BĂŒraburg
| BĂŒraburg | ||
|---|---|---|
Reste der BĂŒraburg | ||
| Staat | Deutschland | |
| Ort | bei Ungedanken | |
| Entstehungszeit | ErsterwÀhnung 742 | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Erhaltungszustand | Reste | |
| Bauweise | FrĂŒhmittelalterliche Befestigungsanlage | |
| Geographische Lage | 51° 7âČ N, 9° 14âČ O | |
| Höhenlage | 279 mÂ ĂŒ. NHN | |
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Die BĂŒraburg war eine frĂ€nkische Höhenburg auf dem BĂŒraberg oberhalb des Fritzlarer Ortsteils Ungedanken im Schwalm-Eder-Kreis, Hessen (Deutschland). Von der Anlage sind heute nur noch Reste erhalten. Auf dem frĂŒheren BurggelĂ€nde findet sich jedoch noch heute eine im 6.â7. Jahrhundert entstandene Kirche inmitten eines baumbestandenen Friedhofs. Die Kirche, von der der Blick ĂŒber das Edertal hinĂŒber nach Fritzlar fĂ€llt, ist bis heute Ziel jĂ€hrlicher Prozessionen und Wallfahrten.
Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die Burg stand auf dem BĂŒraberg (275 mÂ ĂŒ. NN), der nordöstlichsten Randhöhe des Hessenwalds (Naturraum 341.6, Teil der Ostwaldecker Randsenken), einem auf zwei Seiten steil zum Tal der Eder abfallenden Bergsporn, der oberhalb bzw. östlich der Ortschaft Ungedanken bzw. 2,5 km sĂŒdwestlich von Fritzlar in das Edertal vorspringt. Mit dem gegenĂŒberliegenden Eckerich bildet der BĂŒraberg am Austritt der Eder aus dem Wildunger Senkenland in das Fritzlar-Waberner Becken die sogenannte âPorta Hassiacaâ.[1]
Ăber den Gipfel des BĂŒrabergs verlĂ€uft der Bonifatiuspfad X12, der unter anderem auch durch Fritzlar und Borken fĂŒhrt, weiterhin der Barbarossaweg X8 zusammen mit dem Wanderweg der Deutschen Einheit.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Auf dem seit Jahrtausenden immer wieder besiedelten Platz (u. a. JungpalĂ€olithikum, Michelsberger Kultur, La-TĂšne-Zeit und Römische Kaiserzeit) wurde eine GroĂburg an der Nordostflanke des Frankenreiches zum Schutze des Edergebietes errichtet.
Um 680 wurde eine frĂ€nkische Reichsburg mit etwa 8 Hektar Innenraum, einer wenigstens 1,50 m dicken Mörtelmauer, mehreren TĂŒrmen und drei Toren errichtet. An den besonders gefĂ€hrdeten Stellen wurden mehrere SpitzgrĂ€ben gezogen. Auf dem östlichen Teil des Bergsporns befand sich keine Vorburg, dieses Areal war im frĂŒhen Mittelalter unbesiedelt[2]. Um 700 wurde die Befestigung durch neue, dickere (ca. 1,80 m) Mauern verstĂ€rkt. Die Tore wurden ausgebaut. Ăber das Aussehen und die Struktur der Innenbesiedlung im Ganzen kann bislang aber nur spekuliert werden (Pfostenbauten, StĂ€nderhĂ€user auf steinernen UnterzĂŒgen oder Kellern, GrubenhĂ€user). Auf dem zentralen Gipfelplateau wurde die Kirche St. Brigida erbaut.
723 diente die BĂŒraburg dem heiligen Bonifatius als Operationsbasis und militĂ€rischer Schutzschirm, als er bei dem nur wenige Kilometer entfernten Ort Geismar, vermutlich auf dem heutigen Domplatz in Fritzlar, die Donareiche fĂ€llte. Aus dem Holz der Eiche lieĂ er eine Kapelle errichten, die er dem Apostel Petrus weihte. Diese Holzkirche war die Keimzelle des 724 von Bonifatius begrĂŒndeten Benediktinerklosters Fritzlar, zu dessen erstem Abt er St. Wigbert ernannte. Dieses Kloster wurde 1005 in ein SĂ€kularkanoniker-Stift umgewandelt.
