Zum Inhalt springen

Bella Germania

aus Wikipedia, der freien EnzyklopÀdie
Film
Titel Bella Germania
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch, Italienisch
Erscheinungsjahr 2018
LÀnge 270 Minuten
Produktions­unternehmen Bavaria Fernsehproduktion
Stab
Regie Gregor Schnitzler
Drehbuch Daniel Speck, bearbeitet von Robert Krause und Florian Puchert
Produktion Ronald MĂŒhlfellner
Musik Dominik Giesriegl
Kamera Wolfgang Aichholzer
Schnitt Georg Söring
Besetzung

Bella Germania ist eine dreiteilige, im Auftrag des deutschen Fernsehsenders ZDF entstandene Familienchronik von Gregor Schnitzler. ErzĂ€hlt wird in RĂŒckblenden ĂŒber drei Generationen hinweg die Schicksale mehrerer Angehöriger einer deutsch-italienischen Familie in den Jahren 1954 bis 2019. Die beiden Hauptrollen in den beiden ersten Teilen spielen die gebĂŒrtige Moldawierin Silvia Busuioc (als die Italienerin Giulietta) und Christoph Letkowski (als der Deutsche Alexander). Im Zentrum des dritten Teils steht die nach ihren familiĂ€ren Wurzeln suchende Julia, gespielt von Natalia Belitski, die bereits in den ersten beiden Teilen als Bindeglied zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit sporadisch zu sehen gewesen war. Der Autor des gleichnamigen Romans, Daniel Speck, verfasste auch das Drehbuch.

Teil 1: L’amore – die Liebe

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

MĂŒnchen 2013. Julia Becker ist eine angehende Modedesignerin, die ihre erste eigene Kollektion in Anwesenheit von Nathalie Bronet, einer zentralen Persönlichkeit in der Branche, vorstellt. Ausgerechnet in diesem wichtigsten Moment ihres noch jungen Lebens hat die Modeschöpferin einen Blackout und verpatzt durch ihr Fortlaufen aus dem Showroom die PrĂ€sentation. WĂ€hrend sie sich in der Lobby des GebĂ€udes zu sammeln versucht, tritt ein alter Herr auf Julia zu und möchte sie in einer privaten Angelegenheit sprechen. Er sagt, er heiße Alexander Schlewitz und wĂŒrde gern ihren Vater, Vincenzo Marconi, sprechen. Julia ist durcheinander, ihr Vater sei schon lange tot, erklĂ€rt sie dem alten Mann. Dies zumindest hatte ihre Mutter Tanja immer behauptet. Irritiert will Julia die Lobby verlassen, da bricht der Alte zusammen. Schlewitz wird wenig spĂ€ter von einem Krankenwagen abtransportiert. Julia sucht anschließend ihre Mutter auf, eine hochgradig engagierte Journalistin und Autorin von politischen BeitrĂ€gen fĂŒr das Fernsehen. Die besteht weiterhin darauf, dass Julias Vater Vincenzo starb, als sie acht Jahre alt war. Julia hat Zweifel an der Aussage ihrer Mutter und findet heraus, wo jener Alexander Schlewitz wohnt. Der ist in der Zwischenzeit von seinem leichten SchwĂ€cheanfall genesen und bittet sie in sein Haus. Julia ahnt nicht, dass ab sofort ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt wird, denn der alte Mann sagt, er sei ihr Großvater, und beginnt nun die verworrene Familiengeschichte aufzurollen.

