(ndr.de) FragwĂŒrdige Doku: Aust in Aserbaidschan
von Kathrin Drehkopf & Christoph Heinzle, NDR Info
Mit dem Namen Stefan Aust verbindet man unabhÀngige Berichterstattung
und pointierte Kritik an den MĂ€chtigen. Der frĂŒhere
"Spiegel"-Chefredakteur ist einer der profiliertesten deutschen
Journalisten. Doch jetzt gerÀt Aust selbst in die Kritik. Experten
werfen ihm auf NDR Info und im NDR Medienmagazin ZAPP eine einseitig
positive Darstellung des autoritĂ€r gefĂŒhrten Staates Aserbaidschan vor.
Dabei hatte alle Welt vergangenes Jahr zum Eurovision Song Contest in
Baku die Menschenrechtslage in Aserbaidschan diskutiert. Doch eine
Fernsehdokumentation von Austs Firma malte gleichzeitig ein auffÀllig
rosiges Bild des Landes.
Der Film "Unterwegs im Land des Feuers - Unbekanntes Aserbaidschan" (YouTube-Link)
fĂŒr den Nachrichtenkanal N24 glĂ€nzt mit schönen bunten Bildern und mit
einem oft euphorischen Grundton. "Aus den TrĂŒmmern des Sozialismus",
heiĂt es in der Dokumentation, "wuchs in nur 20 Jahren ein Staat, dessen
Wirtschaft boomt und der mit seiner Mischung aus Tradition und Zukunft
einzigartig ist in Europa". 45 Minuten lang ist vor allem von Wachstum
und Wohlstand im heutigen Aserbaidschan die Rede.
"Entsetzt" sei er ĂŒber den Film, sagte der SPD-Bundestagsabgeordnete
Christoph StrÀsser, bis vor kurzem Sonderberichterstatter des
Europarates fĂŒr die Lage der politischen Gefangenen in Aserbaidschan. Er
kann nicht verstehen,"dass man einen Film ĂŒber so eine Dauer
produziert, ohne auch nur einen einzigen Satz darĂŒber zu verlieren, was
auch in diesem Land los ist, was die Demokratie, was die Menschenrechte,
was die Pressefreiheit angeht - null, nichts". Eine derartige Werbung
sei "schon fast unsittlich", so StrÀsser, und habe mit "objektivem
Journalismus nichts mehr zu tun".
Dabei hatten vor allem deutsche Medien die Lage in Aserbaidschan vor dem
Finale des Eurovision Song Contest in Baku vergangenes Jahr monatelang
kritisch beleuchtet. Zu diesem Anlass auch hatte N24 den Film bei Austs
Hamburger Firma Agenda Media in Auftrag gegeben. Der Starjournalist
selbst interviewte dafĂŒr den AuĂenminister Aserbaidschans. Gleich sieben
Vertreter des staatlichen Ălkonzerns Socar Ă€uĂern sich zu politischen,
historischen und wirtschaftlichen Fragen - aber kein einziger
Regimekritiker, Menschenrechtler, Oppositioneller.
Diskussion ĂŒber Austs Aserbaidschan-Film
23.10.2013 | 16:38 Uhr
NDR Info
Die Kritik am ehemaligen "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust hÀlt
nach Berichterstattung im NDR ĂŒber einen Aserbaidschan-Film an - auch
wegen eines Werbefilms fĂŒr das autoritĂ€r regierte Land.
Audiobeitrag starten (03:20 min)
Stellungnahmen
23.10.2013 | 23:20 Uhr
Christoph StrĂ€sser war Sonderberichterstatter im Europarat fĂŒr
politische Gefangene in Aserbaidschan. Ăber die Aust-Dokumentation zu
Aserbaidschan Ă€uĂert er sich im Interview "entsetzt".
