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Röse

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Röse vom GrÀberfeld Ekornavallen in VÀstergötland
Schiffsröse vom GrÀberfeld SnÀckedal
Die Röse von Dömestorp – nach Oscar Montelius

Als Röse (femininum, Plural Rösen oder Röser; dĂ€nisch GravrĂžse (Plural GravrĂžser), estnisch Kangurkalme, schwedisch Gravröse (Plural Gravrösen) oder Roj, norwegisch GravrĂžys oder ÅsrĂžys) bezeichnet die ArchĂ€ologie einen SteinhĂŒgel aus Rollsteinen ĂŒber Bestattungen der nordischen Bronze-, Eisen- und Wikingerzeit. Die in der Regel runden, selten ovalen oder quadratischen und sehr selten schiffsförmigen HĂŒgel enthielten in Schweden und DĂ€nemark zumeist Steinkisten und wurden fĂŒr Nachbestattungen teilweise erweitert und erhöht. Ihre heute oft nicht mehr vorhandenen Einfassungen aus Randsteinen bestanden aus Steinblöcken oder Trockenmauerwerk.

StenrydningsrĂžser sind dagegen Lesesteinhaufen.

LÄngrösen

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Die Langröse bei Svartvik nördlich von Söderhamn ist etwa 40 m lang

Die LĂ„ngrösen scheinen Schiffssetzungen ressourcenbedingt zu ersetzen bzw. abzulösen. Auch die GrĂ¶ĂŸen passen zueinander, obwohl LĂ„ngrösen in der Regel breiter sind. Die grĂ¶ĂŸte LĂ„ngröse von GĂ€vleborgs lĂ€n ist etwa 45 m lang und 12 m breit. Gotlands grĂ¶ĂŸtes Steinschiff ist ebenfalls etwa 45 m lang und 7 m breit. Es ist auch möglich, beide Arten von DenkmĂ€lern oder LĂ„ngrösen benachbart zu finden. Die 32 LĂ„ngrösen in GĂ€vleborgs lĂ€n treten zu 50 % paarweise auf.

Die Anzahl der Rösen pro schwedischer Provinz schwankt und liegt zwischen 21 in JĂ€mtlands lĂ€n und 4598 in VĂ€stra Götalands lĂ€n, das vor Kalmar lĂ€n 2069, Kronobergs lĂ€n 1766, Jönköpings lĂ€n 1577, Stockholms lĂ€n 1433, Uppsala lĂ€n 1020 und Gotlands lĂ€n 1010 liegt. Gotland weist allerdings mit 0,32 Rösen pro kmÂČ vor Stockholms lĂ€n mit 0,22 Rösen pro kmÂČ die grĂ¶ĂŸte Dichte auf. Etwa 20.000 Rösen kommen vor allem in Schweden, aber auch in Norwegen (GrĂžderĂžysa) und DĂ€nemark vor. Die grĂ¶ĂŸten Rösen sind:

  • Bredarör von Kivik in Schonen (75 m Durchmesser, 3,0 m hoch),
  • Stenkullen von Tun in VĂ€stergötland (60 m Durchmesser, 7,0 m hoch),
  • Uggarde rojr auf Gotland (50 m Durchmesser, 7,0 m hoch)
  • Limmeör in SmĂ„land (45 m Durchmesser, 3,5 m hoch).

Rösen sind in der dĂ€nischen Landschaft vergleichsweise selten. Die 135 dĂ€nischen Standorte liegen auf Bornholm und kommen in der NordhĂ€lfte von Seeland vor, wĂ€hrend sie im Rest des Landes nur vereinzelt anzutreffen sind. Rösen sind geschĂŒtzt, daher wurden nur wenige ausgegraben.

