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Michael Reinboth

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Michael Reinboth (* 1959 in Hannover) ist ein deutscher Musikproduzent, Labelbetreiber, DJ und Musikjournalist. Er ist GrĂŒnder und GeschĂ€ftsfĂŒhrer des MĂŒnchner Independent-Plattenlabels Compost Records, das Musik in den Bereichen elektronischer Downbeat, Trip-Hop, Future Jazz, Nu Jazz und Lounge-Musik veröffentlicht und als ein international wahrgenommenes Label fĂŒr zeitgenössische elektronische Musik gilt.[1] DarĂŒber hinaus initiierte er mehrere Sublabels wie das MĂŒnchner Jazzlabel Jazzanova-Compost-Records (JCR), Compose, Compost Black Label, Angora Steel und Drumpoet Community. Die vom ihm konzipierten Into SomethinÂŽ-NĂ€chte im Babalu Club lösten Anfang der 1990er Jahre die große Acid-Jazz-Welle in Deutschland aus.[1][2]

Reinboth ist außerdem einer der drei GrĂŒnder und Mitherausgeber des deutschen Zeitgeistmagazins Elaste.[3][1]

Leben und Wirken

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Michael Reinboth besuchte die hannoveraner Tellkampfschule gemeinsam mit dem Journalisten und spĂ€teren Zeit-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo und dem TV-Reporter Steffen Seibert. Nach dem Abitur betrieb er ebenfalls in Hannover eine Boutique fĂŒr Mode und Paraphernalien mit dem Namen „Dr. Luxus“. 1979/80 grĂŒndete er mit dem Fotografen Christian Wegner und dem Grafiker Thomas Elsner das Indie-Magazin Elaste, das die deutsche New-Wave-Ära und vor allem den Popjournalismus hierzulande prĂ€gen sollte.[4]

Nach dem Umzug der Elaste-Redaktion nach MĂŒnchen 1982 studierte er dort Diplom-Journalistik. Die „Unbedenklichkeitsbescheinigung“, mit der Reinboth seinen Diplom-Studiengang angehen konnte, erlangte er aufgrund seiner vorausgehenden journalistischen TĂ€tigkeit unter anderem fĂŒr Stern, Spiegel und Musikexpress. Das Studium brach Michael Reinboth nach dem Vordiplom ab, da er immer öfter als DJ auftrat – insbesondere in den MĂŒnchner Clubs Tanzlokal GrĂ¶ĂŸenwahn und P1 – und tagsĂŒber durchgĂ€ngig mit Elaste beschĂ€ftigt war.

1993 grĂŒndete er das Label Compost Records (erster Release 1994), das er bis heute leitet. Als Musikjournalist ist Reinboth seither fĂŒr diverse Medien wie Spex, SĂŒddeutsche Zeitung, SZ Magazin, Jazz-Thing, Network Press, Groove, Frontpage tĂ€tig. Außerdem trat er als Autor von BuchbeitrĂ€gen und in Radiosendungen in Erscheinung, unter anderem auch mit eigenen Sendungen bei Jazzwelle Plus von 1994 bis 1997 oder der Compost Radio Show bei On3-Radio des Bayrischen Rundfunks (VorgĂ€nger von Puls). Michael Reinboth lebt mit seiner Familie in MĂŒnchen.

Das Zeitgeist- und Indiemag Elaste entstand 1979/80 aus der Hannoveraner Szene und dem Nachtleben dort als DIY-Launch von Michael Reinboth, Thomas Elsner und Christian Wegner, damals alle gerade mal Anfang zwanzig. Es war zugleich Selbstinzenierungs-Ventil der drei GrĂŒnder und Plattform einer Jugend- und Subkultur im Zeichen von Post Punk, New Wave und der da noch nicht ganz erfundenen 80er-Jahre-Popkultur.[5] Inhaltlich stand die Zeitschrift fĂŒr eine Mischung aus Mode, Kunst und Musik sowie Performance, Literatur, Film, Comic, Design und People und erschien in sechzehn (unterschiedlich) großformatigen Ausgaben von 1980 bis 1986.

Autoren wie Giovanni Di Lorenzo, Diedrich Diederichsen, Kid P., Jon Savage, Patrick Moxey, Christopher Roth, Thomas Meinecke und Klaus Walter arbeiteten fĂŒr Elaste, ebenso Fotografen wie Ellen von Unwerth, Sheila Rock, Claus Wickrath, Eamonn J. McCabe, Marc Lebon, Jean-Jaques Castres und Martin Brading.