Video starten (14:28 min)
"Ich finde das skandalös", sagt der aserbaidschanische Oppositionelle
Emin Milli, der selbst zweimal im GefĂ€ngnis saĂ, bevor er ins Exil nach
Berlin ging. Er habe den Eindruck, das sei "ein StĂŒck Propaganda, von
der Regierung bezahlt." Ăber politische Gefangene oder inhaftierte
Journalisten etwa sei in der Fernsehdoku nicht die Rede. "Ich habe hier
nur eine Story von Aserbaidschan gehört: die der Regierung", so Milli,
und leider habe sich N24 von dieser Regierung instrumentalisieren
lassen. Der vom Nachrichtensender im vergangenen Jahr gleich mehrmals
ausgestrahlte Film blende "konsequent alle kritischen Fragen aus" und
wirke mit seinen "einseitig" ausgewÀhlten Interviewpartnern wie ein
"Werbefilm" fĂŒr das vom Alijew-Clan autoritĂ€r regierte Land in
Vorderasien, meint auch Uwe Halbach von der Berliner Stiftung
Wissenschaft und Politik (SWP).
Keine Stellungnahme von Aust
Stefan Aust nimmt zu der Kritik nicht selbst Stellung und lÀsst seine
Firma Agenda Media schriftlich antworten. Der Film fĂŒr N24 sei eine
Reportage, "die sich vor allem mit der Geschichte und der Kultur des
Landes beschÀftigte", wÀhrend "Kritik am Vorgehen der Regierung" von den
aktuellen Nachrichtensendungen auf N24 abgedeckt werde. Auftraggeber
der TV-Dokumentation sei N24 gewesen. Es habe keine "ZuschĂŒsse von
dritter Seite" gegeben. Der staatliche Ălkonzern Socar habe lediglich
"logistische UnterstĂŒtzung" geleistet und Archivmaterial zur VerfĂŒgung
gestellt. Socar habe nach Ausstrahlung Rohmaterial von Agenda Media
gekauft, das der Konzern "fĂŒr eigene Zwecke" habe verwenden wollen.
Mit Bildmaterial aus der N24-Dokumentation wurde ein fĂŒnfminĂŒtiger Imagefilm ĂŒber Aserbaidschan (YouTube-Link zu "Azerbaijan - Land of the Future")
produziert, der bei einer Veranstaltung des staatlichen Ălkonzerns
Socar wÀhrend des diesjÀhrigen Weltwirtschaftsforums in Davos
prÀsentiert wurde - mit Stefan Aust im Publikum. Und das
aserbaidschanische AuĂenministerium zeigt auf seinem Kanal auf YouTube
ein 15-minĂŒtiges Interview von Aust mit dem aserbaidschanischen AuĂenminister Elmar Mammadyarov.
Auf Nachfragen an Agenda Media bekam der NDR ĂŒber die kurze
schriftliche Stellungnahme hinaus keine zusÀtzlichen Antworten mehr. Der
erfahrene Fragensteller Stefan Aust selbst möchte zu der Kritik an dem
Film ausdrĂŒcklich kein Interview geben. SPD-Menschenrechtspolitiker
StrĂ€sser Ă€uĂert sich enttĂ€uscht ĂŒber den prominenten Journalisten. "Wenn
da so ein Name dahinter steht, der frĂŒher fĂŒr wirklich kritischen
Journalismus gestanden hat, da kann ich nur sagen: da hat es wohl eine
schwere Wandlung gegeben."
"Mein Eindruck: Das ist Propaganda"
23.10.2013 | 23:20 Uhr
Emin Milli ist Exil-Aserbaidschaner und lebt in Berlin. Im Interview
urteilt der Blogger ĂŒber Austs Aserbaidschan-Dokumentation: "Das ist
nicht die wahre Geschichte dieses Landes."