Nach den vorausgehenden Megalithanlagen und Steinkisten sind die Rösen die nĂ€chstĂ€lteste Stein-Architektur in DĂ€nemark und Skandinavien. AusgewĂ€hlte Tote wurden zunĂ€chst einzeln – bisweilen auch zu zweit – in Holz- oder Steinkisten unter den in der Ă€lteren Bronzezeit regional besonders monumentalen SteinhĂŒgeln bestattet, die manchmal final mit Erde bedeckt (Lejsturojr) wurden. WĂ€hrend der Eisenzeit wurde unter den SteinhĂŒgeln auch Leichenbrand deponiert (Röse von Gösslunda).

Schnitt durch eine ĂŒberhĂŒgelte Röse

Die HĂŒgel können in Schweden sieben Meter hoch sein (BjĂ€rs hög, Uggarde rojr, Digerrojr von GĂ„lrum, alle auf Gotland) und BlĂ„ rör auf Öland und bis zu 70 m Durchmesser (Grab von Kivik, Schonen) haben. Gewöhnlich sind sie aber zwei bis drei Meter hoch und haben 15–30 m Durchmesser (Angantyrs rojr, Bro „Stenkalm“, Kauparve, Liffride, Ullviar alle auf Gotland) Rösen von Ingatorp und die Gösslunda auf Öland. Kung Tryggves grav (auch Tryggverör genannt) in BohuslĂ€n ist die grĂ¶ĂŸte Röse der WestkĂŒste. VĂ€rperör ist mit 5 m Höhe und etwa 35,0 m Durchmesser VĂ€stmanlands grĂ¶ĂŸte Röse. Im HĂŒgel von Eldsberga (Halland) wurden zwei BaumsĂ€rge auf dem Dach eines Ganggrabes deponiert und mit einer Röse ĂŒberdeckt, die final mit einem ErdhĂŒgel bedeckt wurde. Die bekannteste Röse ist das verzierte Grab von Kivik.

GĂ€vleborgs lĂ€n hat weit ĂŒber 100 Rösen; 32 davon sind Langrösen und ein Vielfaches sind runde Rösen. Die meisten liegen nahe der OstseekĂŒste. Weniger als zwei Dutzend liegen im Binnenland. Die grĂ¶ĂŸte ist etwa 45,0 m lang und 12,0 m breit und die kleinste ist etwa 5,0 m lang. 75 % der Langrösen sind Nordwest-SĂŒdost orientiert.

ArchĂ€ologisch untersuchte Rösen sind u. a. die von Gislövshammar (Schonen) und Kauparve auf (Gotland), die mit etwa 2,7 m Höhe und 27 m Durchmesser eine der grĂ¶ĂŸten der etwa 250 erhaltenen Rösen Gotlands ist. 22 von ihnen sind Großrösen (Stora Stenrösen); Kauparve hat einen niedrigen, 0,5 m hohen Mauerring, der die steile Fassade im Abstand von etwa 1,5 m umgibt. Die konische Außenwand bildet einen turmartigen Bau. Im Inneren befindet sich ein sogenannter Krater von acht Meter Durchmesser, der bis auf den Boden reicht, sodass es sich um eine Ringanlage (schwed. KraterĂžse) handelt – eine Form, die erst in der spĂ€ten Eisenzeit aufkam. Innen fand sich in Kauparve eine Steinkiste mit einer Doppelbestattung (Mann und Frau). Im HĂŒgelmantel wurde eine weitere Steinkiste entdeckt.

Röser mit einer 1–1,5 m hohen Ringmauer sind aus den sĂŒdschwedischen Landschaften und den norrlĂ€ndischen KĂŒstenlandschaften bekannt. Ein frĂŒhes Beispiel (Durchmesser 4,3 m) stammt von Gislövshammar / Östra Nöbbelöv[1]. Die Einfassung war in Schichten trockengemauert und etwa 70 cm hoch. Sie enthielt eine Steinkiste mit den Skelettteilen dreier Individuen. Datierende Funde wurden nicht geborgen, doch scheint die Anlage, nach der Grabsitte zu urteilen, am Ende des Neolithikums oder in der Ă€ltesten Bronzezeit entstanden zu sein. Dies ist die Ă€lteste in Schweden nachgewiesene Röse mit gemauerter Außenwand.

