Commoditisierung
Unter Commoditisierung wird in der Wirtschaft ein Trend verstanden, bei dem Produkte oder Dienstleistungen an Differenzierung verlieren und von Kunden als austauschbar wie Commodities wahrgenommen werden.
Ausgangspunkt Commodities
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]UrsprĂŒnglich bezeichnete der Anglizismus Commodities lediglich Rohstoffe, also einfach strukturierte und in der Gattung jeweils qualitativ annĂ€hernd gleichbleibende Handelswaren. Ihre Standardisierung und FungibilitĂ€t machte sie zu Commodities, die gegenseitig austauschbar sind und deshalb nicht nur an PrĂ€senzmĂ€rkten, sondern auch an Börsen (Warenbörsen) gehandelt werden können. Diese Eigenschaften machen Commodities zu homogenen GĂŒtern.[1]
Trend
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allerdings scheint sich der Inhalt des Begriffs Commodities im Zeitablauf zu verĂ€ndern. Fraglich ist, ob lediglich Rohstoffe weiterhin mit dem englischen Commodity gleichzusetzen sind, zumal die voranschreitende Commoditisierung immer mehr GĂŒtern den Status von Commodities zumisst.[2] AuĂer Rohstoffen gehören mittlerweile auch elektrischer Strom oder sogar Mikrochips zu den Commodities.[2] Angesichts der KomplexitĂ€t von Mikrochips ist es jedoch sinnvoller, diese den normierten Massenprodukten zuzuordnen. Auch der Ăbergang von einem Luxusgut zu einem Massenprodukt oder die VerĂ€nderung einer Spezialdienstleistung zu einem (kostenlosen) Standarddienst heiĂt Commoditisierung.[3] Einige Autoren sprechen von einer âCommoditiserung der MĂ€rkteâ, wenn ehemalige Produktinnovationen (oder Finanzinnovationen) wie beispielsweise MP3-Player oder Handy den Status der Marktreife erreicht haben und bei ihnen keine bedeutsamen Innovationen mehr vorkommen.[4] Im Finanzwesen schreitet die Commoditisierung voran und kommt in der Vereinfachung vormals erklĂ€rungsbedĂŒrftiger zu selbst erklĂ€renden Produkten zum Ausdruck.[5] Die Standardisierung von Finanzdienstleistungen macht diese vergleichbar und wird auch als Commoditisierung von Finanzprodukten bezeichnet.[6]
De-Commoditisierung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Sprachlich steht das PrĂ€fix âde-â fĂŒr âent-â und bedeutet etwa âweg von der Commoditisierungâ. Die De-Commoditisierung beinhaltet eine Differenzierung, Spezialisierung oder Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen. Sprachlich setzt der Begriff voraus, dass zuvor eine Commoditisierung stattgefunden hat.[7] Die Begriffsanwendung ist in der Fachliteratur jedoch uneinheitlich. Einerseits wird darunter mehrheitlich die StĂ€rkung von Alleinstellungsmerkmalen zur Reduzierung der wahrgenommenen Austauschbarkeit von Commodities verstanden,[8] andererseits sollen zwecks RĂŒckgewinnung der WettbewerbsstĂ€rke Unternehmen auf die Unterscheidbarkeit der Produkte bei objektiv vorhandenen Differenzierungspotenzialen setzen.[9] Letztgenannte Quelle versteht unter der De-Commoditisierung einen Prozess zur Schaffung oder Wiederherstellung der Unterscheidbarkeit von Produkten.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Michael Kleinaltenkamp/Wulff Plinke, Technischer Vertrieb - Grundlagen, 2000, S. 605; ISBN 9783540641742
- 1 2 Christian Tietje/Horst-Peter Götting/Urs Peter Gruber/Jörn LĂŒdemann u. a. (Hrsg.), Internationales Wirtschaftsrecht, 2015, S. 298
- â Arnd Albrecht, Internationales Management, 2016, S. 30
- â Sebastian Klinski/Sabine Haller, Die unsichtbare Hand im Unternehmen, 2005, S. 22
- â Werner Pepels, Vertriebsleiterhandbuch, 2014, S. 205
- â Thomas Hutzschenreuter, Electronic Competition: Branchendynamik durch Entrepreneurship im Internet, 2000, S. 144
- â Clayton M. Christensen, Michael E. Raynor, Jeff Dyer, Hal Gregersen: The Innovatorâs Dilemma: When New Technologies Cause Great Firms to Fail. 1997.
- â Margit Enke, Anja GeigenmĂŒller, Alexander Leischnig (Hrsg.): Commodity Marketing. Springer Gabler, 2014. Hier S. 288.
- â Manfred Bruhn, Karsten Hadwich: Servicetransformation. 2016. Hier S. 128.