Risc PC

Der Risc PC ist ein auf RISC-Technik[1] basierender Computer der Firma Acorn.[2][3][4][5] Wie sein VorgĂ€nger, der Acorn Archimedes, besitzt er eine ARM-CPU, als Betriebssystem wird RISC OS in Version 3.5 oder neuer verwendet. Der erste Risc PC wurde 1994 mit einem ARM610-Prozessor vorgestellt, der mit 30 MHz getaktet war; ein Jahr spĂ€ter erschien ein Modell mit ARM710 (40 MHz). 1996 war der deutlich schnellere StrongARM-Prozessor (bis zu 287 MHz) fĂŒr den Risc PC verfĂŒgbar.
Technische Beschreibung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine Basisversion des Betriebssystems ist in austauschbaren ROM-Bausteinen gespeichert, so dass der Rechner auch ohne Festplatte gestartet werden kann. Als Arbeitsspeicher wurden die weitverbreiteten EDO-SIMMs verwendet, die sich der Hauptprozessor anders als beim Archimedes nicht mehr mit der Grafikkarte teilen muss[6], jedoch nach wie vor kann, wenn kein Grafik-RAM-Modul eingesteckt ist. Der Hauptspeicher kann nach Vorgabe maximal auf 256Â MiB aufgerĂŒstet werden.
Die vier hauptsĂ€chlichen Hardwarebausteine sind, wie in der Archimedes Reihe, vorhanden. Allerdings ist der MEMC (Memory Management Unit) nun zusammen mit dem IOC in den IOMD Chip integriert. Daher finden sich nur noch VIDC (Video IC) und IOMD auf der Hauptplatine. ZusĂ€tzlich existiert ein Super I/O Chip (SMC FDC37C665GT[7][8]), der fĂŒr Floppy, die IDE-Festplatte, seriellen und parallelen Anschluss zustĂ€ndig ist.
Das System besitzt zwei Slots fĂŒr Prozessor-Steckkarten. In einem davon befindet sich der Hauptprozessor des Systems. In den zweiten Steckplatz kann ein weiterer Prozessor eingebaut werden. Dies ermöglicht es problemlos auf neuere Prozessoren aufzurĂŒsten und z. B. als Zweit-CPU einen 486 einzusetzen, um diesen als âeingebetteten PCâ zu betreiben.[9][6] Dadurch ist es möglich, DOS oder Windows unter RISC OS auszufĂŒhren.[10][11]
Ein Netzwerkslot erlaubt das NachrĂŒsten einer Ethernet-Anbindung.
Das GehÀuse ist nahezu schraubenfrei, modular aufgebaut und sehr leicht zu öffnen.
Auslaufende Batterien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ăber 30 Jahre nach MarkteinfĂŒhrung sind die StĂŒtzakkus fĂŒr das CMOS-RAM, das bestimmte Konfigurationswerte zwischenspeichert, in fast allen FĂ€llen erschöpft und tendieren zum Auslaufen. Dabei verteilt sich Batterielauge ĂŒber die Hauptplatine und zerstört in der Folge Kupferbahnen â bis hin zum völligen Funktionsverlust des GerĂ€tes. Daher sollte der Akku bei eingelagerten oder gebrauchten GerĂ€ten kontrolliert und getauscht werden, am besten durch ein Modell, das abseits der Platine im GehĂ€use eingesetzt wird. Kleine Kristalle auf der AuĂenseite des Akkus sind erste Warnhinweise; grĂŒne OxidationsbelĂ€ge auf den benachbarten ICs deuten dagegen schon auf fortgeschrittene Zerstörung hin.
