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Pletzl

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Koscherer Laden im Pletzl

Pletzl (jiddisch פּלעצל pletsl, deutsch ‚kleiner Platz‘) ist das jüdische Viertel im Stadtteil Marais im 4. Arrondissement von Paris. Die Place Saint-Paul und ihre Umgebung erhielten inoffiziell diesen Namen im frühen 19. Jahrhundert infolge einer Welle von aschkenasischen jiddischsprachigen Einwanderern, die überwiegend aus dem Russischen Reich kamen.[1] Heutzutage ist das Viertel überwiegend sephardisch geprägt.

Die jüdische Präsenz in diesem Viertel reicht bis ins späte 13. Jahrhundert zurück.[2] So wurde im Jahr 1290 Jonathas, ein jüdischer Altwarenhändler aus dem Clos des Billettes, dessen Geschäft sich in diesem Viertel befand, auf der Place de Grève von der Inquisition auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Jahr 1807 berief Napoleon in der Salle Saint-Jean, unmittelbar neben dem Hôtel de Ville, eine Versammlung prominenter Pariser Juden ein.[3]

Die Pariser jüdische Bevölkerung wurde bereits sehr multikulturell und divers,[4] als die erste Massenmigration aus dem Russischen Reich in den frühen 1880er Jahren eine bedeutende osteuropäische jüdische Bevölkerung nach Paris brachte. Die meisten Einwanderer siedelten im Pletzl, das seitdem zum Zentrum der jiddischsprachigen Kultur in Paris und in ganz Frankreich wurde. Bis zum Ersten Weltkrieg hatten sich etwa 35.000 osteuropäische Juden in Paris niedergelassen, was etwa 45 % aller Juden in der Stadt ausmachte. Die zweite jüdische Massenmigration nach Paris fand zwischen den Weltkriegen statt. Diesmal stammte die absolute Mehrheit aus Polen und deutlich weniger aus der Ukraine und aus Belarus. Der Hauptgrund der Migration lag, wie zuvor, in den Pogromen.[1]

Die Synagoge der Rue Pavée

Am 7. Juni 1914 wurde die polnisch-russische Synagoge der Rue Pavée eingeweiht, deren Bau bereits 1911 begonnen hatte. Zu diesem Ereignis wurde Gerton Sirota, der renommierte Kantor der Großen Warschauer Synagoge, eingeladen.[3] 1940 wurde die von Hector Guimard im Jugendstil gebaute Synagoge von der nationalsozialistischen Besatzungsregierung gesprengt, später nach dem Kriegsende aber wieder aufgebaut.[5]

Durch die nationalsozialistische Besatzung während des Zweiten Weltkrieges wurde die Bevölkerung des Viertels dezimiert; zahlreiche Familien wurden aus ihren Häusern deportiert. Besonders die Razzia im Vél’ d’Hiv im Juli 1942 forderte viele Menschenleben. Zahlreiche Gedenktafeln an den Hausfassaden erinnern heute an diese Ereignisse.[2]

Im Jahr 1982 verübten Terroristen einen Anschlag auf das Restaurant „Jo Goldenberg“, bei dem sechs Menschen ums Leben kamen und zweiundzwanzig verletzt wurden.[2]

Das Straßenschild auf Jiddisch

Das Straßenschild mit dem Namen des Viertels in jiddischer Sprache wurde 2019 von dem französisch-ungarischen Künstler Sebestyén Fiumei erstellt. Im Juli 2025 wurde es jedoch unter ungeklärten Umständen gestohlen.[6] Einige Monate später wurde ein neues Schild von demselben Künstler angefertigt.

Straßen im Pletzl

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  • Rue Pavée
  • Rue des Rosiers
  • Rue Ferdinand Duval
  • Rue des Écouffes
  • Rue des Hospitalières-Saint-Gervais
  • Rue Vieille du Temple

Einzelnachweise

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  1. 1 2 Nancy L. Green: Jewish Migrations to France in the Nineteenth and Twentieth Centuries: Community or Communities? In: Studia Rosenthaliana. Band 23, 1989, S. 135–153.
  2. 1 2 3 Rue des Rosiers Paris 4e: Rue historique. In: Et Voilà Paris. 10. Juli 2026, abgerufen am 26. Juli 2026 (französisch).
  3. 1 2 Quand les Juifs du Marais vivaient en «Pletzl». In: Libération. (liberation.fr).
  4. ↑ Leben und Überleben im Pletzl. 7. Juli 2005, abgerufen am 26. Juli 2026.
  5. ↑ Hilke Maunder: Paris: die Juden der Rue des Rosiers. 21. Dezember 2025, abgerufen am 26. Juli 2026.
  6. ↑ דזשעניפֿער־פֿייגל שטערן: Yiddish street sign for the Pletzel, the Yiddish quarter of Paris, is stolen. In: The Forward. 9. September 2025, abgerufen am 26. Juli 2026 (jiddisch).