Federsee
| Federsee | ||
|---|---|---|
| Federseegebiet bei Bad Buchau, mit 33 km² das grĂśĂte Moor in SĂźdwestdeutschland | ||
| Geographische Lage | Deutschland, Baden-WĂźrttemberg, Landkreis Biberach | |
| ZuflĂźsse | Seekircher Ach | |
| Abfluss | Federseekanal â Kanzach â Donau â Schwarzes Meer | |
| Orte am Ufer | Bad Buchau, Oggelshausen, Seekirch und Tiefenbach | |
| Daten | ||
| Koordinaten | 48° 5â˛Â 2âłÂ N, 9° 37â˛Â 49âłÂ O | |
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| HĂśhe Ăźber Meeresspiegel | 578,3Â m | |
| Fläche | 1,39 km²[1] | |
| Länge | 2,25 km[1] | |
| Breite | 1,03Â km[1] | |
| Volumen | 1,1Â Mio. mÂł[1] | |
| Maximale Tiefe | 3,2Â m[1] | |
| Mittlere Tiefe | 0,8Â m[1] | |
| pH-Wert | 8,81 | |
| Einzugsgebiet | 35,4 km²[1] | |
Der Federsee bei Bad Buchau im oberschwäbischen Landkreis Biberach ist mit einer Fläche von 1,4 km² der zweitgrĂśĂte See in Baden-WĂźrttemberg.[2] Er liegt inmitten des mit 33 km² grĂśĂten zusammenhängenden Moorgebietes SĂźdwestdeutschlands und ist mit ihm der Rest eines einst sehr viel grĂśĂeren, etwa 50 km² bedeckenden nacheiszeitlichen Sees. Dieser Komplex aus See und Moor stellt heute den Kern des geologischen Federseebeckens dar, das nach RenaturierungsmaĂnahmen inzwischen mit seinen frĂźheren Ufern und Inseln eine Ăźberragende natur- und kulturhistorische Bedeutung besitzt.
Die heutige Beckenlandschaft ist inzwischen vor allem auch ein Modell fßr die Ükologische Wiederherstellung einer bereits weitgehend zerstÜrten Naturlandschaft samt ihren botanischen und zoologischen Habitaten und der damit einhergehenden Sicherung und Erforschung uralter Kulturzeugnisse, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts nach der Senkung des Seespiegels und der Entwässerung der Moore zutage traten. Die sich dort befindlichen Reste der Pfahlbauten gehÜren teilweise zum UNESCO-Weltkulturerbe.[3]
Der Federsee und das ihn im zentralen Becken umgebende Moor sind jetzt in einer Fläche von 23,76 km², also zu mehr als zwei Dritteln, geschĂźtzt, das Gebiet trägt zudem als Natur- und Europäisches Vogelschutzgebiet Federseeried das Prädikat âEuropareservatâ und wurde von der Europäischen Union als Bestandteil des FFH-Gebiets Federsee und Blinder See bei Kanzach in ihr Schutzgebietsnetz âNatura 2000â aufgenommen.[4]
Topografie des Beckens und Anliegergemeinden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geographie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Federseer Ried als Teil des Federseebeckens in Oberschwaben ist ein Naturraum der Haupteinheit 040 Donau-Ablach-Platten im NĂśrdlichen Alpenvorland. Vom Landschaftstyp her handelt es sich um eine Moorlandschaft (moorreiche Kulturlandschaft). Im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands von Meynen/SchmithĂźsen (1953â1962) wird das Gebiet als naturräumliche Untereinheit 040.25 Federseebecken bezeichnet.
Topografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Ausgehend von der einstigen, von Karlhans GĂśttlich 1970/1972 festgestellten Grenze der Moorfläche,[5] weist das Becken nordĂśstlich einen (von der Seekante gemessen) sechs Kilometer langen, zu Beginn drei Kilometer breiten, am Ende sehr schmalen (300 m) trichterfĂśrmigen Ausläufer auf, nordwestlich einen etwa fĂźnf Kilometer langen, durchgehend schmalen (ca. 300 m) Ausläufer, mĂśglicherweise alte Gletscherzuflusszonen. Nach Westen weitet sich das Becken zu einer etwa einen Kilometer tiefen und nord-sĂźdlich drei Kilometer langen Bucht, durch die auch die Kanzach flieĂt, die 1808/09 zu einem west-Ăśstlichen Abflusskanal mit Wehr zur Wasserstandregulierung des Moores ausgebaut wurde und nach knapp 20 km in die Donau mĂźndet. Das weit umfangreichere sĂźdliche Federseebecken, mit der einstigen etwa zwei Kilometer langen und maximal ca. 700 m breiten rĂźbenfĂśrmigen Insel Buchau an der Westseite, ist sehr viel breiter und topographisch wesentlich geringer gegliedert, zeigt zudem heute auch am wenigsten einen Moorcharakter. Bei einer anfänglichen Breite von vier Kilometer läuft es nach etwa sieben Kilometer in einem Zipfel aus, von dem ein kleiner westlich abzweigender, etwa zwei Kilometer langer Ausläufer zur Schussenquelle fĂźhrt. Das Ăśstliche Ufer war einst relativ steil, so dass sich die meisten frĂźhen Siedlungen am flachen, reich durch Buchten und Halbinseln gegliederten westlichen Ufer konzentrierten.
Ortschaften
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Am Federsee liegen Bad Buchau, Moosburg mit Brackenhofen, Alleshausen, Seekirch, Tiefenbach und Oggelshausen. Auch Kanzach, Allmannsweiler, Betzenweiler und DĂźrnau werden zum Federseegebiet gezählt. Die nebenstehende Abbildung des Federseebeckens aus dem frĂźhen 20. Jahrhundert zeigt â damals war die Seefläche mit 1,52 km² (1911) noch um ca. 15â20 % grĂśĂer als heute â mit Ausnahme des sĂźdlichen Endes alle Anliegergemeinden und Orte der näheren Umgebung. Die den Federsee umgebenden hellgrĂźnen Gebiete sind durchweg bestehendes oder ehemaliges Moor/Ried (der Begriff âRiedâ bezeichnet in SĂźddeutschland vor allem den oberirdischen Bewuchs eines Moores,[6] vgl. niederdeutsch Reet). Die Ortschaften und GehĂśfte (in Klammer dahinter jeweils wichtige urgeschichtliche Fundstätten) liegen entweder
- wie Bad Buchau auf einer mineralischen, also nicht durch Moorboden, sondern Gestein gebildeten Insel, die frĂźher durch einen Bohlendamm mit dem Land (Ortsteil Kappel) verbunden war,
- wie Alleshausen, Seekirch, Kappel, Kanzach, Henauhof, Seelenhof, Vollochhof und Moosburg auf teils halbinselartigen, von Alt- und Jungmoränen gebildeten Landvorsprßngen oder
- wie Oggelshausen, Ahlen und Tiefenbach auf ebensolchen Landkanten, also frĂźheren Ufern des damals sehr viel grĂśĂeren Sees.
- Die Orte in den umgebenden Hßgeln wie Uttenweiler oder Bad Schussenried liegen auf Moränenboden.
Im Uhrzeigersinn sind dies beginnend rechts oben:
- NordĂśstliches Ried: Ahlen (Ahwiesen), Alleshausen (Riedwiesen), Seekirch (Achwiesen). Diese und die Stationen HartĂśschle, Ădenahlen, Stockwiesen, Grundwiesen, FloĂwiesen, Innere Wiesen und Täschenwiesen befinden sich an diesem langen, trichterfĂśrmigen nordĂśstlichen Ausläufer des Beckens.
- Nordwestliches Ried: Am nÜrdlichen Ende dieses sehr schmalen Ausläufers liegt Betzenweiler.
- Zentrales Ried. mit dem Federsee in der Mitte: Am Rande liegen (im Uhrzeigersinn) Tiefenbach, Oggelshausen, Bad Buchau (auf der gleichnamigen einstigen Insel). Der Insel gegenĂźber am frĂźheren Ufer liegt Kappel mit den Stationen Torwiesen und Bachwiesen zwischen den beiden Orten auf altem Moorgrund.
- Westliches Ried: Kanzach, Moosburg (auf einer mineralischen Halbinsel) sowie der Station Vollochhof und Seelenhofer Ried.
- SĂźdliches Ried: Fehlt hier bis auf seine nĂśrdliche Hälfte mit Buchau in der Abbildung. Dort liegen allerdings keine grĂśĂeren Ortschaften, jedoch die frĂźhen Fundstellen: Henauhof (auf einer mineralischen Halbinsel am westlichen Beckenende), dazu auĂerhalb des SĂźdendes Bad Schussenried mit der Schussenquelle und den Stadtteilen AichbĂźhl und Reichenbach. Die Fundorte Riedschachen, ĂdenbĂźhl, Dullenried, Egelsee und Taubried (alle auĂer der ersten noch im Bereich der Abbildung) befinden sich ebenfalls im sĂźdlichen Becken; andere ehemalige Riedflächen sind das Oggelshauser, Wilde und Steinhauser Ried. FĂźr all diese Orte sind Einzelfunde aus unterschiedlichen Zeitzonen zwischen Mittelneolithikum und Hallstattzeit belegt. Auf den westlichen AnhĂśhen des sĂźdlichen Beckens finden sich einige spätbronze- und frĂźheisenzeitliche Fundstellen, vor allem 15 hallstattzeitliche Gräber sowie ein Brandgrab der mittelbronzezeitlichen Urnenfelderkultur.[7]
Die Menschen des Beckens: Herkunft und Traditionen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geistiger Hintergrund
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Der Charakter einer Kulturlandschaft wird im Gegensatz zu dem einer Naturlandschaft in allerdings unterschiedlichen Anteilen von den dort lebenden Menschen bestimmt. Im Federseegebiet, wo die archäologischen Funde besonders aussagekräftig sind und reichlich anfallen, lässt sich das Wechselspiel zwischen Kultur und Natur deutlich und detailliert verfolgen.
Der Mensch prägte allerdings auch am Federsee bereits seit seiner Zeit als Jäger und Sammler, vor allem aber seit der neolithischen Revolution und der Erfindung der Metallverarbeitung auch ohne solche Denkstrukturen die dortige Landschaft immer stärker. Auf die fast vollständige LandschaftszerstĂśrung im 19. und 20. Jahrhundert folgte die âLandschaftsrettungâ im modernen Ăśkologischen Sinne. Doch unvermeidlich wurde er auch von der Landschaft geprägt, zunächst durch die Ăberschwemmungen, als der See immer wieder massiv Ăźber die Ufer trat und trotz der ausgeklĂźgelten Pfahlbausysteme und Feuchtbodenbauten ganze Kulturen vernichtete.
Der Name bzw. der âFederseeâ selbst, der vermutlich nicht anderes als âMoor-, Sumpf-Seeâ bedeutet, fand in frĂźheren wissenschaftlichen VerĂśffentlichungen von zahlreichen Wissenschaftlern wie Leo Frobenius (Kulturgeschichte Afrikas, S. 158â189) und Oswald Spengler (Der Untergang des Abendlandes, S. 131 f., 579 ff.) eine WĂźrdigung. Sie untersuchten die komplexen vor allem in ur- und frĂźhgeschichtlichen Zeit stattfindenden Zusammenhänge. Bei TomĂĄĹĄ SedlĂĄÄek findet sich dies vor allem unter Ăśkonomischen Gesichtspunkten, etwa in der Ăkonomie von Gut und BĂśse (S. 40 f., 47, 51 f., 56.). Heute beschäftigen sich vor allem Paläoanthropologen und Evolutionsbiologen wie Jonathan Kingdon mit dem Thema der Landschaftsbildung durch den Menschen (Und der Mensch schuf sich selbst. S. 86 ff.).
Gegen Ende der Steinzeit, zu Beginn der Bronzezeit, kam eine andere Angst hinzu und fĂźhrte zu immer wehrhafteren Bauten: die Angst vor anderen, fremden Menschen und deren Raubgier. Denn die von den Seebewohnern nach und nach gebildeten Gesellschaften hatten sich nun nachweislich schon zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. in den endneolithischen StraĂendĂśrfern vom Typ Seekirch immer stärker sozial differenziert und dabei Schichten mit immer wohlhabenderen Eliten entwickelt, wie man an der Ausstattung und Anordnung der Bauwerke erkennt.[8] Auf deren ReichtĂźmer richteten sich nun Begehrlichkeiten von auĂen. Der Angst vor Raub und Ăberfall und der Angst vor dem Moor und See versuchte man denn auch schon in der frĂźhen Bronzezeit nicht nur durch massive, teils wie in der âWasserburg Buchauâ aus 15.000 Kieferstangen gefĂźgten Palisaden plus zusätzlicher Holzmauer bestehenden Wehranlagen,[9] sondern auch durch Opfergaben zu begegnen, wie sie in Depotfunden bezeugt sind,[10] selbst durch Menschenopfer, wie sie ausweislich des Schädelfundes an der Wasserburg Buchau (sechs Schädel insgesamt in einem Depot) auch am Federsee praktiziert worden sein dĂźrften, so wie anderswo auch.[11] Und hier nun, in einer der Sagen schlägt der See auch zurĂźck, verteidigt oder rächt die Menschen in seinem Einflussbereich und richtet seine Naturgewalt gegen die Angreifer.
