Spieloper
Unter einer Spieloper verstand man im 19. Jahrhundert eine heitere Oper in der Nachfolge des Singspiels. Im Unterschied zur Opera buffa enthalten Spieloper und Singspiel keine Rezitative, sondern gesprochene Dialoge. Eine Spieloper war in der Regel eine Oper mit lustspielartiger oder sentimentaler Handlung und leichter, gefÀlliger Musik.
Die Spieloper leitet sich von der französischen OpĂ©ra comique des spĂ€teren 18. Jahrhunderts her, einer spezifisch kleinbĂŒrgerlichen AusprĂ€gung der Oper. FlieĂend sind die Grenzen zur weniger musikhaltigen âPosse mit Gesangâ, zum musikdramatischen Vaudeville und zur moderneren Operette.
Analog dazu gibt es die RollenfĂ€cher beziehungsweise StimmfĂ€cher des âSpieltenorsâ oder âSpielbassesâ fĂŒr SĂ€nger mit leichterer Stimme und schauspielerischen, meist komödiantischen FĂ€higkeiten. Spielopern wurden oft von WanderbĂŒhnen gegeben, in deren Repertoire es keine scharfe Abgrenzung zwischen Schauspiel und Oper gab.
Als Paradebeispiele werden oft die Werke von Albert Lortzing genannt, wie Zar und Zimmermann, Der WildschĂŒtz, Der Waffenschmied, oder Otto Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor. Auch Carl Maria von Webers Peter Schmoll und seine Nachbarn, Abu Hassan, Die drei Pintos und Oberon sowie Heinrich Marschners Der Holzdieb und Der BĂ€bu gelten als Spielopern. Durchkomponierte Opern wie Conradin Kreutzers Nachtlager in Granada und Friedrich von Flotows Martha werden gewöhnlich nicht zu diesem Genre gerechnet.
Der Begriff Spieloper ist im Deutschen seit dem spĂ€teren 19. Jahrhundert oft fĂŒr einen âNationalstilâ in Anspruch genommen worden.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Irmlind Capelle (Hrsg.): Albert Lortzing und die Konversationsoper in der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts. Bericht von Roundtable aus Anlass des 200. Geburtstages von Albert Lortzing. Allitera, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-86520-076-1.
- Irmlind Capelle: âSpieloperâ â ein Gattungsbegriff? Zur Verwendung des Terminus, vornehmlich bei Albert Lortzing. In: Die Musikforschung. Band 48, Nr. 3. BĂ€renreiter, 1995, ISSN 0027-4801, S. 251â257, JSTOR:41125053.
- Angelika Kozak: âDeutsche Spieloperâ im Kontext der Spielplanprogrammatik der Wiener Volksoper von 1955 bis 2012. UniversitĂ€t Wien, Wien 2013 (univie.ac.at â Diplomarbeit, vorgelegt bei der UniversitĂ€t Wien).