„TatsĂ€chlich war das Magazin mehr als ein Sprachrohr – es war ein Sensor. Es spĂŒrte frĂŒh, dass Pop nicht nur Musik war, sondern Haltung: ein Spiegel gesellschaftlicher BrĂŒche, ein Labor fĂŒr IdentitĂ€ten“, berichtet das Online-Magazin Groove, das auch auf die herausragende Grafik des Magazins verweist: „Jede Seite atmet Experiment. Das Layout – ein Spiel aus Fotokunst, Typografie und Provokation – war seiner Zeit voraus.“[6]

Michael Reinboth war lange fĂŒr alle wichtigen Interviews und Texte im Elaste-Magazin verantwortlich.[7]

Im November 2025 erschien das von Thomas Elsner und Michael Reinboth herausgegebene Best-of-Buch "Elaste 1980–1986" im Berliner DCV-Verlag. Auf 560 Seiten umfasst es in erster Linie OriginalbeitrĂ€ge, außerdem Vorworte und einordnende Texte von Max Dax, Klaus Walter, Thomas Elsner, Larissa Beham und das Nachwort „The Bigger Picture 1980-86“ von Michael Reinboth.[7]

Wirken als DJ und Veranstalter

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Nach dem Umzug der Elaste-Redaktion nach MĂŒnchen 1982 arbeitete Michael Reinboth zunĂ€chst als DJ im CafĂ© GrĂ¶ĂŸenwahn und war spĂ€ter fĂŒr drei Jahre Resident-DJ im P1. Weitere Stationen waren ParkcafĂ©, Negerhalle, Wolkenkratzer und Babalu Club. Die von ihm konzipierten Into SomethinÂŽ-NĂ€chte fanden von 1990 bis 2004 jeden Freitag in MĂŒnchen statt, zunĂ€chst im Babalu, spĂ€ter im ParkcafĂ© und in der MĂŒnchner Muffathalle.[8] Die Clubnacht, auf der damals noch am Anfang ihrer Karriere stehende Musiker und DJs wie Jamiroquai oder Kruder & Dorfmeister auftraten, erwarb sich internationales Ansehen und löste Anfang der 1990er Jahre die große Acid-Jazz-Welle in Deutschland aus.[1][2]

Stilistisch ging es Reinboth bei seinem rare groove immer um Mischungen: „Wir haben damals Hybrid-Musik gespielt. Hip-Hop ja, aber eher jazzy, House ja, aber mit souligen, krautigen, auch folkigen Elementen. Das war das Markenzeichen von Into Something und das wurde auch die Idee hinter Compost Records.“[9] Insgesamt trat Michael Reinboth ĂŒber 2000 Mal als DJ auf. Mit Sven VĂ€th und WestBam war er 1987 bei Die Montagsmaler im Duell „DJs gegen Fernsehfrauen“ zu sehen.

In MĂŒnchen betrieb Reinboth von 1995 bis 2000 zusammen mit RenĂ© Vaitl in einer alten Dreizimmerwohnung den Club Mandarin Lounge, einen der ersten reinen House-Clubs der Stadt in welchem internationale DJs der Szene wie Frankie Knuckles, Carl Craig, Mousse T. oder Tony Humphries auflegten, sowie den Club Electric Lounge.[1][10]

Eigene Compilations

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Krauts with Attitude fĂŒr Virgin Records war die erste Zusammenstellung von deutschem Hip-Hop ĂŒberhaupt.

Die von Michael Reinboth zusammengestellten Compilations „Future Sounds Of Jazz“ Vol. 1 bis 15 (Compost Records) zĂ€hlen zu den wegweisenden und angesehensten Veröffentlichungen des Genres.[11]

Wirken als Produzent

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Michael Reinboth war GrĂŒndungsmitglied von Beanfield, zusammen mit Jan Krause. Unter dem Act-Namen Beanfield oder als Compost-Remix haben Michael Reinboth und Jan Krause diverse Remixe angefertigt, unter anderem fĂŒr MC Solaar, Mighty Dub Kats, Tosca, Mr Raoul K.

Seit 2024 produziert und veröffentlicht Michael Reinboth auch elektronische Clubmusik unter seinem Namen.

