Zum Inhalt springen

Amt Ingweiler

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Wappen der Herrschaft Lichtenberg
Wappen der Grafschaft ZweibrĂŒcken-Bitsch
Wappen der Grafschaft Hanau-Lichtenberg seit 1606
Wappen der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt

Das Amt Ingweiler war ein Amt der Herrschaft Lichtenberg, spĂ€ter der Grafschaft Hanau-Lichtenberg, von der es an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt ĂŒberging.

Das spĂ€tere Amt Ingweiler war zunĂ€chst Bestand des Amtes Buchsweiler, als dieses sich im 13. Jahrhundert in der Herrschaft Lichtenberg bildete. Aufgrund des großen Gebietszuwachses der Herrschaft in der ersten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts wurde das Amt Buchsweiler um 1330 geteilt und das Amt Ingweiler ausgegliedert. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wurde dann das Amt Neuweiler aus dem Amt Ingweiler ausgegliedert.[1]

Elisabeth von Lichtenberg (* 1444; † 1495) war als Tochter von Ludwig V. von Lichtenberg (* 1417; † 1474) eine von zwei Erbtöchtern mit AnsprĂŒchen auf die Herrschaft Lichtenberg. Sie heiratete Simon IV. Wecker von ZweibrĂŒcken-Bitsch. Nach dem Tod des letzten Lichtenbergers, Jakob von Lichtenberg, eines Onkels von Elisabeth, erbten sie und die Erben ihrer vorverstorbenen Schwester, Anna von Lichtenberg, 1480 die Herrschaft Lichtenberg je zur HĂ€lfte. Die Herrschaft wurde geteilt und das Amt Ingweiler dem Teil des Erbes zugeschlagen, der an ZweibrĂŒcken-Bitsch fiel.[2] Allerdings kam es 1570 zu einem weiteren Erbfall, der auch das Amt Ingweiler zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg brachte: Graf Jakob von ZweibrĂŒcken-Bitsch (* 1510; † 1570) und sein schon 1540 verstorbener Bruder Simon V. Wecker hinterließen nur jeweils eine Tochter als Erbin. Die Tochter des Grafen Jakob, Margarethe (* 1540; † 1569), war mit Philipp V. von Hanau-Lichtenberg (* 1541; † 1599) verheiratet. Zu dem sich aus dieser Konstellation ergebenden Erbe zĂ€hlte auch die zweite, nicht bereits durch Hanau-Lichtenberg regierte HĂ€lfte der ehemaligen Herrschaft Lichtenberg und darin auch das Amt Ingweiler.

Zeitweilig waren Lichtenberg, Reipertsweiler, Schmalenthal und BĂ€renthal (Amt Lemberg), sowie der Melcher Hof, der Minzsteger Hof und die SĂ€gemĂŒhle Reipertsweiler, der Schweighof, der Seelhof, der Vixtalerhof bei Reipertsweiler, der Leitsalthaler (Leutzenthaler) Hof und der Liesbacher Hof bei Philippsburg und die Reinhardshöfe (spĂ€ter eine WĂŒstung im Bereich BĂ€renthal) als eigenes Amt Lichtenberg ausgegliedert.[3]

Mit der Reunionspolitik Frankreichs unter König Ludwig XIV. kam das Amt Ingweiler unter französische Oberhoheit. Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III. 1736, fiel das Erbe – und damit auch das Amt Ingweiler – an den Sohn seiner einzigen Tochter, Charlotte, Landgraf Ludwig (IX.) von Hessen-Darmstadt. Mit dem durch die Französische Revolution begonnenen Umbruch wurde das Amt Ingweiler Bestandteil Frankreichs und in den folgenden Verwaltungsreformen aufgelöst.

