Britavia
| Britavia | |
|---|---|
| IATA-Code: | (ohne) |
| ICAO-Code: | (unbekannt) |
| Rufzeichen: | BRITAVIA |
| GrĂźndung: | 1945 |
| Betrieb eingestellt: | 1959 |
| Sitz: | Flughafen Blackbushe |
| Heimatflughafen: | Flughafen Blackbushe |
| Flottenstärke: | 5 |
| Ziele: | national und international |
| Britavia hat den Betrieb 1959 eingestellt. Die kursiv gesetzten Angaben beziehen sich auf den letzten Stand vor Einstellung des Betriebes. | |
Britavia war eine britische Holding sowie auch eine Fluggesellschaft mit Sitz und Basis auf dem Flughafen Blackbushe, die ihren Betrieb im Juli 1959 eingestellt hat. Ihre Wurzeln liegen in dem 1945 gegrĂźndeten Unternehmen British Aviation Services Limited. Im FrĂźhjahr 1954 entstand eine neue Stammgesellschaft dieses Namens, die zur Konzernmutter der Britavia und weiterer Fluggesellschaften wurde. Die Holding British Aviation Services Limited existierte bis Januar 1962.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]British Aviation Services als Unternehmen (1945 bis 1949)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]British Aviation Services Limited wurde im November 1945 als Tochterunternehmen des Versicherungskonzerns British Aviation Insurance Group gegrĂźndet. Im Auftrag der Versicherungsgruppe sollte es die ordnungsgemäĂe Auslieferung von gebraucht oder werksneu gekauften Flugzeugen sicherstellen, die ĂberfĂźhrungsflĂźge durchfĂźhren und den Versicherungskunden eine technische Betreuung bei der Abnahme der Maschinen vor Ort bieten.[1][2] Zu den ersten Aufträgen zählte die Auslieferung von drei Flugbooten des Typs Short Sandringham an die argentinische Fluggesellschaft Dodero.[1] Ebenso war das Unternehmen fĂźr die ĂberfĂźhrung der Flugzeuge des Typs Airspeed Consul nach Malaysia verantwortlich, mit denen Malayan Airways im FrĂźhjahr 1947 ihren Betrieb aufnahm.[3] Im Jahr 1946 grĂźndete British Aviation Services zusammen mit ortsansässigen Investoren eine gleichnamige Tochtergesellschaft in Malta, die Ende 1948 in der ersten Air Malta aufging.[4]
Nachdem die britische Minengesellschaft Zinc Corporation am 25. November 1946 die Silver City Airways gegrĂźndet hatte, wurde British Aviation Services mit deren Leitung und mit der DurchfĂźhrung deren FlĂźge beauftragt. Auf den internationalen CharterflĂźgen dieses Unternehmens, die unter anderem nach SĂźdafrika und Australien fĂźhrten, kamen Maschinen der Typen Douglas DC-3 und Avro Lancastrian zum Einsatz.[5] Silver City Airways, die 1947 ihr erstes Frachtflugzeug des Typs Bristol 170 erhalten hatte, wurde im Jahr 1948 von British Aviation Services aufgekauft.[6][7] Sie blieb als Tochtergesellschaft bestehen und setzte anschlieĂend eine zunehmend grĂśĂer werdende Zahl von Bristol 170 primär im planmäĂigen Fährverkehr zwischen Lympne und Le Touquet zum Transport von PKWs Ăźber den Ărmelkanal ein. Daneben fĂźhrte die Tochtergesellschaft weiterhin Charterdienste sowie auch VersorgungsflĂźge während der Berliner LuftbrĂźcke durch.