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Mondholz

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Unter Mondholz bzw. Mondphasenholz versteht man Holz von BĂ€umen, die unter BerĂŒcksichtigung des forstwirtschaftlichen Mondkalenders gefĂ€llt wurden. Diesem Holz werden subjektiv besondere QualitĂ€ten hinsichtlich seiner StabilitĂ€t, Haltbarkeit, wenig Schwund- und QuellverĂ€nderung, FeuerbestĂ€ndigkeit, HĂ€rte, WiderstandsfĂ€higkeit gegen SchĂ€dlinge u. a. nachgesagt. Ein Zusammenhang zwischen den Eigenschaften des Holzes und dem Zeitpunkt des FĂ€llens im Mondkalender wurde mit objektiven wissenschaftlichen Untersuchungen jedoch bereits wiederholt widerlegt.

Auf dem Markt liegen die Preise fĂŒr Mondholz bis zu 30 % ĂŒber dem fĂŒr konventionelles Holz.[1]

Gewinnung von Mondholz

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Die BĂ€ume mĂŒssen dazu im Winter um Weihnachten herum bei abnehmendem Mond kurz vor Neumond geschlagen werden. Auch der Anfang des MĂ€rz wird als gĂŒnstiger Zeitpunkt hĂ€ufig benannt.[2] Wie bei anderen Mondregeln auch gibt es zahlreiche Varianten fĂŒr die FĂ€lltermine.

Zugesprochene Eigenschaften

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Dem Mondholz wird nachgesagt, dass es besonders trocken, schwindarm, rissfrei, verwindungsstabil, unempfindlicher gegen FĂ€ulnis oder Insektenbefall[3] sowie witterungsbestĂ€ndiger sei. Es wird von Kaminen in alten BauernhĂ€usern berichtet[4], die innen mit Mondholz ausgekleidet seien. Das Holz verkohle nur an der OberflĂ€che, ohne zu brennen. Ob es sich hierbei um Mondholz handelt, kann nicht nachgewiesen werden, jedoch spezielle Behandlungsmethoden, z. B. das SchlĂ€mmen der OberflĂ€che als Funkenschutz. Heute zahlen interessierte Kunden beim Forstbetrieb, SĂ€gewerk oder Tischler bis zu 30 % Aufschlag gegenĂŒber dem Marktpreis, um Mondholz zu erhalten. WeihnachtsbĂ€ume, die als Mondholz geschlagen wurden, fangen angeblich spĂ€ter an zu nadeln als die herkömmliche Ware.

Forstwissenschaft

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Henri Louis Duhamel du Monceau, BegrĂŒnder der biologischen Holzforschung, widerlegte in einer Studie zwischen 1732 und 1736 die These, im abnehmenden Mond geschlagenes Holz sei haltbarer als das zu anderen Mondphasen geschlagene. Auch der Forstwissenschaftler Hermann Knuchel kommt in groß angelegten Versuchen in den 1920er Jahren zum selben Ergebnis.

Forstwissenschaftler, zuletzt an der TU Dresden, widerlegten nach Untersuchungen die dem Mondholz zugeschriebenen besonderen QualitĂ€ten. In Experimenten wiesen sie nach, dass physikalische und biologische Eigenschaften sich von denen anderer Hölzer nicht unterscheiden. Die Bedeutung von Mondholz sei ein auf Volksglaube und einem romantischen BedĂŒrfnis nach einem unverfĂ€lschten Rohstoff basierendes erfolgreiches Marketingmodell.[1]

Studien in den 1990er Jahren (Ernst ZĂŒrcher, Schweizerische Hochschule fĂŒr Forstwirtschaft) ergaben, „dass eine Art PrĂ€gung durch den spezifischen FĂ€lltermin“ fortbesteht.[5] So konnte an zwei FichtenbĂ€umen unter Laborbedingungen nachgewiesen werden, dass die Struktur des Holzes tatsĂ€chlich zu- und abnimmt – als Durchmesserschwankung um die 80 bis 120 Όm.[6] Eine auf diesen Ergebnissen aufbauende Studie an BĂ€umen in der freien Natur widerspricht der Studie von ZĂŒrcher et al. direkt. Sie listet darĂŒber hinaus mögliche Fehlerquellen in ZĂŒrchers Studie auf.[7]

In einer forstwirtschaftlichen Studie von 2002 konnten bei 16 genetisch identischen Fichten, deren FĂ€llung zu unterschiedlichen Mondphasen erfolgte, keine statistisch relevanten Abweichungen beim Verlauf des Nadelverlustes beobachtet werden.[8]