742 erhob Bonifatius BĂŒraburg zusammen mit WĂŒrzburg und Erfurt zu BistĂŒmern. Erster Bischof (741â755) wurde Bonifatiusâ WeggefĂ€hrte Witta. Schon 755 wurde das Bistum jedoch, zusammen mit dem ebenfalls von Bonifatius gegrĂŒndeten Bistum Erfurt, durch Lullus der Diözese Mainz eingegliedert, da beide der weiteren Ausdehnung seines Bistums nach Osten hinderlich waren und ihre Aufgabe als MissionsbistĂŒmer als erledigt betrachtet wurde. BĂŒraburg war danach als Archidiakonat (spĂ€ter nach Fritzlar verlegt) das Zentrum mainzischer AutoritĂ€t in Nordhessen und auf dem Eichsfeld. Witta lebte bis zu seinem Tod nach 760 weiterhin in der BĂŒraburg. Um 750 wurden die Mauern wegen der Gefahr weiterer SachseneinfĂ€lle noch einmal verstĂ€rkt, auf ca. 2,70 m Breite.
32 Jahre nach der BistumsgrĂŒndung wurde die Befestigung im Grenzbereich zwischen Franken und Sachsen nochmals in den frĂ€nkischen Reichsannalen zum Jahr 774 im Zusammenhang mit den Sachsenkriegen Karls des GroĂen erwĂ€hnt. WĂ€hrend Karl in Italien weilte, fielen die Sachsen in Nordhessen ein. Die Fritzlarer Bevölkerung entwich auf die BĂŒraburg und widerstand der Belagerung erfolgreich, sodass die Invasoren sich letztlich mit der PlĂŒnderung und Brandschatzung Fritzlars zufriedengeben mussten.
Nach der Unterwerfung der Sachsen im Jahre 804 verlor die BĂŒraburg nach dem vorhergehenden Verlust der kirchenpolitischen Funktion nun auch ihre militĂ€rische Bedeutung. SpĂ€testens ab der Mitte des 9. Jahrhunderts verlagerte sich der Schwerpunkt der Besiedlung nach Fritzlar, und schon im 13. Jahrhundert war der BĂŒraberg nicht mehr bewohnt.
Anlage und heutiger Zustand
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Auf dem Gipfelplateau des BĂŒrabergs befindet sich die der irischen Nationalheiligen Brigida geweihte Kapelle. Ăltester erhaltener Bauteil ist die Chorbogenwand, die mittels C-14-AMS-Analysen (ETH ZĂŒrich, 2002) von Holzkohlepartikeln im Kalkmörtel in den Zeitraum 543â668 bzw. 558â667 (kalibriert) datiert werden konnte. Damit wĂŒrde es sich um den in seinen UrsprĂŒngen Ă€ltesten Kirchenbau östlich bzw. nördlich des Limes handeln.
An der Genauigkeit der C-14-Analysen besteht kein Anlass zu zweifeln, jedoch ist zu fragen, ob die aus dem Mauermörtel der Chorbogenwand entnommenen Holzproben, die fĂŒr diese Analysen verwendet wurden, nicht von Hölzern stammen, die erst in Zweitnutzung bei der Herstellung des Mörtels verwendet wurden. Dieser Deutung wird allerdings von der Konservatorin der staatlichen Denkmalpflege ausdrĂŒcklich widersprochen, wobei sie sich auf Zustand und Struktur der Hölzer bezieht.[3] Nach den Ergebnissen der Ausgrabung im nicht weit von der BĂŒraburg entfernten Sondershausen ist auch nicht auszuschlieĂen, dass die St.-Brigida-Kapelle ursprĂŒnglich ein sakraler Bau gewesen ist, der heidnische BezĂŒge aufwies und erst durch die angelsĂ€chsischen Missionare (zu denken wĂ€re hier an den vor Bonifatius in ThĂŒringen wirkenden Willibrord) christlich umgewidmet wurde. Ăhnliches wird von dem in Sondershausen ausgegrabenen zweischiffigen GebĂ€ude am Rande des merowingischen Friedhofs angenommen (D. Walter, siehe Literatur).
Die Annahme, dass das Brigida-Patrozinium auf irisch-schottische Mönche zurĂŒckzufĂŒhren sei, wird inzwischen bezweifelt, denn es ist bisher erstmals in einer Ablassurkunde aus dem Jahre 1289 bezeugt[4], und auf dem Kontinent stammen die Ă€ltesten Zeugnisse der Verehrung der Heiligen aus dem 8. Jahrhundert.[5] Beides lĂ€sst es möglich erscheinen, dass das Patrozinium im Laufe der An- und Umbauten der Kapelle wechselte, wobei das ursprĂŒngliche unbekannt wĂ€re.