[7][8] Während der operative Flugbetrieb in der Folgezeit fast ausnahmslos Silver City Airways Ăźberlassen wurde, konzentrierte sich British Aviation Services am Ende der 1940er Jahre verstärkt auf Flugzeugwartungen und erĂśffnete hierzu unter anderem Niederlassungen in Nordrhodesien.[9] Im Zuge einer Umstrukturierung der Unternehmensgruppe wurde die British Aviation Services Limited im Juni 1949 in eine Holdinggesellschaft umgewandelt und erhielt dabei den Namen Britavia Limited.[10]
Britavia als Holding (1949 bis 1954)
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Britavia Limited (Ltd.) erwarb im März 1953 die Aquila Airways, welche als weitere Tochtergesellschaft bestehen blieb und ihren Flugbootbetrieb fortsetzte. Weil die Kapazitäten des von Silver City Airways im Ărmelkanal-Fährverkehr genutzten Flugplatzes in Lympne nicht mehr ausreichten, gab die Holding Britavia Ltd. im September 1953 den Bau des Privatflugplatzes Flughafens Lydd nahe der britischen Ortschaft Lydd in Auftrag, der im Juli 1954 erĂśffnet und zum neuen Ausgangspunkt der FährflĂźge wurde.[11][12]
Anfang 1954 wurde die gesamte Britavia-Unternehmensgruppe von der im Ărmelkanal-Fährschiffsverkehr tätigen General Steam Navigation Company aufgekauft, welche der britischen Reederei P&O gehĂśrte.[7] Der Besitzerwechsel und der fast zeitgleiche Erwerb einer weiteren Fluggesellschaft, der Air Kruise, fĂźhrte im FrĂźhjahr 1954 zu einer tiefgreifenden Umstrukturierung der Unternehmensgruppe: Als Ăźbergeordnete Gesellschaft wurde eine neue Holding namens British Aviation Services Ltd. gegrĂźndet, wodurch die bisherige Holding Britavia Ltd. zu einem Tochterunternehmen dieser neuen Dachgesellschaft wurde.[13] Die 1954 gegrĂźndete British Aviation Services Ltd. fĂźhrte im Gegensatz zum gleichnamigen Ursprungsunternehmen keine FlĂźge unter eigenem Namen durch und Ăźbernahm die Leitung der konzerneigenen Fluggesellschaften Aquila Airways, Silver City Airways sowie der neu entstandenen Britavia.
Britavia als Fluggesellschaft und British Aviation Services als Holding (1954 bis 1962)
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Das neue auf dem Flughafen Blackbushe ansässige Tochterunternehmen Britavia war innerhalb des Konzerns fßr die Durchfßhrung von Charterflßgen zuständig und erhielt am 13. Juli 1954 die erste von ursprßnglich insgesamt sechs Handley Page Hermes aus dem Bestand der BOAC zur Betriebsaufnahme.[14] Eine weitere Hermes wurde nachträglich als Ersatz fßr ein verunglßcktes Flugzeug (siehe Zwischenfälle) im Herbst 1956 in Dienst gestellt. Britavia setzte die Maschinen im Charterverkehr auf Inlandsflßgen sowie auf internationale Flßgen zu verschiedenen Zielen in Europa, Afrika, in den Fernen Osten und die USA ein. Darßber hinaus fßhrte Britavia viele sogenannte trooping flights im Auftrag der Royal Air Force durch.[15] Dabei handelte es sich um Flßge ziviler Verkehrs- und Frachtflugzeuge unter militärischen Luftfahrzeugkennzeichen.