Compost Records

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Compost Records wurde 1993 von Michael Reinboth gegrĂŒndet (erster Release 1994) und entwickelte sich von einem Ein-Mann-Label zu einem professionellen Kreativunternehmen inklusive Ausbildungsbetrieb. Laut dem BBC-Radiojournalisten Gilles Peterson zĂ€hlt es seit ĂŒber 30 Jahren zu den einflussreichsten unabhĂ€ngigen Musiklabels Europas.[12] Die A&R-Philosophie von Compost ist bewusst eklektisch („Full Spectrum“) statt genre-strikt. Jazz, House, Disco, Soul, Funk, Electronica, Pop, Techno und mehr fusionieren dabei in zum Teil experimenteller Form. Compost steht fĂŒr musikalische Freiheiten und Innovation jenseits klarer Genres. Begriffe wie Nu Jazz, Future Jazz oder Phusion beschreiben die Musik daher nur unzureichend – entscheidend ist der organische, zeitlose Ansatz, denn der Name „Compost“ verweist symbolisch auf Recycling, Transformation und organisches Wachstum: gĂ€ngige musikalische Elemente werden neu belebt und in die Gegenwart ĂŒbertragen.[13] Diese Vielfalt und die kontinuierliche Förderung neuer, unbekannter Talente statt auf etablierte Namen zu setzen, zĂ€hlen zu den Erfolgsmerkmalen. Das Label hat ĂŒber 700 Veröffentlichungen, darunter mehr als 10.000 Tracks, rund 150 KĂŒnstler und sieben aktive Sublabels.

Michael Reinboth war fĂŒr zwei Jahre (1989 und 2000) der „Minister fĂŒr Music & Nightlife“ der bundesweiten „Minister-Kampagne“ eines internationalen Zigarettenkonzerns, die mit dieser Werbestrategie eine bessere Kommunikation zur Szene herstellen wollte.[14]

Einzelnachweise

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  1. 1 2 3 4 5 Mirko Hecktor, Moritz von Uslar, Patti Smith, Andreas Neumeister: Mjunik Disco – von 1949 bis heute. Blumenbar Verlag, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-936738-47-6.
  2. 1 2 Christian Ertl: Macht's den Krach leiser! Popkultur in MĂŒnchen von 1945 bis heute. Allitera, MĂŒnchen 2010, ISBN 978-3-86906-100-9.
  3. ↑ Erika Thomalla: Gegenwart machen: eine Oral History des Popjournalismus. Erste Auflage. Schöffling & Co, Frankfurt am Main 2025, ISBN 978-3-690-97005-1.
  4. ↑ Capriccio: Gegenwart machen: Geschichte des Popjournalismus - hier anschauen. Abgerufen am 30. Januar 2026.
  5. ↑ Pop-Archiv Januar von Anne Kurr 14.1.2016 | POP-ZEITSCHRIFT. Abgerufen am 30. Januar 2026.
  6. ↑ Liron Klangwart: „ELASTE 1980–1986”: Neon, Noise und Nostalgie. In: Groove. 8. Januar 2026, abgerufen am 30. Januar 2026.
  7. 1 2 Elaste 1980 – 1986. 1. Auflage. Dr. Cantz’sche Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, Berlin 2025, ISBN 978-3-96912-265-5.
  8. ↑ Michael Zirnstein: Tanzmeister der Tiefe. 9. Juni 2010, abgerufen am 30. Januar 2026.
  9. ↑ Krauts mit AttitĂŒde. 21. Mai 2015, abgerufen am 30. Januar 2026.
  10. ↑ Sofia Kröplin: Faze Trip #MĂŒnchen (Part 1) – Wo kommt eigentlich der MĂŒnchner Techno her? In: Faze Magazin. 6. Dezember 2019, abgerufen am 7. Februar 2026.
  11. ↑ Tassilo Dicke: Michael Reinboth und sein "Future Sound Of Jazz" – Das Dutzend ist voll! In: FAZEmag. 25. April 2012, abgerufen am 30. Januar 2026.
  12. ↑ Stephan Gilgenreiner: 30 Jahre Compost: Interview mit Michael Reinboth, Ticketverlosung! In: Groove. 28. Juni 2023, abgerufen am 30. Januar 2026.
  13. ↑ Compost Records – sub-bavaria. Abgerufen am 30. Januar 2026.
  14. ↑ Kultur: Clubmusik: Das Pochen im Ohr: Sanfte Beats vom Compost-Label. In: Der Tagesspiegel Online. ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 6. Februar 2026]).