Historisch-ethnischer Hintergrund
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Oberschwaben und das Federseegebiet lagen bereits im Neolithikum im Spannungsfeld nord-sĂźdlicher und ost-westlicher EinflĂźsse, und in seinem Gebiet Ăźberkreuzten sich auch die wesentlichen Wander- und Handelswege, die diese Zonen miteinander verbanden. Es ist daher nicht Ăźberraschend, dass auch am Federsee im Laufe der Jahrtausende zahlreiche Kulturgruppen und Ethnien gelebt und ihre Spuren hinterlassen haben: von den verschiedenen ur- und frĂźhgeschichtlichen Neolithiker-Kulturen und bronzezeitliche Gruppen Ăźber Kelten, Germanen â insbesondere Alamannen â und RĂśmern bis hin zu den fränkischen Merowingern und den Karolingern, mit denen hier die eigentliche Geschichte einsetzt. (Eine genauere tabellarisch-chronologische AufschlĂźsselung der einzelnen Kulturgruppen siehe weiter unten.)
Auch die spätere mittelalterliche und neuzeitliche Geschichte Oberschwabens, in die das Federseegebiet eingebettet ist, zeigt wegen der hier besonders ausgeprägten kulturellen und machtpolitischen Ăberlappungen (WĂźrttemberg, Baden, Hohenzollern, Thurn und Taxis, Ăsterreich-Habsburg, Lothringen, Bayern, Salier, Staufer, Welfen, Alte Eidgenossenschaft, Heiliges RĂśmisches Reich) eine groĂe Vielfalt, teils als geistliche Herrschaftsbereiche von KlĂśstern, teils als Reichsstadt wie Bad Buchau und andere kleinräumige weltliche Herrschaften (Vogteien usw.), teils als Teil des Herzogtums Schwaben und späterer, daraus hervorgegangener politischer Einheiten. All diese haben ihre Spuren nicht nur in der Formung von Natur und Landschaft oder in den von der Archäologie zutage gefĂśrderten Zeugnissen und Bauwerken hinterlassen oder in den von der Volkskunde untersuchten regionalen BrauchtĂźmern, sondern hie und da auch in Sprache und Volksgedächtnis.[12]
Die erste dieser Spuren bilden die verschiedenen Orts- und Landschaftsnamen, hier vor allem der des Federsees selbst; die zweite, noch weit nebulĂśsere verbirgt sich in den jahrhunderte-, teils auch jahrtausendealten Sagen. Denn vor allem die Sage ist, so Gero von Wilpert[13] ânicht nur bedeutsames kulturhistorisches Dokument (uralte Gemeinschaftsvorstellungen, NaturgefĂźhl), sondern als Auseinandersetzung mit der erlebten Umwelt ebenfalls Dichtung.â
Namen und Etymologien
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Ortsnamen im weitesten Sinne, also auch Flurnamen, Gewässernamen usw., konservieren alte historische und natßrliche Gegebenheiten, die heute meist nicht mehr bestehen und daher fßr die Vergangenheit einer Gegend und der darin lebenden Menschen von oft hoher lokalgeschichtlicher Aussagekraft sind, da sie zusätzliche Informationsquellen jenseits von Archäologie und Naturwissenschaften liefern kÜnnen.
Vorbemerkung: Wie bei allen Etymologien muss auch hier beachtet werden, dass es mitunter mehrere plausibel scheinende MÜglichkeiten gibt, ein Wort sprachgeschichtlich abzuleiten und dass die ersten Belege meist aus dem Mittelhochdeutschen stammen, mitunter auch aus dem Althochdeutschen, dass in ihnen jedoch häufig ältere Sprachzustände, vor allem keltische bewahrt sein kÜnnen. Auch eine direkte Ableitung der Bedeutung aus dem gegenwärtigen Sprachzustand ist heikel und fßhrt oft zur sogenannten Volksetymologie. Häufig ist es zudem sinnvoll, ähnliche oder gleiche Ortsnamen aus anderen Gebieten bei aller Vorsicht im Einzelnen, vor allem was die Dialektgeographie betrifft, vergleichend heranzuziehen.
Zur Herkunft des Namens âFederseeâ, der in lateinischen Texten auch als Lacus plumarius auftaucht â wohl eine gelehrte latinisierende Neubildung aus einem bereits von der Wortherkunft her unverstandenen âFeder-Seeâ â gibt es mehrere Theorien, vier eher volksetymologische (Nr. 1â4) und eine sprachwissenschaftlich-etymologische (Nr. 5):
- Die Form des Sees ähnelt heute von oben betrachtet der einer Feder. Dazu mĂźsste man allerdings in der Entstehungszeit des Namens den See aus der Luft gesehen haben, denn vor allem auf Luftbildern fällt diese Ăhnlichkeit auf. Zudem hat der See vor seinen Fällungen bei weitem nicht so federartig und eher unregelmäĂig, auf alten Darstellungen ein wenig wie ein Klecks ausgesehen und seine Form auch immer wieder einmal geändert.[14]
- Wegen der groĂen Zahl der VĂśgel, die es hier gibt und immer gab. Dies galt und gilt allerdings fĂźr viele derartige Gewässer.
- Eng damit zusammenhängend wird auch die Tatsache als namensgebend diskutiert, dass man eine groĂe Zahl von Federn auf seiner Oberfläche treiben sieht, allerdings nur, wenn man den breiten SchilfgĂźrtel Ăźberwunden hat.
- Analog zu dem federnden Boden, wie er bis heute noch bei Bad Buchau im sog. âWackelwaldâ zu erleben ist, bei dem der Boden samt den Bäumen âfederndâ wackelt, wenn man darauf stampft, denn die Bäume stehen auf dem mitschwingenden Moorboden, entstanden aus der Verlandung des eiszeitlichen Federsees. FrĂźher mĂźssen groĂe Bereiche um den Federsee herum dieses Phänomen gezeigt haben, das in vielen Moorgebieten so ähnlich auftritt.
- Als am wahrscheinlichsten gilt jedoch die sprachwissenschaftliche Erklärung. Danach stammt der Name vom keltischen Wort pheder ab, das âMarschland, Sumpf, Moorâ bedeutet. Der Name bezieht sich demnach auf den Ursprung des Sees selbst und den der umgebenden Landschaft.[15] Vor allem in SĂźddeutschland sind alte keltische Gewässernamen wie Rhein, Main, Donau oder Neckar häufig. Auch der frĂźher als âFederachâ Ăźberlieferte, aber nicht der mit der von Norden einflieĂenden âAachâ zu verwechselnde, heute nicht mehr vorhandene Federbach dĂźrfte diesem Muster folgen. Zu weiteren Deutungen siehe Quelle unter.[16]
Auch die verschiedenen Orts- und Flurnamen (solche, wo wichtige urgeschichtliche Funde gemacht wurden oder Siedlungen bestanden) weisen oft deutlich auf die âfeuchteâ Natur des Ortes hin:[17]
- In diesem Sinne sehr häufig sind âwässrigeâ Namensbestandteile. wie:
â Au (auch in Henau) zu ahd. ouwa. = âLand am Wasserâ; Ah oder Ach, die auf eine gemeingermanische Wurzel *agwijĹ bzw. ahwĹ zurĂźckgehen (daraus ahd. aha-, vgl. lat. aqua), die so viel wie âzum Wasser gehĂśrend, flieĂendes Wasserâ bedeutet und in zahlreichen indogermanischen Sprachen, also auch im Germanischen und Keltischen vorkommen. Mitunter zusammengefallen ist -aha mit dem ahd. gleichlautenden -ahi (aus -ahja), das âOrt, Stelle mit vielen Dingenâ bedeuten kann.[18]
â Allen, Ahlen stehen sprachgeschichtlich evtl. zu Flussnamen mit der Wurzel al-, die Ăźber einen groĂen Teil Europas verbreitet sind (Aller, Ill, Illmenau usw.) und nach dem Indogermanisten Hans Krahe auf eine indoeuropäische Wurzel *el-/*ol- mit der Bedeutung âflieĂenâ zurĂźckgehen. Der Ort âAhlenâ ist fĂźr 1120 als âAchelumâ belegt.
â Taub in âTaubriedâ geht vermutlich auf ein altes keltisches Wort dubr fĂźr Wasser zurĂźck (vgl. Tauber).
â Der erste Wortteil von âKanzachâ ist unklar, der älteste Beleg lautet âcancaâ mit unklarer Bedeutung (mĂśglicherweise nach einem Geschlechternamen der dort zeitweise lebenden sog. âBachritterâ, die urkundlich oft als âvon Canzaâ bezeichnet werden), dem dann offenbar volksetymologisch ein -Ach als Gewässer- oder Ortsbezeichnung angehängt wurde. MĂśglicherweise entstammt der Name aber auch einem keltisch-gallischen âKantoâ (vgl. lat. cantus, ein dort aus dem Keltischen entlehntes Wort, niederl. cant, oberdtsch. kanz), das âKante, Ecke, Randâ bedeutet. Der Name kĂśnnte also mit dem Ried- und Moränenrand zusammen hängen, an dem das FlĂźsslein entlang flieĂt.[19]
â âSchussenâ-ried, das 1153 mhd. als shuozenried und um 700 als suzzenried urkundlich erwähnt ist, wird von der Schussen abgeleitet und kĂśnnte zurĂźckgehen auf gemeingerm. skut-, ahd. scuz = Schuss.[20] Da die Schussen sĂźdlich von Schussenried die Moränenwälle des sog. âSingener Stadiumsâ durchbricht und auf einer Länge von rund neun Kilometern im sog. Schussentobel um etwa 85 Meter fällt, ist diese Erklärung naheliegend. Keltisch hieĂ der Fluss âSoraâ, was so viel wie âSulzflussâ bedeutet (also ein Gewässer, das aus âsĂźlzeartigenâ MoorlĂśchern entspringt, auch eine Weiterentwicklung aus dieser Wurzel ist denkbar, evtl. mit einem mĂśglichen Bedeutungs-Zusammenfall mit der vorangegangenen Wurzel),[21]
â âFloĂâ, ahd. flĹz, in âFloĂwiesenâ steht wohl zu âflieĂen, Flussâ, also das âSchwimmendeâ, âNasseâ. - Häufige allgemeine oder spezielle Natur- und Landschaftsbezeichnungen als Namensteile rund um den Federsee, die ebenfalls eher feuchte Gebiete anzeigen, sind Ried, Moor, Moos, Bach, See, Graben, Bruch/bruck (Sumpfland).
â âReichenbachâ ist fĂźr 839 als Rinchinbah bezeugt, im Sinne von âfisch-, wasserreichâ. Da es hier alamannische Reihengräber gibt, geht die OrtsgrĂźndung wohl auf einen entsprechenden Herrenhof zurĂźck.[22]
â âDulleâ in Dullenried geht evtl. auf die Bedeutung âAbzugsgrabenâ wie in sĂźddtsch. âDoleâ zurĂźck (vgl. ahd. tulli).
â Ob âĂdeâ in âĂdenahlenâ die Bedeutung von âleerâ hat, ist unsicher. Allerdings hat es als Wortbestandteile zahlreicher Flur- und Ortsnamen diese Bedeutung (vor allem in Ăd(en)hof).
â Ăschle in âHartĂśschleâ bezeichnet ein hochgelegenes StĂźck Land in einem Feuchtgebiet. Hart bezeichnet dabei ein bewaldetes StĂźck (vgl. Spessart, Harz[23]).
ââRiedschachenâ: schachen geht zurĂźck auf ahd. scahho, mhd. schache, daraus noch nhd. Schachen fĂźr âWaldstĂźckâ (peripherer, archaischer Wortschatz). - Weitere Naturbezeichnungen sind:
â âWiesen, Buch-â (seit dem Endneolithikum die häufigste Baumart der Gegend[24]);
â âBĂźhlâ fĂźr HĂźgel-/BergrĂźcken, so in âAichbĂźhlâ = Eichen auf HĂźgel (da zahlreiche Orte den Namensteil âAichâ fĂźhren und oft auch Eichenzweige etc. im Wappen fĂźhren, ist diese Deutung sicher am wahrscheinlichsten);
â âStockâ- in Stockwiesen geht wohl auf ahd. stoc(h) (Baumstumpf) zurĂźck, bezieht sich auf Stockung und ist ein alter Rodungsname. Ein Bezug zu âstockenâ im Sinne von âstillstehendem Wasserâ ist eher weniger wahrscheinlich.[25] Stockach und StĂśckach sind häufige Ortsnamen, mitunter findet sich dabei ein Wappen mit einem Ast. - Eigennamen: Häufig vor -weiler, -hausen, -bach.