Allgemeine Faktoren alter Forsttechnik

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Nach ĂŒberlieferter Meinung ist das langsame Wachstum von BĂ€umen auf kargem Boden im relativ hohen Alter zur Entstehung von höherwertigem Holz notwendig. Auch der Wintereinschlag in der Saftruhe war aus GrĂŒnden des Transports und der Arbeitseinteilung ĂŒblich. Dabei erfolgt die FĂ€llung so, dass die BĂ€ume mit dem Wipfel bergab liegen. Die Äste bleiben mindestens acht Wochen bis zum FrĂŒhjahr am Baum. Der Baum versucht noch, FrĂŒchte zu bilden und leitet die letzten SĂ€fte in die Äste; somit ist der Stamm nach dem Entasten relativ trocken. Die StĂ€mme werden im SĂ€gewerk aufgeschnitten und nach einer Lagerzeit von bis zu zwei Jahren weiterverarbeitet. Das bedeutet, dass das Holz insgesamt besonders ausgewĂ€hlt und behandelt wird, was einen eventuellen QualitĂ€tsvorsprung erklĂ€ren könnte. Diese Art des Holzeinschlags nach ĂŒberlieferter alter Forsttechnik wird besonders in Österreich und im sĂŒddeutschen Raum vereinzelt noch praktiziert.

Als Hauptproblem der Untersuchung forsttechnischer Aspekte erweisen sich die dĂŒrftige Informationslage ĂŒber „altes Holz“ und die geĂ€nderten Kriterien der Gewinnung, Verwendung und QualitĂ€tsbeurteilung von Bauholz, die die experimentelle ÜberprĂŒfung erschweren. Hier wĂ€ren zu nennen:

  • Schlechte Quellenlage: Alte Hölzer sind selten datiert, hĂ€ufig SekundĂ€rverwendungen unterworfen und waren vor und nach dem FĂ€llschlag unterschiedlichen Bedingungen ausgesetzt. Sie sind selten einem Ursprungsort zuzuweisen. In der Chronologie bezeichnet man das als Einzelfund und hĂŒtet sich vor generalisierenden SchlĂŒssen.
  • Die klimatischen Bedingungen im Baumwachstum: So ist vor 1900 geschlĂ€gertes Holz in der Kleinen Eiszeit gewachsen.
  • Die Gendrift der genutzten BĂ€ume und der HolzschĂ€dlinge: Insbesondere seit den 1950er-Jahren werden BestĂ€nde sortenrein aufgeforstet, also mit zĂŒchterisch gewonnenem, oft genetisch eng gefĂŒhrtem Material.
  • MaterialverĂ€nderung von Holz: Langfristige chemische VerĂ€nderungen der Lignine, Zellulosen und Begleitstoffe, oder die Einlagerung von Mineralien, die die technischen Eigenschaften des Baumaterials beeinflussen.
  • Logistische Unterschiede der Holzbringung und Verarbeitung: Unsicherheiten gibt es etwa ĂŒber die Frage des Frischverbaus, also die ZeitrĂ€ume zwischen Einschlag, Aufarbeitung und Verbau. Auch ĂŒber den Einfluss des FlĂ¶ĂŸens – das bis in die Zwischenkriegszeit Haupttransportweg fĂŒr Bauholz war – auf Auslaugung und StrukturverĂ€nderungen im Holz ist wenig bekannt.

Allgemein kann gesagt werden, dass Untersuchungen an BaumbestĂ€nden des Alpenraums und anderen von der modernen Forsttechnik geringfĂŒgiger beeinflussten WĂ€ldern, fĂŒr die manche der obigen Kriterien nicht so zutreffen, von deutlich höherer Aussagekraft sind.

Neben unbestrittenen HolzqualitĂ€ten, die sich aus Alter und Standort der BĂ€ume ergeben, beruhen viele Annahmen ĂŒber die Eigenschaften von Mondholz auf dem Glauben an den Einfluss des Mondes auf die Lebewesen der Erde.

Historische Quellen

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Auf einen Zusammenhang mit dem Mond verweist Henri Louis Duhamel du Monceau 1764 in seinem Buch De l'Exploitation des bois, das 1766 auf Deutsch erschien. Mit dem Hinweis, dass auch Fischer ihren Fang gerne bei bestimmtem Mondstand einbringen und Ärzte diverse Krankheiten dem Mond zuschreiben (Mondsucht), geht er den dem Holz zugeschriebenen Eigenschaften nach, wenn der Baum bei zu- oder abnehmenden Mond gefĂ€llt wurde. Er kommt dabei zu folgendem Ergebnis: „Wenn man dieses bedenkt, so kann man sich von den großen Wirkungen, die man dem Mond insgemein zuschreibt, sehr wenig versprechen.“[9]