Technische Basisdaten
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Diese Daten sind gleich fĂŒr alle Modelle.[12][13][14]
- Modulares GehÀuse mit proprietÀrem Netzteil und Monolautsprecher
- IOMD â Input-, Output- und Memorycontroller ASIC
- VIDC20 â Video- & Soundcontroller ASIC
- Betrieb mit und ohne VRAM möglich, ohne VRAM RĂŒckgriff auf Shared Memory-Verfahren
- SVGA (800Â ĂÂ 600) mit 32 Bit Farbtiefe
- XGA (1024Â ĂÂ 768) mit 16 Bit
- UXGA (1600Â ĂÂ 1200) mit 8 Bit
- Sound: 8 Bit logarithmische (Issue 1 und Issue 2 Mainboards) bzw. 16 Bit lineare Samples (Issue 3 Mainboards)
- Open Processor-Architektur (2 ProzessorsteckplÀtze, davon 1 mit ARM-Karte belegt)
- 2 Ă 72 Pin SIMM-Sockel fĂŒr PS/2-/EDO-RAM bis 256Â MB (2Â ĂÂ 128Â MB)
- 1 Ă VRAM-Sockel fĂŒr ein DIMM-Modul mit 1 bzw. 2Â MB, experimentell auch mit mehr Speicher
- 2 Ă ROM-Sockel fĂŒr RISC OS-ROMs
- 1 Ă Netzwerkadapter-Sockel fĂŒr Ethernet- bzw. Econet-Netzwerkkarten
- 240 Byte batteriegestĂŒtztes CMOS-RAM fĂŒr Basiskonfiguration und Echtzeituhr[15]
- DEBI-Erweiterungsbus mit voller DMA-UnterstĂŒtzung fĂŒr Slot 0 und 1 (ZĂ€hlweise anfangend am Motherboard von 0 bis 7)
- DEBI: DMA Extended Bus Interface
- bis 8 Slots bei 4-Etagen-Backplane
- Sockel fĂŒr 16-Bit-Soundkarte (nur Issue 1 und 2 Mainboards, Issue 3 Mainboards hatten 16bit-Sound on board)
- 1 Ă Mixer-Anschluss fĂŒr Audio analog (nur Issue 3 Mainboards)
- 1 Ă IDE/ATAPI-Anschluss fĂŒr bis zu 2 IDE/ATAPI-Laufwerke (Festplatten, CD-ROM, Wechselplatten, Bandlaufwerke)
- 1 Ă Floppy-Anschluss
- Beim Floppyanschluss gab es zwei unterschiedliche Modelle fĂŒr den Risc PC 600, die sich darin unterschieden, dass beim einen Modell nur ein Laufwerk unterstĂŒtzt wird, beim anderen hingegen zwei.
- Anbindung von 3,5âł- und/oder 5,25âł-Diskettenlaufwerken (SD und HD)
- 3,5âł-Formate: 1,6Â MB (ADFS), 1,8Â MB (ADFS Extended), 1,44Â MB (FAT), 800Â kB (ADFS), 720Â kB (FAT, ATARI)
- Alle AnschlĂŒsse auf der RĂŒckseite
- PS/2-Tastaturanschluss
- Logitech Mousebus-Mausanschluss (mechanische Drei-Tasten-Maus mitgeliefert)
- 1 Ă Parallelport, bidirektional
- 1 Ă serieller Port, 115200 Bit/s
- 1 Ă 3,5Â mm Stereo-Klinkenstecker Audio Out
- 1 Ă VGA-D-Sub-15-Anschluss
- Externe AnschlĂŒsse aller Erweiterungen werden nach hinten aus dem GehĂ€use gefĂŒhrt.
Modelle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Modell | Risc PC 600[16] | Risc PC 700[17] | Risc PC SA |
|---|---|---|---|
| MarkteinfĂŒhrung | 1994 | 1995 | 1997 |
| Prozessor | ARM 610[18] | ARM 710[19] | Strong ARM[20][21] |
| RISC OS | 3.5 | 3.6 | 3.7 |
Der Risc PC erschien in seiner ersten AusfĂŒhrung zunĂ€chst unter diesem Namen. Die Namenserweiterungen durch nachgestellte Zahlen (600,700) wurden erst nach Erscheinen der Prozessorkarte mit dem ARM710 eingefĂŒhrt.


Der Risc PC wurde original mit einer ARM610 Prozessorkarte[22] und 4 MB RAM sowie einer 210 MB Festplatte ausgeliefert. Das Mainboard hatte zu der Zeit nur 8Bit Sound und das VideoRAM war zunĂ€chst nur bis 1 MB installierbar, da die 2 MB Riegel anfangs nicht lieferbar waren. Diese Maschine wurde in verschiedenen Kombinationen mit Acorns eigenen Monitoren (AKF60, AKF85), gröĂerer Festplatte (420 MB), einem CD-ROM, dem 1 MB VideoRAM Modul, Erweiterung auf 8 MB Arbeitsspeicher angeboten.
Die direkte VorgĂ€ngermaschine, der A5000, konnte durch einfache Erweiterung per 2MB-Steckmodul 4 MB RAM enthalten oder hatte dieses als Maximalausbau direkt auf dem Board aufgelötet; durch aufwendigere Umbauten (NachrĂŒstung jeweils eines MEMC Memory Controllers je weitere 4 MB und Einbau eines Sockels fĂŒr den originalen MEMC) waren 8 MB oder 12 MB RAM möglich. Daher sind die 4 MB RAM Grundausstattung des Risc PC zu der Zeit recht groĂzĂŒgig gewesen.
Der Einstandspreis des Risc PC in Deutschland lag fĂŒr das kleine Modell (ARM610,4MB,210HDD) bei exakt 2999,- DM.
Wichtige einzeln von Acorn erhÀltliche direkte Mainboarderweiterungen waren ein steckbares SoundModul mit 16Bit Soundausgabe (d. h. CD-QualitÀt), das VideoRAM Upgrade, ein Ethernetmodul, die PC-KompatibilitÀtskarte.
Letztere gehörte wohl zum GesamtverstĂ€ndnis der Maschine aus Acorns Sicht unabdingbar dazu â das gesamte GerĂ€t ist ja im Hinblick auf diese Möglichkeit konstruiert (OpenBus). Sie erschien zunĂ€chst in Form einer mit einem 486SX von Texas Instruments versehenen Version. Diese erlaubte durchaus das Betreiben von DR-DOS aus dem Lieferumfang, aber auch von MS-DOS, Windows 3.1, spĂ€ter Windows 95. Allerdings, natĂŒrlich, bei eingeschrĂ€nkter Spieletauglichkeit.[23]
Wegen seines modularen Aufbaus kann der Risc PC schrittweise ausgebaut werden. Auch der Hersteller selbst bot im Laufe der Zeit weitere Prozessorkarten, RAM-Module, Netzwerkkarten, PC-Karten an, und verkaufte bestimmte Zusammenstellungen als KomplettgerĂ€te unter offizieller eigener GerĂ€tenummer (ACBxx). Daher ergeben sich auch âMeilensteineâ der Entwicklung mit besonderer Bezeichnung, wie in obiger Tabelle.
WĂ€hrend der Herstellungszeit wurde das Mainboard zweimal leicht ĂŒberarbeitet, blieb aber von den Haupteigenschaften her im Wesentlichen unverĂ€ndert. Die dritte Version enthĂ€lt dann bereits 16-Bit-Sound on-board und eine an europĂ€ische Normen angepasste Videoeinheit (die das Bild nicht verbesserte).
Daraus ergibt sich auch, dass man fĂŒr den Betrieb etwa einer StrongARM Karte nicht auf ein passendes neueres Board angewiesen ist. Stattdessen lassen sich auch GerĂ€te der ersten oder zweiten Generation auf den Stand eines Vollausbaues bringen. Oft wird noch ein ROM-Austausch nötig, da das OS den neuen Prozessor auch unterstĂŒtzen muss.