Die Iso Isetta, Baujahr 1953

MĂŒnchen 1954. Der junge Nachwuchsingenieur Alexander Schlewitz arbeitet unter dem BMW-Manager Fritz Maier, dessen Firma allerdings am Rande des Abgrunds steht. Die teuren Karossen verkaufen sich kaum. Schlewitz schlĂ€gt Maier vor, mit dem italienischen Isetta-Hersteller in Turin einen Lizenzvertrag fĂŒr die Iso Isetta abzuschließen, um dem Verbraucher in der jungen Bundesrepublik auch ein kleines, kostengĂŒnstiges Fahrzeug anbieten zu können. Daraufhin entsendet Maier den forschen Ingenieur nach Mailand. Dort lernt Schlewitz den Iso-Chef kennen und spricht mit ihm auf Deutsch, was dieser nicht versteht. Gleich in der NĂ€he steht die blutjunge Sizilianerin Giulietta Marconi, die Deutsch studiert und sich als Dolmetscherin anbietet. FĂŒr beide ist es Sympathie auf den ersten Blick. Bei einer Testfahrt mit der Isetta stellt Alexander einen Konstruktionsfehler fest: Das Fahrzeug beginnt in Kurven arg zu schlingern und droht sogar umzukippen. Schlewitz lĂ€sst seine Bedenken von Giulietta ĂŒbersetzen und verspricht seinem italienischen Verhandlungspartner, das Problem binnen zweier Tage zu lösen. TatsĂ€chlich schafft es Alexander, die Isetta mit einigen Umbauten fahrsicherer zu machen. In den folgenden Tagen kommen sich Alexander und Giulietta nĂ€her. Auch erkennt Alexander, dass die Italienerin, die sehr gut zeichnen kann, ein Talent fĂŒr ModeentwĂŒrfe besitzt. Aus seiner Zuneigung zu ihr heraus kauft Alexander Giulietta ein paar elegante, rote Schuhe, die der jungen Frau sehr gut gefallen.

Giulietta und Alexander verbringen eine kurze, aber sehr schöne Zeit miteinander. Wieder daheim, fĂ€llt Giulietta rasch auf den Boden der Tatsachen zurĂŒck. Sie ist schwanger. Ihr Verlobter, der Automechaniker Enzo, arbeitet wie Giulietta und ihr Bruder Giovanni bei Iso. Giulietta wurde ihm vor vielen Jahren versprochen, und er geht nun davon aus, dass nur er der Vater des Kindes sein kann. Giuliettas Mutter ist entsetzt: Eine uneheliche Schwangerschaft ist im Italien der 1950er Jahre ein Riesenskandal, der augenblicklich in einer Ehe zu mĂŒnden habe. Die Mutter verlangt, dass Giulietta ihren Verlobten sofort heiratet. FĂŒr die junge Frau scheint nun ihr Leben vorbestimmt, sie wird Enzo heiraten. Der hat alle Attribute eines SĂŒditalieners: Er ist ganz Macho, bisweilen ĂŒbermĂ€ĂŸig temperamentvoll und glaubt ganz selbstverstĂ€ndlich, dass „seine“ Frau zugleich sein Besitz sei. Und dementsprechend verhĂ€lt er sich. Giulietta teilt Alexander ihre Entscheidung mit, dass es zwischen ihnen beiden keine gemeinsame Zukunft geben könne. Schlewitz reist nach MĂŒnchen zurĂŒck, und Giulietta wird im Jahr darauf Mutter eines Sohnes. Sie nennt ihn Vincenzo.

Wieder im Jahr 2013. Der alte Alexander bittet Julia darum, ihren Großonkel Giovanni aufzusuchen. Er, Alexander, wolle den Kontakt zu Vincenzo, Julias Vater, wiederherstellen, und nur Giovanni wisse, wo sich Vincenzo heute aufhalte. Julia ist wĂŒtend auf ihre Mutter, die behauptet habe, dass ihr Vater, Vincenzo, tot sei. Es kommt zu einer kurzen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter. Julias Verlangen, ihren Vater zu finden und endlich kennenzulernen, wĂ€chst mit jedem Tag. Sie entscheidet sich, Alexanders Bitte zu folgen und ihren Großonkel, der in MĂŒnchen einen GemĂŒseladen betreibt, aufzusuchen. Dort reicht man ihr ein Familienalbum, das Giulietta mit ihrem nunmehrigen Ehemann Enzo und dem Baby zeigt. Nur Giulietta weiß, dass das Kind von Alexander ist.

Mailand 1955. Giulietta hat sich in ihrem Eheleben mit Enzo und dem Kind eingerichtet. Doch sie spĂŒrt, dass ihr etwas fehlt. Die Enge des Kleinfamilienalltags und die roten Schuhe, das einzige, was ihr noch aus der Zeit mit Alexander geblieben ist, erinnern sie daran, dass es noch ein anderes, ein erfĂŒllteres Leben geben könnte. Eines Tages teilt Giovanni seiner Schwester mit, dass er nach Deutschland gehen werde, da man dort Arbeiter suche und diese Arbeit ĂŒberdies auch noch besser bezahlt werde. Giovanni nutzt die Kontaktadresse, die Giulietta ihm zugesteckt hatte, und besucht Alexander. Er soll ihm bei der Arbeitssuche helfen. Derweil wird Enzos Eifersucht daheim immer schlimmer.

