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Polyurethandispersion

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie

Eine Polyurethandispersion, international auch als PUD (polyurethane dispersion) bezeichnet, ist ein fließfĂ€higes Zweiphasensystem, bestehend aus Wasser und einem Polymer, d. h. einem dispergierten Kunststoff, der zu der Klasse der Polyurethane gehört, sowie gegebenenfalls weiteren Komponenten.

Typisch milchig-weißes Aussehen einer Polyurethandispersion

Polyurethandispersionen werden vorzugsweise im Bereich von Beschichtungen als Filmbildner bzw. Bindemittel einschließlich Klebstoffe eingesetzt, aber auch zur Herstellung anderer technischer Produkte. Weil die Polyurethandispersionen als umweltfreundliche Alternative zu lösemittelhaltigen Bindemitteln angesehen werden, haben diese eine zunehmende Bedeutung in der verarbeitenden Industrie gewonnen.

Glasfasern (chopped strands), geschlichtet mit Polyurethandispersion fĂŒr die ThermoplastverstĂ€rkung

Eigenschaften und Charakteristik der Dispersion

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Die allgemeinen Vorteile von Polyurethankunststoffen liegen in der FlexibilitĂ€t bei tiefen Temperaturen, in herausragenden, zum Teil wĂ€hlbaren mechanischen Eigenschaften, BestĂ€ndigkeiten gegenĂŒber bestimmten Chemikalien und je nach Aufbau, guten bis sehr guten WitterungsbestĂ€ndigkeiten.

Genereller Aufbau

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Um ausreichende Eigenschaften zu erzielen, werden jedoch hohe Molmassen der Polymere erforderlich. Eine Dispersion hat den Vorteil, dass auch bei sehr hohen Molmassen die ViskositĂ€t nur durch die TeilchengrĂ¶ĂŸe des dispergierten Kunststoffes und dessen Volumenanteils in der Dispersion bestimmt wird. Daher sind diese Systeme in Beschichtungen den echten Lösungen von Polyurethanen in organischen Lösemitteln hinsichtlich Umweltschutzes, d. h. Lösemittelemission und Auftragseffizienz ĂŒberlegen. Aus diesem Grund haben die Polyurethandispersionen in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten mit zunehmenden Anforderungen an umweltfreundliche Prozessen in der verarbeitenden Industrie einen hohen Stellenwert erlangt.

FĂ€lschlicherweise werden Polyurethandispersionen gerade im englischen Sprachraum als polyurethane emulsions oder PU emulsions bezeichnet. Es handelt sich aber weder um eine Emulsion noch um das Herstellverfahren der Polymer-Emulsionspolymerisation. Letztere bringt eine relativ einheitliche Zusammensetzung hinsichtlich der GrĂ¶ĂŸe der entstandenen Teilchen des Kunststoffes hervor, wĂ€hrend die Polyurethandispersion in einem Polymer-Additionsverfahren hergestellt wird und gewöhnlich eine recht breite Verteilung unterschiedlicher TeilchengrĂ¶ĂŸen aufweist.

Die Polyurethanteilchen einer stabilen Dispersion sind kugelförmig und liegen in einem GrĂ¶ĂŸenbereich zwischen etwa 30 nm und 1000 nm, wodurch sie ein milchig weißes (manchmal gelbliches) Aussehen bewirken. Die GrĂ¶ĂŸenverteilung kann sowohl ein Maximum (monomodal) als auch zwei Maxima (bimodal) aufweisen. Unterhalb 50 nm TeilchengrĂ¶ĂŸe erscheint die Dispersion zunehmend transparent, oberhalb 1000 nm neigen die Teilchen zum Absetzen und die Dispersion ist nicht lagerfĂ€hig.

Getrockneter offenzelliger PUD-Schlagschaum auf Baumwollgewebe, Schaumdichte 300 g·l−1, Schichtdicke 4 mm, hergestellt aus einer Polyurethandispersion mit 60 % Festkörperanteil

Der Gewichtsanteil des Kunststoffes (Festkörpergehalt) in handelsĂŒblichen Polyurethandispersionen betrĂ€gt typischerweise 30 % bis 50 %, gelegentlich sogar 60 %.[1] Dispersionen mit solch hohem Festkörperanteil haben Vorteile hinsichtlich des Transports und der Lagerung, der erzielbaren TrockenfilmstĂ€rken in einem Auftrag und der effektiven Trocknung pro Massenanteil, da weniger Energie zur Verdampfung des Wassers aufgewendet werden muss. Polyurethandispersionen mit hohen Anteilen an Festkörpern weisen somit ökologische Vorteile auf und gewinnen zunehmend an Bedeutung. Allerdings sind diese nicht einfach herzustellen und nicht in jeder Zusammensetzung möglich.[2]

Polyurethane haben eine Dichte je nach Zusammensetzung von etwa 1,1 g/ml und sind somit schwerer als Wasser. Die Tendenz zur Sedimentation und auch zur Koagulation wird zum einen verhindert durch gegenseitige Abstoßung der Teilchen, z. B. durch ionische Gruppen, und durch die ViskositĂ€t des flĂŒssigen Mediums. Grobteilige Dispersionen enthalten daher oft Verdickungsmittel und Emulgatoren in der wĂ€ssrigen Phase, die das Absetzen der Teilchen entsprechend verlangsamen und eine ausreichende LagerstabilitĂ€t bewirken. Eine nicht-ionische Stabilisierung wird durch den Einbau von hydrophilen Polyethylenoxidketten in das Polymer oder als endstĂ€ndige Gruppen erreicht; eine ionische Stabilisierung kann durch Einbau von anionischen Gruppen wie Carboxy oder Sulfonat oder kationischer wie aminischer Gruppen geschehen. Es wird daher zwischen nicht-ionischen, anionischen und kationischen Polyurethandispersionen unterschieden.

Neben Wasser enthalten Polyurethandispersionen in einigen FĂ€llen wasserverdĂŒnnbare, gewöhnlich hochsiedende organische Lösemittel (Colöser), hĂ€ufig N-Methylpyrrolidon (NMP), aber auch Glycolether in der GrĂ¶ĂŸenordnung von 5 bis 15 Gewichtsprozent. Der Anteil ist zum einen hĂ€ufig herstellbedingt, zu anderen ermöglicht der Colöser aber auch die Filmbildung von harten Polyurethanen bei Raumtemperatur durch Anlösen der OberflĂ€chen der Dispersionsteilchen nach Verdampfen des Wassers und anschließender Verschmelzung zu einem Film (Koaleszenz). Der Colöser verdampft auch ohne weitere Temperaturbehandlung nach und nach, wobei der Film zunehmend hĂ€rter wird und seine Endfestigkeit erreicht. Die Colöser tragen somit zur Emission organischer Anteile (VOC) bei und sind daher weniger erwĂŒnscht. Auch gibt es je nach Gehalt gesundheitliche und sicherheitstechnische Aspekte, die Vorsichtsmaßnahmen beim Umgang mit colöserhaltigen Polyurethandispersionen notwendig machen. FĂŒr den eingesetzten Colöser NMP wurde im Jahr 2010 die Kennzeichnung fĂŒr Zubereitungen verschĂ€rft, so dass Dispersionen, die ≄5 % NMP enthalten, heute als reproduktionstoxisch Cat. 1B (H360D) eingestuft werden.[3] Das hat die Hersteller dazu veranlasst, NMP als Colöser weitgehend zu vermeiden oder auf einen Gehalt von <5 % zu senken, sofern dies technisch möglich ist. Als Alternative zu NMP wird von einigen Anbietern das weniger bekannte N-Ethyl-2-pyrrolidon (NEP) eingesetzt. Polyurethandispersionen ohne Colöser können aber gegenĂŒber solchen mit Colösern vergleichbare lacktechnische Eigenschaften erzielen.[4]

Zusammensetzung

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Damit die gewĂŒnschten hohen Molmassen erzeugt werden können, werden vorzugsweise die Polyurethanpolymere linear aufgebaut, d. h. mit möglichst wenig Verzweigungen. Andernfalls wĂŒrden schon in der Aufbauphase des Polymers Gelteilchen erzeugt werden, die der spĂ€teren Filmbildung bei der Anwendung hinderlich sind.

Die Grundbausteine bestehen daher aus bifunktionellen Untereinheiten und sind damit weitgehend identisch mit den ĂŒblichen Komponenten, aus denen Polyurethane aufgebaut sind, d. h. Isocyanate, Polyole und Polyamine.

AbhĂ€ngig vom eingesetzten Isocyanat unterscheidet man daher zwischen aliphatischen und aromatischen Polyurethandispersionen. Letztere sind preisgĂŒnstiger, haben aber den Nachteil der Vergilbung durch Lichteinwirkung mit Ausnahme von Tetramethylxylylendiisocyanat (TMXDI). Der Anteil an eingebautem Isocyanat in einer Polyurethandispersion betrĂ€gt etwa 8 bis 12 %.

Die Polyole bilden den grĂ¶ĂŸten Massenanteil am Polyurethan und werden allgemein als Weichsegmente bezeichnet. Durch die Auswahl eines Polyols mit entsprechend niedriger GlasĂŒbergangstemperatur kann ein Polyurethan erzeugt werden mit entsprechender TieftemperaturflexibilitĂ€t. Auch hier kommen möglichst linear aufgebaute MolekĂŒle zum Einsatz, die endstĂ€ndig zwei oder mehr Hydroxygruppen aufweisen. Von Bedeutung sind auch oxidativ hĂ€rtende, FettsĂ€ure-modifizierte Polyester. Diese ermöglichen nicht nur eine gute Pigmentbenetzung in Lackformulierungen, sondern auch die nachtrĂ€gliche Vernetzung der getrockneten Filme zu harten Lackschichten. Die daraus resultierenden Polyurethandispersionen werden aufgrund der Herkunft der Polyester auch wĂ€ssrige Urethan-Alkyde genannt. Kristallisierende Polyester kommen fĂŒr thermoaktivierbare Klebstoffe in Betracht. Mit Polyethylenoxidbausteinen lĂ€sst sich eine permanente Hydrophilie des Polyurethans erzeugen, welche eine verbesserte WasserdampfdurchlĂ€ssigkeit der Filme ergibt. Polycarbonatdiole sind geeignete Bausteine fĂŒr extrem schlagzĂ€hes Verhalten, Kratz- und BewitterungsbestĂ€ndigkeit und sind daher fĂŒr Finishe von Kunststoff-, Leder- und Textilbeschichtungen von Bedeutung. Ether-stabilisierte Dispersionen neigen zur Koagulation bei höheren Temperaturen, wĂ€hrend ionisch hydrophilierte Dispersionen stabiler sind, aber dafĂŒr bei Elektrolytzusatz leichter koagulieren. Daher enthalten Polyurethandispersionen meistens beide Komponenten fĂŒr eine ausgewogene StabilitĂ€t.

KettenverlÀngerer

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Der Aufbau des Polymers verlĂ€uft hĂ€ufig in zwei Schritten: zunĂ€chst wird ein wenig verzweigtes Prepolymer aus den Diisocyanaten und den Polyolen hergestellt. Durch einen Überschuss an Diisocyanat weisen die Prepolymere als endstĂ€ndige Gruppen Isocyanate auf. Im zweiten Schritt werden die Prepolymere ĂŒber kurzkettige Diole und/oder Diamine miteinander zu langkettigen MolekĂŒlen verbunden, hĂ€ufig schon in Gegenwart von Wasser bei bestimmten Verfahren wĂ€hrend der Dispergierung. Der Zusammenhang zwischen erzeugter Molmasse, KettenverlĂ€nger und Reaktion mit Wasser findet sich in der Literatur.[5]

Funktionalisierungen

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Über die KettenverlĂ€ngerer lassen sich ionische Gruppen in das Polymer einbauen, um dieses als in Wasser dispergiertes Teilchen zu stabilisieren. Ein typischer Vertreter ist DimethylolpropionsĂ€ure (DMPS, engl. DMPA) fĂŒr Carboxy-FunktionalitĂ€t und Diolsulfonate fĂŒr seitenstĂ€ndige SulfonsĂ€uregruppen fĂŒr anionische Polyurethandispersionen. Letztere sind weit verbreitet. Der Aufbau eines anionischen Polyurethans ist schematisch im nachfolgenden Diagramm dargestellt. Im ersten Schritt wird aus den zuvor genannten Isocyanaten und Polyolen ein Prepolymer erzeugt. Über die KettenverlĂ€ngerung wird im zweiten Schritt eine hydrophile Gruppe eingefĂŒgt, am Beispiel eines Diamins mit seitenstĂ€ndiger Sulfonatgruppe (Natriumsalz). Das erhaltene Polymer ist permanent hydrophil und lĂ€sst sich im geeigneten Verfahren leicht dispergieren.