Von Acorn selbst war ein Upgradepfad vom ARM600[24][25] ĂŒber den ARM700[26][27] (1995) hin zu einem angekĂŒndigten ARM800 vorgesehen.[28] Dazu gab es schon zur Risc PC EinfĂŒhrung fixe garantierte Upgradepreise, um so eine geplante AufrĂŒstung zu ermöglichen. Alle diese Chips waren mit Taktraten in normaler Chipevolution geplant, beginnend bei den 30 MHz des ARM610 im Risc PC (Vergleich mit A5000 25 MHz bzw. 33 MHz und A540 mit 26 MHz, alle mit ARM3). Die ARM710 Prozessorkarte des Risc PC 700 wurde mit 40 MHz betrieben und war ca. 25 % schneller als der ARM610.[29][30]

1996 erschien die StrongARM-CPU, die von der Digital Equipment Corporation (DEC) mit und fĂŒr ARM entwickelt worden war. Bei deren Entwicklung war viel von Digitals Wissen ĂŒber die Herstellung hochgetakteter RISC-Prozessoren wie dem Alpha-Prozessor eingeflossen.[31] Unter anderem gab es getrennte Caches fĂŒr Daten und Instruktionen (Harvard-Architektur) statt des einfachen Caches der Ă€lteren ARM-Prozessoren und die Befehlspipeline wurde von drei auf fĂŒnf Stufen verlĂ€ngert. Dies zog bei der Nutzung dieses Chips im Risc PC einige Ănderungen bei Betriebssystem (RISC OS 3.7 benötigt) und vielen Programmen nach sich. Im Gegenzug war so Ende 1996 mit der StrongARM-Karte eine Prozessorkarte verfĂŒgbar, die bei 202 MHz Taktrate wieder eine fĂŒr Mikrocomputer hohe Rechenleistung erbrachte.[32][33]
Besonderheiten
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Der zweite Prozessorsteckplatz ist eine in dieser Form sonst kaum anzutreffende Hardwarelösung, da es hier einem Zweitprozessor komplett anderer Bauart (ARM vs. x86) im echten Parallelbetrieb erlaubt wird, den kompletten Systembus inklusive aller GerĂ€te (RAM, Grafik, I/O) anzusteuern, wenn auch unter der Voraussetzung, dass der eigentliche Busmaster immer ein ARM-Prozessor sein muss, der daher auch im ersten Slot einzustecken ist. Die Anbindung des Zweitprozessors ans System erfolgt ĂŒber ein besonderes IC, das auf allen PC-Karten zu finden ist und eine Umsetzung an das Busprotokoll des Risc PC vornimmt.
Es ist in dem Sinn auch kein Dual- bzw. Mehrprozessorsystem der Art, wie sie von anderen Herstellern bekannt sind, etwa SUN SPARCstation 10, SUN Ultra 2, SGI Octane oder das Abit BP6 Mainboard[34] fĂŒr Celerons.
Es gab aber auch seitens Acorn BemĂŒhungen den Risc PC im Dual-Prozessor Modus zu betreiben. Ausdruck dafĂŒr ist die Existenz einer Prozessorkarte mit einem weiteren ARM610, die Acorn âDuetâ-Karte.[35]
Von der englischen Firma SIMTEC Electronics wurde dieser Ansatz ebenfalls verfolgt und nahm in Form eines ganzen Steckkartensystemes namens Hydra Gestalt an mit dem bis zu 5 (!) ARM-Prozessorkarten auf den vorhandenen 2 Prozessorslots installiert werden können. Das Hydra Multiprocessor Board war dabei, im Gegensatz zur Duet Karte, tatsÀchlich kÀuflich zu erwerben und mittels eines Mandelbrotgenerators demonstrierbar.[36][37][38][39]

Die Dortmunder Firma ACE (Acorn Computer Enterprises) produzierte eine Umschaltplatine, den ARM-Switcher, die es ermöglichte zwei unterschiedliche ARM Prozessoren im Risc PC eingebaut zu lassen und vor dem Anschalten entscheiden zu können, welche CPU beim Start benutzt wird. Dies war wohl insbesondere in der Zeit des Ăbergangs und der Anpassung auf die StrongARM Architektur eine sinnvolle Lösung, da so bereits vorhandene Software weitergenutzt werden konnte.[40]
Die von Acorn 1994 ebenfalls angekĂŒndigten Media-Prozessoren (etwa DSPs, MPEG-Decoder oder Grafikbeschleuniger) fĂŒr den zweiten Prozessorslot sind nie in dieser Form allgemeinverfĂŒgbar geworden. Möglicherweise wĂ€re dies die bessere Option gewesen, den Slot zu benutzen; dem widersprach allerdings wohl der Zwang zur PC-KompatibiltĂ€t, dem in dieser Zeit alle Hersteller mit eigener Systemarchitektur unterlagen oder zu unterliegen meinten.
