Amt Buchsweiler



Das Amt Buchsweiler war ein Amt im Kerngebiet der Herrschaft Lichtenberg, spĂ€ter der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, von der es an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt ĂŒberging.
Geschichte
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Im Amt Buchsweiler fassten die Herren von Lichtenberg am Anfang des 14. Jahrhunderts verwaltungsmĂ€Ăig die Orte ihrer Herrschaft zusammen, die um deren zentralen Ort, Buchsweiler (heute: Bouxwiller, Bas-Rhin), lagen. Es soll das Ă€lteste Amt der Herrschaft Lichtenberg sein.[1] Mit Andreas Schantz ist fĂŒr 1357 erstmals ein Amtmann namentlich ĂŒberliefert.[2]
Aufgrund des groĂen Gebietszuwachses der Herrschaft in der ersten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts wurde das Amt um 1330 geteilt und ein Amt Ingweiler ausgegliedert[3] und Anfang des 15. Jahrhunderts die Ămter Neuweiler und Pfaffenhofen.[4] Das Amt Neuweiler wurde spĂ€ter wieder aufgelöst und sein Bestand in die Ămter Buchsweiler und Ingweiler zurĂŒck gegliedert.[5]
Anna von Lichtenberg (* 1442; â 1474) war als Tochter von Ludwig V. von Lichtenberg (* 1417; â 1474) eine von zwei Erbtöchtern mit AnsprĂŒchen auf die Herrschaft Lichtenberg. Sie heiratete 1458 den Grafen Philipp I. den Ălteren von Hanau-Babenhausen (* 1417; â 1480), der eine kleine Sekundogenitur aus dem Bestand der Grafschaft Hanau erhalten hatte, um sie heiraten zu können. Durch die Heirat entstand die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Anna, erhielt Philipp I. d. Ă. 1480 die HĂ€lfte der Herrschaft Lichtenberg. Die andere HĂ€lfte gelangte an seinen Schwager, Simon IV. Wecker von ZweibrĂŒcken-Bitsch. Das Amt Buchsweiler gehörte zu dem Teil von Hanau-Lichtenberg, den die Nachkommen von Anna erbten.
1513 diente das Amt Buchsweiler kurzfristig dazu, eine Sekundogenitur fĂŒr den jĂŒngeren Bruder des regierenden Grafen, Philipp III., Graf Ludwig von Hanau-Lichtenberg, zu bilden. Er verzichtete darauf allerdings ein Jahr spĂ€ter wieder zugunsten seines Bruders Philipp III., offiziell mit dem Argument, dass es sachdienlicher sei, wenn die Grafschaft nur durch einen regiert werde. Was hinter diesem Vorgang steht, ist aufgrund der spĂ€rlichen Ăberlieferung nicht festzustellen.[6]
Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kam das Amt Buchsweiler unter französische Oberhoheit. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. 1736, fiel das Erbe â und damit auch das Amt Buchsweiler â an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte, Landgraf Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt. Mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde das Amt Buchsweiler Bestandteil Frankreichs und in den folgenden Verwaltungsreformen aufgelöst.