Neun Jahre sind vergangen, als Giovanni 1964 aus Deutschland nach Mailand zurĂŒckkehrt. Er hat Giulietta eine NĂ€hmaschine mitgebracht, deutsche Wertarbeit, wie er stolz verkĂŒndet. In dieser Zeit hat sich auch Alexander neu orientiert und eine blonde Einheimische namens Marianne geheiratet. Bald muss Alexander erneut nach Mailand. Dort sieht er Giulietta und Vincenzo im Betrieb. Instinktiv ahnt Alexander, dass der Junge, der fĂŒr alles Deutsche schwĂ€rmt, sein Sohn sein mĂŒsse. Alexander bittet Giulietta, mit ihm nach MĂŒnchen zu kommen, aber wieder kann sie sich nicht fĂŒr ihn entscheiden: „Mein Leben ist hier.“ Als sie aber die Leere in ihrem Leben begreift, erinnert sich Giulietta ihrer Passion und fĂ€ngt mit der neuen NĂ€hmaschine zu schneidern an.

Wieder in MĂŒnchen 2013. Zum Abschied von Onkel Giovanni gibt dieser Julia das von Giulietta geschneiderte rote Kleid mit, das Julias Großmutter zu Giovannis Hochzeit getragen hatte. Julia beginnt sich das Kleid genau anzuschauen und lĂ€sst als talentierte Modeschöpferin Giuliettas Entwurf in ihr neues Design mit einfließen. Dann kehrt sie nochmals zu Giovanni zurĂŒck und lĂ€sst sich von dessen Frau Vincenzos Adresse in Turin geben. Julia will dort endlich ihren Vater kennenlernen.

1968 heiratete Giuliettas Bruder und auf der Hochzeitsfeier kam es wegen eines erneuten Eifersuchtanfalls Enzos zum Eklat. Giulietta reiste daraufhin mit Giovanni und ihrem Sohn Vincenzo nach Deutschland, um dort einen Neuanfang zu wagen.

Teil 2: Il destino – das Schicksal

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gegenwart beschließt Julia nach Italien zu reisen, um Vincenzo kennenzulernen. Ihr Großonkel Giovanni begleitet sie dorthin. Im Jahre 1968 lĂ€sst sich Giulietta in MĂŒnchen nieder. Kaum angekommen fĂ€hrt sie zu Alexanders Haus. Sie hofft auf ein Wiedersehen, doch vor der Einfahrt sieht sie, wie eine schwangere, blonde Frau gerade aus dem Haus kommt und Alexander, der beim Auto steht, mit einem Kuss begrĂŒĂŸt. Ganz offensichtlich ist Alexander nicht mehr frei, und Giulietta fĂ€hrt wieder fort, ohne dass Alexander sie bemerkt hat. Giovanni macht seiner Schwester Giulietta, die glaubt, dass es jeder in Deutschland leicht zu Wohlstand bringen kann, klar, dass auch hier hart gearbeitet werden muss und dass er bis jetzt kaum etwas erreicht habe. Aber Giulietta glaubt an ihr Können und sucht nach einem GeschĂ€ftsraum, wo sich Giovanni als GemĂŒsehĂ€ndler einrichten kann, wĂ€hrend Giulietta ihm die Buchhaltung fĂŒhrt und in der freien Zeit Kleider nĂ€ht. Plötzlich stehen ihre Mutter und Ehemann Enzo vor der TĂŒr. Ihre Mutter ist außer sich, dass sich Giulietta bei Nacht und Nebel aus Italien nach Deutschland fortgemacht hatte. Enzo ist zur Trennung bereit, verlangt aber, dass Vincenzo, den er fĂŒr seinen Sohn hĂ€lt, zu ihm zurĂŒck nach Italien kommt. Der aber will lieber bei der Mutter bleiben.

Vincenzo spĂŒrt derweil in der neuen Wahlheimat die Ablehnung durch deutsche Kinder, man nennt ihn abwertend ein „Gastarbeiterkind“. Dennoch leben sich Giulietta und Vincenzo in Deutschland ein.