Nach einer ZĂ€hlung vom Mai 1798 hatte das Amt 4.803 Einwohner.[4]

Ort Herkunft Recht Anmerkung
Erkartsweiler[5] „Altbestand“, VoreigentĂŒmer nicht feststellbar[6] Allod[7] 1551 Teil der Mitgift bei der Heirat von Amelie von ZweibrĂŒcken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg. Seitdem gehörte es nicht mehr zum Amt Ingweiler, sondern zur Grafschaft Leiningen.[8]
Burg Falkenstein[9] 1377 in einer Fehde von den Herren von Falkenstein gewonnen und anschließend diesen wieder als Lehen vergeben.[10] Allod Als vergebenes Lehen weitgehend außerhalb der ZustĂ€ndigkeit der Amtsverwaltung.
FĂŒllengarten (Hof) 1551 Teil der Mitgift bei der Heirat von Amelie von ZweibrĂŒcken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg. Seitdem gehörte es nicht mehr zum Amt Ingweiler, sondern zur Grafschaft Leiningen.[11]
Gibichweiler (Gichtweiler)[12] „Altbestand“, VoreigentĂŒmer nicht feststellbar[13] Lehen des Bischofs von Metz[14] Im 18. Jahrhundert eine WĂŒstung[15]
HĂŒneburg[16] 1288 teilweise vom Ritter Walter von HĂŒneburg erworben und ihm dann zu Lehen aufgetragen[17], andere Teile besaßen die Lichtenberger schon.[18] œ[19] oder ganz[20] Reichsgut sowie Rechte des Bischofs von Straßburg[21], ÂŒ kurpfĂ€lzisches Lehen[22] Mitte des 15. Jhs. Bestandteil des Amtes Ingweiler[23], wĂ€hrend der Zeit, als das Amt Neuweiler selbstĂ€ndig war: zum Amt Neuweiler.
Ingenheim[24] 1352 von Eberhard von Greifenstein gekauft.[25] Lehen des Bischofs von Straßburg[26], bei Knöpp irrtĂŒmlich als Lehen des Bischofs von Metz gefĂŒhrt.[27] vor 1272 vom Bischof von Straßburg an Lichtenberg verpfĂ€ndet, dann wurde das Pfand eingelöst.[28]
Ingweiler (Stadt)[29] Lehen des Bischofs von Metz[30] Zu dem Lehen des Bischofs von Metz gehörten auch der Zoll und das Geleit von Straßburg zum Westrich. Ingweiler gehörte auch zur gleichnamigen BĂŒttelei Ingweiler.
Burg Ingweiler[31] Allod[32]
Burg Lichtenberg
Lichtenberg (Stadt)[35] „Altbestand“, VoreigentĂŒmer nicht feststellbar[36]
Melch[38] 1378 im Besitz der Lichtenberger[39] Als Lehen von den Lichtenbergern vergeben an die von BĂŒtlenheim (auch: Bietlenheim, BĂŒttenheim)[40], insoweit außerhalb der Verwaltung des Amtes Ingweiler.[41]
Mietesheim[42] 1332 von den Landgrafen im Elsass gekauft[43] Reichslehen[44]
MĂŒhlhausen[45] Als Lehen von den Lichtenbergern vergeben[46] an die von Uttweiler und zwar die Burg insgesamt und 1/3 des Dorfes[47] und 1/3 des Dorfes an die von Waltenheim[48]; insoweit außerhalb der Verwaltung des Amtes Ingweiler.[49]
Obersoultzbach (Obersulzbach)[50] Lehen des Bistums Metz[51]
Off[en]weiler[52] 1456: Der Graf von LĂŒtzelstein tritt seine Rechte an Offweiler an Lichtenberg ab.[53] Lehen zunĂ€chst der Herzöge von Lothringen[54], dann des Bischofs von Straßburg[55] UrsprĂŒnglich Reichsbesitz, dann an den Herzog von Lothringen[56], seit 1399 zum Bistum Straßburg.[57]
Reipertswiller (Reipertsweiler)[58] 1332 von den Landgrafen im Elsass gekauft[59] UrsprĂŒnglich altes Reichsgut[60]
Rothbach[61] 1280 von Eberhard von Ettendorf gekauft.[62] Allod UrsprĂŒnglich altes Reichsgut[63]; 1551 Teil der Mitgift bei der Heirat von Amelie von ZweibrĂŒcken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg. Seitdem gehörte es nicht mehr zum Amt Ingweiler, sondern zur Grafschaft Leiningen.[64]
Schillersdorf[65] „Altbestand“ Reichslehen[66] UrsprĂŒnglich altes Reichsgut[67]
Schmalenthal (Schmohlenthal)[68]
Sparsbach[69] Allod[70] Sparsbach gehörte zur BĂŒttelei Ingweiler. 1551 Teil der Mitgift bei der Heirat von Amelie von ZweibrĂŒcken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg. Seitdem gehörte es nicht mehr zum Amt Ingweiler, sondern zur Grafschaft Leiningen.[71]
Volksberg[72] 1363 von den Herren von Byseck die HĂ€lfte[73] des Dorfes gekauft. Anschließend wohl ganz in Lichtenberger Besitz[74], 1453 dagegen nur zu 2/3[75] Zu œ zu Lichtenberg[76] Mitte 15. Jh. Bestandteil des Amtes[77], nicht mehr am Ende des 18. Jhs.[78]
Wimmenau[79] Reichslehen[80] oder Allod[81] UrsprĂŒnglich altes Reichsgut[82]
Zittersheim[83] Allod[84] Zittersheim gehörte zur BĂŒttelei Ingweiler. 1551 Teil der Mitgift bei der Heirat von Amelie von ZweibrĂŒcken-Bitsch mit Philipp I. von Leiningen-Westerburg. Seitdem gehörte es nicht mehr zum Amt Ingweiler, sondern zur Grafschaft Leiningen.[85]

MĂŒhlen und Einzelhöfe

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Amt Ingweiler gehörten weiter der Hof Schönfeld (WĂŒstung), die Hochberger GlashĂŒtte und der Kaminthalerhof (das ist der östlich des Fischbachs gelegene Teil des Weilers Kohlhutte), alle bei Wimmenau, der Kindsbrunnerhof (auch: Kindsbronn), der Nespler Hof bei Ingweiler.[86]

  • Jean-Claude Brumm: Quelques dates importantes dans l’histoire 
. In: SociĂ©tĂ© d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): CinquiĂšme centenaire de la crĂ©ation du ComtĂ© de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 10f.
  • Fritz Eyer: Das Territorium der Herren von Lichtenberg 1202–1480. Untersuchungen ĂŒber den Besitz, die Herrschaft und die Hausmachtpolitik eines oberrheinischen Herrengeschlechts. In: Schriften der Erwin-von-Steinbach-Stiftung. 2. Auflage. Band 10. Pfaehler, Bad Neustadt an der Saale 1985, ISBN 3-922923-31-3 (268 Seiten, Im Text unverĂ€ndert, um eine EinfĂŒhrung erweiterter Nachdruck der Ausgabe Strassburg, Rhenus-Verlag, 1938).
  • Freddy Gutbub und Ernst Hallenberger: Rothbach – Histoire d'un village des Vosges du Nord / Geschichte eines Dorfes in den Nordvogesen. 1991. ISBN 2-9505842-0-9 (Bilingual: in französischer und deutscher Sprache)
  • Friedrich Knöpp: Territorialbestand der Grafschaft Hanau-Lichtenberg hessen-darmstĂ€dtischen Anteils. [maschinenschriftlich] Darmstadt 1962. [Vorhanden in Hessisches Staatsarchiv Darmstadt, Signatur: N 282/6].
  • Alfred Matt: Bailliages, prĂ©vĂŽtĂ© et fiefs ayant fait partie de la Seigneurie de Lichtenberg, du ComtĂ© de Hanau-Lichtenberg, du Landgraviat de Hesse-Darmstadt. In: SociĂ©tĂ© d’Histoire et d’Archaeologie de Saverne et Environs (Hrsg.): CinquiĂšme centenaire de la crĂ©ation du ComtĂ© de Hanau-Lichtenberg 1480 – 1980 = Pays d’Alsace 111/112 (2, 3 / 1980), S. 7–9.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Eyer, S. 238.
  2. ↑ Brumm, S. 11.
  3. ↑ Knöpp, S. 7f.
  4. ↑ Matt, S. 7.
  5. ↑ Eyer, S. 238.
  6. ↑ Eyer, S. 53.
  7. ↑ Eyer, S. 53.
  8. ↑ Gutbub, S. 45.
  9. ↑ Knöpp, S. 7.
  10. ↑ Eyer, S. 70.
  11. ↑ Gutbub, S. 45.
  12. ↑ Eyer, S. 238.
  13. ↑ Eyer, S. 52f.
  14. ↑ Eyer, S. 53, 160f.
  15. ↑ Knöpp, S. 6.
  16. ↑ Eyer, S. 238.
  17. ↑ Eyer, S. 57, 129f.
  18. ↑ Eyer, S. 129f.
  19. ↑ Eyer, S. 47.
  20. ↑ Eyer, S. 128.
  21. ↑ Eyer, S. 48, Anm. 1.
  22. ↑ Eyer, S. 166; Knöpp, S. 14.
  23. ↑ Eyer, S. 238.
  24. ↑ Eyer, S. 238.
  25. ↑ Eyer, S. 67, 149.
  26. ↑ Eyer, S. 67, 141.
  27. ↑ Knöpp, S. 7.
  28. ↑ Eyer, S. 57.
  29. ↑ Eyer, S. 238.
  30. ↑ Knöpp, S. 7.
  31. ↑ Knöpp, S. 7.
  32. ↑ Knöpp, S. 7.
  33. Eyer, S. 20.
  34. Eyer, S. 47, 141.
  35. ↑ Eyer, S. 238.
  36. ↑ Eyer, S. 113.
  37. Eyer, S. 48, 53, 111, 141.
  38. ↑ Matt, S. 7.
  39. ↑ Eyer, S. 94.
  40. ↑ Eyer, S. 174, 186.
  41. ↑ Eyer, S. 234.
  42. ↑ Eyer, S. 238.
  43. ↑ Eyer, S. 61, 132.
  44. ↑ Knöpp, S. 7.
  45. ↑ Matt, S. 7; Eyer, S. 238.
  46. ↑ Eyer, S. 175.
  47. ↑ Eyer, S. 214.
  48. ↑ Eyer, S. 215f.
  49. ↑ Eyer, S. 234.
  50. ↑ Eyer, S. 238.
  51. ↑ Knöpp, S. 6; Eyer, S. 53, 160.
  52. ↑ Eyer, S. 238.
  53. ↑ Eyer, S. 74f.
  54. ↑ Eyer, S. 165.
  55. ↑ Eyer, S. 141.
  56. ↑ Eyer, S. 20, Anm. 4
  57. ↑ Eyer, S. 158.
  58. ↑ Eyer, S. 238.
  59. ↑ Eyer, S. 61.
  60. ↑ Eyer, S. 47f.
  61. ↑ Eyer, S. 238.
  62. ↑ Eyer, S. 57.
  63. ↑ Eyer, S. 47f.
  64. ↑ Gutbub, S. 45.
  65. ↑ Eyer, S. 238.
  66. ↑ Knöpp, S. 7; Eyer, S. 128.
  67. ↑ Eyer, S. 47f.
  68. ↑ Knöpp, S. 7.
  69. ↑ Eyer, S. 238.
  70. ↑ Eyer, S. 51, 53.
  71. ↑ Gutbub, S. 45.
  72. ↑ Eyer, S. 238
  73. ↑ Eyer, S. 69.
  74. ↑ Eyer, S. 69.
  75. ↑ Vgl.: Eyer, S. 118.
  76. ↑ Vgl.: Eyer, S. 98.
  77. ↑ Eyer, S. 238
  78. ↑ Knöpp, S. 7.
  79. ↑ Eyer, S. 238
  80. ↑ Knöpp, S. 7.
  81. ↑ Eyer, S. 53.
  82. ↑ Eyer, S. 47f.
  83. ↑ Eyer, S. 238.
  84. ↑ Eyer, S. 53.
  85. ↑ Gutbub, S. 45.
  86. ↑ Knöpp, S. 7.