Die jĂŒngsten Ausgrabungen der ArchĂ€ologischen Denkmalpflege Hessen (2005) haben innerhalb der Kapelle am so genannten âWestturmâ keine Hinweise auf ein vorkarolingisches Bauwerk erbracht. Das Mauerwerk des Turms sitzt auf den Resten einer VorgĂ€ngerbebauung, die wiederum direkt auf dem gewachsenen Buntsandstein fuĂt und durch einen Skelettfund mittels einer C-14-AMS-Analyse in die Zeit zwischen dem Ende des 9. und dem Beginn des 11. Jahrhunderts datiert werden konnte.
Die Kapelle bildet das Zentrum der zumindest vom Ende des 7. bis in die Mitte des 9. Jahrhunderts bestehenden, fĂŒr die damalige Zeit höchst aufwĂ€ndig und reprĂ€sentativ gebauten frĂ€nkischen Befestigungsanlage, die aus bis zu drei hintereinander gestaffelten tiefen ErdgrĂ€ben und einem durchgehenden Mauerring mit drei Toren aus kalkgemörteltem Buntsandstein bestand. Im Zuge der mehrjĂ€hrigen Ausgrabungskampagnen durch J. Vonderau von 1926 bis 1931 und wĂ€hrend der 1960er und 1970er Jahre konnten mehrere Ausbauphasen festgestellt werden. Die Anlage umfasste nach einer Interpretation von N. Wand (1997) einen ca. 8 ha groĂen Innenbereich mit nachweislich dichter, regelmĂ€Ăiger Bebauung in verschiedenen Perioden seit prĂ€historischer Zeit und eine dem befestigten Bereich nach Osten angrenzende, unbefestigte âVorburgâ von etwa 4 ha FlĂ€che. Auf dieser, der Hauptverteidigungsrichtung entgegengesetzten Seite wurden eine Reihe von Pfostensetzungen und GrubenhĂ€user unklarer Zeitstellung und Form gefunden, die von N. Wand als frĂŒhmittelalterliche WirtschaftsgebĂ€ude gedeutet wurden. In diesem Bereich lag auch eine Quelle, die die Hauptwasserversorgung der Befestigung darstellte.
Grabungen im RĂŒckfrontbereich der Kalkmörtelmauer sowie ausgedehnte Sondagen im sogenannten Vorburgbereich durch die UniversitĂ€t Frankfurt am Main von 1999 bis 2002 haben einerseits die karolingerzeitliche Datierung der östlich der Befestigung vorgelagerten vierfachen Spitzgrabenstaffel bestĂ€tigt, andererseits aber auch erhebliche Zweifel an Ă€lteren archĂ€ologischen Rekonstruktionen und Deutungen sowie insbesondere an der von Walter Schlesinger seit 1958 entwickelten These einer frĂŒhmittelalterlichen prĂ€urbanen Entwicklung auf dem BĂŒraberg erbracht. Dunkle humusartige Schichten hinter der Kalkmörtelmauer erwiesen sich als kolluviale Akkumulation. Etwa in ottonischer Zeit könnten die gemörtelten Mauerbereiche zumindest wieder hergerichtet oder sogar erst erbaut worden sein. Alle im sogenannten Vorburgbereich erfassten Grubenbefunde gehören in prĂ€historische Perioden (ĂŒberwiegend mit Keramik der Rössener und der Michelsberger Kultur) und schlieĂen hier die Existenz einer frĂŒhmittelalterlichen Ansiedlung von HĂ€ndlern und Handwerkern, also einen quasi suburbanen Bereich der BĂŒraburg im FrĂŒhmittelalter aus. Insgesamt ĂŒberwiegen die Anzeichen fĂŒr eine eher schwache, temporĂ€re Nutzung der Gesamtanlage in der Karolingerzeit, welches auf eine auch in den Schriftquellen bezeugte Nutzung als Refugium im 8. Jahrhundert passt. Eine aktuelle Gesamtbearbeitung der Funde und Befunde vom BĂŒraberg durch Th. Sonnemann (2010) fĂŒhrte zu dem Ergebnis, dass âarchĂ€ologische Belege fĂŒr einen Zentralort im wirtschaftlich-ökonomischen Sinne oder gar mit prĂ€urbanem Charakter (fehlen)â.
Die bemerkenswertesten heute noch zu besichtigenden Befunde auf der Bergkuppe sind gemauerte Keller- und Zisternenreste allgemein mittelalterlicher Zeitstellung neben der Kirche und im Bereich des SĂŒdosttores die Toranlage selbst mit Pfostenspuren und Herdplatten einer kasemattenartigen Reihenbebauung lĂ€ngs der Befestigungsmauern.