Turin 2013. Julia will endlich ihren Vater kennenlernen und sich ein eigenes Bild von ihm machen. Der erwachsene Vincenzo zeigt sich wenig begeistert, seine Tochter zu sehen. Zu viel ist passiert, und er will auch nicht seinem Vater Alexander begegnen, was dieser sich sehr wĂŒnscht. 1968 begegnen sich Giulietta und Alexander im Krankenhaus wieder, wohin Giovannis hochschwangere Ehefrau zur Entbindung eingeliefert wurde. Auch Alexanders Frau Marianne entbindet gerade, er wird Vater einer Tochter. Völlig ĂŒberraschend erhĂ€lt Giulietta etwas spĂ€ter einen Telefonanruf von Alexander. Er sagt ihr, dass er sie nicht vergessen könne. Eines Tages steht Enzo wieder vor der TĂŒr. Er will zu seiner Frau zurĂŒck, aber Giulietta hat sich weiterentwickelt, ein Leben mit ihrem Noch-Ehemann in Italien kann sie sich nicht mehr vorstellen. Und so entschließt sich Enzo ebenfalls in Deutschland zu bleiben. In der Folgezeit nĂ€hern sich Enzo und Vincenzo wieder einander an. Giulietta sieht, dass Enzo ihrem Sohn gut tut, und ihr gefĂ€llt, dass ihr Mann offensichtlich bereit ist, sich zu Ă€ndern. Eine Zeit lang scheint Alexander vergessen.

Silvia Busuioc, die die Rolle der Giulietta spielt.

Zu Weihnachten steht plötzlich Alexander vor der TĂŒr. Er hat einen Brief fĂŒr Giulietta, die gerade mit Enzo aus ist, und ein Geschenk fĂŒr Vincenzo dabei. Als Enzo nach der Heimkehr davon erfĂ€hrt, kocht die alte Eifersucht wieder in ihm hoch. Giulietta geht vor die TĂŒr und trifft auf ihre alte Liebe. Alexander und sie kĂŒssen sich. Er fragt, ob er Vincenzos Vater sei, bekommt darauf aber keine Antwort.

Wieder in der Gegenwart: Giovanni ĂŒberreicht Julia Giuliettas Tagebuch. Die Geschichte wird nun anhand des Tagebuchs weitererzĂ€hlt: Das VerhĂ€ltnis zwischen Alexander und Giulietta kĂŒhlt sich allmĂ€hlich ab, weil sie sich nicht fĂŒr den Erzeuger ihres Sohnes entscheiden will. Dieser ist bereit, die Ausbildung Vincenzos zu bezahlen, verlangt aber dafĂŒr, regelmĂ€ĂŸig mit Fotos seines halbwĂŒchsigen Kindes versorgt zu werden. Giulietta lĂ€sst sich darauf ein, achtet aber darauf, dass Enzo, der noch immer glaubt, der Vater zu sein, nichts von diesem Deal mitbekommt. Lange hat sich Giulietta dagegen gewehrt, doch nun sieht sie, dass sie von Alexander genauso wenig loskommt wie er von ihr. Ihr Junge gerĂ€t derweil erstmals auf die schiefe Bahn, er wird mit Blaulicht von der Polizei abgeholt – ausgerechnet dann, als sich Giulietta und Alexander leidenschaftlich in seinem Auto kĂŒssen. Beide werden Zeugen des Polizeieinsatzes. Tage spĂ€ter verbringen Alexander und Giulietta nach anderthalb Jahrzehnten wieder eine Liebesnacht zusammen. Weitere Jahre vergehen 


MĂŒnchen 1973. Nach einem schweren Arbeitsunfall findet Enzo kaum mehr Arbeit. Er will unbedingt zurĂŒck nach Italien, wĂ€hrend sich Giulietta mit ihren NĂ€harbeiten ein berufliches Standbein geschaffen hat. Die Heimlichkeiten zwischen Giulietta und Alexander halten an, es reihen sich SchĂ€ferstĂŒndchen an SchĂ€ferstĂŒndchen. Da Alexander auf Giulietta nicht verzichten möchte, bietet er seiner Geliebten an, Enzo anderweitig beschĂ€ftigen zu wollen. Der aber ahnt bei dem VorstellungsgesprĂ€ch sofort, dass Schlewitz dies nicht ihm zuliebe tut. Er steht auf und geht. Draußen vor der TĂŒr sagt er seiner Frau auf den Kopf zu, dass er zeugungsunfĂ€hig sei und Vincenzo Alexanders Kind sein mĂŒsse. Giulietta ist fassungslos, dass ihr Mann seit vielen Jahren offensichtlich eine Charade mit ihr gespielt haben muss und von Anbeginn die Wahrheit wusste. Enzo verlangt von Giulietta, dass sie Alexander nie mehr wieder sieht. Daraufhin kehrt sie etwas spĂ€ter in Alexanders BĂŒro zurĂŒck und sagt ihm, dass sie sich von Enzo scheiden lassen wolle, um mit ihm, Alexander, zu leben. Beide machen sich auf den Weg, wĂ€hrend Alexanders Frau zu ahnen scheint, dass ihr Mann sie verlassen will. Ziel der Verliebten ist Venedig, wie Julia es Giuliettas Tagebuch entnimmt.