â Sie finden sich in âUttenweilerâ, das entweder auf einen Siedler namens âUtoâ[26] oder auf eine Selige Uta zurĂźckgeht. Es gibt in SĂźddeutschland, Ăsterreich und der Schweiz mehrere Orte mit Utten. In Uttenheim (Gais) etwa geht Utten auf den bajuwarischen Namen âUotaâ zurĂźck. Eine solche âUotaâ ist als Mitglied des altbayrischen Herrscherhauses der Agilolfinger historisch bezeugt.
â Andere Ortsbezeichnungen kĂśnnten ebenfalls ihren Ursprung in alten lokalen Adelsnamen haben, so vermutlich Tiefenbach, das bereits 1277 als Tiuffenbach urkundlich in Zusammenhang mit einer allerdings nicht nachweisbaren Familie von Ortsadligen erwähnt wird, und dann 1353 bei der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes als Tuffenbach auftaucht, mit einem âtiefen Bachâ also mĂśglicherweise nichts zu tun hat (obwohl mhd. tiuf/tief durchaus âtiefâ bedeutet).
â Ăhnlich komplexe Sprachentwicklungen machten auch Betzenweiler, DĂźrnau und Allmannsweiler durch;
â â âAllmannsweilerâ ist 1268 als âAlbinswilâ (âWeiler des Albinâ, wohl ein alamannischer Siedler) erstmals erwähnt.[27]
â â âDĂźrnauâ hat mĂśglicherweise etwas mit dem alten staufischen Adelsgeschlecht der DĂźrn zu tun oder aber er weist einen entsprechenden Dornen-Bezug auf, da der Ort einen Dornzweig im Wappen fĂźhrt und 1171 erstmals als âDornonâ erwähnt wird.
â â âBetzenweilerâ erschien erstmals 817 als âPerahtramnilvillareâ im Besitz des Klosters St. Gallen. (Die Bedeutung ist unklar.)[28][29] Bezeugt ist es 1249 als âBencewillerâ. Dieser Name steht vermutlich im Zusammenhang mit einem ursprĂźnglichen Siedler namens âBenzoâ aus dem 9. Jahrhundert.[30] - Bauten und Orte:
â âWeiler, Hausen, Hof, Kirch, Kappelâ (Kapelle), âTor, Burg, Kirch(e)â.
â Der âSeelenhofâ und danach das âSeelenhofer Riedâ haben vermutlich einen Bezug zu einer alten karolingischen Wegekapelle, die hier steht.
â Seekirch ist vermutlich eine merowingische GrĂźndung und 1254 als âSekilcheâ bezeugt. Eine Kirche stand dort bereits zur Zeit Karls d. Gr.[31] - Relativ unklar sind:
â âOggelshausenâ, zumal es daneben noch ein zu Attenhausen gehĂśrendes Oggelsbeuren gibt, das gelegentlich auch als Oberspeiren auftaucht. Zudem gab es bei Oggelshausen einst auch noch eine Burg Oggelshausen. Falls der in der frĂźhmittelalterlichen Ausbauzeit entstandene Ort nicht auf einen im 7. und 8. Jahrhundert hier mit seiner Sippe sesshaften Alamannen Ogolt zurĂźckgeht,[32] gibt es auch eine ikonographische DeutungsmĂśglichkeit. Da das Wappen einen balzenden (Auer-)Hahn (mhd. orrehan) auf einem Zweig zeigt, kĂśnnte ein schwäbisch-alemannisches âGockel, Gocklerâ bzw. âJäckelâ (Eichelhäher) hier Pate gestanden haben. Auch der glucksende, kollernde Balzgesang des Auerhahns, der im oberschwäbischen HĂźgelland und seinen lichten Wäldern damals einen von ihm bevorzugten Lebensraum vorfand und wegen seiner GrĂśĂe (bis zu 0,9 m) ein begehrtes Jagdwild war,[33] mag hier onomatopoetisch eingewirkt haben (Das Wort âGockelâ ist ebenfalls so entstanden, vgl. engl. cock, franz. coq usw.[34]).[35]
â VĂśllig unklar ist âTäschenwiesenâ (zu Tesche = Tasche?). MĂśgliche alte Bedeutung auch âInneresâ. (Tatsächlich liegt der Ort am Westufer des nordĂśstlichen Riedausläufers auch in einer starken, halbinselartigen Ausbuchtung.)
â âAlleshausenâ: Ob hier ein Bezug zu Wasser besteht, ist wegen der Verbindung mit -hausen, die wie -weiler oft einem Eigennamen folgt, zweifelhaft. Der 1150 als Aleshusin bezeugte Ortsname geht daher mĂśglicherweise auch auf einen frĂźhen Siedler dieses Namens zurĂźck,[36] evtl. auch zu âAdelâ wie in âAlbertâ etc. Der Ort wird erstmals 1150 urkundlich als Aleshusin erwähnt, 1254 wird es als Alashusen genannt.
â âAttenhausenâ: Das Atten- im Namen kĂśnnte wie in Attenhausen (Krumbach) in einem Personennamen Ato seinen Ursprung haben.[37] Ein nahe gelegenes Attenweiler wird 1254 als Sitz von Ortsadel erwähnt. Die Herren von Atinwilare sind von 1254 bis 1296 nachgewiesen. Auch eine Reduktion aus Hatten- wie in vergleichbaren Ortsnamen ist denkbar.
â âHenauhofâ: Die Bedeutung des ersten Wortteils Hen(n) (es gibt auch die Schreibung mit Doppel-) ist unsicher. âHenn(en)-Auâ? (zu mhd. henne, ahd. henna). Wahrscheinlicher ist aber die Ableitung von dem keltischen kewen = Bergbuckel, denn in der âBeschreibung des Oberamts Riedlingenâ von 1827 heiĂt es dazu: âDer Hof liegt auf einem HĂźgel, der sich wie eine Insel aus den Moor- und SumpfgrĂźnden der flachen Umgebung erhebt, und ehemals vermutlich auch von dem Federsee umgeben war. Er gehĂśrte wahrscheinlich zu den ältesten Besitzungen des Stifts. S. Kappel.â Vgl. dazu auch die analoge Ableitung von Hegau.[38]
â âEgelseeâ: Der Name zahlreicher Seen und Orte. âBlutegelâ, die bevorzugt in Stillgewässern und Feuchtgebieten leben, sind als Namensgeber denkbar.[39] Eine weitere Ableitung nimmt âEckseeâ als Ursprung an. Eine dritte, allerdings sehr fragliche Theorie nimmt den Ursprung im Keltischen an, wo er sich auf die heilige Funktion als oft am Grunde von Seen befindliche Eingänge in die keltische Anderswelt bezogen haben kĂśnnte: evtl. keltisch agios, griechisch hagios = heilig.[40]
â Ob loch in âVollochhofâ (auch âVochenlochâ) zu den analogen Endungen -loch (ahd. lĹh) wie in âSchwärzloch, Degerlochâ usw. steht, die âHain, lockerer Wald, Buschlandâ bedeuten, ist unsicher (Sprachlich mĂśglich wäre auch ein Dativ âvormâ, also âHof vor dem Waldâ oder âHof vom Waldâ (mit Assimilation rmâl). Es gibt zudem ein Obervolloch (auch Altvolloch genannt) und ein Untervolloch, wohin die MĂźhle von Obervolloch nach der Seefällung verlegt wurde.[41]). Eine Assimilation kâl aus âVolk-â (ahd. folc) zu âVollâ- (vgl. Volkmar â Vollmar) ist ebenfalls denkbar aber nicht sehr wahrscheinlich.
â âBrackenhofenâ: -brack steht entweder zu griech. brĂĄgos âFlussaueâ und brochÄ âRegen, Ăberschwemmungâ wie in âBrackwasserâ oder zu nhd. âBracheâ (unbestelltes Land), das mit kymrisch (keltisch) *mrag-no- verwandt ist und in etwa die Bedeutung âmorsch werdendes Landâ hat.
Sagen und Legenden
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Man kann hier nach der Thematik grob vier Gruppen unterscheiden:
- Sagen, die sich auf ur- und frĂźhgeschichtliche Erinnerungen beziehen,
- Sagen mit Bezug auf das magisch-unheimliche Umfeld des Moores und seine metaphysischen Aspekte,
- Sagen mit christlich-legendärem Hintergrund,
- Sagen und Märchen, die sich um allgemeines Brauchtum ranken.
Die erste Gruppe ist hier die bei weitem interessanteste, denn wie an vielen derartig geheimnisvoll scheinenden Orten gibt es auch am Federsee Sagen, bei denen hie und da noch alte Ăberlieferungen hervorschimmern, die auf die ehemaligen Pfahlbaubewohner hinweisen kĂśnnten, auch wenn sie christlich eingefärbt sind.
Repräsentativ hierfĂźr ist die Sage von der Stadt im See. Sie erzählt in mehreren Versionen, wie einst dort, wo jetzt der Federsee liegt, vor alten Zeiten eine Stadt war. In der einen Version fĂźhrten die Einwohner einen gottlosen Lebenswandel, und die Stadt ging deshalb unter. Bei hellem Wetter und niederem Wasserstand sieht man heute noch die Spitze der Kirche aus dem Wasser ragen. Andere wollten auch läuten gehĂśrt haben. In diesem See liegt auch eine Insel, mit der man die Leute aufzieht; man sagt dann: âdas und das ist auf der Insel BibbĂŽ im Federasai geschehen, und die sieht der zehnte Mann nicht!â Darauf sollâs lustig hergehen, wie vordem in der untergegangenen Stadt.[42] Diese Sage ist mĂśglicherweise eine alte Erinnerung an die sogenannte âWasserburg Buchauâ, die vor allem durch den NS-Urgeschichtler Hans Reinerth in der NS-Zeit auf der Grundlage dieser Sage zu einer Art âAtlantisâ, gar zum âschwäbischen Trojaâ hochstilisiert wurde.[43] Interpretiert man den Mythos allerdings nicht im ideologisch motivierten Reinerthschen Sinne, sondern als archetypisches menschliches Erinnerungsmuster etwa nach Carl Gustav Jung, Joseph Campbell und Claude LĂŠvi-Strauss, so findet sich hier vielleicht doch eine Erinnerung an von See-Transgressionen verschlungene Siedlungen, und zwar am ehesten an die letzte bronzezeitliche Siedlung, eben die Wasserburg Buchau, die nach Befunden der reichhaltigen SpĂźlsäume mĂśglicherweise Mitte des 9. vorchristlichen Jahrhunderts im Verlauf der besonders dramatischen Transgression T9 aufgegeben wurde, wonach sich die Bewohner in die bereits bestehende Inselsiedlung zurĂźckzogen, gleichzeitig das Ende aller prähistorischen Feuchtbodensiedlungen Ăźberhaupt und damit ein so bedeutendes Ereignis, dass es tiefe Spuren im Gedächtnis der lokalen BevĂślkerung hinterlassen haben dĂźrfte.
In einer anderen Version erzählt die Sage ebenfalls, wie vorzeiten im Federsee eine feste Stadt stand. Sie hatte sieben Tßrme und hohe Mauern, und ihre Einwohner waren nicht sßndig, wie in der ersten Fassung, sondern gute Christen, die Gott zu Ehren ein Kirchlein auf ihrer Insel errichtet hatten. Im Laufe der Jahre mehrte sich ihr Wohlstand, und da sie niemandem BÜses taten, hatten sie auch keine Feinde. Da erschienen eines Tages viele Kähne auf dem Federsee, und die Inselbewohner erkannten mit Schrecken, dass eine feindliche Kriegsschar sich ihrer Insel näherte. Es waren Heiden, von deren Bluttaten man schon oft mit Grauen gehÜrt hatte. Der Kampf war heftig. Die friedlichen Inselbewohner erlagen den heidnischen Fremden, die zwischen den brennenden Trßmmern der eroberten Stadt bis in die Nacht hinein schwelgten und tranken. Allein die Sieger mßssen ihre Bluttat mit dem Leben bezahlen. Als die trunkenen Heiden in tiefem Schlaf lagen, begann die Insel zu sinken, und am anderen Morgen sahen die wenigen geretteten Flßchtlinge vom Ufer nur noch die Spitze des Kirchturms aus dem Wasser ragen. Seither schläft die versunkene Stadt im Moore, und nur Auserlesene kÜnnen zu gewissen Stunden tief unten die Hähne krähen und die Hunde bellen hÜren.[44]
In beiden Fällen mĂśgen kollektive Erinnerungen an die am Federsee nicht seltenen katastrophalen Ăberflutungen wie auch an feindliche Ăberfälle auf die beiden groĂen Siedlungen der Bronzezeit, die âSiedlung Forschnerâ und die âWasserburg Buchauâ, eine Rolle gespielt haben, zumal die Gegend auch nach deren Ende nie vĂśllig menschenleer gewesen, sondern, wie Streufunde und Kleinstsiedlungen ausweisen, regelmäĂig besucht worden ist und kontinuierlich ein relativ gut besiedeltes weiteres Umfeld besaĂ bis hin zur nur zehn Kilometer vom Federsee entfernten keltischen Heuneburg und späteren KeltendĂśrfern, rĂśmischen GutshĂśfen und alamannischen sowie merowingischen Herrensitzen, so dass eine Kontinuität der lokalen Erinnerung bestanden haben dĂźrfte.
Die zweite Gruppe wird hier von der Federsee-Version der Sage vom Nebelmännle vertreten, einer in ganz Sßddeutschland und vor allem am Bodensee verbreiteten Sage. Sie hat eher das geisterhaft Gefährliche, Nebeldurchwaberte, Magische der Gegend in ihrem erzählerischen Zentrum, vor allem den grundlegenden Konflikt, in dem die reale Welt mit der irrealen, magischen steht.
An eher christlich motivierten Sagen und Legenden der dritten Gruppe seien hier beispielhaft die genannt, die sich um Adelindis von Buchau, die Stifterin des Klosters Buchau und ihren Gatten spinnen und die bis heute im Brauchtum von Bad Buchau lebendig sind. (weitere Beispiele siehe unter[45])
Die vierte Gruppe schlieĂlich, die sich vor allem um lokale und meist bäuerliche Bräuche rankt, ist oft schwankhaft, gleicht in der Erzählstruktur denen in anderen Landesteilen und ist am geringsten Federsee-spezifisch, allenfalls durch die typischen Umgebungsmerkmale.
Limnologie, Geologie, Landschaftsformen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Topografische Limnologie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Federseebecken ist ein typisches grundwassergespeistes Moorgebiet, dessen Wasserspiegel relativ konstant bleibt, sofern nicht natĂźrliche oder kĂźnstliche AbflĂźsse fĂźr eine Entwässerung sorgen. Der See hat nur ein kleines, einschlieĂlich des Moores etwa 70 km² umfassendes Wassereinzugsgebiet. Die ZuflĂźsse sind unbedeutend. Die Seekircher Aach ist der Hauptzufluss, dazu kommt ein kleiner, von den nordĂśstlichen HĂźgeln flieĂender Bach, der Tiefenbach, der beim gleichnamigen, dem See insgesamt am nächsten gelegenen Ort in den See mĂźndet, und der MĂźhlbach bei Bad Buchau. Alle diese Bäche waren allerdings bisher in EntwässerungsmaĂnahmen einbezogen und werden nun nach und nach renaturiert.
Der Wasserspiegel des heute regulierten und zwischen 60 cm und 2,80 m tiefen Sees (ursprßnglich ßber 6 m) dßrfte frßher wohl vor allem von Niederschlägen und vom Moorwachstum in der flachen Ausflussschwelle abhängig gewesen sein, durch die die Kanzach heute am westlichen Ende das Seebecken durch einen kßnstlich angelegten und durch ein Stauwehr regulierten Abfluss verlässt, so dass der Federsee ursprßnglich bis auf den damals beim Vollochhof ßber eine niedrige Abflussschwelle das Becken verlassenden Kanzachbach nur noch den Federbach als Abfluss hatte. Die Kanzach wurde in ihrem heutigen, schnurgeraden Lauf erst 1808/1809 hierher verlegt und kanalisiert, indem sie zu einem west-Üstlichen Abflusskanal mit Wehr zur Wasserstandregulierung des Moores ausgebaut wurde und nach Aufnahme mehrerer anderer Bäche nach knapp 20 km als kleiner Fluss in die Donau mßndet.
Der Federsee befindet sich auf der europäischen Hauptwasserscheide und entwässert sowohl nach Nordwesten in die Kanzach, deren schmales, die HĂźgel durchziehendes Tälchen eine Verbindung zur Oberen Donau herstellt, als auch nach SĂźdosten Ăźber den kanalisierten Federbach in Richtung RiĂtal. Ein unterirdischer Abfluss besteht Ăźber die am sĂźdlichen Rand etwas auĂerhalb des Federseebeckens liegende Schussenquelle zum Bodensee und damit in das Rheinsystem.
Geologie und Landschaftsformen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Geologie des mineralischen Beckens: Siehe unten âSeegeschichteâ.
Moorgeologie des Beckens:[46] Das groĂe glaziale Becken ist mit Ton ausgekleidet, der in den jĂźngeren Schichten allmählich in Tonmudden Ăźbergeht und von Kalk-Lebermudde Ăźberlagert wird. Ab dem späten Glazial wurde Lebermudde abgelagert, ein in hohem MaĂe gallertartiges und damit elastisches Feinsediment, das die Unebenheit des glazialen Grundes einebnete und groĂe Mächtigkeiten erreichte. Auf dieser Grundlage bildeten sich in den flachen Buchten des nĂśrdlichen, westlichen und sĂźdlichen Rieds ausgedehnte Niedermoore, die sich schnell in Ăbergangsmoore verwandelten. Im sĂźdlichen Ried entstand ab dem mittleren Subboreal ein Hochmoorschild. Die von zahlreichen Ăberflutungen gestĂśrten Verlandungsvorgänge fĂźhrten zu einer kleinräumig differenzierten, vielfach von geologischen SchichtlĂźcken unterbrochenen Schichtung, so dass an keiner Stelle des Moores, auch nicht im Zentrum, eine vollständige Abfolge anzutreffen ist.
Geologie des Umlandes: Die umgebenden RandhĂśhen der Donau-Ablach-Platten werden von einer leicht gewellten Altmoränen-FlachhĂźgellandschaft gebildet, die aus einem ausgeglichenen Mosaik aus Grundmoräne, EndmoränenzĂźgen und Schotterflächen in ehemaligen Schmelzwasserrinnen besteht. Im SĂźden schiebt sich im vorderen Bereich der Jungmoräne der zu ihr gehĂśrende Sander bis zum See vor und bildet hier eine flache Schotterebene, die in Ăśstlicher Richtung zum RiĂtal verläuft. SĂźdlich des gewaltigen Endmoränenzuges erstreckt sich eine typische, noch wenig eingeebnete Jungmoränenlandschaft, die ein kleinteiliges Mosaik aus HĂźgeln, Kleinseen und Feuchtgebieten bildet.[47] (Zur Paläogeologie und Paläolimnologie s. unten âGeschichte des Seesâ.)
Landschaftsformen des Beckens:[48] Neben MoränenbÜden und Schotterbereiche am Rand (s. Geologie) finden sich mehrere fßr alte und bestehende Moorbereiche typische Formen (es handelt sich hier nicht um Sumpfgebiete, die keinen Torf entwickeln):
- Feuchtwiesen: Feuchtwiesen sind Ăśkologisch sehr wertvolle Lebensräume fĂźr viele SumpfvĂśgel. So sind hier der GroĂe Brachvogel, die Bekassine, Kiebitz und Wiesenpieper oft zu sehen. FĂźr alle diese Tiere ist Ruhe besonders wichtig.
- Streuwiesen: Streuwiesen sind Niedermoore. Sie haben ihren Namen von der Mahd, die als Streu fĂźr den Stall in der Landwirtschaft verwendet wurde. Die nach den Seefällungen auf dem freigelegten ehemaligen Seeboden entstandenen feuchten Wiesen eigneten sich weder zum Ackerbau noch zur Heugewinnung. Der Aufwuchs besteht vor allem aus Sauergräsern, ist eiweiĂarm und scharfkantig. Streuwiesen umfassen eine weite Fläche des Naturschutzgebietes. Sie sind der artenreichste Lebensraum fĂźr die Tierwelt hier, denn da sie sehr spät gemäht wurden, konnten die WiesenbrĂźter ihre Jungen aufziehen, Orchideen zu Ende blĂźhen und aussamen. Die Streuwiesen sind inzwischen denn auch wegen ihres geringen Ăśkonomischen Nutzens von der Landwirtschaft aufgegeben worden und werden heute vom Naturschutz gepflegt. Sie drohen allerdings nun durch die natĂźrliche Fortentwicklung zu verbuschen, was mit einem Verschwinden der Tiere der freien Fläche verbunden wäre.
- Niedermoor: Weiter zum See hin erstreckt sich das sehr nährstoffreiche Niedermoor. Die typische Vegetation besteht aus meistens dichtem und hochwĂźchsigem Bewuchs, die lichtliebende Moose weitgehend verdrängen. Die wichtigsten Vegetationseinheiten sind Erlenbruchwälder, RĂśhrichte und GroĂseggenriede. Das Niedermoor liegt anders als die Streuwiesen auf HĂśhe des Grundwasserspiegels. Das Niedermoor gehĂśrt zur Verlandungszone und ist nicht besonders reich an Tier- und Pflanzenarten. Ein typischer Vertreter der Vegetation ist die im FrĂźhling zu sehende Sumpfdotterblume.

- Ăbergangsmoor: FĂźr das Ăbergangsmoor ist ein weiter SchilfgĂźrtel typisch (ca. 250 ha insgesamt). Der geschlossene SchilfgĂźrtel ist einer der wichtigsten Lebensräume in Baden-WĂźrttemberg fĂźr an Schilf angepasste Arten. Das Schilf bietet Nahrung, BrutmĂśglichkeiten, Verstecke und auĂerdem geschĂźtzte Schlafplätze. Wo das Schilf optimale Verhältnisse vorfindet, ist es sehr dicht und hoch (bis 4 m). Dadurch verdrängt es andere Pflanzen. Im Herbst sterben die alten Halme ab, sie brechen aber erst im Lauf einiger Jahre zusammen. Das Schilf prägt entscheidend den Charakter des Erscheinungsbildes des Federsees. Insbesondere BrutvĂśgeln bietet das Ăbergangsmoor einen natĂźrlichen und guten Lebensraum. Vor allem durch die UngestĂśrtheit der Schilfzone sind vom Aussterben bedrohte Vogelarten noch dort beheimatet. Eine solche Art ist die groĂe Rohrdommel. So beeindruckend dieser SchilfgĂźrtel ist, so verdeutlicht er auf der anderen Seite aber auch die Tragik dieses Sees. Der See verlandet zusehends. Bei diesem Verlandungsprozess hat das Schilf eine nicht unbedeutende Rolle, liefert es doch die ständige âVerlandungsnahrungâ.
- Hochmoor: Diese auch als Hochmoor bezeichnete Feuchtzone ist bis auf einen kleinen Rest, 23 ha im âWilden Riedâ, verschwunden, da abgetorft. Regenmoore sind Torflagerstätten ohne Kontakt zum mineralischen Grundwasser. Wasser und Nährstoffe werden ausschlieĂlich durch Niederschläge bestimmt. An ihren Rändern bilden sich oft kleine Moorseen, die dann auch mit dem Grundwasser Kontakt haben kĂśnnen oder auch sogenannte Moorkolke, bei denen dies nicht der Fall ist. Der einstige Egelsee im sĂźdlichen Becken dĂźrfte solch ein ausschlieĂlich aus dem Moor gespeistes Gewässer gewesen sein.[49]
- Der Moorurwald: Er ist eine Sonderform, die kĂźnstlich geschaffen wurde, als das Banngebiet Staudacher, um 1900 eine offene Riedwiesenlandschaft, vom NABU 1911 zu Naturschutz- und Forschungszwecken gekauft und so jeglichem menschlichen Einfluss entzogen wurde. Heute steht dort ein ausgeprägter Moorurwald, der ausschlieĂlich als RĂźckzugsraum fĂźr Tiere und Pflanzen dient und nicht bewirtschaftet wird. Kranke Bäume und Totholz bleiben im Wald. Holzzersetzer machen die Nährstoffe wieder verfĂźgbar. Der Nährstoffkreislauf bleibt intakt. Hier kann man eine auĂergewĂśhnliche Arten- und Strukturvielfalt beobachten: Es gibt eine reichhaltige Kraut- und Strauchschicht, darĂźber Bäume verschiedener Arten und unterschiedlichen Alters. Typische GehĂślze sind Moorbirke, Faulbaum und Kriechweide, daneben Fichte, Kiefer und Grauweide, aber auch die seit der Eiszeit hier wachsende Strauch-Birke.
An VĂśgeln finden hier vor allem Rotkehlchen, GrasmĂźcken und andere SingvĂśgel Nahrung, Versteck und Brutplätze. In morschen Stämmen leben unzählige Holz fressende Insektenlarven, die Bunt- und Kleinspecht als Nahrung dienen. In verlassenen SpechthĂśhlen leben Meisen, Kleiber, Eulen, Hohltauben, Siebenschläfer, Wildbienen und Fledermäuse. Der Moorurwald bildet demnach ein auĂerordentlich eng verzahntes Biotop, das sich so nur wieder entwickeln konnte, weil menschliche Einflussnahme strikt unterbunden ist.
Flora und Fauna
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als typischer Flachsee ist der Federsee Lebensraum fßr viele an warme, nährstoffreiche Gewässer angepasste Arten. Aufgrund seiner geringen Tiefe gelangt das Sonnenlicht bis auf den Boden, so dass sich eine ßppige Wasservegetation entwickeln kann. Die Ufer sind durch Buchten reich gegliedert und daher begehrte Brutreviere fßr VÜgel und Fische. Durch das Mosaik an verschiedensten, eng verzahnten Lebensräumen findet so eine Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten geeignete Bedingungen am Federsee. (Genannt sind hier vor allem am oder im Wasser bzw. in Mooren oder entsprechenden Feuchtgebieten lebende Arten.)

Pflanzen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die lokale Flora ist nach der Renaturierung des Gebietes mit Extensivierung der Landwirtschaft im späten 20. Jahrhundert wieder so vielfältig und typisch wie in anderen Moor- und Riedgebieten auch und zeigt einmal abgesehen von den land- und waldwirtschaftlich genutzten Flächen vor allem an den Beckenrändern und im sĂźdlichen Becken ein auĂerordentlich breites und differenziertes Artenspektrum von an diesen Landschaftstyp angepassten Pflanzen.
Im Einzelnen finden sich:
- Ăber 700 hĂśhere Pflanzenarten â darunter zehn Orchideen[50] und einige seltene Eiszeitrelikte â wachsen im Federseemoor. Letztere sind vor allem Pflanzen, die aufgrund des besonderen Klimas im Moor seit der letzten Eiszeit Ăźberdauert haben (zum Teil als einziger Standort im Land), unter anderem: Karlszepter (Juni, Juli), Kriech-Weide, Strauch-Birke (ganzjährig).
- An Wasserpflanzen gibt es in dem nun wieder ganzjährig klaren Wasser unter anderem Laichkräuter, Tausendblatt, Hornblatt und Wasserpest, die dem Fischnachwuchs Schutz und Nahrung bieten. Seltene Pflanzen wie der Froschbiss oder der Wasserschlauch leben ebenfalls hier im Federsee.[51] Die enorme, auf massive ĂberdĂźngung beruhende AlgenblĂźte, die den Federsee an den Rand des Umkippens gebracht hatte, ist inzwischen beseitigt.
- Typische GehĂślze sind Moor-Birke und Kiefer, Fichte, Eberesche, Faulbaum sowie verschiedene Weidenarten, besonders im sogenannten Moorurwald (s. oben).
Tiere
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Die hier groĂflächig auftretenden Flach- und Ăbergangsmoore mit groĂen RĂśhrichtbeständen, Au- und Uferwäldern sowie Nass- und Feuchtwiesen sind wichtige Lebensräume fĂźr bundesweit schutzbedĂźrftige Arten. Typisch sind naturgemäà Tierarten, die im oder am Wasser oder Ried leben und/oder sich von ihm und seiner Tier- und Pflanzenwelt ernähren. Vor allem im sĂźdlichen Becken, das nur noch geringe Ried-Merkmale zeigt, gibt es jedoch auch die âklassischenâ Wald- und Landschaftstiere (Rehe, FĂźchse, Hasen, Wildschweine usw.), allerdings mit Ausnahme des naturbelassenen Egelsee-Hochmoores und anderer Naturschutzgebiete wie den sog. Wackelwald bei Bad Buchau.
Im Einzelnen finden sich folgende Bestände:
- Im See und in den Gräben leben 16 Fischarten.[52] Darunter sind einige seltene Arten. Die grĂśĂte und bekannteste Art, der Wels, wird im Federsee bis Ăźber zwei Meter groĂ und kann ein Gewicht von 50 kg erreichen. Bekannt ist der Federsee auĂerdem fĂźr sein Vorkommen der Wildform des Karpfens. Bedeutend ist ebenfalls das Vorkommen des Schlammpeitzgers, einer seltenen Schmerlenart, die in den Gräben am Boden lebt und hier den häufigsten Standort im ganzen Land hat. Neben dem erst seit einigen Jahren nachgewiesenen Blaubandbärbling kommen im Federsee und in den Gräben noch folgende Fischarten vor: Elritze, Karausche, Laube, Rotauge, Rotfeder, Schleie, Bachschmerle, Schlammpeitzger, SteinbeiĂer, Wels, Aal, Hecht, Barsch und Stichling. Am häufigsten ist die Brachse mit einem Bestand von etwa einer Million Exemplaren.
- An Amphibien und Reptilien wurden nachgewiesen: Molche, Unken, Echte KrĂśten, FrĂśsche, Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern, Kreuzottern.[53]
- Als Europa-Vogelreservat bietet der Federsee nach neuesten Zählungen 268 Vogelarten eine Heimat (s. unten), darunter zahlreiche, teilweise auch nur durchziehende und rastende WasservĂśgel wie Schwäne, rund zehn verschiedene Entenarten, Haubentaucher und BlässhĂźhner, Gänse, Kormorane und Reiher, aber auch seltene Arten wie Rohrdommel oder Gänsesäger, dazu als Vertreter der GreifvĂśgel die Kornweihe, denn der Federsee ist der bedeutendste Ăberwinterungsplatz fĂźr Kornweihen im sĂźdlichen Mitteleuropa (akut wurden im Januar 2012 72 Exemplare dieser seltenen VĂśgel im Federseemoor festgestellt). Zeitweise und vor allem während der Vogelzugperioden kĂśnnen mehrere tausend WasservĂśgel gleichzeitig beobachtet werden. Beim Spaziergang durch das Banngebiet Staudacher fallen gemischte Meisenschwärme von Kohl-, Blau-, Tannen-, Sumpf-, Bart- und Weidenmeisen sowie Kleiber, Baumläufer und Wintergoldhähnchen auf. Als Einzelgänger Ăźberwintern dagegen Rotkehlchen und ZaunkĂśnig im Unterholz.[54] WeiĂstorch und Blaukehlchen kommen ebenfalls vor.
- FĂźr Fledermäuse. bieten die insektenreichen Feuchtwiesen ebenfalls ideale Jagdbedingungen, so dass 12 von 25 deutschen Fledermausarten hier nachgewiesen sind, darunter Zwergfledermaus, Wasserfledermaus und GroĂer Abendsegler.
- An grĂśĂeren Wildtieren. gibt es Rehe, die relativ zahlreich sind, da sie ganzjährig nicht bejagt werden dĂźrfen, auch Wildschweine leben hier. Vor allem in den kultivierbaren und bewaldeten Gebieten sowie Weiden des sĂźdlichen Beckens und insgesamt der angrenzenden HĂźgelregionen lebt das Ăźbliche Spektrum an Niederwild, etwa Rotfuchs, Iltis, und Nagetiere wie Wasserspitzmaus, Erdmaus, EichhĂśrnchen usw. Inzwischen haben sich am MĂźhlbach bei Bad Buchau wieder Biber angesiedelt.
- An Insekten fallen vor allem die Libellen mit 40 Arten auf, darunter einige sehr seltene. Dazu gibt es 70 Tagschmetterlingsarten, zum Beispiel GroĂes WiesenvĂśgelchen und 500 Nachtfalterarten sowie HautflĂźgler wie etwa wilde Bienen, Ameisen, Hornissen und Wespen, dazu seltene Käferarten und Spinnen, wobei diese vor allem im Bannwald Staudacher ebenfalls von der Insektenvielfalt profitieren.
Seegeschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Glaziale Periode
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der heutige Federsee ist das Ergebnis eines nacheiszeitlichen Verlandungsprozesses, der ohne menschliche Eingriffe zum vollständigen Verschwinden des Sees fĂźhren wĂźrde. Die Entstehung des Federsees geht auf die AusschĂźrfung durch eine riĂeiszeitliche Gletscherzunge zurĂźck, die ein groĂes Ăźbertieftes Becken hinterlieĂ, das im Westen, Norden und Osten von Grund- und Endmoränen begrenzt wird. Durch die Endmoränen wurde der Abfluss nach SĂźden abgeschnitten, so dass sich ein Eisstausee mit ca. 30 km² und bis zu 40 Meter Tiefe bildete und der Abfluss sich nach Norden zur Donau orientierte. Nach Bohrkernbefunden liegt der ursprĂźngliche Beckenboden rund 144 m unter der heutigen Mooroberfläche. Die damalige Seefläche ist in etwa identisch mit der maximalen Ausdehnung des Moores, von dem heute gut 23 km² unter Naturschutz stehen.
Bis zur WĂźrm-Kaltzeit war das Becken schon weitgehend mit Schmelzwassersedimenten (Kiesen, Sand und Ton) angefĂźllt, als es durch eine Jung-Endmoräne im SĂźdosten zwischen Bad Buchau und Bad Schussenried abgeriegelt wurde. Der so entstandene Eisrandstausee war ursprĂźnglich wohl 30-mal grĂśĂer als die heutige verbliebene Wasserfläche. Durch starke Westwinde entstand am Ostufer ein bis zu zehn Meter hohes Brandungskliff in den Moränenwällen, das heute als markante Geländestufe zwischen Oggelshausen und Seekirch in Erscheinung tritt.
Holozän
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nach dem Abschmelzen des Eises versiegte im Holozän der Zufluss aus dem SĂźden, und der Verlandungsprozess begann dadurch, dass die abgestorbenen Pflanzen und Algen auf den Seegrund sanken und langsam den Seeboden erhĂśhten. Die Verlandung in dem bereits stark aufgefĂźllten Becken verlief nach der Ablagerung von Bändertonen, Sand und Seekreide Ăźber ein nährstoffreiches Flach- oder Niedermoor bis zu einem nährstoffarmen Hochmoorschild, das bis zu 2,5 m Mächtigkeit Ăźber Bodenniveau erreichte und an der Ostseite in den nach den Seefällungen heute nicht mehr in seinem natĂźrlichen Lauf vorhandenen, in die Beckenmitte abflieĂenden Federbach entwässerte.
Verlandungsprozesse: Von diesem alten Hochmoor ist heute allerdings im SĂźdteil des Beckens nur noch wenig erhalten, obwohl es ursprĂźnglich in der Bronzezeit eine Ebene bildete, die nun jedoch mit Ausnahme letzter Reste abgetorft ist.[55][56] Die Verlandung der flachen Buchten im SĂźden setzte bereits im Spätglazial ein und reichte im Subboreal bis in die Zone des zentralen sĂźdlichen Rieds. (Später entstand dort die frĂźh- bis mittelbronzezeitliche Feuchtbodensiedlung Forschner.)[57] Klimatische Veränderungen im Verlauf des Holozän mit sich abwechselnden Trocken- und Feuchtphasen sowie KälteeinbrĂźchen brachten jedoch immer wieder periodische Ăberflutungen (Transgressionen: T) des zentralen WasserkĂśrpers mit sich, so dass die Verlandungsvorgänge keinesfalls kontinuierlich verliefen, sondern mit mehreren Ăberflutungen, bei denen sich der See immer wieder groĂe Torfflächern zurĂźckerobern konnte. Solche Transgressionen gab es insbesondere im Neolithikum, und hier vor allem im Jungneolithikum. Von den insgesamt zehn gezählten See-Transgressionen im Holozän gab es bis zur eisenzeitlichen Hallstattzeit mehrere mit teils katastrophalen Folgen fĂźr die damaligen Siedler und ihre DĂśrfer, wie die dort aufgrund der exzellenten Erhaltungsbedingungen fĂźr biologische Materialien (vor allem BauhĂślzer, die dendrochronologisch manchmal auch genau datierbar sind) im Moor reichlich vorhandenen archäologischen Funde ausweisen. Insgesamt wurden sechs grĂśĂere Ăberflutungen gezählt, die erhebliche Auswirkungen auf die neolithische Siedlungsaktivität hatten (Zirkaangaben v. Chr., jeweils Beginn der Transgression, gerundet): T4 4300, T5 3900, T6 3700, T7 2500, T8 1500 und T9 800. T1âT3 (7000, 6500 und 6300) ereigneten sich noch vor der Siedlungsphase am Federsee; T10 fand um die Zeitenwende statt, als das Becken nur sehr spärlich besiedelt war, wenn Ăźberhaupt. Dazwischen gab es aber noch mehrere kleinere Ăberflutungen, die letzte kurz nach 500 n. Chr.[58]
Neuzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bis Mitte 18. Jahrhundert
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In der Neuzeit hatte der See ab der Spätbronzezeit bis vor etwa 200 Jahren noch eine Fläche von etwa zehn Quadratkilometer und reichte an die umliegenden Ortschaften heran, und diese â Kappel, Brackenhofen, Alleshausen, Seekirch, Tiefenbach. Oggelshausen und die Freie Reichsstadt Bad Buchau samt Stift â umgaben den See, in dessen SĂźden sich eine geheimnisvoll unwirtliche, von Menschen gemiedene Moorlandschaft bis nach Sattenbeuren und Steinhausen erstreckte. Es war dies eine Urlandschaft, die den See in groĂen Teilen vom festen Ufer trennte, wild und unwegsam und lange Zeit sich selbst Ăźberlassen. Erst vor zwei Jahrhunderten entdeckte der Mensch den Wert des Moores als Wirtschaftsfaktor und griff mit dem Ziel der Land- und Torfgewinnung ein.
Jahrhundertelang hatte es immer wieder Streit gegeben zwischen dem reichen Damenstift Buchau und der zwar unabhängigen, aber eingeengten Stadt Buchau. Es ging meist um die Nutzung der feuchten Wiesen, um Weiderechte und Torfstich. Um neues Land zu gewinnen, entschied das deshalb angerufene Reichskammergericht daher schlieĂlich, den Federsee abzusenken.
Die Seefällungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die erste Seefällung begann schrittweise durch die Schussenrieder Prämonstratenser-MĂśnche, denn das wassergesättigte Hochmoor des âWilden Riedsâ stellte fĂźr die Anwohner eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar. Besonders im FrĂźhjahr entlud sich die in den Torfen gefangene Nässe oft sturzbachartig Ăźber die Felder und richtete erheblichen Schaden an. Ab 1765 begann man daher mit der Regulierung, indem man Abflussgräben zog und so zudem neue Flächen zur Kultivierung gewann. Die Seefläche wurde dann ab 1787/88 weiter von Norden her durch eine Vertiefung und Kanalisierung des westlichen Abflusses Kanzach auf sieben Quadratkilometer verringert, was einer Absenkung des Wasserspiegels um 85 cm entsprach. Diese Fällung erbrachte 415 ha Neuland.
Da das Ergebnis nicht befriedigte, wurde 1808/1809 auf Befehl von KĂśnig Friedrich von WĂźrttemberg, der nach der Säkularisation von 1802 nun zuständig war, eine zweite Seefällung durchgefĂźhrt, die die Seefläche bei einer Absenkung um 114 cm auf nur noch 2,5 km² und die Tiefe auf 5,4 Meter reduzierte (heute 1,3). Dass der See nicht wie geplant um drei Meter gesenkt werden konnte, lag am immer wieder nachdrängenden FlieĂsand am Durchstich zum Kanzachkanal. Die gewonnenen Flächen, hier ca. 400 ha, waren allerdings wenig fruchtbar, feucht und konnten meist nur zur Gewinnung von Einstreu genutzt werden (sogenannte Streuwiesen), so dass man sie bald wieder sich selbst ĂźberlieĂ, worauf sich ausgedehnte RĂśhrichte, Riede und Nasswälder entwickelten.[59][60]
Der Verlandungsprozess mit starker Absenkung des Grundwasserspiegels fßhrte dann bis 1911 zu einer weiteren Reduzierung der Fläche auf 1,5 km². Seither konnte dieser Prozess durch Verbesserungen im landwirtschaftlichen Dßngereinsatz, durch Extensivierung des Anbaus sowie Vermeidung schweren Geräts, um eine weitere Bodenverpressung zu vermeiden und in der Abwasserklärtechnik stark verlangsamt werden. Gegenwärtig wird sogar ßber die Regulierung des Kanzachwehres versucht, den Wasserspiegel leicht anzuheben.[48]


Der Torfabbau und seine Folgen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Schon vor 1765 gab es einen durch das Kloster betriebenen Abbau von Torf zu Brennzwecken, allerdings in kleinem Umfang und nur im Steinhauser Ried, wo man ihn mit dem sog. Wäsen-Stechen (also das manuelle Stechen einzelner TorfstĂźcke, der sog. âWäsenâ) zu Heizzwecken gewann. 1764 wurde dort das erste Grabensystem angelegt, um den Abbau zu erleichtern. Aber erst im Zuge der neuen bäuerlichen Freiheiten kam es 1854 zur GrĂźndung einer Riedgenossenschaft, die die systematische Brenntorfgewinnung im âWilden Riedâ einleitete. Bereits 1850 war der Bahnhof Schussenried an der Bahnstrecke UlmâFriedrichshafen erĂśffnet worden, damit der Torf besser abtransportiert werden konnte. Damit begann die planvolle Entwässerung.
Der durch den Eisenbahnanschluss hervorgerufene immense Torfbedarf, der vor allem im sĂźdlich des âWilden Riedsâ liegenden âSteinhauser Riedâ gedeckt wurde, fĂźhrte zum endgĂźltigen Verlust des seit Jahrtausenden gewachsenen Hochmoores. Die dazu nĂśtigen Hauptgräben wurden 1859/1860 im Vorfeld der groĂräumigen Torfausbeutung zusammen mit der âStaatlichen Torfmeistereiâ ausgehoben. Das Ried wurde planvoll entwässert. 1874 wurde die Staatliche Torfverwaltung gegrĂźndet, 1879 mit dem maschinellen Torfabbau begonnen, 1885 eine Torffabrik gebaut, und die Torfausbeutung wurde auf ein industrielles Niveau gebracht. Dabei kam es zu weiteren groĂräumigen EntwässerungsmaĂnahmen durch Hauptgräben.
1910 wurde vom Staatlichen Torfwerk abermals ein neuer Hauptgraben angelegt, der geradlinig aus dem âInneren Riedâ gegen Steinhausen fĂźhrte und 1925 auf sein heutiges Niveau von 2,5 m vertieft wurde. Dadurch wurde die Abtorfung des Steinhauser Rieds bis zu den untersten Torflagen vorangetrieben, ein Vorgang, der zusammen mit zahlreichen neuen Zwischengräben zur flächendeckenden Absenkung des Grundwasserspiegels, zum Verfall der bisher in der Nässe geschĂźtzten archäologischen Fundareale in ihrer biologischen Materialsubstanz (HĂślzer usw.) fĂźhrte, und auch zur ZerstĂśrung potentiell zukĂźnftiger Funde. (Inzwischen sind MaĂnahmen zur ErhĂśhung des Grundwasserspiegels eingeleitet.)
Alle diese MaĂnahmen zur Entwässerung und Torfgewinnung hatten zwei Folgen, eine negative und eine positive:
- Das Verschwinden der Jahrtausende alten Naturlandschaft des Federseemoores.
- Die Entdeckung der weltweit einmaligen prähistorischen Siedlungsstellen, denn erst der Torfabbau und die immer tiefer reichenden Entwässerungen fĂźhrten zur Auffindung und Ausgrabung der bis dahin im Torf verborgenen Fundstätten. Allerdings fĂźhrten auch die ersten noch recht unsachgemäĂen Ausgrabungen zur ZerstĂśrung mancher dieser Fundstätten. Nicht zuletzt verhängnisvoll war aber auch die kontinuierliche Absenkung des Grundwasserspiegels samt Trockenlegung von groĂen Moorflächen, die zur Austrocknung und zum Zerfall der biologischen Funde fĂźhrten, die nur in Pfahlbauten und Feuchtbodensiedlungen wie hier reichlich anfallen und deren Verlust fĂźr die Archäologie daher besonders schwer wiegt. Tatsächlich mussten bei der Wiederaufnahme der Forschungen Ende der 1970er Jahre sogar einige der frĂźhen Ausgrabungsstellen durch Vermessungen, Begehungen und Sondagen erst mĂźhsam wieder lokalisiert werden, wobei sich vor allem im durch den Torfabbau besonders stark beeinträchtigten sĂźdlichen Moor der Erhaltungszustand manch alter Fundstelle als katastrophal erwies.[61]
Bis 1950 waren die ehemals reichen Torfvorkommen bis auf einen 22 ha groĂen Rest im Wilden Ried abgebaut. Noch bis in die 1960er wurde Federseetorf abgebaut. Die Verwendung als Badetorf, fĂźr den es keinen medizinischen Ersatz gibt, spielte hierbei eine eher geringe Rolle. Wesentlich gravierender war die Ausbeutung als Brenntorf. Torf wächst nur sehr langsam nach: im Jahr etwa 1 mm.
Drohendes Umkippen und Renaturierung Ende des 20. Jahrhunderts
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Nachdem 1951 die Abwassereinleitung in den See begonnen hatte, wurde die Wasserqualität des Federsees zu einem immer drängenderen Problem, vor allem auch durch den zersetzungsbedingten Verlust an Sauerstoff und die faulige Verwesung unter anaeroben Bedingungen. Bis 1981 gelangten so die ungereinigten Abwässer der Seegemeinden ßber die Entwässerungsgräben in den Federsee. Die Gßlledßngung der Wiesen fßhrte dem See ßber die Gräben weitere Nährstoffe zu. Daneben wurden auch bei der entwässerungsbedingten Zersetzung von Torf die darin gebundenen Nährstoffe frei. In dem sehr nährstoffreichen Wasser konnten sich Blau- und Grßnalgen besonders stark vermehren. Sie verdrängten die anderen Wasserpflanzen, und mit diesen verschwanden auch viele Tiere, die von den Pflanzen lebten, die Wasservogelpopulation etwa brach vÜllig zusammen. Der See verarmte stark und drohte umzukippen.
Der erste Schritt zur Sanierung und Renaturierung des Federsees war 1971 der Einbau eines Wehrs im Kanzach-Auslauf, mit dem der Wasserstand reguliert werden konnte. 1982 wurde eine Kläranlage mit einer 24 km langen Ringleitung rund um den See in Betrieb genommen. Seither gelangte kein ungereinigtes Abwasser mehr in den See. Er erholte sich zusehends. (Weitere Details zu den SchutzmaĂnahmen siehe unter[62].) Die ehemals heimischen Arten kehrten mehr und mehr zurĂźck, denn seit 2006 verbesserte sich die Wasserqualität rapide. Seit 2008 ist der See auch im Sommer klar bis auf den Grund und nun wieder ein gesundes, sich selbst regulierendes Biotop mit zahlreichen, fĂźr Jungfische so wichtigen Wasserpflanzenarten und sogar die auf Gewässerverschmutzung besonders empfindlich reagierenden SĂźĂwassermuscheln. Die vielen Fische zogen nun wiederum die WasservĂśgel in groĂen Scharen an, deren Nahrung sie neben den ebenfalls vielfältig zurĂźckgekehrten Insekten bilden.[63] Zum aktuellen Stand der MaĂnahmen siehe ausfĂźhrlich den Bericht der Landesanstalt fĂźr Umwelt Baden-WĂźrttemberg.[64]
Heutige Nutzung des Federseegebiets
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die moderne Nutzung des Federseebeckens ist bemerkenswert vielfältig, vor allem wenn man âNutzungâ nicht nur unter rein wirtschaftlichen, produktionsorientierten Aspekten betrachtet, sondern auch den Nutzen fĂźr die GesamtbevĂślkerung im Gebiet und vor allem auch auĂerhalb davon betrachtet. In diesem Sinne ergeben sich fĂźnf verschiedene Nutzungsbereiche:
Ăkonomie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Eine direkte wirtschaftliche Nutzung des Beckens im Sinne von Landwirtschaft ist trotz der verschiedenen TrockenlegungsmaĂnahmen des Moores vor allem des 19. Jahrhunderts, die allerdings vor allem dem Torfabbau und der Begrenzung der ständigen Ăberflutungen dienten, wegen der ungenĂźgenden Bodenqualität nur in geringem MaĂe mĂśglich, und die Verlandungsgebiete des Federsees waren, von einigen missglĂźckten Anbauversuchen der Gegenwart abgesehen, zu keiner Zeit ackerbaufähig, so dass hier vor allem Viehwirtschaft betrieben wird. Das sĂźdliche Becken ist hingegen teilweise bewaldet und wird mit Fichtenwäldern forstwirtschaftlich genutzt. Dort ist in bodentrockenen Bereichen auch Ackerbau mĂśglich.
Die Umrahmung des Federseebeckens bietet hingegen tief- bis mittelgrĂźndige BĂśden mäĂiger bis guter ackerbaulicher Tauglichkeit, die heute gleichermaĂen fĂźr GrĂźnlandwirtschaft wie fĂźr Feldwirtschaft genutzt werden. Rund um den Federsee werden ca. 220 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaftet. Es werden ca. 1800 ha Ackerland und ca. 1400 ha GrĂźnland bearbeitet. In den Betrieben werden ca. 1500 MilchkĂźhe, 3100 Rinder und 5000 Mast- und Mutterschweine gehalten.[48] Wie fast das gesamte oberschwäbische HĂźgelland eignet sich das Federseegebiet ganz im Gegensatz zum klimabegĂźnstigten Bodenseebecken nur mittelmäĂig bis ausreichend fĂźr den Obstanbau, denn es liegt 578 bis 650 m Ăźber dem Meeresspiegel und hat ein mäĂig kĂźhles Klima in zudem kaltluftgefährdeter Beckenlage. Der ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich bedeutende Torfabbau ist wie oben beschrieben seit Mitte des 20. Jahrhunderts eingestellt.[65]
Naturschutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Federseemoor finden sich auf fast 3000 Hektar europaweit schutzwĂźrdige Lebensräume wie ausgedehnte Niedermoore, kalkreiche SĂźmpfe, regenerierungsfähige Hochmoore, Ăbergangsmoore und Moorwälder. Daneben ist es Heimat bedeutsamer Populationen besonders geschĂźtzter Tier- und Pflanzenarten (FFH-Arten). Vom Aussterben bedrohte Fischarten wie Schlammpeitzger und SteinbeiĂer gehĂśren dazu, daneben der Goldene Scheckenfalter, die Gelbbauchunke oder die Orchidee Torfglanzkraut. Eine Käferart hat hier sogar ihr einziges deutsches Vorkommen.[66]
Die Schutzgebiete gliedern sich im Einzelnen wie folgt:
| Schutzgebietsanteile | % Gesamtlandschaftsfläche |
| FFH-Gebiete | 61,41 |
| Europäisches Vogelschutzgebiet Federseeried | 64,14 |
| Naturschutzgebiete | 51,84 |
| Effektiver Schutzgebietsanteil | 64,47 |
Quelle: Bundesamt fĂźr Naturschutz, Stand: 2010
- Entwicklung und AllgemeinmaĂnahmen: Der Federsee ist mit Teilen des Federseer Rieds eines der ältesten Naturschutzgebiete (Nr. 4019) in Baden-WĂźrttemberg. Die durch die Seefällungen entstandenen Moorflächen mit dem Federsee im Zentrum wurden bereits 1936 unter Naturschutz gestellt (NSG Federsee 1400 ha). Weitere Naturschutzgebiete im Federseebecken, die später ausgewiesen wurden, sind: âWildes Riedâ (Hochmoorrest, 23 ha, 1966), âRiedschachenâ (Moorwald, 11 ha, 1941), âSĂźdliches Federseeriedâ (Feuchtwiesen, 522 ha, 1994), âWestliches Federseeriedâ (241 ha, 1999) sowie âNĂśrdliches Federseeriedâ (179 ha, 2001).[67]
Aufgrund des vom Regierungspräsidium Tßbingen vorgelegten Antrags ReHa Federseemoor zur Renaturierung weiterer Teile des Federseemoors stehen ab 2009 circa 1,3 Millionen Euro zur Verfßgung. Die Kosten trägt zur Hälfte die Europäische Union, die andere Hälfte kommt vom Land Baden-Wßrttemberg, dem NABU Baden-Wßrttemberg, dem Landkreis Biberach, der VermÜgen und Bau Baden-Wßrttemberg (VBBW) sowie der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Wßrttemberg (SNBW).

- Vogelschutz: Von den 268 Vogelarten sind 107 Brutvogelarten. Ăber die Bedeutung und die Geschichte des Moores informieren eine Abteilung des Federseemuseums und ein NABU-Zentrum. Das Federseegebiet ist Vogelschutzgebiet nach der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und Teil des europäischen Biotopverbundes Natura 2000. AuĂerdem ist der Federsee ein wichtiger Rastplatz fĂźr ZugvĂśgel. Bis zu 70.000 Stare Ăźbernachten im FrĂźhjahr und Herbst gemeinsam im Schilf, bevor sie fortziehen. DarĂźber hinaus sind einige interessante Wintergäste zu beobachten. Im Sommer kann man am See Flussseeschwalben bei der Jagd beobachten. Sie wurden auf BrutflĂśĂen angesiedelt. Im Schilf brĂźten Bartmeise, Rohrschwirl und Rohrammer. Weitere charakteristische BrutvĂśgel des SchilfgĂźrtels sind Teich- und Schilfrohrsänger sowie die Wasserralle, die sich durch ihr typisches Quieken verrät. Jedes Jahr ziehen 15â18 der rund 25 Rohrweihenpaare Baden-WĂźrttembergs hier ihre Jungen groĂ. In den angrenzenden Feuchtwiesen lassen sich Wiesenpieper, Bekassine und GroĂer Brachvogel beobachten, der Feldschwirl macht sich vor allem akustisch bemerkbar. Das Federseemoor beherbergt mit mehr als 200 Brutpaaren die mit Abstand grĂśĂte Population des wĂźrttembergischen Bestandes am seltenen Braunkehlchen. In den naturnahen Moorwäldern kommt neben einer bunten Vielfalt an SingvĂśgeln auch Grau- und Kleinspecht vor. Im Winter lassen sich vom Federseesteg aus Gänsesäger, Haubentaucher sowie verschiedene Entenarten beobachten, wie zum Beispiel LĂśffel-, Krick-, Knäk-, Schnatter- und Schellente.[68] StĂśrche konnten inzwischen wieder angesiedelt werden.
Urgeschichtliche Archäologie
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Ăbersicht und Bedeutung
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Federseebecken ist bekannt als eine der bedeutendsten archäologischen Fundlandschaften Deutschlands. In der Urgeschichtsforschung hat das Federseemoor sogar internationale Bedeutung. Das Federseeried mit dem Restfedersee in der Mitte bildet heute nämlich nicht nur eine der grĂśĂten zusammenhängenden Moorflächen des sĂźdwestdeutschen Alpenvorlandes, sondern er gilt seit seiner ersten archäologischen Erkundung 1875 bis heute als fundreichste Moorregion der prähistorischen Feuchtbodensiedlungs- und Pfahlbauforschung nĂśrdlich der Alpen. Man hat dort inzwischen mehr als 19 prähistorische Siedlungsplätze gefunden. Die groĂe Funddichte am Federsee hat dazu gefĂźhrt, dass der Gang der regionalen Besiedlungsgeschichte vom Spätpaläolithikum bis in die Eisenzeit hier exemplarisch nachvollzogen werden kann. Die urgeschichtliche Archäologie des Federseebeckens fĂśrdert denn auch Jahr fĂźr Jahr während der regelmäĂigen Grabungskampagnen des Landesdenkmalamtes in Stuttgart neue Erkenntnisse Ăźber die hier wohl einmalig dichte Besiedelung des Gebietes und die dortige Kultur vor allem während der spätneolithischen und bronzezeitlichen Phase zutage, insgesamt Ăźber einen Zeitraum von etwa 3800 Jahren. In dieser Periode waren die Feuchtgebiete des Federsees als Siedlungsgelände aufgesucht worden. Dieser Vorgang ist allerdings kein kontinuierlicher gewesen, sondern war ein von teils massiven Seespiegelanstiegen, aber auch von schweren KälteeinbrĂźchen immer wieder massiv unterbrochener Prozess. Im archäologischen Fundmaterial aller Epochen nachweisbare, weit reichende Kulturkontakte sowohl in der ost-westlichen wie der nord-sĂźdlichen Richtung (vgl. die Karten oben) zeigen dabei, dass die darin erkennbaren Stadien der Kulturentwicklung nicht bloĂ als Sonderfall einer peripheren Kleinlandschaft eingeordnet werden kĂśnnen. Der unweit der Oberen Donau und an einer nach SĂźden zum Bodensee und weiter Ăźber die Alpen fĂźhrenden Verkehrsachse gelegene Federsee war vielmehr in das weiträumige kulturhistorische Geschehen Mitteleuropas eingebunden, nahm dabei sowohl EinflĂźsse auf, die entlang der Donau eindrangen wie wohl auch solche Ăźber die Alpen aus dem Mittelmeerraum.
Seit 2011 stehen daher wegen ihrer exzellenten Erhaltungsbedingungen, vor allem aber wegen ihrer âzentralen Bedeutung fĂźr das universelle Kulturerbe der Menschheitâ drei der inzwischen entdeckten und erforschten Federsee-Siedlungsfundstätten auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO (Siedlung Forschner, Alleshausen-Grundwiesen, Alleshausen/Seekirch-Ădenahlen). Ăber das gesamte archäologische Spektrum informiert das bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegrĂźndete Federseemuseum in Bad Buchau mit seinen zwĂślf im AuĂenbereich zwischen 1998 und 2000 nach modernsten archäologischen Befunden rekonstruierten Moordorf-Häusern.
Chronologie der vorgeschichtlichen Kulturabfolge des Federseebeckens
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten](Stand nach Schlichtherle, 2009 und 2011/12)
Die Zeitangaben sind alle v. Chr. und beziehen sich lokal auf den Federsee, wenn Kulturen dort nicht nachweisbar sind auf SĂźddeutschland oder Mitteleuropa. Sie basieren lokal auf Pollenbefunden, C14 (Radiokarbonmethode: bei Angabe von Dat. als kalibrierte RC-Einzelmessungen), Thermolumineszenzdatierung und vor allem Dendrochronologie (âDendroâ oder âDendrodat.â).
An Fundorten werden nur die wichtigsten erwähnt. Die rÜmischen Ziffern an deren Ende bezeichnen verschiedene Grabungsstationen in derselben Gemarkung oder Flur bzw. einem Gewann. Zur genaueren Lokalisierung siehe die Ortsangaben im folgenden Kapitel samt Abbildung.
AbkĂźrzungen:
WKE = Weltkulturerbe der UNESCO[70]
>T = Transgression (Haupt-Ăberflutungsphase, jeweils Ca.-Beginn)
|
Steinzeit
Paläolithikum
Spät-/Endpaläolithikum
Mesolithikum (Mittelsteinzeit)
Frßhes bis mittleres Mesolithikum (Holozän): 8000 bis ca. 5700 v. Chr.
>T1 ca. 6950 v. Chr. Endmesolithikum (bis 5400) mit Ăbergang zum Altneolithikum (5400â5000)
Neolithikum
FrĂźhneolithikum 5400 bis 4400
A. Altneolithikum 5400 bis 5000
B. Mittelneolithikum 5000 bis 4400
Spätneolithikum 4400 bis 2300
A. Jungneolithikum 4400 bis 3500
>T4 ca. 4300 v. Chr.
>T5 ca. 3900 v. Chr.
>T6 ca. 3700 v. Chr.
>T7 ca. 2700 v. Chr.
Erste groĂe SiedlungslĂźcke: Endneolithikum bis FrĂźhbronzezeit Metallzeit
Bronzezeit
Ab ca. 2300 bis 800 v. Chr. bei regional starken Schwankungen
>T8 ca. 1500 v. Chr.
>T9 ca. 800 v. Chr. Ende der eigentlichen Moorbesiedelung (Feuchtbodensiedlungen). Siedlungen auf mineralischen BÜden (Inseln, Ufer) bestehen in der Metallzeit weiter. Eisenzeit Ab ca. 800 v. Chr.
Die nachweisbare prähistorische Besiedelung des eigentlichen Federseebeckens (Ried) endet danach; doch war das Beckenrandgebiet offenbar bis um 500/700 n. Chr. weiter sporadisch besiedelt mit Ăbergang zu kontinuierlichen Siedlungen am Beckenrand. Das Ried selbst im Becken blieb jedoch weiterhin siedlungsfrei.[71] Historische Zeit
RÜmer, Alamannen, Merowinger. Ab 700 n. Chr. ist im Bereich von Bad Buchau ein alamannischer Adelshof nachweisbar, siebzig Jahre später ein Nonnenkloster. |
Tourismus
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Das Federseegebiet profitiert hier vor allem von den beiden oben genannten Bereichen, also Natur- und Vogelschutz (Europareservat Federsee) sowie den teilweise als UNESCO-Welterbe ausgewiesenen vorgeschichtlichen archäologischen Stätten. Als Grundprinzip gilt der sog. Sanfte Tourismus.
Da durch den Schilf- und MoorgĂźrtel fast nirgends ein direkter Zugang zum offenen Wasser mĂśglich ist, gibt es in Bad Buchau den 1,5 Kilometer langen Federseesteg, der vom Parkplatz des Federseemuseums durch das Schilf bis zum offenen Wasser fĂźhrt, wo sich eine Beobachtungsplattform befindet. AuĂerdem fĂźhrt vom Parkplatz des Federseemuseums ein Steg durch das nach Walter Staudacher, einem Pionier der Federsee-Archäologie, benannte Banngebiet nach Moosburg. Dem Wasser am nächsten liegt Tiefenbach. Wenn der nur etwa zwei Meter tiefe Federsee im Winter gefroren ist, kann man von Tiefenbach zum Federseesteg nach Bad Buchau laufen. Rund um den Federsee fĂźhrt ein Rad- und Wanderweg mit einer Länge von ca. 20 km.
Das Federseemuseum und das NABU-Naturschutzzentrum in Bad Buchau bieten weitere MÜglichkeiten. Seit dem 1. April 2004 gibt es eine neue Anlaufadresse fßr Archäologie-Interessierte: den neuen ArchäoPark Federsee, wo das Federseemuseum Bad Buchau und die frisch ausgebaute Bachritterburg Kanzach Freilichtszenarien von der Altsteinzeit bis zum späten Mittelalter zeigen, darunter eine komplett und nach neuesten archäologischen Erkenntnissen rekonstruierte Feuchtbodensiedlung.
Weitere Schwerpunkte des Gebiets sind seine heilklimatischen Eigenschaften mit zahlreichen medizinischen Kur- und Reha-Einrichtungen, die auch Moortherapien anbieten. Bad Buchau ist entsprechend zugleich Heilbad.
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Federseebahn, stillgelegt
- Liste von Seen in Baden-WĂźrttemberg
Literatur und Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Thomas Bargatzky: KulturĂśkologie. In: Hans Fischer (Hrsg.): Ethnologie. EinfĂźhrung und Ăberblick. 3. Auflage. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1992, ISBN 3-496-00423-1, S. 383â406.