Die 1954 entstandene Holding British Air Services Ltd. (BAS) erwarb im Mai 1956 mit der auf der Isle of Man ansässigen Manx Airlines und Ende 1956 mit der in Blackpool beheimateten Lancashire Aircraft Corporation zwei Regionalfluggesellschaften, die ebenso wie Air Kruise, Aquila Airways, Britavia und Silver City Airways zunächst als eigenständige TĂśchter erhalten blieben. Zu dieser Zeit betrieb der BAS-Konzern eine Flotte von insgesamt acht Bristol 170 Mk.21, vierzehn Bristol 170 Mk.32 Superfreighter, zwei De Havilland DH.89 Dragon Rapide, eine De Havilland DH.86 Express, sieben Douglas DC-3, fĂźnf Handley Page Hermes (eingesetzt von Britavia) und drei Flugbooten des Typs Short Solent (eingesetzt von Aquila Airways).[16] Im März 1957 Ăźbernahm British Air Services Ltd. die auf dem Newcastle Airport beheimatete Dragon Airways, welche mit Silver City Airways fusioniert wurde. Hieraus ging deren nichtselbständige âNorthern Divisionâ hervor.[17][18] Ăber ihre neue Sparte bot Silver City Airways von Blackpool und Newcastle ausgehende internationale Linienverbindungen an, unter anderem nach Amsterdam, DĂźsseldorf und Hamburg. Ende 1957 ging auch Lancashire Aircraft Corporation in der âNorthern Divisionâ auf, gefolgt von Manx Airlines im Folgejahr.[19] Die in Lympne ansässige Air Kruise wurde ebenfalls im Jahr 1958 mit Silver City Airways zusammengeschlossen und bildete deren neue Abteilung âPassenger Divisionâ, welche fĂźr die BefĂśrderung von Fluggästen auf den Fährlinien zwischen GroĂbritannien und Frankreich zuständig war. Die BAS-Tochter Aquila Airways stellte ihren Betrieb zum 1. Oktober 1958 ein und wurde kurz darauf aufgelĂśst, so dass die Holding British Air Services Ltd. am Jahresende 1958 nur noch die zwei Fluggesellschaften Britavia und Silver City Airways besaĂ.
Als die militärischen Auftragsflßge im Jahr 1959 endeten, wurde die wirtschaftliche Lage fßr das BAS-Tochterunternehmen Britavia bedeutend schlechter. Die fßnf Handley Page Hermes wurden am 15. Juni 1959 an ihre Schwestergesellschaft Silver City Airways transferiert.[20] Gleichzeitig stellte die Fluggesellschaft Britavia den Betrieb ein.[2]
Die Dachgesellschaft British Air Services Limited blieb anschlieĂend als Mutterunternehmen der Silver City Airways bestehen. Anfang 1962 entschlossen sich die Reederei P&O (EigentĂźmerin der Holding BAS) und die Fluggesellschaft British United Airways (BUA) zu einer Kooperation. Letztere war EigentĂźmerin der Channel Air Bridge, die ihre Flugzeuge ebenfalls zum Transport von Fahrzeugen Ăźber den Ărmelkanal einsetzte und dabei mit Silver City Airways konkurrierte. Um die beiden im Fährverkehr tätigen Unternehmen zu fusionieren, wurde mit der Air Holdings Limited eine neue Stammgesellschaft gegrĂźndet, in welcher British Air Services Limited mitsamt ihrem letzten Tochterunternehmen im Januar 1962 aufging. Gleichzeitig brachte auch BUA die Channel Air Bridge in diese neue Stammgesellschaft ein.[21][22] Unter den geänderten Eigentumsverhältnissen setzte Silver City Airways den Betrieb bis zum Jahresende 1962 unter eigenem Markenauftritt fort. Zum Jahresbeginn 1963 wurde sie mit ihrer neuen Schwestergesellschaft Channel Air Bridge zusammengeschlossen, woraus British United Air Ferries hervorging.
Flotte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Folgende Flugzeugtypen wurden von der Fluggesellschaft Britavia zwischen 1954 und 1959 sowie ihrem Ursprungsunternehmen British Aviation Services zwischen 1945 und 1949 eingesetzt:
- Airspeed Consul (British Aviation Services)
- Avro Lancastrian (British Aviation Services betrieben fĂźr Silver City Airways)
- Beechcraft Model 18 (British Aviation Service)
- Douglas DC-3 (British Aviation Services betrieben fĂźr Silver City Airways)
- Handley Page Hermes (Britavia)
- Lockheed L-14 Super Electra (British Aviation Services)
- Lockheed L-18 Lodestar (British Aviation Services)
Nicht berĂźcksichtigt sind die betriebenen Flugzeugtypen der zur Unternehmensgruppe gehĂśrenden Tochtergesellschaften Air Kruise, Aquila Airways, Lancashire Aircraft Corporation, Manx Air und Silver City Airways.
