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Synanon

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Synanon ist eine der ersten großen Selbsthilfeorganisationen von DrogenabhĂ€ngigen. Sie wurde als „Synanon Incorporated“ 1958 von Charles E. Dederich in Santa Monica, Kalifornien, gegrĂŒndet. Das Synanon-Konzept wurde in den folgenden Jahrzehnten beispielhaft fĂŒr Einrichtungen der Drogenhilfe, wie etwa Daytop. In den USA entwickelte sich Synanon zur Sekte um Dederich, erklĂ€rte sich 1975 zur „Church of Synanon“, war in BandenkriminalitĂ€t verwickelt und stellte 1991 alle AktivitĂ€ten ein. Die 1971 in Berlin entstandene Stiftung Synanon blieb dagegen weiterhin eine Selbsthilfeorganisation, die heute auch als Therapieeinrichtung staatlich anerkannt ist.

Aufstieg und Niedergang

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Dederich hatte seit 1956 Erfahrungen in Meetings der Anonymen Alkoholikern (AA) gesammelt, modifizierte und radikalisierte deren Konzept und wandte es auf DrogenabhĂ€ngige an. Die Bezeichnung Synanon entstand aus einer Vermischung der Begriffe Symposium und Seminar und geht auf den Versprecher eines Teilnehmers in einer der ersten Gruppensitzungen zurĂŒck.[1] Von den Anonymen Alkoholikern grenzte Dederich die neue Organisation bald ab: „Obwohl ich ihnen immer dankbar sein werde, weil sie mir persönlich geholfen haben, hat Synanon doch nichts mit den Anonymen Alkoholikern zu tun,- so wenig wie ein Ruderboot mit einem Flugzeug. Was wir haben, ist eine Wohngemeinschafts-Situation mit Familiencharakter. Worauf wir Wert legen, ist Selbstvertrauen, nicht AbhĂ€ngigkeit von einem höheren Wesen.“[2]

In einem alten ArmeegebĂ€ude am Strand von Santa Monica lebten bald ĂŒber hundert DrogenabhĂ€ngige freiwillig drogenfrei. Durch Zeitungsberichte wurde die Fachwelt auf Dederichs Projekt aufmerksam. Der Psychiater Daniel Casriel lebte mehrere Monate lang in der Synanon-Gemeinschaft und veröffentlichte 1963 ein Buch ĂŒber das neue Konzept[3] und begann in New York mit dem Aufbau von Day Top Village. Auch der Kriminologe und Psychotherapeut Lewis Yablonsky nahm zeitweise am Synanon-Leben teil und verwertete seine Erfahrungen publizistisch.[4][5]

SpĂ€testens 1975, als die Organisation zur „Church of Synanon“ wurde, Dederich sich in selbstentworfene PriestergewĂ€nder kleidete und sich zum absoluten Herrscher ĂŒber die Synanon-Gemeinschaft erhob[6], begann der Niedergang. Laut Spiegel hatte sich die Organisation in eine „terroristische Sekte“ verwandelt, „deren kahlgeschorene Mitglieder vor MordanschlĂ€gen auf Missliebige nicht zurĂŒckschrecken.“[6] Der prominente Synanon-Gegner Paul Morantz wurde von einer Klapperschlange gebissen, die nach Entfernung der warnenden Klapper am Schlangen-Schwanz in seinem Briefkasten deponiert worden war.[6]

Synanon stellte 1991 alle AktivitÀten in den USA ein.[7]