In der Vorzeit war die Gegend um Sundsvall ein Grenzbereich bĂ€uerlicher Besiedlung. Bei Matfors liegt ein relativ seltenes, wagenartiges Monument. Die viereckige Anlage heißt im Volksmund Starkotters grav und wird der lokalen Sage nach mit einem Riesen verbunden. Das GegenstĂŒck bildet im nahe gelegenen Vivsta die dreieckige Anlage Vias grav, die als Grab einer Riesin firmiert.

Die jĂŒngere Bronzezeit auf Bornholm ist die Periode, aus der es die meisten gut bewahrten Rösen oder deren Reste gibt. Der Amtmann Emil Vedel (1824–1909) berichtete, dass es ursprĂŒnglich ĂŒber 3000 Rösen und 1000 Bautasteine auf der Insel gab. Hiervon sind etwa 400 Rösen und 250 Menhire bewahrt.

Die Egeby Rösen (dĂ€n. Egeby rĂžser) liegen auf einem GrĂ€berfeld sĂŒdlich von Egeby. Es sind 90 runde und acht der seltenen Röser in Schiffsform (dĂ€n. SkibsrĂžser), wovon sich auch fĂŒnf in Vestermarie Plantage und zwei auf dem GrĂ€berfeld am Galgebakken finden. Einzelne Röser und Schiffsröser wurden 1870 untersucht. Sie bedecken Reste von Leichenbrand oder Urnen. Man fand kaum verbrannte Knochen und noch weniger Tonscherben, was fĂŒr die GrĂ€ber (BuskehĂžj), die in die spĂ€te Bronzezeit (ca. 700–500 v. Chr.) datiert werden, typisch ist. Die Schiffröser im Forst von Vestermarie wurden 1959 bzw. 1991 freigelegt.

In der FrederikshĂ„b Plantage, in der RandbĂžl Hede in MitteljĂŒtland befinden sich etwa 175 kleinere Röser, von denen die meisten allerdings fĂŒr Lesesteinhaufen (dĂ€n. RydningsrĂžser) gehalten werden.

Die Lappröse PyhÀsaari LeppÀvesi
Rösen von SammallahdenmÀki
Röse von Kotka

Lapinraunio (finnisch) oder Lapprösen (schwedisch) genannte Anlagen finden sich neben westfinnischen Rösen (Hiidenkiuas) im Landesinnere Finnlands. In der NĂ€he von Rauma gibt es ĂŒber 30 GrabhĂŒgel aus der Bronze- oder frĂŒhen Eisenzeit. Dies sind SteinhĂŒgel, die sich außerhalb der Ackerbaugebiete befinden, oft in Verbindung mit Binnenseen und FlĂŒssen. Sie sind von KemijĂ€rvi im Norden bis HĂ€me und Savo im SĂŒden bekannt, aber ihre genaue Verbreitung ist unzureichend geklĂ€rt. Oft liegen sie vereinzelt oder in kleinen Gruppen meist auf felsigem Grund in Verbindung mit Halbinseln oder Inseln in Binnenseen und erwiesen sich hĂ€ufig als fundleer oder enthielten nur Knochen und Holzkohle. Nicht alle SteinhĂŒgel können als GrĂ€ber identifiziert werden, einzelne können auch in Verbindung mit Opfern oder anderen rituellen Handlungen außerhalb von BegrĂ€bnissen verwendet worden sein. Lapprösen sind rund, oval oder rechteckig. Ihr Durchmesser liegt zwischen drei und zehn Metern. Ihre Höhe reicht von 30 cm bis zu einem Meter. Ihre Steine variieren von 20 bis 50 cm GrĂ¶ĂŸe.