Modulares GehÀuse
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Das GehĂ€use ist modular ĂŒber mehrere ĂŒbereinander stapelbare GehĂ€useteile erweiterbar.[41] Dabei ist bereits die erste unterste Ebene baugleich zu allen potentiell folgenden. Eine Basisplatte fasst das Mainboard sowie das Netzteil und eine frontseitig installierte Festplatte. Jedes zusĂ€tzliche Ebenenmodul bietet Platz fĂŒr ein weiteres 5,25âł-Laufwerk und einen 3,5âł-Schacht, etwa fĂŒr Floppys oder weitere Festplatten. Alle Module werden durch insgesamt vier steck- und drehbare Stifte an den GehĂ€useecken mit der Basisplatte zusammengehalten und verriegelt. ErweiterungssteckplĂ€tze fĂŒr Steckkarten, sogenannte Podules, werden ĂŒber eine Riser-Karte, die bei Acorn Backplane genannt wird, vertikal angeordnet. Je zusĂ€tzlichem Ebenenmodul sind dabei zwei weitere Erweiterungsslots möglich. Ein GehĂ€use mit zwei Ebenen kann also vier Steckkarten aufnehmen, wenn die entsprechende Backplane verbaut ist; höhere GehĂ€use entsprechend mehr. Im StandardgehĂ€use mit einer Ebene sind es entsprechend nur die unteren zwei Slots, die dafĂŒr aber DMA fĂ€hig sind. Karten die diesen Modus unterstĂŒtzen (z. B. SCSI-Controller) sollten daher am besten hier installiert werden. SpĂ€testens ab vier Slots muss die Stromversorgung beachtet werden, die bei den Risc PCs nicht auf groĂe Vollausbauten ausgelegt sind. Es existieren zwei unterschiedlich starke Netzteile mit 70 Watt bzw. 103 Watt Leistung.
Der wohl aufwendigste und bemerkenswerteste Risc PC Aufbau ist die auf der Acorn World Show im November 1996 vorgestellte Maschine mit ganzen zehn GehĂ€useebenen, die unter dem Namen âThe Rocket Ship Computerâ bekannt geworden ist.[42][43]
Nachfolger
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der offizielle Risc-PC-Nachfolger Phoebe oder auch Risc PC-2[44][6][45][46][47] wurde von Acorn nie fertiggestellt. Im Jahre 2000 erschien der Kinetic Risc PC mit StrongARM, RISC OS 4 und Speicher auf der CPU-Karte.[48][49] Dieser wurde nach dem Ende von Acorn von Castle Technology Ltd., einem Anbieter von Zusatzhardware fĂŒr die Acorn-GerĂ€te, weiter gebaut und vertrieben. Castle Technology Ltd. hat spĂ€ter, im Dezember 2002, einen eigenen Nachfolger des Risc-PC auf Basis des XScale-Prozessors herausgebracht, den IYONIX pc.[50]
Ab Herbst 1999 gab es von Millipede, die bereits das erfolgreiche APEX Imager Board entwickelt hatten[51], die AnkĂŒndigung eines Ersatzmainboards fĂŒr die RiscPCs, welches auch höchste Grafikauflösungen darstellen können sollte â das Imago Mainboard[52][53]. ZunĂ€chst mit 1800 Ă 1400 angekĂŒndigt und schnell auf 2048 Ă 1536 bei 24 Bit Farbauflösung (16 Millionen Farben) erweitert, kam dieses Board, trotz einiger MessevorfĂŒhrungen nie ĂŒber den Prototypenstatus hinaus. Insbesondere auch die Umstellung der zu Beginn eingeplanten StrongARM CPU auf den bereits verfĂŒgbaren Intel XScale fĂŒhrte dann zu weiteren Verzögerungen.