Synanon-Sozialstruktur

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Yablonsky bezeichnete Synanon als „soziale Bewegung“ und als ein „Modell fĂŒr konstruktiven Persönlichkeitswandel und soziale VerĂ€nderung“ und betonte die Integrationskraft der Gruppe fĂŒr Menschen aus allen Altersschichten und Lebensbereichen, auch solchen, „die niemals SĂŒchtige und Kriminelle waren.“[8] Solch starke Integrationskraft, darauf wies Hilarion Petzold hin, sei nicht unbedingt fĂŒr die (Re-)Integration in die Gesellschaft geeignet. Synanon stelle als autarke Organisation fĂŒr den SĂŒchtigen „einen totalen Schutz- und Schonbezirk dar.“[9] Synanon habe eine eigene, klar gegliederte soziale Wirklichkeit, die sich als konsequentes System sozialer Ordnung darstelle. Synanon sei eine „permanente Insel fĂŒr den SĂŒchtigen“, andere Gruppierungen der Suchthilfe, wie Daytop, seien dagegen „Inseln auf Zeit“.[10]

  • Daniel Casriel: So fair a house: The Story of Synanon. Prentice-Hall, Inc., New York 1963.
  • Lewis Yablonsky: The Tunnel Back, Synanon. Macmillan Publishing Co., Inc., New York 1965.
    • Synanon. Selbsthilfe der SĂŒchtigen und Kriminellen, Klett-Verlag, Stuttgart 1975.
  • Guy Endore: Synanon. Doubleday & Company, New York 1967.
  • Rod Janzen: The Rise and Fall of Synanon. Johns Hopkins University Press, Baltimore, MD 2001.

Einzelnachweise

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  1. ↑ Lewis Yablonsky, Synanon, ein neuer Weg in der Behandlung DrogenabhĂ€ngiger, in Hilarion Petzold (Hrsg.): drogen-therapie. Modelle, Methoden, Erfahrungen, Junfermann, Paderborn 1974, S. 96–104, hier S. 96.
  2. ↑ Zitiert nach Lewis Yablonsky: Synanon. Selbsthilfe der SĂŒchtigen und Kriminellen, Klett-Verlag, Stuttgart 1975; S. 65.
  3. ↑ Daniel Casriel: So fair a house. The Story of Synanon, Prentice-Hall, Inc., New York 1961.
  4. ↑ Lewis Yablonsky, The Tunnel Back. Synanon, Macmillan Publishing Co., Inc., New York 1965; deutsche Übersetzung: Synanon. Selbsthilfe der SĂŒchtigen und Kriminellen, Stuttgart: Klett-Verlag, 1975.
  5. ↑ Lewis Yablonksy: The therapeutic community. A successful approach for treating substance abusers, Gardner Press, New York 1989, ISBN 089876145X; deutsche Übersetzung: Die Therapeutische Gemeinschaft. Ein erfolgreicher Weg aus der DrogenabhĂ€ngigkeit, Beltz, Weinheim 1990, ISBN 3-407-55736-1.
  6. 1 2 3 Jenseits nur noch ins Wasser Kalifornien - das amerikanische Sektenparadies, Der Spiegel 48/1978, abgerufen am 3. August 2015.
  7. ↑ Rod Janzen: The Rise and Fall of Synanon, Johns Hopkins University Press, Baltimore 2001.
  8. ↑ Lewis Yablonsky, Synanon, ein neuer Weg in der Behandlung DrogenabhĂ€ngiger, in Hilarion Petzold (Hrsg.): drogen-therapie. Modelle, Methoden, Erfahrungen, Junfermann, Paderborn 1974, S. 96–104, hier S. 97.
  9. ↑ Hilarion Petzold, Daytop. das ‚Konzept‘ einer therapeutischen Gemeinschaft fĂŒr die Rehabilitation DrogenabhĂ€ngiger, in der. (Hrsg.): drogen-therapie. Modelle, Methoden, Erfahrungen, Junfermann, Paderborn 1974, S. 62–95, hier S. 62.
  10. ↑ Hilarion Petzold, Daytop. das ‚Konzept‘ einer therapeutischen Gemeinschaft fĂŒr die Rehabilitation DrogenabhĂ€ngiger, in der. (Hrsg.): drogen-therapie. Modelle, Methoden, Erfahrungen, Junfermann, Paderborn 1974, S. 62–95, hier S. 63.