in anwendungsnahen Darstellungen zugunsten einer vereinfachten Terminologie das Interpolations- und Prognoseproblem mit Begriffen aus der statistischen SchÀtztheorie beschrieben.[10] Dadurch verschwimmt der Unterschied zwischen dem SchÀtzen eines unbekannten Parameters durch eine SchÀtzfunktion und der Prognose des Wertes einer Zufallsvariablen.
Im engeren Sinn bezeichnet Kriging die oben beschriebene Modellierungsmethode der zu schĂ€tzenden Parameter durch ein lineares Modell und die dann explizit angebbaren Lösungen im Sinn der besten linearen unverzerrten Prognose. Teilweise wird Kriging aber auch allgemeiner, orientiert an der Fragestellung des Kringing, fĂŒr andere methodische Vorgehensweisen verwendet. So werden im Bereich des maschinellen Lernens Methoden der GauĂprozess-Regression basierend auf gauĂschen Zufallsfeldern als Kriging bezeichnet.[1][11][12] Die klassische Kriging-Methode benötigt keine Normalverteilungsannahme und verarbeitet nur die Informationen der Erwartungswert- und Kovarianzfunktion im Rahmen einer linearen Modellstruktur mit klassischen statistischen Methoden. Dagegen wird bei der GauĂprozess-Regression durch eine weitgehende Annahme einer multivariaten Normalverteilung fĂŒr alle Zufallsvariablen die Möglichkeit eröffnet, fĂŒr die multivariate Normalverteilung zur VerfĂŒgung stehende Methoden zur Bestimmung von Prognoseverteilungen als bedingten Wahrscheinlichkeitsverteilungen zu verwenden.[13]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Danie G. Krige: A statistical approach to some basic mine valuation problems on the Witwatersrand. In: J. of the Chem., Metal. and Mining Soc. of South Africa. 52 (6), 1951, S. 119â139.
- Rudolf Dutter: Mathematische Methoden in der Technik. Band 2: Geostatistik. B.G. Teubner Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-519-02614-7.
- J. P. Chiles, P. Delfiner: Geostatistics: Modeling Spatial Uncertainty. Wiley, New York 1999, ISBN 0-471-08315-1.
- Michael Leonhard Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging (=Â Springer Series in Statistics). Springer, New York 1999, ISBN 978-1-4612-7166-6, doi:10.1007/978-1-4612-1494-6.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Mohamed A. Bouhlel, Joaquim R. R. A. Martins: Gradient-enhanced kriging for high-dimensional problems. In: Engineering with Computers. Band 35, Nr. 1, 1. Januar 2019, ISSN 1435-5663, doi:10.1007/s00366-018-0590-x. Siehe Abschnitt 2.1 Conventional kriging
- â Centre de GĂ©osciences/GĂ©ostatistique, Publications & documentation. Abgerufen am 18. April 2024.
- 1 2 3 4 Michael L. Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging. Abschnitt 1.2 Best linear Prediction, S. 2.
- 1 2 3 4 5 6 Michael L. Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging. Abschnitt 1.2 Best linear Prediction, S. 3.
- â Michael L. Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging. Abschnitt 1.4 An example of a poor BLP, S. 6â9.
- â Michael L. Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging. Abschnitt 1.5 Best linear unbiased prediction, S. 7â9.
- â Michael L. Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging. Abschnitt 6.4 Likelihood Methods, S. 169â175.
- 1 2 3 4 5 Michael L. Stein: Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging. Abschnitt 1.5 Best linear unbiased prediction, S. 8.
- â Die im Beispiel angegebenen Formeln ergeben sich aus der allgemeineren Darstellung in M. L. Stein, Interpolation of Spatial Data â Some Theory for Kriging, S. 7â8 mit den folgenden Spezialisierungen der dort verwendeten Notation: , , , .
- â Jörg Benndorf: Angewandte Geodatenanalyse und -Modellierung â Eine EinfĂŒhrung in die Geostatistik fĂŒr Geowissenschaftler und Geoingenieure. Springer Vieweg, Wiesbaden 2023, ISBN 978-3-658-39980-1, Kap. 7 Geostatistische Verfahren zur rĂ€umlichen Interpolation - Kriging, S. 157â201, doi:10.1007/978-3-658-39981-8.
- â Carl Edward Rasmussen, Christopher K. I. Williams: Gaussian Processes for Machine Learning. MIT Press, Cambridge / London 2006, ISBN 0-262-18253-X, S. 30 (gaussianprocess.org [PDF]).
- â Robert B. Gramacy: Surrogates â Gaussian Process Modeling, Design, and Optimization for the Applied Siences (=Â Texts in Statistical Science). CRC Press, Boca Raton / London / New York 2020, ISBN 978-1-032-24255-2, S. 143 (gramacy.com [PDF]).
- â Carl Edward Rasmussen, Christopher K. I. Williams: Gaussian Processes for Machine Learning. MIT Press, Cambridge / London 2006, ISBN 0-262-18253-X, S. 16 (gaussianprocess.org [PDF]).