Das Imago Board bildet auch die Basis fĂŒr den, auf der Wakefield Show 2000 vorgefĂŒhrten, Grafikrechner Cerilica Nucleus.[54][55][56][57] Dieser Rechner demonstrierte die tatsĂ€chliche Benutzbarkeit dieser Hardware, allerdings blieb es bei genau einem gebauten Rechner.
Vom britischen Unternehmen MicroDigital[58] gab es ein besonders interessantes GerĂ€t, dessen wichtigste Hardwarekomponenten durch FPGAs dargestellt wurden, den Omega.[59][60][61][62] Damit wurden Hardwareanpassungen durch Software-Updates möglich. Der Zeitpunkt des ersten demonstrierbaren stabilen Betriebs fiel ungefĂ€hr mit dem Erscheinen des IYONIX zusammen, weshalb es Ende 2002 gleich zwei tatsĂ€chlich lieferbare Nachfolgesysteme gab.[63][64] Je nach Sichtweise kann man den Omega auch als letzten echten Rechner in der Tradition der Archimedes-Reihe ansehen, denn er ist, durch die direkte Nachbildung, ĂŒberwiegend direkt hard- und softwarekompatibel, dabei aber wesentlich schneller als das Original. Ihm gebĂŒhrt die Ehre, bei vielen ehemaligen Nutzern des RISC OS die Hoffnung auf eine schnelle neue Hardwaregeneration nach der Zerschlagung der Firma Acorn aufrechterhalten zu haben.

Ende des Jahres 2002 ĂŒberraschte Castle Technology Ltd., welche bereits die FortfĂŒhrung der Herstellung von RiscPC und A7000 bzw. A7000+ ĂŒbernommen hatten und mit der Kinetic Karte fĂŒr weitergehende Benutzbarkeit sorgten, mit der Vorstellung einer komplett neuen Maschine, des IYONIX.[65][66][67] Dieser basierte auf einer Hardware, die deutlich vom bisherigen Systemaufbau abwich (Grafikbaustein, I/O Chip) und daher eine Anpassung des Betriebssystems auf unterster Ebene erforderte. Gelöst wurde dies durch EinfĂŒhrung einer Hardwareabstraktionsschicht (HAL) ins RISC OS. Auf Softwareseite fĂŒhrte dies zu InkompatibilitĂ€ten und dem Erfordernis, Programme anzupassen. Insbesondere auch, dass die XScale CPU das Prozessorstatusregister nun endgĂŒltig von der Speicherverwaltung (Programm Counter) ablöst, erforderte Ănderungen. Man spricht hier dann von sogenannter 32 Bit Software[68], im Gegensatz zu der ursprĂŒnglichen 26 Bit Software, bei welcher es sich aber natĂŒrlich auch um 32 Bit breite Daten und Register handelt, da die ARM-CPU von Beginn an 32 Bit Register verwendete, allerdings den Speicherzugriff nur mit einer Adressbusbreite von 26 Bit erlaubte. Durch die Anpassungen kann der Iyonix einen schnell getakteten XScale '80321' Chip mit 600 MHz verwenden und auch sonst auf gĂŒnstigere Hardwarebauteile aus dem StandardPC-Bereich setzen. Insbesondere IDE-Anbindung, Arbeitsspeicher (200MHz DDR-SDRAM) und die Grafikkartennutzung profitieren davon und beschleunigen so das Gesamtsystem deutlich.[69] Ausgeliefert wurde er zudem mit einem kompletten Satz an Nutzertools und Programmen, wie z. B. einer Textverarbeitung und einem PDF-Betrachter.
Der A9home war ein kleiner Mini-Computer der Firma Advantage Six von 2005.[70][71] Kleiner als der Mac Mini, der etwa zeitgleich erschien, ist er, wie der IYONIX PC schon ein GerĂ€t der neueren Generation mit vollem 32-Bit-Adressbus. Der A9home deutet bereits den Ăbergang auf kleine GerĂ€te mit Boards in Miniformat oder gar vollintegrierte Systeme in einem Chip, wie den Raspberry Pi, an.
Die Miniaturisierung hat auch vor dem GehĂ€use nicht haltgemacht, was sich an kommerziellen GerĂ€ten wie BIK (BeagleBoard-In-Kiste)[72] (in England als ARMini[73]) von 2010 oder PIK (PandaBoard-In-Kiste)[74] (in England als ARMiniX[73]) von 2011 gut erkennen lĂ€sst. Mittels 3D-Druck ist heutzutage sogar ein, an das groĂe Vorbild angelehnte, selbstgefertigtes GehĂ€use möglich.[75]
Derzeit aktuelle Nachfolgesysteme sind bis zu 140-mal schneller[76] als ein Risc PC und basieren u. a. auf dem BeagleBoard, dem Wandboard, dem Titanium von Elesar[77] oder dem Raspberry Pi in allen seinen Versionen.[78][79]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Titelblatt der Erstausgabe des RiscPC Magazin, dem einzigen deutschen Magazin, das je zum Risc PC erschien (2 Ausgaben).
- Zur Inbetriebnahme des GerÀtes ohne die proprietÀre Acorn-Maus kann man eine serielle 3-Tastenmaus konfigurieren.
- RISCy Business â The Acorn RiscPC â ARM in a desktop auf YouTube, 30. MĂ€rz 2018, abgerufen am 25. Juli 2018. Umfassendes und anschauliches Video ĂŒber den RiscPC (englischsprachig).
- Frei verfĂŒgbare Version des RiscPC Emulators (auch kommerziell in erweiterter Form verfĂŒgbar) (virtualacorn.co.uk).
- Happy Birthday RiscPC auf YouTube, 3. Mai 2014, abgerufen am 25. Juli 2018. Feier zum 20-jĂ€hrigen JubilĂ€um, 1994â2014
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â bernd-leitenberger.de
- â https://www.computinghistory.org.uk/det/54310/Acorn-Risc-PC-600-Prototype-Motherboard/ Prototyp der Hauptplatine
- â http://riscos.com/the_archive/acorn/products/riscpc/press/index.htm Pressetexte zur Computervorstellung (engl.)
- â http://riscos.com/the_archive/acorn/products/riscpc/advert/index.htm Bild der Werbekampagne zur Produktvorstellung
- â http://riscos.com/the_archive/acorn/products/riscpc/theteam/index.htm Bild vom Entwicklerteam des Projektes Medusa
- 1 2 3 https://www.old-computers.com/museum/computer.asp?c=1015
- â http://bitsavers.informatik.uni-stuttgart.de/components/standardMicrosystems/_SMSC/_dataSheets/FDC37C665GT_SuperIO.pdf PDF bei Bitsavers
- â https://www.alldatasheet.com/datasheet-pdf/pdf/86591/SMSC/FDC37C665GT.html PDF bei AllDataSheet
- â http://www.riscos.com/the_archive/acorn/products/riscpc/pccard/spec/index.htm
- 1 2 acorn.chriswhy.co.uk
- 1 2 chrisacorns.computinghistory.org.uk
- â Technical Reference Manual, Issue 1, September 1994, Acorn Computers Ltd.