In der Gegenwart will nun Julia endlich wissen, warum ihr Vater sie als Kind verlassen hatte. Ihr Vater in Italien, der erwachsene Vincenzo, gibt sich kurz angebunden, erklĂ€rt sich dann aber doch bereit, ihr die ganze Wahrheit zu sagen. Dazu wolle er mit Julia eine Reise ĂŒber die Alpen zurĂŒck nach MĂŒnchen unternehmen und sich bei dieser Gelegenheit auch mit seinem Vater treffen. Er wĂ€hlt exakt jene Route, ĂŒber die 1973 Giulietta und Alexander von der bayerischen Landeshauptstadt nach Venedig aufgebrochen waren. Diese Fahrt sollte in einer Katastrophe enden. Giulietta und Alexander erleben auf der Strecke nach langer Zeit wieder ein GefĂŒhl perfekten GlĂŒcks. Sie merken nicht, dass eine Leitung mit BremsflĂŒssigkeit locker ist und sich schließlich komplett löst. Die FlĂŒssigkeit rauscht auf die Straße, wĂ€hrend Giulietta den roten Sportwagen entlang der engen Serpentinenstraße steuert.

Teil 3: Il segreto – das Geheimnis

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bald kann Giulietta das Fahrzeug nicht mehr bremsen und stĂŒrzt mit Alexander als Beifahrer in den Abgrund. Er wird dabei aus dem Wagen geschleudert, wĂ€hrend Giulietta am Unfallort stirbt. Rasch fĂ€llt der Verdacht auf Enzo, der am ehesten ein Motiv fĂŒr den Anschlag gehabt hat, zumal er als Automechaniker perfekte Pkw-Kenntnisse besitzt. Die Polizei nimmt an, dass er die Bremsleitung gelöst und damit absichtlich den tödlichen Unfall hervorgerufen habe. FĂŒr Vincenzo ist der Tod der geliebten Mutter eine absolute Katastrophe. Er gibt Alexander eine entscheidende Mitschuld, glaubt aber ebenfalls, dass Enzo den Wagen manipuliert hat. Aus Mangel an Beweisen wird Enzo jedoch freigesprochen. Vincenzo sucht die Aussprache mit seinem Erzeuger und fĂ€hrt zu seinem Haus. Der junge Mann zeigt gegenĂŒber Alexander nur Verachtung. Etwas spĂ€ter lernt Vincenzo in einer Studentenkneipe die rothaarige Tanja kennen, die sich auf Seiten der extremen Linken engagiert. An ihrer Seite rutscht Vincenzo, der völlig haltlos geworden ist, ins RAF-Umfeld und in die terroristische Sympathisantenszene ab. Mit ihr knackt Vincenzo Autos fĂŒr etwaige RAF-Transporte. Nachdem er mit Tanja geschlafen hat, will Vincenzo vor ihr angeben und bricht in Alexanders Garage ein. Er stiehlt eines seiner beiden Autos, bedroht ihn mit der Waffe und fĂ€hrt auf der Flucht Alexander, der sich vor das Auto stellt, beinah ĂŒber den Haufen.

Kurz darauf stĂŒrmt ein Einsatzkommando der Polizei die Wohnung, wo Tanja und Vincenzo gerade miteinander schlafen. Sie können aus dem Fenster tĂŒrmen, sind aber nun Gesetzlose. Da entsinnt Vincenzo sich wieder seiner alten Heimat und flieht mit seiner Geliebten nach SĂŒditalien. In Sizilien will er erst einmal untertauchen und einen Neuanfang wagen, wĂ€hrend Tanja noch immer der Kampf fĂŒr die „Weltrevolution“ antreibt und sie Kontakte zu den Brigate Rosse anstrebt. WĂ€hrend Vincenzo sich ein Leben in der italienischen Heimat durchaus vorstellen kann, zieht es Tanja wieder zurĂŒck nach Deutschland. Sie will auch weiterhin politisch aktiv bleiben und nicht am Ende Europas mit seinen streng katholischen und kleinbĂŒrgerlichen Menschen versauern. Ein bourgeoises Leben mit Heim und Kinder ist ihr verhasst. Eines Tages verlĂ€sst sie Vincenzo wieder. Er weiß nicht, dass sie von ihm schwanger ist. Tanja ist abgereist und Vincenzo ĂŒberlegt, wie es in Italien mit ihm weitergehen soll. Er erinnert sich seiner Leidenschaft fĂŒr schnelle Autos und heuert in einer Werkstatt an. Er lernt die Italienerin Carmela kennen, die bald sehr viel mehr Leidenschaft fĂŒr ihn entwickelt als er fĂŒr sie. Als Vincenzo von Onkel Giovanni erfĂ€hrt, dass Tanja zurĂŒck in MĂŒnchen und ĂŒberdies schwanger ist, kehrt Vincenzo ebenfalls nach Deutschland zurĂŒck, obwohl er weiß, dass die Polizei nach ihm fahndet. Carmela bleibt am Boden zerstört zurĂŒck. An der Grenze zu Österreich wird Vincenzo festgenommen, als er zu fliehen versucht.

Es kommt zu einem Prozess, bei dem Vincenzo alle Schuld auf sich nimmt, damit Tanja, die Mutter seines Kindes, nicht auch hinter Gitter muss. Er wird zu sieben Jahren Haft verurteilt. Tanja besucht Vincenzo im Knast und bringt beider inzwischen geborene Tochter Julia mit. 1982 wird Vincenzo schließlich entlassen. Er bringt ein EichenbĂ€umchen mit in die Freiheit, das er in seiner Haftzeit gepflanzt hatte. Im MĂŒnchner Olympiapark wird die Minieiche von der Familie eingepflanzt. ZurĂŒck in der Gegenwart: Vincenzo und Tanja sprechen sich endlich aus. Denn dafĂŒr gibt es einen handfesten Grund: Bei einem Besuch bei Tanja und Julia ist Vincenzo einst komplett ausgerastet, als Bernd, der neue Mann an Tanjas Seite, Vincenzos Tochter herzlich umarmt hatte. Es kam zu einer SchlĂ€gerei, bei der Julia sich sehr Ă€ngstigte. Daraufhin beschloss Tanja, ihrer Tochter zu sagen, dass ihr Vater in der Zwischenzeit gestorben sei. FĂŒr die Julia der Gegenwart ist diese ErklĂ€rung eine Erlösung, denn lange Zeit hatte sie geglaubt, dass ihr Vater nichts mehr von ihr wissen wollte und sich deshalb nicht bei ihr gemeldet habe.

Es wird Zeit, dass sich Vincenzo seiner letzten Herausforderung stellt: Er besucht mit Julia seinen greisen Vater im Klinikum. Alexander löst das letzte Geheimnis: Er erklĂ€rt, seine vor ein paar Jahren gestorbene Ehefrau Marianne habe ihm auf dem Sterbebett gestanden, dass sie den Wagen manipulierte, der zum Tod Giuliettas gefĂŒhrt hatte. Vincenzo sucht daraufhin Enzo auf und sagt ihm, dass er nun wisse, dass er unschuldig gewesen sei und es ihm leid tue, dass er ihm einst die Schuld an Giuliettas Tod gab. Beide umarmen sich, und Vincenzo fragt Enzo, ob er ihn auf der RĂŒckreise nach Italien begleiten wolle. Freudig sagt Enzo „ja“. Julia aber kehrt zum Anfang des Films im Jahr 2013 zurĂŒck: Sie hat jedoch ihrer Kollektion ein weiteres Kleid hinzugefĂŒgt, das sie stolz auf der Modenschau prĂ€sentiert und von dem sie sagt, dass es ihr besonders viel bedeute: Es ist die Weiterentwicklung von Giuliettas rotem Kleid, ihrem ersten Entwurf vor vielen Jahrzehnten. Und diesmal ist Julias PrĂ€sentation ein voller Erfolg.

2019: Julia hat ihre eigene kleine Modefirma und feiert mit Freunden den 85. Geburtstag ihres Großonkels Giovanni. Unter dem großen Eichenbaum im MĂŒnchner Olympiapark, wo Vincenzo und seine Tochter Julia sich hingesetzt haben, endet die Geschichte.

Produktionsnotizen

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die rund viereinhalb Stunden lange Fernsehproduktion wurde von 24. Juni bis 1. November 2017 in Deutschland und in Apulien (Italien) gedreht und erlebte ihre UrauffĂŒhrung in Köln am 8. Oktober 2018 im Rahmen des Film Festival Cologne. Die deutsche Fernsehpremiere des Dreiteilers erfolgte im MĂ€rz 2019 im ZDF. Jede Folge ist etwa 90 Minuten lang.

Im Anschluss an den ersten Teil strahlte das ZDF unter dem Titel Bella Germania – Die Dokumentation eine Hintergrundreportage zu der Entwicklung des deutsch-italienischen VerhĂ€ltnisses seit den 1950er Jahren unter besonderer BerĂŒcksichtigung italienischer Arbeitsmigration in die Bundesrepublik aus. In Italien lief die Produktion unter dem Titel Volevamo andare lontano.

Die Berliner Morgenpost sah in der ZDF-Produktion „großes Kino – mit kleinem Kitschfaktor“ und fand, Bella Germania suche „den großen Bogen ĂŒber sieben Jahrzehnte und ĂŒber all das, was die Familie in dieser Zeit tangiert hat.“ Trotz Kritik an der unterschiedlichen Handhabung beim Umgang mit der italienischen Sprache – anfĂ€nglich wurden die entsprechenden Dialoge zwischen den Italienern untertitelt, spĂ€ter deutsch synchronisiert – kam die Morgenpost zum Schluss: „Hier wird großes Kino versucht und teilweise sogar erreicht.“[1]

Spiegel Online nannte Bella Germania „ein Herzschmerz-Melodram epischen Ausmaßes“ und schrieb ĂŒber die beiden Hauptdarsteller der ersten zwei Teile: „Christoph Letkowski und Silvia Busuioc gelingt es, ihre Figuren emotional aufzuladen.“ Auch vom „Spiegel“ wurde der Umgang mit der italienischen Sprache bemĂ€ngelt: „So schlĂŒssig die RĂŒckblendenstruktur an den verschiedenen Chronisten aufgehĂ€ngt ist, so kritikwĂŒrdig sind andere Aspekte der Inszenierung: der inkonsequente Umgang mit Sprache(n) etwa, der sich darin Ă€ußert, dass zwar meist ĂŒbersetzt werden muss, dann aber die italienische Familie auf einmal unter sich deutsch spricht.“ Fazit: „Fairerweise gilt festzuhalten: FĂŒr das, was ‚Bella Germania‘ sein will – eben ein Mainstream-Melodram –, funktioniert es nicht so schlecht.“ Zuschauer, die auf dem Sendeplatz am Sonntagabend um 20:15 Uhr ĂŒblicherweise mit Herzschmerz-Geschichten der Gattung Pilcher, Lindström & Co. versorgt werden, wĂŒrden mit Bella Germania â€žĂŒberdurchschnittlich bedient.“[2]

Der Kritiker auf quotenmeter.de schrieb dagegen von einem „katastrophale(n) Ergebnis“ und nannte den Dreiteiler „eine Klamotte voller Vorurteile“. Fazit: „keine seichte, aber harmlose und im besten Falle unterschwellig hintergrĂŒndige Produktion zur deutsch-italienischen Freundschaft.“[3]

Einschaltquoten

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  • Der erste Teil hatte 4,67 Millionen Zuschauer, das entsprach einem Marktanteil von 13 Prozent.
  • Der zweite Teil hatte 4,65 Millionen Zuschauer, das entsprach einem Marktanteil von 14,8 Prozent.
  • Der dritte Teil hatte 4,58 Millionen Zuschauer, das entsprach einem Marktanteil von 14,8 Prozent.

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. ↑ Kritik in der Berliner Morgenpost, abgerufen am 17. MĂ€rz 2019
  2. ↑ Kritik auf Spiegel Online, abgerufen am 17. MĂ€rz 2019
  3. ↑ Kritik auf quotenmeter.de, abgerufen am 17. MĂ€rz 2019