Nach einer ZĂ€hlung vom Mai 1798 hatte das Amt 9.600 Einwohner.[7]
Bestandteile
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]| Ort | Herkunft | Recht | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| Bosselshausen[8] | Gehörte zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[9] | Allod[10] | |
| Buchsweiler (Burg und Stadt[Anm. 1])[11] | Lehen des Bischofs von Metz[12] | ||
| Dunzenheim | 1337 als Mitgift der Elisabeth von Geroldseck anlÀsslich ihrer Heirat mit Heinrich III. von Lichtenberg.[13] | Der Dinghof in Dunzenheim war wohl ein Lehen des Bischofs von Metz[14] | Nach Eyer[15] anteilig zusammen mit den Herren von Geroldseck; nach Knöpp[16] ganz zu Hanau-Lichtenberg. |
| Durningen (DĂŒrningen, Durungen)[17] | Allod (Lichtenberger HĂ€lfte)[18] | Kondominium: Je zur HĂ€lfte Herrschaft Lichtenberg und Bischof von StraĂburg, deshalb auch nach der Reformation: römisch-katholische Pfarrei.[19] Vor 1272 war die bischöflich-straĂburger HĂ€lfte an Lichtenberg verpfĂ€ndet.[20] 1398 war dann der Lichtenberger Anteil an DĂŒrningen Teil der Pfandmasse, die die Aussteuer von Hildegard von Lichtenberg bei ihrer Heirat mit Graf Simund Wecker von ZweibrĂŒcken-Bitsch garantierte.[21] | |
| Ernolsheim[22] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[23] | Allod[24] | Zusammen mit Zell (WĂŒstung) und Neuenhof Teil der BĂŒttelei Ernolsheim. Kondominat, Lichtenberger Anteil: œ[25] |
| Geiswiller (Geisweiler, Giesweiler)[26] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[27] | Allod[28] | Die Lichtenberger kauften Mitte des 14. Jhs. den Dinghof in Geisweiler[29] |
| Gimbrett (Gimbrecht; Gimbert)[30] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[31] | Allod[32] | 1398 war Gimbrett Teil der Pfandmasse, die die Aussteuer von Hildegard von Lichtenberg bei ihrer Heirat mit Graf Simund Wecker von ZweibrĂŒcken-Bitsch garantierte.[33] |
| Gottesheim[34] | Seit 1283 nachgewiesener âAltbestandâ[35] | Lehen der Kurpfalz[36] | Hannemann von Lichtenberg versuchte, gegen die Kurpfalz gewaltsam durchzusetzen, dass Gottesheim sein Allod sei, was aber misslang.[37] |
| Griesbach[38] (Griesbach) (1/3) | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[39] | Allod[40] | Teil der BĂŒttelei Imbsheim. In hessen-darmstĂ€dtischer Zeit wohl zunĂ€chst zum Amt Niederbronn, spĂ€ter zum Amt Wörth.[41] |
| Hattmatt[42] | 1345 erhielt die auĂereheliche Tochter des Hannemann von Lichtenberg u. a. die HĂ€lfte von Hattmatt als Teil ihrer Aussteuer.[43] | ||
| Hohatzenheim[Anm. 2] | Lehen des Bischofs von Metz[44] | 1378 von Heinrich IV. zur HĂ€lfte an Ulrich von Finstingen verkauft.[45] | |
| Hohfrankenheim[Anm. 3] | Lehen des Bischofs von Metz[46] | 1378 verkauft Heinrich IV. Rechte in Hohfrankenheim an Ulrich von Finstingen.[47] | |
| Imbsheim[48] | Gehörte zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[49] | Allod[50] | Teil der BĂŒttelei Imbsheim |
| Issenhausen[51] | Gehörte zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[52] | Allod[53] | |
| Kirrwiller (Kirweiler)[54] | |||
| Melsheim[55] | 1348 stellten sich die Einwohner von Melsheim unter den Schutz der Herren von Lichtenberg.[56] | Allod? | |
| Menchhoffen (Menchhofen)[57] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Lehen des Bischofs von Metz[58] | |
| Niedersoultzbach (Niedersulzbach)[59] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Lehen des Bischofs von Metz[60] | |
| Printzheim (Breunsheim)[61] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[62] | |
| Reitwiller (Reitweiler)[63] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[64] | Das Dorf hieĂ ursprĂŒnglich âRouteburâ.[65] |
| Riedheim[66] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[67] | Teil der BĂŒttelei Imbsheim |
| Ringendorf[68] | Reichslehen[69] | ||
| Uttwiller (Uttweiler; Otweyler)[70] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war.[71] | Lehen des Bischofs von Metz[72] | |
| Wickersheim (Welchersheim)[73] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[74] | |
| Wiesenau (âWiesentoweâ, WĂŒstung, spĂ€ter zu Hattmatt)[75] | 1372 von den Herren von Wilsperg zur HĂ€lfte gekauft.[76] | Lehen des Bischofs von Metz[77] | Seit dem 15. Jh. wĂŒst gefallen.[78] |
| Wilshausen (Wilgeshausen; Willgottshausen)[79] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[80] | Teil der BĂŒttelei Imbsheim |
| WĆllenheim (Wöllenheim)[81] | Gehörte wohl zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[82] | |
| ZĆbersdorf (Zöbersdorf)[83] | Gehörte zum âUrbestandâ, der schon Anfang des 13. Jhs. vorhanden war. | Allod[84] | Teil der BĂŒttelei Imbsheim |
Weiter wissenswert
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weiter gehörte zum Amt Buchsweiler die Wilwisheimer MĂŒhle.[85]
Winzenheim war als Lehen an die von Glaubiz vergeben und lag damit auĂerhalb der Organisation des Amtes Buchsweiler.[86]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202â1480. Untersuchungen ĂŒber den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts. In: Schriften der Erwin-von-Steinbach-Stiftung. 2. Auflage. Band 10. Pfaehler, Bad Neustadt an der Saale 1985, ISBN 3-922923-31-3 (268 Seiten, Im Text unverĂ€ndert, um eine EinfĂŒhrung erweiterter Nachdruck der Ausgabe Strassburg, Rhenus-Verlag, 1938).
