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Melzers Reagenz

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Melzers Reagenz ist ein – insbesondere in der Mykologie verwendetes – Nachweisreagenz. Neben Wasser ist es das am meisten verwendete Medium zur Untersuchung von Pilzen. Melzers Reagenz hat sich als beliebtes PrĂ€pariermedium in der Taxonomie im Bereich der Herbarien eingebĂŒrgert. Dies beruht auf dem Vorteil, dass es das hĂ€ufig störende tote Zellplasma optisch homogenisiert und aufhellt, außerdem unterdrĂŒckt es aufgrund der hohen ViskositĂ€t die brownsche Molekularbewegung. Es ist nach seinem Erfinder VĂĄclav Melzer benannt.[1]

Zusammensetzung

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Melzers Reagenz ist eine Lösung von elementarem Iod, Kaliumiodid und Chloralhydrat in Wasser. Es wird zwar empfohlen, das Reagenz frisch herzustellen, es hat sich aber gezeigt, dass sich die Eigenschaften ĂŒber viele Jahre nicht merklich verĂ€ndern.

Die auf dem Iodgehalt des Reagenz beruhenden Eigenschaften Ă€ußern sich in zwei Farbreaktionen, die als Merkmal zur Klassifizierung von Pilzen hinzugezogen werden.

Amyloidreaktion

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StĂ€rke (lateinisch amylum) reagiert mit Iod unter einer Blau/Violett-FĂ€rbung. In der Regel ist die Farbreaktion bei Pilzen nur in seltenen FĂ€llen tiefblauviolett, sondern umfasst alle Farbnuancen von Grau, BlĂ€ulichgrau, Hellblau, Graublau, Blau bis fast Blauschwarz. Diese AmyloiditĂ€t von Teilen des Pilzes (Sporen, Hyphen, Asci u. a.) kann fĂŒr die betreffende Art charakteristisch sein und dient daher der Klassifizierung in Gattungen und Sektionen.

Bei Schlauchpilzen hat sich eine Vorbehandlung mit Kaliumhydroxid-Lösung fĂŒr die Feststellung der AmyloiditĂ€t mittels Melzers Reagenz als wichtig erwiesen, da vielfach erst danach eine Blaureaktion zu erzielen ist. Diese Vorbehandlung wird als HemiamyloiditĂ€t bezeichnet. Melzers Reagenz hat sich allerdings hier aufgrund seiner hohen Chloralhydrat-Konzentration als nachteilig erwiesen: Um HemiamyloiditĂ€t mit Melzer festzustellen, muss man den Iodtest sowohl vor als auch nach der Behandlung mit Kaliumhydroxyd machen. Lugolsche Lösung (Melzers Reagenz ohne Chloralhydrat) hingegen ruft bei hemiamyloiden Strukturen ohne Vorbehandlung eine rote bis rotbraune Reaktion hervor (nicht zu verwechseln mit DextrinoiditĂ€t), die von Melzers Reagenz völlig unterdrĂŒckt wird.

Dextrinoidreaktion (auch: Pseudoamyloidreaktion)

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Dextrin ist ein wasserlösliches Abbauprodukt der StĂ€rke. Bei dieser Reaktion verfĂ€rben sich Teile des Pilzes (Sporen, Trama, Hyphen) tief rotbraun bis purpur. Dies betrifft insbesondere Arten der Gattungen Macrolepiota, Leucoagaricus bzw. Leucocoprinus. Pilze, die sich mit Melzers-Reagenz oder Lugol’scher Lösung weinrot anfĂ€rben, werden auch als dextrinoid oder pseudoamyloid bezeichnet; Pilze, die diese Farbreaktion nicht zeigen, nennt man indextrinoid. Im Gegensatz zur HemiamyloiditĂ€t unterdrĂŒckt Melzers Reagens dextrinoide Reaktionen nicht, vielmehr verstĂ€rkt das darin enthaltene Chloralhydrat teilweise sogar die IntensitĂ€t dieser Rotreaktion (Beispiel: Lamellentrama von Mycena). Zudem bewirkt die Vorbehandlung mit Kaliumhydroxid bei dextrinoiden Mikrostrukturen nie eine Blaureaktion mit Iod.

Nachteilig an Melzers Reagenz ist die UnterdrĂŒckung eines weit verbreiteten Typs von Rotreaktionen (HemiamyloiditĂ€t) sowie die Tatsache, dass Pilzzellen durch die hohe Chloralhydrat-Konzentration meist sofort absterben.

Bei lebenden Pilzzellen angewendet, mindert Melzers Reagenz die Sichtbarkeit der ZellwĂ€nde erheblich und fĂŒhrt außerdem zum irreversiblen Verlust wichtiger taxonomischer Merkmale (siehe unter Taxonomie).

Einzelnachweise

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  1. ↑ M. V. Melzer: L’ornementation des spores de Russules. In: Bull. Soc. myc. Fr. (1924). Band 40, S. 78–81.