Tarnlicht

Das Tarnlicht (Bezeichnung bei der Bundeswehr: Tarnkreis) ist Teil der Beleuchtungsanlage von militĂ€rischen Landfahrzeugen. Um gegnerischen KrĂ€ften keine Anhaltspunkte zu bieten, kann nachts zur Fahrt unter Gefechtsbedingungen die StraĂen-Fahrbeleuchtung von z. B. Ketten- und Radfahrzeugen durch das sogenannte Tarnlicht ersetzt werden. Bei aktiviertem Tarnlicht sind alle Funktionen der StraĂen-Fahrbeleuchtung abgeschaltet. Dies gilt auch fĂŒr Fahrtrichtungsanzeiger sowie die normalerweise automatisch aktivierten RĂŒckfahrscheinwerfer, die Standard-Bremsleuchten und die Hupe.
Bundeswehr
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Stufen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Tarnlicht besteht in der deutschen Bundeswehr aus vier Stufen:
- Stufe 0 = völlig ohne Licht (keine Bremsleuchten)
- Stufe 1 = nur mit Leitkreuz (Tarnbremsleuchten in Betrieb)
- Stufe 2 = nur vordere Tarnscheinwerfer (keine Bremsleuchten)
- Stufe 3 = Tarnscheinwerfer, Leitkreuz, Tarnschlussleuchten, Tarnbremsleuchten in Betrieb
Eine hĂ€ufig zum Erlernen der Stufen gebrauchte EselsbrĂŒcke lautet: Stufe 1, Ran an den Feind; Stufe 2, Weg vom Feind; Stufe 3, Siegesparade.
Aufbau
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Tarnlichtanlage besteht aus fĂŒnf Segmenten:
- Tarnscheinwerfer
Sie befinden sich an der Front des jeweiligen Fahrzeuges und sind möglichst tief, bei Lastkraftwagen in der Regel unter der StoĂstange, angebracht. Vor den Scheinwerfern ist eine Abdeckung mit Schlitzblende montiert, die Streulicht reduziert. Die Leistungsaufnahme jedes Scheinwerfers betrĂ€gt 18 Watt, die Leuchtweite liegt zwischen 1,50 und zwei Metern.
- TarnrĂŒcklichter
Sie sind in der Regel in die normalen RĂŒcklichter nach StVZO integriert und bestehen nur aus je einem zusĂ€tzlichen LĂ€mpchen mit einer Leistung von vier Watt und einem Lichtpunkt von etwa 1,5 cm Durchmesser. Eine Ausnahme stellte z. B. der VW 181 dar, der ĂŒber separate zylinderförmige TarnrĂŒcklichter verfĂŒgte.
- Tarnbremsleuchten
Normalerweise zwei (bei verschiedenen Fahrzeugen z. B. Unimog 2 t auch nur eine) separate zylinderförmige Leuchten mit einer 1,5 Zentimeter durchmessenden Lichtscheibe am Heck des Fahrzeuges. Leistung: 4 Watt.
Der LKW 0,5 t Wolf hat keine zusĂ€tzlichen Bremsleuchten, die Tarnbremsleuchten sind im normalen RĂŒcklicht integriert.
- Leitkreuz
Es befindet sich am Heck des Fahrzeuges und ist gewöhnlich etwas verdeckt angebracht. Da es nicht möglich ist, nachts zum Beispiel in einem Wald bei völliger Finsternis eine Kolonnenfahrt ganz ohne Licht durchzufĂŒhren, ist das Leitkreuz das Mindeste, was an Beleuchtung notwendig ist.
- Zweikreis-Lichtschalter mit insgesamt sieben Schaltstufen
Stufe 0
Drehen im Uhrzeigersinn: Stufe 1 = Standlicht, Stufe 2 = Fahrlicht
Entsperren mittels eines Schiebers
Drehen gegen den Uhrzeigersinn: Tarnlichtstufen 0â3
Da aus SicherheitsgrĂŒnden die Kontrollleuchten am Armaturenbrett nicht abgeschaltet werden können, besteht einerseits die Möglichkeit der Lichtreduzierung durch eine blaue Kunststoffscheibe, die ĂŒber die Leuchten geklappt wird. Andererseits kann die Verdunkelung intensiviert werden, indem die blaue Scheibe durch eine weitere Klappe verdeckt wird. In dieser sind nur kleine Löcher vorhanden, ĂŒber die eine Kontrolle der wichtigsten Anzeigen (Bremsdruck, Motortemperatur) erfolgt. (Bei den Fahrzeugen der ersten Generation wurde eine gelochte Abdeckscheibe ĂŒber die â einzeln angebrachten â KontrolllĂ€mpchen gedreht.)
Das in diesem Abschnitt beschriebene System bezieht sich auf die von der deutschen Bundeswehr verwendeten Fahrzeuge. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die aus ĂberbestĂ€nden verschenkten oder verkauften Fahrzeuge (die baltischen LĂ€nder erhielten 150 Fahrzeuge des Typs VW Iltis, Finnland, Polen und Spanien (unter anderen) den Kampfpanzer Leopard 2, Ungarn kaufte 200 Fahrzeuge des Typs Unimog L 1300 usw.) nicht umgerĂŒstet wurden und mit der bisherigen Lichtanlage weiter betrieben werden.