Zur Herstellung kationischer Dispersionen werden quartĂ€re Aminofunktionen eingebaut, z. B. ĂŒber Methyldiethanolamin. Die Feinteiligkeit einer Dispersion lĂ€sst sich vorrangig durch die Anzahl dieser hydrophilen Gruppen steuern. Es sind vielfĂ€ltige, kaum aufzĂ€hlbare Variationen möglich, um funktionelle Gruppen einzubauen. Die EinfĂŒhrung von endstĂ€ndigen, blockierten Isocyanaten ist bedeutend fĂŒr hitzeaktivierbare Vernetzungsreaktionen, aber auch Epoxygruppen- und Silan-modifizierte Polyurethane sind von Bedeutung, ebenso wie seitenstĂ€ndige Hydroxygruppen fĂŒr die Vernetzung durch andere reaktive Agentien, wie sie in Beschichtungsformulierungen eingesetzt werden.

Die zuvor genannten Bausteine lassen sich praktisch frei kombinieren. Dadurch ist eine enorme Anzahl an Polyurethandispersionen mit unterschiedlichsten Eigenschaften möglich. Das erklĂ€rt auch die Vielzahl der Produkte verschiedener Hersteller und Anwendungen. Entsprechend umfangreich sind die weltweit veröffentlichten Patentschriften. Wegen der komplexen ZusammenhĂ€nge enthalten Patentschriften oft ausfĂŒhrliche Beschreibungen des Stands der Technik, die fĂŒr den Leser recht nĂŒtzlich sind.[6] Struktur-Eigenschaftsbeziehung und Syntheseschritte zur Herstellung von Polyurethanen sind auch fĂŒr die entsprechenden Dispersionen gĂŒltig und in der Literatur umfassend beschrieben.[7]

Die Dispergierung in Wasser erfordert hohe ScherkrĂ€fte, um entsprechend feinteilige Dispersionen zu erhalten. Ein Problem sind die hohen ViskositĂ€ten des Isocyanat-Prepolymers. Nach der KettenverlĂ€ngerung sind die Polyurethane deshalb praktisch nicht mehr dispergierbar. Daher gibt es zwei prinzipielle Möglichkeiten: a) das Prepolymer wird direkt in Wasser und KettenverlĂ€ngerer unter hohen ScherkrĂ€ften dispergiert und die KettenverlĂ€ngerung findet in Gegenwart der wĂ€ssrigen Phase, jedoch in den dispergierten Teilchen statt, wobei neben der gewĂŒnschten Umsetzung auch die Reaktion von Wasser mit den Isocyanatgruppen zur KettenverlĂ€ngerung beitrĂ€gt. Zur Senkung der ViskositĂ€t des Prepolymers wird dieses zur Dispergierung erhitzt oder es werden die genannten Colöser eingesetzt, die jedoch in der fertigen Dispersion verbleiben. Es gibt mehrere Variationen, wie z. B. der Schmelz-Dispergier-Prozess oder das Prepolymer-Misch-Verfahren. Letzteres ist auch als kontinuierlicher Prozess durchfĂŒhrbar. b) Das vollstĂ€ndige PolyurethanmolekĂŒl wird in einem mit Wasser mischbaren, niedrig siedenden Lösemittel aufgebaut. Die Lösung wird mit Wasser zusammen dispergiert, und das Lösemittel wird schließlich so gut wie vollstĂ€ndig abdestilliert. Als Lösemittel der Wahl hat sich Aceton etabliert, daher wird dieser Prozess Acetonprozess genannt. Der Vorteil dieses Verfahrens liegt bei einer hohen VariabilitĂ€t der Einsatzstoffe und exzellenten, feinteiligen QualitĂ€ten sowie der Freiheit von organischen Lösemitteln. Nachteilig ist die geringere Kesselausnutzung im Vergleich zu den anderen Verfahren und der erhöhte Aufwand der AcetonrĂŒckgewinnung. Alternativ zu Aceton verwenden einige Hersteller 2-Butanon (MEK). Zu den Herstellverfahren und deren Varianten gibt es umfangreiche Literatur.[8]

Durch Verdampfen des Wassers entsteht aus der Dispersion ein gleichförmigerer Polymerfilm

Typische Anwendungen sind flĂ€chige Applikationen, damit das Wasser und gegebenenfalls Colöser verdampfen können und einen Polyurethanfilm zurĂŒcklassen. Die Trocknung der Filme kann bei Raumtemperatur geschehen, aber auch bei erhöhten Temperaturen, wenn es das Substrat zulĂ€sst. Sobald sich die Teilchen berĂŒhren, wenn genĂŒgend Wasser verdunstet ist, ist der Vorgang nicht mehr umkehrbar (Verfilmung). In den LĂŒcken zwischen den Teilchen entstehen hohe KapillarkrĂ€fte, so dass diese ihre Phasengrenzen verlieren, miteinander verschmelzen (Koaleszenz) und nach vollstĂ€ndiger Trocknung einen homogenen Film bilden. Eingesetzte Colöser unterstĂŒtzen die Koaleszenz und verbleiben hĂ€ufig noch lĂ€ngere Zeit im Film, wenn bei Raumtemperatur getrocknet wird. Der Colöser wirkt in diesem Fall wie ein Weichmacher und erst nach einiger Zeit erreichen die Filme ihre EndhĂ€rte.

Je nach Konstitution ergeben Polyurethandispersionen nach Trocknung klare, zÀhelastische Filme

Die Tendenz zur Schaum- und Hautbildung wirkt oft störend bei Transport und AbfĂŒllung der Dispersionen. Eine Besonderheit ist die gezielte Erzeugung von SchĂ€umen durch mechanisches AufrĂŒhren zu so genannten SchlagschĂ€umen. In Bereichen, die von Regulierungen der Emissionen an organischen Verbindungen (VOC) betroffen sind, haben wĂ€ssrige Polyurethandispersionen ehemalige lösemittelhaltige Systeme zu großem Anteil verdrĂ€ngt oder bereits Besitzstand gehabt, z. B. Industrie- und Automobillackierungen, insbesondere bei Grundierungen, Kunststoff-, Textil- und Lederbeschichtungen, OberflĂ€chenleimungsmittel fĂŒr Papier, Glasfaserschlichten, aber auch Koagulationsverfahren zur Herstellung von medizinischen Handschuhen sowie Klebstoffe im Bereich der Schuh-, Automobil- und Möbelfertigung. In vielen FĂ€llen der Anwendungen auf textilen TrĂ€gern oder bei Klebstoffen werden den Polyurethandispersionen kurz vor der Applikation Vernetzer wie z. B. wasserverdĂŒnnbare Polyisocyanate in Mengen von 2 bis 5 % zugesetzt, um die Haftung an das Substrat und die BestĂ€ndigkeiten zu verbessern.[9][10]

Ökologische Aspekte

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Die stationĂ€re, industrielle Verarbeitung von Lacken und Beschichtungsstoffen im europĂ€ischen Raum unterliegt seit dem Jahr 2010 der VOC Richtlinie zur Begrenzung von Emissionen flĂŒchtiger organischer Verbindungen, in vollem Umfang, sofern die gewĂ€hlte Anwendung in der Richtlinie beschrieben ist.[11] In vielen FĂ€llen sind Grenzwerte von 50 mg organischer Kohlenstoff-Konzentration pro mÂł Abluft einzuhalten. Daher ist ein Einsatz von Dispersionen, und somit auch von Polyurethandispersionen, mit sehr geringem oder keinem Anteil an Colöser in Lacken und Beschichtungen zu bevorzugen, wenn keine weitere Abluftbehandlung vorgesehen ist. Aus technischen GrĂŒnden ist es in EinzelfĂ€llen schwierig, von Lösemittelsystemen auf wĂ€ssrige Formulierungen umzusteigen, insbesondere wenn Sicherheitsaspekte zu beachten sind und noch wenig Erfahrung mit neuen Systemen vorliegen.[12]

