Skandal um Kryptowährungsbörse in Polen weitet sich aus

Polen wird von einem Betrugsskandal um die inzwischen geschlossene polnische Kryptowährungsbörse Zondacrypto erschüttert. Auf der Plattform seien „schmutzige und düstere Geschäfte“ getätigt worden, in die „führende Köpfe“ der nationalkonservativen PiS-Partei verwickelt seien, sagte Ministerpräsident Donald Tusk gestern.

Zondacrypto hatte im April abrupt den Betrieb eingestellt und seine Website abgeschaltet. Tausende Gläubiger wurden dabei um ihr Geld gebracht, der Schaden soll sich auf 350 Millionen Zloty (umgerechnet 83 Millionen Euro) belaufen. Während der Gründer Plattform, Sylwester Suszek, im Jahr 2022 spurlos verschwand, setzte sich sein Nachfolger Przemyslaw Kral Berichten zufolge nach Israel oder in einen Golfstaat ab.

Nach Angaben seines Anwalts ist Kral inzwischen bereit, als Kronzeuge auszupacken, im Gegenzug für eine milde Strafe.

Verhaftung im PiS-Lager

Als erste prominente polnische Persönlichkeit wurde bereits der Präsident des Polnischen Olympischen Komitees, Radoslaw Piesiewicz, festgenommen. Der PiS-nahe Funktionär hatte seine kompletten Kryptoeinlagen zurückerhalten, als die Plattform bereits in Schieflage geraten war, anders als viele andere Anleger.

Piesiewicz hatte zudem im Namen des Olympischen Komitees einen Sponsorenvertrag mit Zondacrypto unterzeichnet, dem zufolge polnische Athleten bei den Winterspielen in Mailand Prämien für gute Leistungen in Form von Kryptowährungen bekommen sollten. Die Zahlungen flossen aber nur unregelmäßig. Viele Sportverbände fordern Piesiewicz’ Rücktritt.

Unter Verdacht stehen auch frühere ranghohe Politiker der nationalkonservativen PiS-Partei, die Polen von 2015 bis 2023 regiert hatte.