Signaltheorie
Die Signaltheorie beschĂ€ftigt sich mit der Ăbertragung von Signalen ĂŒber verschiedene physische Medien und untersucht den Einfluss, den diese Medien und die Umwelt auf die Signale ausĂŒben. Dazu wird derzeit vor allem elektrischer Strom genutzt, so dass die Signaltheorie meist als Teilgebiet der Elektrotechnik angesehen wird. Viele signaltheoretische Konzepte gelten aber auch bei Verwendung anderer InformationstrĂ€ger wie beispielsweise Licht (Optische SignalĂŒbertragung).
Signale
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Zur DatenĂŒbertragung werden die Rohdaten in eine Form umgewandelt, die ĂŒber das gewĂ€hlte Transportmedium geschickt werden kann. Das kann analog geschehen, indem z. B. der von einem Mikrofon erzeugte Strom direkt ĂŒber ein Kabel zum VerstĂ€rker ĂŒbertragen wird, oder digital, wobei die Daten erst abgetastet und in diskrete (hĂ€ufig binĂ€r codierte) Werte umgesetzt werden, die dann als StromstöĂe oder unterschiedlich hohe Spannungen ĂŒber das Medium geschickt werden.
Signale können nach verschiedenen Gesichtspunkten klassifiziert werden. So unterscheidet man periodische (sich in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden wiederholende) und nichtperiodische Signale oder Leistungssignale (mit einer endlichen elektrischen Leistung und rechnerisch unendlicher Energie) und Energiesignale (mit einer endlichen Energie und ohne ĂŒbertragene Leistung). Bei Signalen, die konkrete Daten reprĂ€sentieren, unterscheidet man in der Praxis auch je nach verwendeter Codierung zwischen RZ- und NRZ-Signalen.
Zur Systemanalyse können einige spezielle Signale verwendet werden, die zum Teil in der Praxis nicht oder nur in grober NÀherung realisiert werden können, wie die Sprungfunktion oder die Dirac-Funktion.
Systeme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Werden so erzeugte Signale ĂŒber einen Leiter ĂŒbertragen, wirkt dieser mit seinem Ohmschen Widerstand, seiner KapazitĂ€t und seiner InduktivitĂ€t auf das Signal ein, so dass es sich durch die Ăbertragung verĂ€ndert. Gerade in modernen miniaturisierten Schaltungen können auch Signale auf benachbarten Leitungen durch Ăbersprechen das Signal verĂ€ndern. Die mathematische Beschreibung dieser VorgĂ€nge ist ebenfalls Gegenstand der Signaltheorie. Dabei betrachtet man ganz allgemein Vierpole. Dabei handelt es sich um Systeme mit zwei Anschlusspaaren, einem Eingang, an dem man ein Eingangssignal anlegt und einem Ausgang, an dem man ein (in der Regel verĂ€ndertes) Ausgangssignal erhĂ€lt. Ein Vierpol kann also eine einfache Leitung oder ein ganzes Netzwerk verschiedener Bauelemente sein.
Die fĂŒr die SignalĂŒbertragung wichtigsten Eigenschaften eines Vierpols sind das Einschwingverhalten und der Frequenzgang. Aussagen ĂŒber den Frequenzgang liefert die Impulsantwort, das ist die Systemantwort auf den Dirac-Impuls. Aussagen ĂŒber das Einschwingverhalten liefert die Sprungantwort, also die Systemantwort auf einen Sprung am Eingang.
Entsprechend ihrer Eigenschaften unterscheidet man folgende Systemarten:
- Bei linearen Systemen gilt das Ăberlagerungsprinzip, bei nichtlinearen Systemen nicht.
- Bei kausalen Systemen kann man erst dann eine Systemreaktion am Ausgang feststellen, wenn ein Eingangssignal angelegt wird (nichtkausale Systeme, bei denen die Reaktion vor der Erregung eintritt, sind nicht realisierbar, sondern können nur als mathematisches Modell betrachtet werden).
- Zeitinvariante Systeme Àndern ihre Eigenschaften (zumindest wÀhrend der betrachteten Zeitspanne) nicht. Wird dasselbe Eingangssignal wiederholt angelegt, erhÀlt man immer dieselbe Systemreaktion.
FĂŒr die Praxis von besonderer Bedeutung sind also lineare zeitinvariante Systeme oder LTI-Systeme (LTI: linear time invariant). Dass die Systeme kausal sein sollen, wird nicht ausdrĂŒcklich gefordert, da alle realen Systeme zeitlich kausal sind. Die meisten elektronischen Standardschaltungen aus WiderstĂ€nden, Kondensatoren, Spulen und Transistoren stellen nĂ€herungsweise LTI-Systeme dar.
Mathematische Hilfsmittel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Signale werden zur Analyse meist als Funktionen ausgedrĂŒckt, die die Signalamplitude in AbhĂ€ngigkeit zur Zeit beschreiben.
- Mit Differentialgleichungen können die Eigenschaften von Leitungen modelliert werden.
- Periodische Signale können mittels der Fourier-Reihendarstellung als Summe mehrerer harmonischer Signale dargestellt werden.
- Die Fourier-Transformation (siehe auch Operatorrechnung) ermöglicht die Analyse von Signalspektren.
- Die Faltung erlaubt die Berechnung des Ausgangssignals eines linearen Systems mit bekannter Impulsantwort fĂŒr beliebige Eingangssignale.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]FachbĂŒcher
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Ottmar Beucher: Signale und Systeme: Theorie, Simulation, Anwendung: Eine beispielorientierte EinfĂŒhrung mit MATLAB. Springer Berlin Heidelberg, Berlin, Heidelberg 2019, ISBN 978-3-662-58043-1, doi:10.1007/978-3-662-58044-8.
- Alfred Mertins: Signaltheorie: Grundlagen der Signalbeschreibung, FilterbÀnke, Wavelets, Zeit-Frequenz-Analyse, Parameter- und SignalschÀtzung. Springer Fachmedien Wiesbaden, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-658-29647-6, doi:10.1007/978-3-658-29648-3.
- Erchin Serpedin, Thomas Chen, Dinesh Rajan (Hrsg.): Mathematical Foundations for Signal Processing, Communications, and Networking. CRC Press, 2017, ISBN 978-1-138-07216-9 (englisch).
Skripte & Andere
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Systemtheorie Online. Hochschule Karlsruhe, abgerufen am 6. Oktober 2026.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur ĂŒber Signaltheorie im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek