Funkzugangsnetz
Ein Funkzugangsnetz (auch Radio Access Network, RAN) ist der Teil eines Mobilfunknetzes, der fĂŒr die Funkverbindung zwischen den EndgerĂ€ten und dem dazugehörigen Kernnetz sorgt. Es besteht aus den im Sendebereich des Netzes verteilten Netzwerkelementen, darunter Basisstationen und den Antennen fĂŒr die Funkverbindung zu den mobilen EndgerĂ€ten (Smartphones).
Funktionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Funkzugangsnetz verbindet Benutzer mit dem Kernnetz und steuert die Verbindungen, indem Ăbergaben (Handovers) durchgefĂŒhrt werden, wenn ein Nutzer vom Sendebereich einer Antenne zur nĂ€chsten wechselt.[1]
InteroperabilitÀt
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Durch die Standardisierung (siehe 3GPP) war es Mobilfunknetzbetreibern möglich, einen Anbieter fĂŒr ihr Kernnetz und einen separaten Anbieter fĂŒr das Funkzugangsnetz zu wĂ€hlen. Die InteroperabilitĂ€t zwischen Netzwerkelementen verschiedener Anbieter wurde auf Kosten zusĂ€tzlicher FunktionsfĂ€higkeit bevorzugt. Trotzdem ist es schwierig, innerhalb eines Funkzugangsnetzes die Basisstationen und Antennen verschiedener Anbieter zu mischen, in den meisten FĂ€llen stammen diese von demselben Lieferanten.[2] Zu den groĂen Anbietern zĂ€hlen unter anderem Ericsson, Huawei, Samsung und Nokia.[3]
Technische Entwicklung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mehrere Generationen des Mobilfunks ab der Digitalisierung wurden standardisiert, beginnend mit 2G (GSM), 3G (UMTS), 4G (LTE), 5G (seit 2025) und 6G (ab 2030).[4][5] Die Standards waren zunĂ€chst wie Vermittlungsstellen auf die SprachĂŒbertragung zugeschnitten, Daten wurden wie mit Modems ĂŒber SprachkanĂ€le ĂŒbertragen (WAP, CSD). Weitere Generationen orientieren sich mehr und mehr an der DatenĂŒbertragung, sodass schlieĂlich umgekehrt Sprache in Form von Daten ĂŒbertragen wird.
Das Funkzugangsnetz[6] bildet
- in 2G (GSM) das Base Station Subsystem im GSM/EDGE Radio Access Network ("GERAN"),
- in 3G (UMTS) die Radio Network Subsysteme im UMTS Terrestrial Radio Access Network ("UTRAN"),
- in 4G (LTE, LTE+) die eNodeB im evolved UMTS Terrestrial Radio Access ("E-UTRA"),
- in 5G die gNodeB im 5G New Radio, in dem auch Open RAN vorgesehen ist.
Technologieoffenheit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 2020 wird Open RAN (Open Radio Access Network) intensiv diskutiert. Der Standard stellt sicher, dass Hard- und Software von unterschiedlichen Lieferanten zueinander passen und gemeinsam eingesetzt werden können. Das soll die Kosten beim Aufbau und Betrieb von Mobilfunknetzen reduzieren.[7] An den strukturellen und operativen Vorteilen von Open RAN gibt es Zweifel.[8]
Motiviert durch die Problematik der fehlenden InteroperabilitĂ€t formierte sich eine Industrieallianz, deren Ziel eine zukĂŒnftige InteroperabilitĂ€t der verschiedenen Komponenten des Funkzugangsnetzes ist.[9] Durch die UnabhĂ€ngigkeit von Open RAN (unabhĂ€ngige Funkzugangsnetze durch den Einsatz nicht proprietĂ€rer Technik) entsteht eine offene, cloud-native Netzarchitektur. Mobilfunkanbieter sind dadurch nicht mehr so stark von den groĂen Herstellern abhĂ€ngig.[10] Anfang Mai 2019 gab es in Prag eine internationale Konferenz zur Sicherheit bei der 5G-Technik, die vor dem "Einfluss eines Drittlands" warnte.[11] 2020 fĂŒhrte TelefĂłnica Deutschland als erster Netzbetreiber Open RAN in Deutschland ein.[12] Im Juni 2021 schaltete die Deutsche Telekom ihre ersten Standorte auf Basis von Open RAN aktiv.[13] Im selben Jahr veröffentlichte die Vodafone Group ihre Partner fĂŒr den Aufbau ihres Open-RAN-Netzwerkes.[14] Vodafone Deutschland nahm Ende 2022 die ersten Mobilfunksendemasten auf Basis von Open RAN in Betrieb und will bis 2030 an einem Drittel der Standorte den Open-RAN-Standard unterstĂŒtzen.[15]
Ab 2022 lieĂ die United-Internet-Tochter 1&1 von Rakuten das erste 5G-Mobilfunknetz auf Open-RAN-Technologie in Deutschland aufbauen.[16] Anfang Dezember 2023 startete 1&1 ein Viertes Mobilfunknetz: mit 500 Masten.[17] Es handelt sich um die bisher gröĂte Implementierung dieses Standards.
