Wilhelm Scheidt

Johann Wilhelm Scheidt (* 9. Juni 1838 in Kettwig; â 27. MĂ€rz 1896 ebenda) war ein deutscher Fabrikant und Politiker.
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Scheidt war der Sohn des Tuchfabrikanten und Geheimen Kommerzienrates Julius Scheidt und dessen Ehefrau Klara Juliane (Julie) geborene Fuhrmann (* 17. Dezember 1814 in Lennep; â 17. November 1891 in Kettwig). Scheidt war evangelisch und heiratete am 6. Mai 1864 Leopoldine Auguste Holthaus (* 15. August 1844 in Ronsdorf; â  19. April 1925 in Kettwig). Mit ihr hatte er die beiden Söhne Erhard August und Johann Wilhelm.
Scheidt trat 1861 in das vĂ€terliche GeschĂ€ft ein, wurde 1863 Teilhaber und ĂŒbernahm nach dem Tod seines Vaters 1874 die alleinige Leitung.[1] Er forcierte das ExportgeschĂ€ft, insbesondere in die USA, und grĂŒndete 1870 in New York die Firma âH.H. Schwietering & Coâ. Damit wurden die USA zum Hauptabsatzgebiet. 1878 ĂŒbernahm er zusammen mit seiner Schwiegermutter die Seidenbandweberei âHeinrich Nierhausâ in Ronsdorf, die weltweit tĂ€tig war. Im Februar 1883 errichtete er eine Kammgarnspinnerei, die auch fĂŒr andere Tuchfabriken arbeitete. Die ehemalige Kammgarnspinnerei Scheidt steht unter Denkmalschutz.[2] Auch die ehemalige Textilfabrik Scheidt steht unter Denkmalschutz.[3] Im Jahr 1890 ĂŒbernahm er die Rather Röhrenkesselfabrik in DĂŒsseldorf und war anschlieĂend innerhalb eines Konsortiums an der GrĂŒndung der Röhrenkesselfabrik âGebrĂŒder DĂŒrr & Co.â in Mödling bei Wien beteiligt.
Scheidt war stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Zeche Consolidation in Gelsenkirchen und gehörte der Handelskammer Essen an. Am 22. Mai 1880 wurde er in den Verwaltungsrat der Westdeutschen Versicherungs-Actien-Bank in Essen gewĂ€hlt.[4] Scheidt betrieb eine betriebliche Sozialpolitik unter anderem in Zusammenarbeit mit Friedrich Bodelschwingh. So grĂŒndete er eine Fabriksparkasse und eine Kranken- und Invalidenkasse und veranlasste zudem den Bau von ArbeiterwohnhĂ€usern in Kettwig.[1] Drei erhaltene WohnhĂ€user der Siedlung Scheidt (BachstraĂe 29/31, 33/35/37, 39/41) stehen unter Denkmalschutz.[5] Er war Kirchmeister der Kirchengemeinde, Mitglied des Schulvorstandes und Vorsitzender der Ortskrankenkasse.
Scheidt war langjÀhriger Stadtverordneter in Kettwig und dort ab 1871 ehrenamtlicher Erster Beigeordneter. Er gehörte dem Kreistag des Kreises Essen an. 1884 wurde er als Stellvertretender Abgeordneter in den Provinziallandtag der Rheinprovinz gewÀhlt. Er nahm 1884 und 2/1888 an der Landtagsberatung teil. Daneben war er Mitglied im Provinzialausschuss. Er war Mitglied des Zentralkomitees der Nationalliberalen Partei (NLP) in Reichstagswahlkreis Essen.
1881 wurde er zum Kommerzienrat und im Dezember 1892 zum Geheimen Kommerzienrat ernannt. Seine Witwe Auguste geborene Holthaus stiftete 100.000 Mark fĂŒr soziale Zwecke zum Andenken an ihren Mann. Anstelle ihres Mannes trat sie in die Scheidtâsche Firma ein und wurde am 13. April 1896 in das Handelsregister des Königlichen Amtsgerichts zu Werden eingetragen.[6]
Scheidt wurde am 30. MĂ€rz 1896 auf dem evangelischen Friedhof an der BrederbachstraĂe in Kettwig beigesetzt. Im Trauerzug waren unter anderem eine Abordnung der Belegschaft der Zeche Consolidation aus Gelsenkirchen, der Kettwiger Turnverein, zwei Kettwiger Gesangsvereine, der Kettwiger Kriegerverein (dessen Vorsitzender Scheidt war), Beamte und mehrere Arbeiterinnen aus Scheidts Fabrik, die mehrere KrĂ€nze trugen. Ihnen folgten die Geistlichkeit, Verwandte und Bekannte, der Kettwiger BĂŒrgermeister Karl Eduard Göring, die Beigeordneten und weitere Kommunalpolitiker sowie der Landrat Freiherr von Hövel. Ebenso vertreten waren höhere Beamte der Eisenbahndirektion und der Industrielle Friedrich Alfred Krupp mit Teilen seines Direktoriums.[7]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Vera Torunsky: Die Abgeordneten der Rheinischen Provinziallandtage und Landschaftsversammlungen, Band 1: Die Abgeordneten der Provinziallandtage und ihre Stellvertreter 1825â1888, ISBN 3-7927-1749-2, S. 415.
- Stadt Essen und Historischer Verein fĂŒr Stadt und Stift Essen (Hrsg.), Erwin Dickhoff (â ): Essener Köpfe. Klartext-Verlag, Essen 2015, ISBN 978-3-8375-1231-1, S. 298.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Scheidt. In: Deutsche Biographie
- â Eintrag 960 der Denkmalliste der Stadt Essen.
- â Eintrag 758 der Denkmalliste der Stadt Essen.
- â Handel und Verkehr. In: Essener Volkszeitung vom 29. Mai 1880
- â Eintrag 254 der Denkmalliste der Stadt Essen.
- â General-Anzeiger von Essen und Umgegend vom 16. April 1896
- â General-Anzeiger von Essen und Umgegend vom 1. April 1896
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Scheidt, Wilhelm |
| ALTERNATIVNAMEN | Scheidt, Johann Wilhelm |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Fabrikant und Politiker (NLP) |
| GEBURTSDATUM | 9. Juni 1838 |
| GEBURTSORT | Kettwig |
| STERBEDATUM | 27. MĂ€rz 1896 |
| STERBEORT | Kettwig |