Nicht alle Fahrzeuge der Bundeswehr sind mit einer Tarnlichtanlage ausgestattet. HandelsĂŒbliche (z. B. VW-Busse, Fahrzeuge der Standortverwaltung) Fahrzeuge und teilmilitarisierte (t-mil) Fahrzeuge der Ă€lteren Generation (MAN 22-240 10 t 6x4 oder MB 1017 5 t) verfĂŒgen nicht ĂŒber diese Art der Beleuchtung, wĂ€hrend Teile der neueren Generation (IVECO Eurotrakker 16 t 6x4) damit ausgerĂŒstet sind. (Die Bezeichnung handelsĂŒblich bezieht sich nicht auf die Fahrzeuge des BW-Fuhrpark-Service.)
FĂŒr den gefechtsmĂ€Ăigen Einsatz der Ă€lteren t-mil-Generation werden Segeltuchabdeckungen vorgehalten, mit denen die Lichtscheiben der Leuchtkörper abgedeckt werden können.
Die Fahrzeuge des (in den 60er Jahren bestehenden) Luftschutzhilfsdienstes der Bundesrepublik Deutschland und des Bundesgrenzschutzes waren ebenfalls mehrheitlich mit Tarnlicht ausgestattet.
- Rechtliches
Jegliches Fahren mit dem Tarnlicht im öffentlichen StraĂenverkehr ist aufgrund der erhöhten Unfallgefahr verboten und wird mit einem BuĂgeld geahndet. Da beim aktivierten Tarnlicht bei allen Stufen auch die eigentlichen Bremslichter ausgeschaltet sind, ist selbst das Fahren am Tag mit dem Tarnlicht nicht erlaubt. Gefahren werden darf mit dem Tarnlicht ausschlieĂlich auf militĂ€rischen Einrichtungen wie Truppen- und StandortĂŒbungsplĂ€tzen.
- Abdeckklappen der Kontrollanzeigen
- Tarn-Bremslicht
- Tarn-Fahrlicht am Panzer
- Leitkreuz
- Tarnscheinwerfer einer Schweizer A580 der Condor-Werke
Wehrmacht
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der deutschen Wehrmacht war das Tarnlicht in Form des Notek-NachtmarschgerĂ€ts implementiert. Vorn bestand das Notek-System aus einem einzigen, links montierten Tarnscheinwerfer, ausgestattet mit einer 35-Watt-GlĂŒhlampe, einem elliptischen Reflektor und einer Abdeckhaube, die ein Abstrahlen nach oben oder zur Seite verhinderte. Mittels Schalterstellung konnte elektrisch zwischen verschiedenen Helligkeitswerten gewĂ€hlt werden.
Am Fahrzeugheck montiert war eine Kombination aus Schluss- und Bremslicht sowie eines Abstandslichtes, das grĂŒn leuchtete und aus vier getrennten Leuchten bestand, die unter Ausnutzung des begrenzten Auflösungsvermögens des menschlichen Auges dem Fahrer des nachfolgenden Fahrzeugs die AbschĂ€tzung des Abstands gestatteten. Eine bewegliche Blechklappe, die entweder das im Tarnbetrieb verwendete Abstandslicht oder aber die im Normalbetrieb eingesetzte Schlusslicht-/Bremslicht-Kombination abschattete, erlaubte das Umstellen zwischen beiden Betriebsarten.
US-StreitkrÀfte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei den StreitkrĂ€ften der Vereinigten Staaten besitzt der Tarnlichtkreis im Allgemeinen fĂŒnf Stufen:[1]
- SERVICE DRIVE -- StraĂen-Standardbeleuchtung inkl. Fahrlicht
- STOPLIGHT -- StraĂen-Standardbeleuchtung
- OFF -- Alle Beleuchtung aus (entspricht deutscher Stufe 0)
- B.O. MARKER -- Tarnleitkreuz und Tarnbremslicht in Betrieb (entspricht deutscher Stufe 1), Instrumentenbeleuchtung automatisch aus -- B.O. steht fĂŒr Blackout, Verdunkelung.
- B.O. DRIVE -- Tarnscheinwerfer, Leitkreuz, Tarnschlussleuchten, Tarnbremsleuchten in Betrieb (entspricht deutscher Stufe 3)
Eine Sperre verhindert das versehentliche Umschalten zwischen Tarn- und Standardkreis. Im Tarnkreis ist neben Fahrtrichtungsanzeiger, Warnblinklicht und Standard-Bremslicht auch die Hupe deaktiviert. Ein weiterer WĂ€hlschalter dimmt die Instrumentenbeleuchtung und wechselt zwischen Fahr- und Standlicht.
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Technische Dienstvorschrift (TDv) 2320/047 der Bundeswehr (LKW MAN 7 t gl) Teil 12
- Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 43/2 der Bundeswehr (Kraftfahrwesen)
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â HMMWV Driver's Training ( vom 21. Juli 2012 im Internet Archive) abgerufen am 11. November 2020.