Sie entstanden zwischen 2100 v. Chr. und 800 n. Chr. In Karelien und auf der Halbinsel Kola gibt es einen speziellen Kreis von SteinhĂŒgeln, die typisch fĂŒr die Menschen der Eisenzeit sind. Einzelne GrĂ€ber enthalten KjelmĂžy-Keramik sowie Bronze- und Kupferartefakte, was auf das Jahrtausend vor der Zeitenwende hinweist. Neuere 14C-Datierungen verbrannter Knochen zeigen zudem, dass auch in der frĂŒhen Eisenzeit solche HĂŒgel errichtet wurden. Die Funde anderer GrĂ€ber zeigen, dass sie ĂŒber die gesamte Eisenzeit bis jedenfalls zur Wikingerzeit angelegt wurden. Sie werden dem JĂ€germilieu zugeordnet.[2]

GravrĂžys in Baldershagen
GravrĂžys in HoltekjĂŠrasen

GravrĂžyser kommen in Norwegen rund, oval, dreieckig oder lang vor. Beispiele sind Baldershagen, Ballsneset, Borrehaugene, Esso Skoge, Finne, Fjellhamar, GrĂžderĂžysa, HĂ„kkĂ„rĂžysa, HoltekjĂŠrasen, Horvnes, Huglo, Hurum, Jerken, TĂžnsberg-Karlsvikodden, KrukĂ„sen, Larvik MĂžlen, Refsnes, SkjettenĂ„sen, Spornes, UllerĂžy, Valseidet oder Vika. Einen Sonderfall bildet die RingenrĂžysa bei HĂ„vik. Hier fanden sich im Jahre 1963 konzentrische Ringeinbauten und eine Schiffssetzung unter dem etwa 43 m langen, 18 m breiten und etwa 2,5 m hohen SteinhĂŒgel.

Britische Inseln

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Ring Barrows genannte Anlagen – die bauliche Ähnlichkeiten mit Rösern aufweisen – gibt es aus der Bronzezeit der Britischen Inseln (in Irland z. B. in Grannagh, County Galway, Haynestown, County Louth, Kilmahuddrick bei Clondalkin, County Dublin). Einige haben einen Graben, andere datieren in die Eisenzeit.

In Apulien heißen die bis zu 10 m hohen Tumuli – die dort zeitlich nicht genau einzuordnen sind – Specchie.

  • MĂ„rten Stenberger: Nordische Vorzeit. Band 4: Vorgeschichte Schwedens. Wachholtz, NeumĂŒnster 1977, ISBN 3-529-01805-8, S. 122 ff. und 150.
  • JĂŒrgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. EuropĂ€ische KultplĂ€tze der Steinzeit (= BeitrĂ€ge zur Ur- und FrĂŒhgeschichte Mitteleuropas. Bd. 36). Beier & Beran, Langenweißbach 2003, ISBN 3-930036-70-3.
  • Jarkko Saipio: Lapinrauniotradition kehitys ajoitusten valossa. In: Muinaistutkija, 2011, nro 4, s. 19-35. Vaasa: Suomen arkeologinen seura. ISSN 0781-6790.
  • Mika Lavento, Antti Lahelma (Hrsg.): Sama maisema, eri kulkijat, Repoveden kansallispuisto. (Luonnonsuojelujulkaisuja (A165)) MetsĂ€hallitus, 2007. ISBN 978-952-446-560-1 Teoksen verkkoversio.
  • Jarkko Saipio: Kaakkois-Suomen lapinraunioiden ikĂ€ ja kulttuurikonteksti. In: Pro gradu-tutkielma. 2011. Helsinki: Helsingin yliopisto.
Commons: Röser Kauparve auf Gotland – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Gislövshammar ist eine Fischerstelle in Östra Nöbbelöv (SĂŒdostschonen)
  2. ↑ Lars Ivar Hansen, BjĂžrnar Olsen: Samenes historie fram til 1750. 3. Auflage. Cappelen, Oslo 2007, ISBN 978-82-02-19672-1, S. 114, mit weiteren Nachweisen finnischer ArchĂ€ologen.