Polyurethandispersionen im Vergleich zu Polyurethanlösungen in organischen Lösungsmitteln haben den Nachteil, dass bei der Trocknung etwa 6- bis 7-mal mehr Verdampfungsenthalpie fĂŒr das Wasser aufgewendet werden muss als fĂŒr organische Lösungsmittel. Der Trocknungsvorgang allein ist somit fĂŒr die Polyurethandispersionen energetisch ungĂŒnstiger. Betrachtet man aber die Bildung von Treibhausgasen ĂŒber den gesamten Prozess als Carbon Footprint, so stellen sich die Polyurethandispersionen gegenĂŒber den Polyurethanlösungen als gĂŒnstiger heraus, da einmal die Lösemittel selbst Energie zu ihrer Herstellung verbraucht haben und nach Trocknung entweder direkt verbrannt werden, z. B. in einer thermischen Nachverbrennungsanlage (TNV), oder in die AtmosphĂ€re gelangen und dort schließlich oxidiert werden. Daher wird der Kohlenstoff in den Lösungsmitteln letztendlich zu Kohlendioxid umgewandelt. FĂŒr industrielle Prozesse wird bei der Carbon Footprint-Betrachtung davon ausgegangen, dass Lösungsmittel in den Beschichtungsformulierungen verbrannt werden.[13]

  • GĂŒnter Oertel (Hrsg.): Polyurethane Handbook. 2. Auflage, Hanser Publishers 1993, ISBN 3-446-17198-3.

Einzelnachweise

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  1. ↑ T. Michaelis, H. Casselmann, (2009), European Coatings Journal, 2, 38–41.
  2. ↑ Patent EP1387859: Polyurethan-polyharnstoff dispersionen als beschichtungsmittel. Veröffentlicht am 14. Juli 2010, Erfinder: Detlev-Ingo SchĂŒtze, JĂŒrgen Urban, Tillmann Hassel, Gerald Kurek, Thorsten Rische.‌
  3. ↑ Eintrag zu N-Methyl-2-pyrrolidon in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. November 2015. (JavaScript erforderlich)
  4. ↑ A. Nasta et al., (2011), European Coatings Journal 07/08, 26–31.
  5. ↑ Young-Kuk Jhon et al. (2001): Chain extension study of aqueous polyurethane dispersions. Colloids and Surfaces A: Physicochemical and Engineering Aspects 179(1), 71–78. doi:10.1016/S0927-7757(00)00714-7
  6. ↑ Patentanmeldung WO9900198A1: Moulded screen panel and apparatus and method of manufacture. Angemeldet am 24. Juni 1998, veröffentlicht am 7. Januar 1999, Anmelder: Lettela Pty Ltd, Erfinder: Raymod Maxwell Woodgate.‌
  7. ↑ Martin E. Rogers und Timothy E. Long: Synthetic Methods in Step-Growth Polymers, Chapter Polyurethanes and Polyureas, John Wiley & Sons, 2003, ISBN 0-471-38769-X.
  8. ↑ James W. Rosthauser, Klaus Nachtkamp: Waterborne Polyurethanes. In: Journal of Coated Fabrics. Band 16, Nr. 1, 1986, S. 39–79, doi:10.1177/152808378601600103.
  9. ↑ Ulrich Meier-Westhues, Polyurethane: Lacke, Kleb- und Dichtstoffe, Vincentz Network GmbH & Co. KG Verlag Hannover, 2. Auflage (2007), ISBN 3-86630-896-5
  10. ↑ Dr. Lothar Thiele, Polyurethanklebstoffe im industriellen Einsatz – eine Standortbestimmung, Henkel KGaA 2007, ISBN 978-3-923324-19-4.
  11. ↑ VOC Solvents Emissions Directive. In: europa.eu. EuropĂ€ische Kommission, 20. April 2016, abgerufen am 16. November 2017 (englisch).
  12. ↑ PFI-Studie zur Reduzierung von VOC bei der Herstellung von Bergschuhen (Seite dauerhaft nicht mehr abrufbar, festgestellt im Mai 2019. Suche im Internet Archive) (PDF; 1,1 MB).
  13. ↑ DSM-Studie zu Carbon Footprints verschiedener Lacksysteme (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) (PDF; 2,1 MB) Abgerufen am 8. Dezember 2012.