Video starten (11:01 min)
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(textintern.de) Der N24-GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Chef der Produktionsfirma Agenda Media, Stefan Aust, ist fĂŒr eine Dokumentation ĂŒber Aserbaidschan in die Kritik geraten. Sein fĂŒr N24 produzierter Film "Unterwegs im Land des Feuers - Unbekanntes Aserbaidschan", in dem er auch als Autor fungierte, beinhalte laut dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) eine "einseitige Darstellung des Landes im Sinne des autoritĂ€ren Alijew-Regimes". Auslöser fĂŒr die Berichterstattung des Zapp Medienmagazins und NDR Info war der kĂŒrzliche Hinweis eines Zuschauers. Die Dokumentation lief im vergangenen Jahr mehrfach auf N24. Der Film blende "konsequent alle kritischen Fragen aus" und wirke mit seinen "einseitig" ausgewĂ€hlten Interviewpartnern wie ein "Werbefilm" fĂŒr das vom Alijew-Clan autoritĂ€r regierte Land in Vorderasien, sagte Uwe Halbach von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) gegenĂŒber dem NDR.
Die Kritik bezieht sich vor allem auf ein Interview mit dem aserbaidschanischen AuĂenminister Elmar Mammadyarov, das der ehemalige Chefredakteur des Spiegel ohne kritische Nachfragen zu der politischen Situation und der internationalen Kritik am aserbaidschanischen Regime gefĂŒhrt habe. Des Weiteren kĂ€men sieben Vertreter des staatlichen Ălkonzerns Socar zu Wort. Das Unternehmen habe mit Material aus der Dokumentation spĂ€ter einen Imagefilm produziert, der auf dem diesjĂ€hrigen Weltwirtschaftsforum in Davos gezeigt wurde.
Sender und Produktionsfirma stritten gegenĂŒber dem NDR ab, dass es "ZuschĂŒsse von dritter Seite" gegeben habe. Socar habe lediglich "logistische UnterstĂŒtzung" geleistet und Archivmaterial zur VerfĂŒgung gestellt. Nach der Ausstrahlung habe das Unternehmen "fĂŒr eigene Zwecke" Rohmaterial von Agenda Media gekauft. Zu der inhaltlichen Kritik hieĂ es: Der Film beschĂ€ftige sich "vor allem mit der Geschichte und der Kultur des Landes", wĂ€hrend "Kritik am Vorgehen der Regierung" von den aktuellen Nachrichtensendungen auf N24 abgedeckt werde. (ls)
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Ex-Spiegel-Chef sieht keine Aserbaidschan-”Propaganda”
Stefan Aust kontert NDR-Kritik an N24-Doku
(meedia.de) Der NDR hat in seinem Radioprogramm NDR
Info und der MedienSendung “Zapp” VorwĂŒrfe gegen den ehemaligen
Spiegel-Chef und TV-Produzenten Stefan Aust erhoben. Aust hat auf seinem
Sender N24 im Jahr 2012 im Umfeld des Eurovision Song Contests in Baku
eine Doku ĂŒber Aserbaidschan gezeigt. Kritiker bezeichnen den Film jetzt
als “Propaganda”, weil darin keine regierungskritischen Stimmen
vorkommen. Aust kontert: “Ein Film ist ein Film, ein anderer Film ist
ein anderer.”
Eine Doku fĂŒr N24 mĂŒsse eben so produziert werden, dass sie ĂŒber einen
lĂ€ngeren Zeitraum ausgestrahlt werden kann, so Aust gegenĂŒber MEEDIA.
Aktuelle Ereignisse, die schnell ĂŒberholt sein könnten, wĂŒrden darum in
einem solchen Format ausgespart. FĂŒr das aktuell Politische sei das
Nachrichtenprogramm von N24 zustĂ€ndig. Aust: “Ăber die damals aktuellen
Diskussionen zur Lage der Menschenrechte hat N24 vielfach in seinen
Nachrichtensendungen berichtet.”
Der NDR zitierte
Uwe Halbach von der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP),
der zu Protokoll gab, der Film "Unterwegs im Land des Feuers -
Unbekanntes Aserbaidschan" blende "konsequent alle kritischen Fragen
aus" und wirke mit seinen "einseitig" ausgewÀhlten Interviewpartnern wie
ein "Werbefilm" fĂŒr das vom Alijew-Clan autoritĂ€r regierte Land. Der
SPD-Bundestagsabgeordnete Christoph StrÀsser, bis Januar 2013
Sonderberichterstatter des Europarates fĂŒr die Lage der politischen
Gefangenen in Aserbaidschan, zeigte sich im NDR "entsetzt". "Eine
derartige Werbung ist aus meiner Sicht schon fast unsittlich", sagte er.