- Otto Beck: Kunst und Geschichte im Landkreis Biberach. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1983, ISBN 3-7995-3707-4.
- Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. 19. Auflage. F. A. Brockhaus, Mannheim 1994, ISBN 3-7653-1200-2.
- Barry Cunliffe (Hrsg.): Illustrierte Vor- und FrĂźhgeschichte Europas. Campus Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-593-35562-0.
- RĂźdiger German u. a.: Im Herzen Oberschwabens. Bad Buchau und der Federsee. 2. Auflage. Federsee-Verlag, Bad Buchau 1988, ISBN 3-925171-13-4.
- Astrid GrĂźttner und Raimund Wanke-GrĂźttner: Flora und Vegetation des Naturschutzgebietes Federsee (Oberschwaben). Zustand und Wandel. Mit einem Exkurs zur Vegetation des Allgemeinen Rieds im sĂźdlichen Federseebecken (Beihefte zu den VerĂśffentlichungen fĂźr Naturschutz und Landschaftspflege in Baden-WĂźrttemberg, Band 86). Karlsruhe 1996, ISBN 3-88251-234-2
- Hans GĂźnzl: Das Naturschutzgebiet Federsee. Geschichte und Ăkologie des grĂśĂten Moores SĂźdwestdeutschlands (FĂźhrer durch Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-WĂźrttembergs, Heft 7), Landesanstalt fĂźr Umweltschutz Baden-WĂźrttemberg, Karlsruhe 1983, ISBN 3-88251-077-3. 2. erweiterte Auflage, Karlsruhe 1989
- Gerhard Haas, Hans Schwenkel: Das Naturschutzgebiet Federsee. (= VerĂśffentlichungen der WĂźrtt. Landesstelle f. Naturschutz und Landschaftspflege. Heft 18). 1949.
- Herder-Lexikon der Biologie. 8 Bände. Spektrum Akad. Verlag, Heidelberg 1994, ISBN 3-86025-156-2.
- Emil Hoffmann: Lexikon der Steinzeit. Verlag C. H. Beck, Mßnchen 1999, ISBN 3-406-42125-3.
- Claus-Peter Hutter (Hrsg.), Alois Kapfer, Werner Konold: See, Teiche, Tßmpel und andere Stillgewässer. Biotope erkennen, bestimmen, schßtzen. Weitbrecht Verlag, Stuttgart 1993, ISBN 3-522-72020-2.
- Erwin Keefer (Hrsg.): Die Suche nach der Vergangenheit. 120 Jahre Archäologie am Federsee. Katalog zur Ausstellung. Wßrttembergisches Landesmuseum Stuttgart, 1992, ISBN 3-929055-22-8, S. 62.
- J. Kingdon: Und der Mensch schuf sich selbst. Das Wagnis der menschlichen Evolution. Birkhäuser, Basel 1994, ISBN 3-7643-2982-3.
- Wolf Kubach: Vergraben, versenkt, verbrannt â Opferfunde und Kultplätze. In: Bronzezeit in Deutschland. (= Archäologie in Deutschland. Sonderheft. 1994). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1994, ISBN 3-8062-1110-8, S. 65â74.
- Landesamt fßr Denkmalpflege Baden-Wßrttemberg (Hrsg.): Unesco-Welterbe: Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen in Baden-Wßrttemberg. Text: Sabine Hagmann, Helmut Schlichtherle, Landesamt fßr Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Arbeitsstelle Hemmenhofen 2011.
- Franz Mertens: Wunderwelt Federsee. Biberach 2012, ISBN 978-3-933614-97-1
- Hermann Mßller-Karpe: Grundzßge frßher Menschheitsgeschichte. Band 2: 2. Jahrtausend v. Chr. Theiss Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-8062-1309-7.
- Helmut Schlichtherle: Die archäologische Fundlandschaft des Federseebeckens und die Siedlung Forschner. Siedlungsgeschichte, Forschungsgeschichte und Konzeption der neuen Untersuchungen. In: Die frĂźh- und mittelbronzezeitliche âSiedlung Forschnerâ im Federseemoor. Befunde und Dendrochronologie. (= Siedlungsarchäologie im Alpenvorland. XI; = Forsch. u. Ber. Vor- u. FrĂźhgesch. Baden-WĂźrttemberg. 113). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-8062-2335-4, S. 9â70.
- Helmut Schlichtherle, N. Bleicher, A. Dufraisse, P. Kieselbach, U. Maier, E. Schmidt, E. Stephan, R. Vogt: Bad Buchau â Torwiesen II: Baustrukturen und Siedlungsabfälle als Indizien der Sozialstruktur und Wirtschaftsweise einer endneolithischen Siedlung am Federsee. In: E. ClaĂen, T. Doppler, B. Ramminger (Hrsg.): Familie â Verwandtschaft â Sozialstrukturen: Sozialarchäologische Forschungen zu neolithischen Befunden. (= Fokus Jungsteinzeit. Band 1). Welt und Erde Verlag, Kerpen-Loog 2010, ISBN 978-3-938078-07-5, S. 157â178.
- Helmut Schlichtherle: Bemerkungen zum Klima- und Kulturwandel im sĂźdwestdeutschen Alpenvorland im 4.â3. Jts. v. Chr. In: Falko Daim, Detlef Gronenborn, Rainer Schreg (Hrsg.): Strategien zum Ăberleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung. RGZM -Tagungen 11 (Mainz 2011). Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-88467-165-8, S. 155â167.
- TomĂĄĹĄ SedlĂĄÄek: Die Ăkonomie von Gut und BĂśse. Hanser, MĂźnchen 2012, ISBN 978-3-446-42823-2.
- Walter Zimmermann (Hrsg.): Der Federsee. (= Die Natur- und Landschaftsschutzgebiete Baden-Wßrttembergs. Band 2). Verlag des Schwäbischen Albvereins, Stuttgart 1961, DNB 451222814.
- Marion Papi: Die im groĂen Buche der Natur zu lesen verstehen⌠Walter Staudacher. Ein Lebens- und Zeitbild vom Federsee. Verlag Heidi Ramlow. Berlin 2011. ISBN 978-3-939385-05-9
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Federseemuseum
- NABU-Zentrum Federsee
- Film Ăźber den Federsee von 1985 vom Autor autorisiert
- Federsee. (PDF) Seensteckbrief. LUBW Landesanstalt fĂźr Umwelt Baden-WĂźrttemberg â Institut fĂźr Seenforschung, April 2023.
- Steckbrief des Naturschutzgebiets beim LUBW
- Landschaftssteckbrief des Bundesamts fĂźr Naturschutz
- Karte Nr. 179 (Ulm) der Geographische Landesaufnahme naturräumliche Gliederung (PDF; 5 MB)
Einzelnachweise und Anmerkungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 6 7 Dokumentation von Zustand und Entwicklung der wichtigsten Seen Deutschlands: Teil 10 Baden-WĂźrttemberg (PDF; 411Â KB)
- â Ob er der zweit- oder drittgrĂśĂte ist, darĂźber gehen die Meinungen auseinander. Der drittplatzierte Titisee hat zwar mit 1,3 km² eine etwas geringere Fläche, ist aber 20 m tief und nicht bloĂ von 60 cm bis maximal 2,80 m. AuĂerdem ist seine Wasserfläche stabil und unterliegt nicht, wie beim lediglich durch Niederschläge regulierten Federsee, Schwankungen durch auch jahreszeitlich variierende Ăbergänge in einen breiten Moor- und SchilfgĂźrtel. Auch die etwas unterschiedlichen Zahlenangaben bei der See- und Moorfläche in der Literatur erklären sich so, zumal es schwierig ist, im breiten und teils recht irregulär in den See ragenden RiedgĂźrtel die Grenze Wasser/Land und Moor/Nicht-Moor exakt festzulegen, wie das fĂźr präzise Flächenberechnungen notwendig wäre.
- â Das Federseemuseum. Archiviert vom (nicht mehr online verfĂźgbar) am 21. Februar 2020; abgerufen am 16. April 2020.
- â Viele Einzelheiten vor allem zur Natur insgesamt des folgenden Artikels sind den Internet-VerĂśffentlichungen des NABU (Naturschutzbund Deutschland e. V.) entnommen, vgl. nabu-federsee.de, diese sind aus praktischen GrĂźnden nicht in jedem Einzelfalle als Quelle ausgewiesen.
- â Schlichtherle, Karten S. 18â23.
- â Brockhaus Enzyklopädie: Deutsches WĂśrterbuch. Band 28, S. 2785.
- â Schlichtherle, Karte S. 23.
- â Schlichtherle u. a., Torwiesen II, S. 157â178.
- â Keefer, S. 69 ff.
- â Kubach, S. 65â74.
- â MĂźller-Karpe, Band 2, S. 71, 189; Cunliffe, S. 276, f., 308 f., 310 f.; Buhl, S. 70 ff.
- â Zu Sagen, Märchen und Brauchtum vgl. vor allem die Sammlungen Anton Birlingers aus dem 19. Jh.
- â Gero von Wilpert: SachwĂśrterbuch der Literatur (= KrĂśners Taschenausgabe. Band 231). 3., verbesserte und erweiterte Auflage. KrĂśner, Stuttgart 1961, DNB 455687846, S. 355 f., S. 535.
- â Keefer, S. 87; Schlichtherle, S. 45.
- â nabu-federsee.de
- â books.google.de
- â Sprachistorisch benutzt wurden u. a.: Kluge. Etymologisches WĂśrterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. bearb. von Elmar Seebold. de Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1; Hermann Paul: Deutsches WĂśrterbuch. 6. Auflage. bearb. v. Werner Betz, Max Niemeyer, TĂźbingen 1966; Matthias Lexers mittelhochdeutsches TaschenwĂśrterbuch, Hirzel Verlag, Stuttgart 1961; Wilhelm Braune, Walter Mitzka: Althochdeutsche Grammatik. 10. Auflage. Max Niemeyer, TĂźbingen 1961; Walter Henzen: Deutsche Wortbildung. Max Niemeyer, TĂźbingen 1965; Ulrich Knoop: WĂśrterbuch deutscher Dialekte. Parkland Verlag, KĂśln 2001, ISBN 3-89340-009-5.
- â Kluge, S. 12, 69; Henzen, S. 139 f., 273.
- â Veck, S. 221.
- â Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 573.
- â Beck, S. 185.
- â Beck, S. 201.
- â Paul, S. 292.
- â Keefer, S. 89.
- â Kluge, S. 886.
- â Beck, S. 230.
- â Beck, S. 213 f.
- â Evtl. ahd./lat. beraht Hrabani/ villa habere = âdas schĂśne Landgut des/ Hrabanusâ. Diese PergamentkĂźrzel waren vor allem in Eigentums- bzw. Stiftungslisten, und darum handelt es sich hier ja, damals Ăźblich, um Platz zu sparen, ebenso / (nicht l!) als Syntaxzeichen oder Trenner. Hraban ist ein auch heute noch hie und da gebräuchlicher Vorname mit der Bedeutung âRabeâ. Sein berĂźhmtester Träger war Hrabanus Maurus (ca. 780â846)
- â Braune/Mizzka, §§ 125, A. 1, 153, A.1.
- â Beck, S. 220.
- â Beck, S. 217.
- â Beck, S. 214.
- â Herder Lexikon, Band 1, S. 299.
- â Kluge, S. 364.
- â Aufnahme eines Auerhahns auf jagd.it ( vom 7. Oktober 2007 im Internet Archive) (MP3; 1,0Â MB)
- â Beck, S. 219.
- â Vgl. Braune/Mitzka, S. 199 ff: Der ahd. Genitiv Singular der n-Deklination des Namens Ato lautet Atin, (also Haus des Ato), später zu Aten abgeschliffen, vgl. Uffo in âZuffenhausenâ usw.
- â Beschreibung des Oberamts Riedlingen auf Wikisource
- â oberkaernten.info ( vom 2. April 2013 im Internet Archive)
- â boari.de ( vom 6. März 2016 im Internet Archive)
- â Beschreibung des Oberamts Riedlingen/Kapitel B 30
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- â Hutter, S. 14, 145.
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- â nabu-federsee.de
- â Fische im Federsee
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- â Schlichtherle, 2009, S. 17, 46.
- â nabu-federsee.de
- â Hutter, S. 32.
- â Keefer, S. 9â12, 27 ff., 78 ff., 83.
- â themenpark-umwelt.baden-wuerttemberg.de
- â nabu-federsee.de
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- â Schlichtherle, S. 13.
- â nabu-federsee.de
- â Einzelheiten siehe Hans GĂźnzl: Das Naturschutzgebiet Federsee. Silberburg-Verlag, TĂźbingen 2007, ISBN 978-3-87407-747-7.
- â nabu-federsee.de
- â Schlichtherle, 2009, S. 14, 34.
- â Landesamt fĂźr Denkmalpflege Baden-WĂźrttemberg 2011, S. 38â43.
- â Hoffmann, S. 127 f.
- See in Europa
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