Auf dem Friedhof bei der Brigida-Kapelle liegt einer der ArchĂ€ologen des BĂŒrabergs, Norbert Wand, begraben, der am 30. September 2004 verstarb.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Jan Fornfeist: Mörteluntersuchungen an den Befestigungsmauern der BĂŒraburg bei Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) und ausgewĂ€hlten Objekten des 4. bis 11. Jahrhunderts, in: Fundberichte aus Hessen 48/49, 2008/2009, Bonn 2011, S. 207â317, ISSN 0071-9889.
- Thorsten Sonnemann: Die BĂŒraburg und das Fritzlar-Waberner Becken im frĂŒhen Mittelalter. SiedlungsarchĂ€ologische Untersuchungen zur Zentralort-Umfeld-Problematik. Studien zur ArchĂ€ologie Europas 12, ISBN 3774936552, Bonn 2010.
- Andreas Thiedmann: St. Brigida auf dem BĂŒraberg bei Fritzlar-Ungedanken â neue Einblicke in die Baugeschichte, in: Hessen ArchĂ€ologie 2005, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8062-2053-7, S. 99â102.
- Joachim Henning & Richard Macphail: Das karolingische Oppidum BĂŒraburg: ArchĂ€ologische und mikromorphologische Studien zur Funktion einer frĂŒhmittelalterlichen Bergbefestigung in Nordhessen, in: B. HĂ€nsel (Hrsg.), Parerga Praehistorica, Bonn 2004, S. 221â251.
- Katharina Thiersch: Die Kapelle St. Brigida auf dem BĂŒraberg bei Fritzlar-Ungedanken, in: Denkmalpflege & Kulturgeschichte, hrsg. Landesamt fĂŒr Denkmalpflege Hessen, Heft 2/2003, S. 22â26.
- Vonderau, Joseph: Die Ausgrabungen am BĂŒraberg bei Fritzlar 1926/31. Die festgelegten frĂ€nkischen Festungsanlagen, sowie die Grund-Linien der Ă€ltesten Kirchenbauten am ersten hessischen Bischofssitz inmitten des Kastells. 22. Veröffentlichungen des Fuldaer Geschichtsvereins, hrsg. von Prof. Dr. h. c. Joseph Vonderau, Fuldaer Actiendruckerei, Fulda 1934.
- Walter, Diethard: Reportage Sondershausen: Im Zeichen des Reiches, in: ArchÀologie in Deutschland 6/2006, S. 66 f.
- Wand, Norbert: Der BĂŒraberg bei Fritzlar, FĂŒhrer zur nordhessischen Ur- und FrĂŒhgeschichte, Heft 4, Staatliche Kunstsammlungen Kassel (Hrsg.), Kassel 1974.
- Wand, Norbert: Die BĂŒraburg bei Fritzlar â eine frĂ€nkische Reichsburg mit Bischofssitz in Hessen, in: FrĂŒhmittelalterlicher Burgenbau in Mittel- und Osteuropa, Tagung Nitra vom 07. â 10. Oktober 1996, hrsg. Joachim Henning und Alexander T. Ruttkay, Bonn 1998.
- Werner, Matthias: Iren und Angelsachsen in Mitteldeutschland. Zur vorbonifatianischen Mission in Hessen und ThĂŒringen, in: Heinz Löwe (Hrsg.): Die Iren und Europa im frĂŒheren Mittelalter, Stuttgart 1982, S. 239â329.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Reallexikon der germanischen Altertumskunde, 2. Auflage, Band 10, de Gruyter, Berlin/New York, 1998, ISBN 978-3-11-015102-2 (S. 89).
- â Thorsten Sonnemann: Die BĂŒraburg und das Fritzlar-Waberner Becken im frĂŒhen Mittelalter. Untersuchungen zur Zentralort-Umfeld-Problematik. 2010, S. 44â45.
- â Katharina Thiersch (2009): Zur Baugeschichte der Kapelle St. Brigida auf dem BĂŒraberg. Stand der Forschung â Ein Zwischenbericht. Sonderdruck aus âArchiv fĂŒr mittelrheinische Kirchengeschichteâ 61. Jahrgang 2009, 15 Seiten.
- â M. Werner, S. 252
- â M. Werner, S. 257
- Höhenburg im Schwalm-Eder-Kreis
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