- M. GoltzenĂ© und A. Matt: Aus der Geschichte des Amtes Buchsweiler und der Herren von Hanau-Lichtenberg. In: SociĂ©tĂ© dâHistoire et dâArchaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): CinquiĂšme centenaire de la crĂ©ation du ComtĂ© de Hanau-Lichtenberg 1480 â 1980 = Pays dâAlsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 63â72.
- Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstÀdtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].
- Alfred Matt: Bailliages, prĂ©vĂŽtĂ© et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du ComtĂ© de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: SociĂ©tĂ© dâHistoire et dâArchaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): CinquiĂšme centenaire de la crĂ©ation du ComtĂ© de Hanau-Lichtenberg 1480 â 1980 = Pays dâAlsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7â9.
Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Die Stadtrechte wurden schon vom römisch-deutschen König Rudolf I. vor 1291 verliehen (Eyer, S. 160).
- â Hohatzenheim wird in einer sehr spĂ€ten Quelle dem Amt Brumath zugeordnet (vgl. Knöpp, S. 4f), was Eyer, S. 238, ĂŒbernommen hat. TatsĂ€chlich gehörte es aber zum Amt Buchsweiler.
- â Hohfrankenheim wird in einer sehr spĂ€ten Quelle dem Amt Brumath zugeordnet (vgl. Knöpp, S. 4f), was Eyer, S. 238, ĂŒbernommen hat. TatsĂ€chlich gehörte es aber zum Amt Buchsweiler.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Eyer, S. 235.
- â GoltzenĂ© und Matt: Aus der Geschichte, S. 63.
- â Eyer, S. 237.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 238.
- â GoltzenĂ© und A. Matt: Aus der Geschichte, S. 65.
- â Matt, S. 7.
- â Eyer, S. 98, 238.
- â Eyer, S. 111.
- â Eyer, S. 51, 53.
- â Eyer, S. 98, 238.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 160.
- â Eyer, S. 65, 106.
- â Eyer, S. 163.
- â Eyer, S. 112.
- â Knöpp, S. 5.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 111.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 112.
- â Eyer, S. 57.
- â Eyer, S. 107.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 66.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 107.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 166.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 53, 166.
- â Eyer, S. 167.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Knöpp: S. 14.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 107.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 52f, 160.
- â Eyer, S. 104.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 52f, 160.
- â Eyer, S. 104.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 111.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 111.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 58, 116, 232f.
- â Eyer, S. 238.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 52f, 160.
- â Eyer, S. 238.
- â Knöpp, S. 5; Eyer, S. 53, 160.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 112.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Eyer, S. 238.
- â Knöpp, S. 5.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 52.
- â Knöpp, S. 6; Eyer, S. 52, 160.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53, 111.
- â Knöpp, S. 6.
- â Eyer, S. 69.
- â Eyer, S. 69.
- â Vgl.: Gerhard Wunder: Das StraĂburger Landgebiet, S. 55. Berlin 1967.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Eyer, S. 238.
- â Eyer, S. 53.
- â Knöpp, S. 6.
- â Knöpp, S. 6.