- â old-computers.com
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk (PDF; 177Â kB)
- â nxp.com (PDF)
- â computinghistory.org.uk
- â computinghistory.org.uk
- â riscos.com
- â riscos.com
- â riscos.com
- â http://www.poppyfields.net/acorn/news/acopress/strarm.shtml Acorn Pressemitteilung ĂŒber die erste StrongARM Karte (MĂ€rz 1996), bei poppyfields.net
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk
- â https://www.1000bit.it/js/web/viewer.html?file=%2Fad%2Fbro%2Facorn%2Facornarm610.pdf#zoom=page-fit Prospekt Prozessor ARM610 (1995)
- â https://www.1000bit.it/js/web/viewer.html?file=%2Fad%2Fbro%2Facorn%2Facorn%2Darm610processorsnewseriesdatasheet2%2Epdf#zoom=page-fit Prospekt Prozessor ARM610 (1994)
- â https://www.1000bit.it/js/web/viewer.html?file=%2Fad%2Fbro%2Facorn%2Facornarm710%2Epdf#zoom=page-fit Prospekt Prozessor ARM710 (1995)
- â https://www.1000bit.it/js/web/viewer.html?file=%2Fad%2Fbro%2Facorn%2Facorn%2Darm700thenextstepdatasheet3%2Epdf#zoom=page-fit Prospekt Prozessor ARM700 (1994)
- â https://www.1000bit.it/js/web/viewer.html?file=%2Fad%2Fbro%2Facorn%2Facorn%2Darm610processorsdatasheet1%2Epdf#zoom=page-fit geplante Prozessor Upgrades der kommenden Jahre
- â Textarchiv â Internet Archive
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk
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- â 4corn.co.uk
- â RISC OS Computer fĂŒr zu Hause und Unterwegs ( vom 4. Januar 2013 im Webarchiv archive.today) Acorn Application Note zum StrongARM Prozessor (App295)
- â hw-museum.cz
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk
- â simtec.co.uk
- â Textarchiv â Internet Archive
- â AcornUser Hydra-Test Juli 1996 (engl.)
- â chrisacorns.computinghistory.org.uk
- â https://www.1000bit.it/js/web/viewer.html?file=%2Fad%2Fbro%2Facorn%2Facorn%2Dversatilemodularcasedatasheet14%2Epdf#zoom=page-fit GehĂ€use Datenblatt (bei 1000bit.it)
- â john-ward.org.uk Rocket Ship Spezifikationen und Bilder ( vom 11. November 2020 im Internet Archive)
- â computinghistory.org.uk
- â arcsite.de
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- â 4corn.co.uk
- â qubeserver.com
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- â Millipede APEX Imager ( vom 8. Juni 2000 im Internet Archive)
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- â Millipede Imago bei Chris Why
- â Cerilica Nucleus bei Chris Why (Computing History Museum)
- â Produktseite zum Nucleus bei (ehemals) A4com.de ( vom 17. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)
- â Zeitschriftenartikel Nucleus (englisch)
- â www.cerilica.com Produktseite Nucleus ( vom 5. Februar 2001 im Internet Archive)
- â Webseite von Microdigital , microdigital.co.uk ( vom 2. Oktober 2002 im Internet Archive)
- â Omegaseite bei a4com ( vom 7. September 2005 im Internet Archive)
- â Omega Spezifikation
- â Omega Spezifikation , Herstellerseite ( vom 10. Oktober 2002 im Internet Archive)
- â Riscworld Artikel (englisch) zum Omega (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im April 2024. Suche im Internet Archive) ( Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prĂŒfe den Link gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.)
- â Bild vom Mainboard
- â Beschreibung und (Be)Wertung eines Nutzers (englisch), qubeserver.com
- â iyonix.com ( vom 3. Juni 2003 im Internet Archive)
- â Bild vom Mainboard und Beschreibung der Bausteine ( vom 21. MĂ€rz 2016 im Internet Archive)
- â heise online
- â 32Bit Software , nĂ€here ErlĂ€uterung (englisch) ( vom 8. Juni 2003 im Internet Archive)
- â Iyonix Anwender-Benchmarks im Vergleich mit RiscPC
- â advantage6.com
- â a4com.de ( vom 30. Oktober 2012 im Internet Archive)
- â a4com.de ( vom 19. Juni 2018 im Internet Archive)
- 1 2 armini.co.uk
- â a4com.de ( vom 28. Januar 2016 im Internet Archive)
- â dorchester3d.com
- â riscos.fr
- â elesar.co.uk
- â raspberrypi.org
- â riscosopen.org