Bauten, in denen Mondholz verwendet wird

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  • Claus-Thomas Bues, Jens Triebel: Mondholz – alles erlaubt? Sorgloser Umgang mit Mondholz schadet dem Image des Holzes. (PDF)
  • Klaus-Dieter Clausnitzer: Historischer Holzschutz im Hochbau. UniversitĂ€t Hannover, 1989.
  • Henri-Louis Duhamel du Monceau: De l' Exploitation des Bois. 1764. (deutsch: Von FĂ€llung der WĂ€lder. 1766–1667, Übers.: Carl Christoph von Schöllenbach PDF)
  • Josef Fellner, Alfred Teischinger: Alte Holzregeln. Von Mythen und Brauchbarem ĂŒber Fehlinterpretationen zu neuen Erkenntnissen. Wien 2001.
  • Hermann Knuchel: Untersuchungen ĂŒber den Einfluss der FĂ€llzeit auf die Eigenschaften des Fichten und Tannenholzes. In: Zeitschriften des Schweizerischen Forstvereins. Beiheft 5, Bern 1930.
  • Ernst ZĂŒrcher: Holzforschung im Zeichen des Mondes. Schweizerische Hochschule fĂŒr die Holzwirtschaft, SH-Holz. In: Lebendige Erde. 6/2003. (Webdokument, pdf) – zur Determinierung der Holzeigenschaften durch Mondphase und FĂ€llzeitpunkt.
Wiktionary: Mondholz – BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Von "Mond-DiÀt" bis "Mondholz" - alles erlaubt? In: Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden. 1/2, 2005.
  2. ↑ Gottfried Briemle: Der waldbauliche Mondkalender fĂŒr 2005. (Memento des Originals vom 23. Juni 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF, 137 kB)
  3. ↑ Jahn (1982) fasst zusammen: »Bei FĂ€llungen am Winterausgang bei gleichzeitigem Einsetzen des SchwĂ€rmens der Scolytiden nach einer kĂŒhleren Periode ergab sich eine deutliche Bevorzugung der VollmondbĂ€ume gegenĂŒber den NeumondbĂ€umen bei den ersten AnflĂŒgen. Dieses Ergebnis bestĂ€tigte sich in mehreren Untersuchungen, die sich ĂŒber mehrere Jahre erstreckten.« (Jahn, E. 1982: Untersuchungen zum Befall von Fichten-FangbĂ€umen durch BorkenkĂ€fer im Zusammenhang mit Mondphasen zur FĂ€llungszeit. In: Anzeiger fĂŒr SchĂ€dlingskunde, Pflanzenschutz, Umweltschutz. Bd. 55, Nr. 10, S. 145–149, doi:10.1007/BF01902758.)
  4. ↑ alte HĂ€user in den Voralpen und am Jura haben z. T. Schornsteine aus Holz, ZĂŒrcher (1999) verweist auf 2 HĂ€user im Freilichtmuseum Ballenberg/Bern (siehe ZĂŒrcher, E. 1999: Lunar Rhythms In Forestry Traditions – Lunar-Correlated Phenomena In Tree Biology And Wood Properties. In: Earth, Moon, and Planets. Bd. 85–86, Nr. 0, S. 463–478, doi:10.1023/A:1017018821490.)
  5. ↑ Ernst ZĂŒrcher: Holzforschung im Zeichen des Mondes. 2003, S. 39.
  6. ↑ ZĂŒrcher, Ernst, Maria-Giulia Cantiani, Francesco Sorbetti-Guerri, und Denis Michel. 1998. „Tree Stem Diameters Fluctuate with Tide“. Nature 392 (6677): 665–66. doi:10.1038/33570.
  7. ↑ Vesala, Timo, Sanna Sevanto, Pentti Paatero, Eero Nikinmaa, M. PerĂ€mĂ€ki, T. Ala-NissilĂ€, J. KÀÀriĂ€inen, H. Virtanen, James Irvine, und John Grace. 2000. „Do tree stems shrink and swell with the tides?“. Tree Physiology, 20(9), Seiten 633–635.
  8. ↑ Claus-Thomas Bues, Jens Triebel: Hilft der Mond gegen das alljĂ€hrliche "Nadel-Drama" unterm Weihnachtsbaum? auf: idw-online.de, 10. Dezember 2002.
  9. ↑ Carl Christoph Oelhafen von Schöllenbach: Von FĂ€llung der WĂ€lder, Verlag Winterschmidt, NĂŒrnberg 1766. p.319 PDF
  10. ↑ Forstamt Clausthal fĂ€llt Mondfichten fĂŒr Marktkirche. (Memento des Originals vom 3. Februar 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemĂ€ĂŸ Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Pressemeldung NiedersĂ€chsische Landesforsten, 13. Januar 2009. (PDF; 43 kB)
  11. ↑ FAZ, 20. Juni 2016
  12. ↑ Aus Mondholz geschnitzt