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Kuller

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Kranich mit nicht abgeworfenem „Kuller“

Als Kuller oder Kullerchen werden in der Fliegersprache Rangier- und Transporthilfen fĂŒr Flugzeuge bezeichnet. UrsprĂŒnglich eingesetzt wurden sie bei Segelflugzeugen frĂŒher Baujahre, welche lediglich ĂŒber je eine Kufe als Haupt- und Sporn-"Fahrwerk" verfĂŒgten und bei denen deshalb ein Hilfsfahrwerk fĂŒr den Bodentransport notwendig war. Verschiedene Typen (z. B. DFS Kranich II) verfĂŒgten ĂŒber abwerfbare Kuller, die z. T. auch als Startfahrwerk verwendet werden konnten. Erst Mitte der 1950er Jahre setzte sich das heute ĂŒbliche Zentralrad durch.

Über das Genus des Begriffes besteht im praktischen Sprachgebrauch keine Einigkeit: Das und der Kuller sind gleichermaßen verbreitet.

Rolladen Schneider LS8 mit Spornkuller und zusĂ€tzlichem StĂŒtzrad zum Transport ohne zusĂ€tzlichen „Mann an der FlĂ€che“
Am Sporn einer Schleicher Ka 6 verschraubtes Spornkuller
Spornkuller an einer ASK 21

Im Gegensatz zu vielen Motorflugzeugen besitzen die meisten moderneren Segelflugzeuge als Hauptfahrwerk nur ein einzelnes Rad im Rumpf, das am Heck durch einen Schleifsporn aus Metall oder ein kleineres ungelenktes Spornrad unterstĂŒtzt wird. Segelflugzeuge sind deshalb am Boden nur schwer zu manövrieren, hierfĂŒr muss das Heck des Flugzeuges angehoben werden. Ältere Modelle wie die Schleicher K 8 besitzen dazu eigens am Heck angebrachte Handgriffe. Bei neueren Flugzeugen in Kunststoffbauweise ist dies nicht mehr ohne weiteres möglich, insbesondere weil die Hecklast in der Regel zu groß ist, um sie bei solchen Manövern dort von Hand zu heben. Daher werden im Bedarfsfall fĂŒr den Rangier- oder Transportvorgang zusĂ€tzliche RĂ€der oder Rollen montiert, um beim Rangieren am Boden bei engeren Kurvenradien BeschĂ€digungen und UmstĂ€nde zu vermeiden. Man greift hier vor allem auf eine Hilfskonstruktion, das Spornkuller (engl. tail dolly), zurĂŒck: Am Heck wird temporĂ€r ein rundum drehbares Rad angebracht. Dies geschieht in der Regel mittels einer gepolsterten GFK-Schale, die um den Rumpf und den unteren Teil der Seitenflosse geschnallt wird. Alternativ wird das Kuller mit einer FlĂŒgelschraube direkt am metallenen Sporn angeschraubt (Bild rechts) oder einfach von unten in eine entsprechende Aufnahmevorrichtung am Seitenleitwerk gesteckt (z. B. Astir).

Damit ist es möglich, das Flugzeug ohne großen Kraftaufwand auf der Stelle zu drehen. Außerdem kann das Kuller als Ansatzstelle fĂŒr eine Schleppstange dienen, mit deren Hilfe das Flugzeug an einer handelsĂŒblichen AnhĂ€ngerkupplung angehĂ€ngt und so mit dem PKW zur Startstelle bewegt werden kann.[1]

Sollte vor dem Start vergessen werden, das Kuller zu entfernen, kann es zu schweren UnfĂ€llen kommen: Da das zusĂ€tzliche Gewicht am Heck die Schwerpunktlage des Flugzeugs negativ beeinflusst, können verĂ€nderte Langsamflugeigenschaften bis hin zu Abkippen und Flachtrudeln auftreten, insbesondere weil der Pilot sich der verĂ€nderten Situation in der Regel nicht bewusst ist. Zudem ist die Gefahr des seitlichen Ausbrechens beim Anrollen erhöht.[2] In Deutschland ist die ÜberprĂŒfung des Kullers daher in der Segelflugbetriebsordnung als Teil des Startchecks vorgeschrieben.[3]

Um den in der Privatfliegerei meist begrenzten Platz in der Flugzeughalle möglichst gut ausnutzen zu können, werden die darin untergebrachten Flugzeuge meist nicht einfach nur nebeneinander geparkt, sondern ineinander verschachtelt. Dazu ist es oft nötig, ein Flugzeug diagonal oder seitwÀrts zur LÀngsachse zu bewegen.

Hallenkuller fĂŒr Doppelsitzer mit Hebelmechanismus

Bei Segelflugzeugen kann hier das Spornkuller um ein Hallenkuller ergĂ€nzt werden. Dieses besteht im einfachsten Fall aus einem rechteckigen StĂŒck krĂ€ftigen Blechs, das an den Ecken mit rundum drehbaren Rollen versehen ist. In der Mitte des Blechs befindet sich eine Mulde, in die das Hauptrad gehoben wird. Da besonders bei doppelsitzigen Segelflugzeugen durchaus Gewichte von 400 kg ĂŒberschritten werden, gibt es darĂŒber hinaus eine Vielzahl von Kipp- und Hebelkonstruktionen, die es ermöglichen, das Flugzeug komfortabel auf das Kuller zu schieben oder zu heben.

Im Gegensatz zu Spornkullern werden solche Hallenkuller meist nicht vom Hersteller mitgeliefert und mĂŒssen daher in Eigenarbeit angefertigt oder separat erworben werden.

Andere Flugzeuge

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Trike auf einer Kombination aus drei einfachen Hallenkullern

Motorgetriebene Flugzeuge besitzen in der Regel ein lenkbares Sporn- oder Bugrad und eine geringere FlĂŒgelspannweite, was die Rangierbarkeit im Hangar im Vergleich zu Segelflugzeugen deutlich verbessert. Aber auch hier werden gelegentlich Kuller eingesetzt. Dabei wird entweder jedes einzelne Rad auf ein eigenes Kuller gehoben, oder man verwendet eine verstrebte Metallkonstruktion, die das gesamte Flugzeug aufnehmen kann.

Einzelnachweise

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  1. ↑ DG-Flugzeugbau: Schleppstange und Hebevorrichtung von COBRA-Trailer, abgerufen am 22. August 2016
  2. ↑ DG-Flugzeugbau: Der korrekte Windenstart, abgerufen am 22. August 2016
  3. ↑ Deutscher Aeroclub e.V.: Segelflugbetriebsordnung (pdf, 995 kB) Stand April 2016, abgerufen am 22. August 2016
Commons: Spornkuller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Fliegersprache – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • Youtube-Video: Funktionsweise eines Spornkullers
  • Youtube-Video: Ein Segelflugzeug wird mittels eines Spornkullers im Kreis gedreht.