Anfang Dezember 2023 kĂŒndigte der gröĂte Mobilfunker der USA AT&T an, den GroĂteil seines 5G-Mobilfunknetzes durch den schwedischen AusrĂŒster Ericsson auf Open RAN umrĂŒsten zu lassen.[18]
Kritik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 2020 lÀuft ein Verfahren der Deutschen Bundesregierung gegen den chinesischen Hardwarehersteller Huawei. Das Unternehmen steht im Verdacht, Spionage zu ermöglichen. Aus diesem Grund haben bereits andere G20-Staaten inlÀndischen Mobilfunkanbietern verboten, Huawei-Komponenten zu verbauen.[19][20][21]
2021 veröffentlichte das Bundesamt fĂŒr Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eine Risikoanalyse von Open RAN.[22] Diese legte in Schnittstellen und Komponenten mittlere bis hohe SicherheitslĂŒcken offen, die von den Netzbetreibern beachtet werden mĂŒssen.[23]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Open RAN explained. Abgerufen am 7. Dezember 2020 (englisch).
- â Stefan HĂ€berli: Wer profitiert vom Ausschluss Huaweis aus den 5G-Netzen? In: NZZ. 7. Dezember 2020, abgerufen am 7. Dezember 2020.
- â Open RAN: Chancen und Herausforderungen. Abgerufen am 18. August 2022.
- â Mobilfunk. In: Bundesministerium fĂŒr Digitales und Staatsmodernisierung. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- â Mobilfunkstandards 2G, 3G, 4G und 5G - Alle Infos zu den Generationen. In: sparhandy. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- â UMTS-Netzarchitektur. In: Elektronik Kompendium. Abgerufen am 11. Februar 2026.
- â Volker Briegleb: Mobilfunknetz: "Revolution" mit Open RAN? (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im September 2026. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.) 28.10.2021
- â Achim Sawall Open RAN ist veraltet und nĂŒtzt derzeit vor allem den USA - Golem 26. Januar 2021
- â O-RAN ALLIANCE. Abgerufen am 7. Dezember 2020 (amerikanisches Englisch).
- â Stefan Luber: Was ist Open-RAN? Abgerufen am 18. August 2022.
- â Expertenkonferenz in Prag warnt vor Sicherheitsrisiken bei 5G-Technik. In: derstandard.de. 4. Mai 2019, abgerufen am 2. Februar 2024.
- â https://www.teltarif.de/telefonica-open-ran-nec/news/82902.html
- â Telekom schaltet O-RAN Town in Neubrandenburg ein. Deutsche Telekom, 28. Juni 2021, abgerufen am 4. Januar 2022.
- â Vodafone selects key partners to build Europe's first commercial Open RAN network. Vodafone, 14. Juni 2021, abgerufen am 4. Januar 2022 (englisch).
- â Daniel AJ Sokolov: 5G: Vodafone nimmt erste Open-RAN-Sender in Betrieb. In: heise online. 25. Oktober 2022, abgerufen am 11. November 2022.
- â Martin Fritz: Mobilfunk: âWir geben Deutschland das fortschrittlichste landesweite Open-RAN-Netzâ. Abgerufen am 18. August 2022.
- â Viertes Mobilfunknetz: 1&1 startet mit 500 Masten heise.de am 8. Dezember 2023
- â Open-RAN: GröĂter Mobilfunk-Auftrag fĂŒr Ericsson schmerzt Nokia heise.de am 7. Dezember 2023
- â IT-Sicherheit : Bundesregierung droht Huawei mit Rauswurf. Abgerufen am 18. August 2022.
- â Huawei: Einsatz von Teilen des Konzerns beim 5G-Ausbau â GroĂbritannien verhĂ€ngt Strafen. In: Der Spiegel. 24. November 2020, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. August 2022]).
- â 5G-Ausbau: Kanada setzt Huawei und ZTE auf die schwarze Liste. Abgerufen am 18. August 2022.
- â https://www.bsi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/BSI/Publikationen/Studien/5G/5GRAN-Risikoanalyse.pdf?__blob=publicationFile&v=9
- â Achim Sawall: BSI: Netzbetreiber betroffen ĂŒber unsicheres Open-RAN. In: golem.de. 24. November 2021, abgerufen am 3. Februar 2024.