Zum Inhalt springen

Manfred Bieler

Gesichtet
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Manfred Bieler (* 3. Juli 1934 in Zerbst/Anhalt; † 23. April 2002 in München) war ein deutsch-tschechoslowakischer Schriftsteller, Hörspiel- und Fernsehspielautor.

Manfred Bieler wurde als Sohn von Elsbeth Bieler, geborener Tietz, und des Baumeisters Richard Bieler geboren. Nach dem Abitur am Philanthropinum Dessau im Jahr 1952 studierte Bieler Germanistik an der Humboldt-Universität zu Berlin und schloss das Studium 1956 als Dipl.-Phil. ab. Für die Erzählung Der Vogelherd erhielt er 1955 den Preis der Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Warschau. Von 1956 bis 1957 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Schriftstellerverbandes.[1] 1956 setzte er sich gemeinsam mit Heinz Kahlau, Manfred Streubel und Jens Gerlach für mehr kulturellen Spielraum in der DDR ein. Nachdem er im Neuen Deutschland der Zugehörigkeit zu einer Gruppe um Ernst Bloch und Hans Mayer beschuldigt worden war, wurde er aus dem Schriftstellerverband ausgeschlossen.

Bieler unternahm danach ausgedehnte Reisen durch Europa und bis nach Neufundland. Mit seinem Freund Johannes Bobrowski gründete er 1962 scherzhaft den Neuen Friedrichshagener Dichterkreis. In Zusammenarbeit mit dem Hörspieldramaturgen Wolfgang Beck entstand bis Mitte der 1960er-Jahre für den Rundfunk der DDR in dichter Folge eine ganze Reihe von auch international erfolgreichen Hörspielen. 1966 heiratete er die Tschechin Marcella Matejovská[2] und siedelte nach Prag über.[3] Sein Theaterstück Zaza, das der Volksbühne Berlin eingereicht wurde, brachte ihm heftige Kritik des Politbüros des Zentralkomitees der SED ein. Dem nach Manfred Bielers Szenarium gedrehten DEFA-Film Das Kaninchen bin ich – Regie: Kurt Maetzig –, der im Sommer 1965 fertiggestellt war, wurde die bereits erteilte Aufführungserlaubnis wieder entzogen. Nach dem 11. Plenum des ZK der SED im Dezember 1965 wurde der Film verboten und erst im Dezember 1989 in der Akademie der Künste uraufgeführt. Die kritischen DEFA-Filmproduktionen des Jahres 1965 wurden von Sindermann als „Kaninchenfilme“ beschimpft. 1965 erhielt Bieler den Internationalen Hörspielpreis. Von 1965 bis 1967 war er Mitglied des PEN-Zentrums Ost und West (DDR), 1980 wurde er Mitglied im PEN-Club der BRD. Ab 1973 war er zudem Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste.

Das Grab von Manfred Bieler auf dem Friedhof Obermenzing in München. Vor dem Grabstein befinden sich Kaninchenfiguren.

Er hielt sich zeitweise in der Tschechoslowakei auf. Im Jahr 1967 wurde er tschechoslowakischer Staatsbürger und trat 1968 dem tschechischen Schriftstellerverband bei. Nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in Prag übersiedelte er in die Bundesrepublik Deutschland. 1969 war er Gastdozent an der Universität Texas und erhielt den Andreas-Gryphius-Preis. 1971 wurde Bieler Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland. 1971 erhielt er den Bayerischen Kunstförderpreis und 1977 den Jakob-Kaiser-Preis. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Bieler lebte zuletzt in München; er hatte drei Kinder (Marcella, Gregor und Laura) und spielte Cembalo.

Buchveröffentlichungen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Rundfunk der DDR
  • 1958: Hochzeitsreise, Regie: Hans Knötzsch
  • 1959: Ich bin nicht mein Bruder, Regie: Detlef Witte
  • 1959: Achtung, Aufnahme! Band läuft... (Kinderhörspiel)
  • 1960: Die achte Trübsal, Regie: Peter Brang[4]
  • 1961: Die kleine Freiheit, Regie: Edgar Kaufmann
  • 1962: Die linke Wand – Regie: Werner Grunow[5]
  • 1962: Karriere eines Klaviers – Regie: Werner Grunow[6]
  • 1962: Drei Rosen aus Papier – Regie: Werner Grunow[7]
  • 1963: Das Hemd und der Rock – Regie: Helmut Hellstorff
  • 1963: Nachtwache – Regie: Helmut Hellstorff[8]
  • 1964: Ich frage... – Regie: Werner Grunow[9]
ARD und DRS
  • Drei Rosen aus Papier (hr 1967)
  • Die Elefanteninsel (NDR/SR 1967)
  • Vater und Lehrer (NDR/BR/SFB/SR 1968)
  • Missa (hr/RB/WDR 1969)
  • Der letzte Penny (NDR 1969)
  • Vater und Lehrer (DRS 1970)
  • Jeronim (DRS 1971)
  • Der Hausaufsatz (SR/SFB 1972)
  • Zeit bringt Rosen (SDR 1972)
  • Die Geschichte des Kanonikus (SDR/NDR/SFB 1973)
  • Der Kommandant (hr/DLF 1973)
  • De Hausaufsatz (DRS 1973)
  • Drei Rose us Papier (DRS 1976)
  • Neuhausener Sommernachtstraum (BR/WDR 1977)
  • Die Nummer des Tages (BR/SR 1978)
  • Das Duell: Willy und Lilly (BR 1985)
  • Lilly und Willy (DRS 1990)

Fernsehen und Filme

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Literatur: Schriftsteller Manfred Bieler gestorben. In: Der Spiegel. 7. Mai 2002, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 17. Juni 2023]).
  2. ↑ Bieler, Manfred. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 97.
  3. ↑ Bieler, Manfred | Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Abgerufen am 17. Juni 2023.
  4. ↑ Abdruck in: hörspieljahrbuch 1, Henschel-Verlag, Berlin 1960, S. 97–127
  5. ↑ Abdruck in: Hörspiele 2, Henschel-Verlag, Berlin 1962, S. 17–47
  6. ↑ Abdruck in: Hörspiele 3, Henschel-Verlag, Berlin 1963, S. 161–186
  7. ↑ Abdruck in: Hörspiele 4, Henschel-Verlag, Berlin 1964, S. 7–38
  8. ↑ Abdruck in: Neue Deutsche Literatur Berlin, 11. Jg. 1963, Heft 8, S. 91–124
  9. ↑ Abdruck in: Neue Deutsche Literatur Berlin, 13. Jg. 1965, Heft 6, S. 79–103