Der Film habe mit "objektivem Journalismus nichts mehr zu tun". Und der
im Berliner Exil lebende aserbaidschanische Oppositionelle Emin Milli
nannte den N24-Film "ein StĂŒck Propaganda", das wirke, als sei es "von
der Regierung in Baku bezahlt".
Der NDR hĂ€lt Aust auĂerdem vor,
dass Teile seines Films von der staatlichen aserbaidschanischen Ălfirma
Socar fĂŒr einen Imagefilm verwendet wurden, der beim
Weltwirtschaftsgipfel in Davos gezeigt wurde. Bei diesem Gipfel besuchte
Aust selbst auch den Socar-Empfang. AuĂerdem, so der NDR, habe Aust den
aserbaidschanischen AuĂenminister Elmar Mammadyarov interviewt und das
Interview sei von der dortigen Regierung bei YouTube eingestellt worden.
Die mehr oder weniger unterschwelligen VorwĂŒrfe: Stefan Aust kungelt mit einem autoritĂ€ren Regime.
Zur
Kritik, dass in der N24-Doku keine kritischen Stimmen zu Aserbaidschan
zu Wort kamen sagt Aust zu MEEDIA: “Dieselbe Kritik könnte der NDR
ĂŒbrigens an seine eigene Berichterstattung ĂŒber den Song Contest in Baku
anlegen, dort ist auch nicht in jeder Ăbertragung auf
Menschenrechtsverletzungen hingewiesen worden.” Es könne nicht in jedem
Film ĂŒber alles berichtet werden, so Aust. Es gebe auch Filme ĂŒber den
Baikal See, die nicht auf Menschenrechtsverletzungen in Russland
eingingen und Filme ĂŒber die USA, die nicht die Folter von Gefangenen in
Guantanamo thematisieren wĂŒrden. Der kritisierte Film „Unbekanntes
Aserbaidschan“ habe schwerpunktmĂ€Ăig Geschichte und Kultur des Landes
darstellen sollen.
Zu Verwendung von Material seiner Doku in dem
Imagefilm des staatlichen Ălkonzerns Socar sagt Aust: “Wir haben Socar
zwar Material dafĂŒr zur VerfĂŒgung gestellt, der weit ĂŒberwiegende Teil
dieses Trailers bestand aber aus Materialien, die in erheblich lÀngerer
und ausfĂŒhrlicherer Version zuvor bereits unter anderem auch in der ARD
im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest gezeigt worden sind.”
Es sei richtig, dass er den Socar-Empfang in Davos besucht habe, aber:
“Da war ich allerdings nicht der einzige Journalist, auch Politiker wie
z.B. der EU-Energiekommissar GĂŒnther Oettinger waren dort. Es war auch
nicht die einzige Veranstaltung, die ich in Davos besucht habe. Ich
interessiere mich nĂ€mlich fĂŒr viele Themen und fĂŒr viele LĂ€nder, reise
auch gelegentlich in Staaten, die nicht als ‘lupenreine Demokratien’
gelten. Sich auch mit Konflikt-Regionen zu befassen, gehört nach meinem
VerstĂ€ndnis zum Journalismus.”
Dass Medienjournalisten MaĂstĂ€be
anlegen wĂŒrden, die sie selbst nicht erfĂŒllen, sei auch nicht ganz neu,
aber das sei ihr gutes Recht, so Aust mit Blick auf die
NDR-Medienredaktion “Zapp”. Im ĂŒbrigen habe er ĂŒberhaupt nichts dagegen,
einen kritischen Film ĂŒber die politische Lage in Aserbaidschan zu
machen. FĂŒr einen Auftrag, zum Beispiel vom NDR, stehe er jederzeit
bereit.
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