Zwischenfälle
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bei der Fluggesellschaft Britavia kam es zu zwei Unfällen mit Totalschaden der Flugzeuge:[23]
- Am 5. August 1956 verunglĂźckte eine Handley Page Hermes IVA der Britavia (Luftfahrzeugkennzeichen G-ALDK) bei der Landung auf der falschen Landebahn in Karatschi. Bei Wetterbedingungen unter den vorgeschriebenen Minimalwerten landeten die Piloten auf der viel zu kurzen Landebahn 08 des militärischen Flughafenteils Drigh Road Air Force Station statt auf der Landebahn 07 des Flughafens Karatschi (Pakistan). Beim Ăberrollen des Landebahnendes brach das Fahrwerk zusammen; die Maschine rutschte noch ein StĂźck auf dem Rumpf weiter und wurde irreparabel beschädigt. Ein beitragender Faktor war der defekte Scheibenwischer auf der Kapitänsseite bei dem Anflug in starkem Regen. Alle 72 Menschen an Bord Ăźberlebten, davon sechs leicht verletzt.[24][25]
- Am 5. November 1956 kollidierte eine Handley Page Hermes IVA (G-ALDJ) während des Anfluges auf Blackbushe mit Bäumen. Von den 80 Personen an Bord kamen 7 ums Leben.[26]
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Tochtergesellschaften der British Aviation Services
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Maurice J. Wickstead: Airlines of the British Isles since 1919. Air-Britain (Historians) Ltd., Staplefield, W Sussex 2014, ISBN 978-0-85130-456-4, S. 96â97 (englisch).
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 Flight International, 20. Dezember 1945 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- 1 2 Aero Transport Data Bank, Britavia (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- â Flight International, 13. Februar 1947 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- â Flight International, 9. Dezember 1948 (in Englisch), abgerufen am 11. September 2017
- â Flight International, 19. Dezember 1946 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- â Flight International, 18. Dezember 1947 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- 1 2 3 Flight International, 19. Februar 1954 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- â Flight International, 7. Oktober 1947 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- â Flight International, 9. September 1948 (in Englisch), abgerufen am 26. August 2017
- â Leisure Airlines of Europe, K. Vomhof, 2001
- â London Ashford Airport, The History of Lydd Airport ( des vom 8. Juni 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (in English), abgerufen am 1. September 2017
- â Silver City Airways, Streckennetzkarte der Fährdienste im Jahr 1956 (in English), abgerufen am 1. September 2017
- â Flight International, 14. Oktober 1955 (in Englisch), abgerufen am 27. August 2017
- â Flight International, 3. Dezember 1954 (in Englisch), abgerufen am 27. August 2017
- â "Britavia", Flight International, 17. April 1959, S. 532 (englisch), abgerufen am 23. August 2017.
- â Flight International, 21. Dezember 1956 (in Englisch), abgerufen am 27. August 2017
- â Flight International, 29. März 1957 (in Englisch), abgerufen am 29. August 2017
- â Worldhistory, Manx Air Charter, Manx Airlines (in Englisch), abgerufen am 27. August 2017
- â Worldhistory, Manx Air Charter, Manx Airlines (in Englisch), abgerufen am 27. August 2017
- â Tony Merton Jones: British Independent Airlines since 1946, Vol. 4. Merseyside Aviation Society & LAAS International, Liverpool & Uxbridge 1977, ISBN 0-902420-10-0, S. 395.
- â Flight International, 1. Februar 1962 (in Englisch), abgerufen am 29. August 2017
- â Flight International, 19. Juli 1962 (in Englisch), abgerufen am 29. August 2017
- â Daten Ăźber die Fluggesellschaft Britavia im Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2017.
- â Unfallbericht HP Hermes G-ALDK, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 12. Februar 2022.
- â Air-Britain Archive: Casualty compendium part 68 (englisch), März 1998, S. 98/25.
- â Unfallbericht HP Hermes G-ALDJ, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 23. August 2017.