Zum Inhalt springen

Geispitzen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Geispitzen
Geispitzen (Frankreich)
Geispitzen (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin (68)
Arrondissement Mulhouse
Kanton Brunstatt-Didenheim
Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération
Koordinaten 47° 40′ N,  25′ OKoordinaten: 47° 40′ N,  25′ O
Höhe 246–333 m
Fläche 6,02 km²
Einwohner 516 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 86 Einw./km²
Postleitzahl 68510
INSEE-Code

Gemeindeverwaltung und Mehrzweckhalle

Geispitzen ist eine französische Gemeinde mit 516 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass). Sie gehört zum Kanton Brunstatt-Didenheim und zum Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération.

Geispitzen liegt im Sundgau auf 246 bis 333 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, 18 Kilometer nordwestlich von Basel, 14 Kilometer südöstlich von Mülhausen, neun Kilometer südöstlich von Rixheim und drei Kilometer nordwestlich des Kantonshauptorts Sierentz, zwischen den Nachbargemeinden Schlierbach im Nordwesten und Waltenheim im Südosten. Das Gemeindegebiet umfasst 6,02 Quadratkilometer. Im Osten hat die Gemeinde einen Anteil am Forêt Domaniale de la Hardt.

Geispitzen liegt nahe dem Ostrand des lössbedeckten Sundgauer Tertiärhügellandes. Auf der Gemarkung entspringen zwei Bäche: der Saurunz-Bach und der Bach des Wingentalgrabens. Letzterer ist im Dorf kanalisiert und mündet bei den Fischweihern südlich des Dorfes in den Saurunz. Dieser erreicht bei Sierentz die Rheinebene und versickert bei den Weihern in der Nähe des Wolfgartens in den Schottern des Rheins.

Das Gemeindegebiet ist seit der Jungsteinzeit besiedelt. Es wurden zwei Siedlungen aus gallo-römischer Zeit auf dem Gemeindegebiet entdeckt. Außerdem wurden Überreste der Römerstraße von Kembs (Cambete) nach Besançon (Vesontio gefunden.[1]

Geispitzen wird 1276 als Geispotzheim erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortsnamenendung -heim deutet auf eine Gründung unter fränkischem Einfluss hin. Die Ortschaft gehörte seit dem 13. Jahrhundert zur habsburgischen Herrschaft Landser. Geispitzen litt im 15. und 16. Jahrhundert unter Streitigkeiten zwischen Basel und den Habsburgern. Im Westfälischen Frieden 1648 kam der Ort mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gehörte Geispitzen bis 1918 zum Reichsland Elsass-Lothringen. Im Ersten Weltkrieg lag der Ort abseits der Hauptkampflinie und blieb bis Kriegsende in deutscher Hand. Im Zweiten Weltkrieg gelangte der Ort nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 unter deutsche Verwaltung. Geispitzen wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 20. November 1944. durch Truppen der 1. französischen Armee unter General de Lattre de Tassigny von der Naziherrschaft befreit. Dies geschah im Zuge der Offensive der Alliierten gegen den von den Deutschen noch immer hartnäckig verteidigten Brückenkopf Elsass (poche de Colmar), wobei sie die Brücke bei Chalampé/Neuenburg unbedingt halten mussten, um Nachschub und schließlich den Rückzug zu ermöglichen.

1793 erhielt Geispitzen (als Geispitz) im Zuge der Französischen Revolution (1789–1799) den Status einer Gemeinde und 1801 das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.

Bevölkerungsentwicklung

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Jahr19621968197519821990199920062019
Einwohner298303306395441418412502

Die Pfarrkirche Saint-Jean-Baptiste (Johannes der Täufer) wurde 1807 anstelle einer Kapelle Saint-Germain aus dem 14. Jahrhundert erbaut. Der Glockenturm wurde 1925 vergrößert, 1927 bekam der Turm ein Walmdach. 1954, 1955 und 1976 wurden Restaurierungsarbeiten durchgeführt. 1978 wurde der Turm mit einem neuen Satteldach versehen. Von den ursprünglichen Kircheneinrichtungen blieben nur die Chorstühle erhalten, die aus dem Kloster Lützel stammen. 1807 wurde auch das zugehörige Pfarrhaus erbaut. 1960 wurde es verkauft und befindet sich heute im Privatbesitz.

Die ehemalige Mairie (Rathaus), die zugleich als Schule diente, wurde um 1900 erbaut. 1986 wurde eine neue Mairie gebaut, seitdem wird das Gebäude nur als Schule genutzt.

Gut erhaltene Fachwerkbauten: Über der mit einem Kragsteinbogen versehenen Tür des Hauses Nr. 25 an der Rue du Général de Gaulle aus dem Jahr 1608 sieht man ein Wappen mit Berufsemblemen (Winzer, Maurer) der ursprünglichen Bewohner. Das Fachwerk über dem gemauerten Erdgeschoss mit geschweiften Andreaskreuzen ("Scherenstühlen") noch alt, aber beim Einbau neuerer Fensteröffnungen verändert.

An der Rue de la Libération findet man eine Anzahl gut erhaltener Fachwerkhäuser aus der Zeit des Wiederaufbaues nach dem Dreißigjährigen Krieg (aus den 1680er Jahren), alle bereits in der neueren Stockwerkbauweise erstellt, zum Teil mit gemauertem Erd- oder Kellergeschoss und mit traufseitigen Lauben (mehrfach ist die Laubenbrüstung mit Andreaskreuzen verziert. Bei Nr. 20 ruht originellerweise die vordere Hälfte der Laube auf einem Wohnraum.[2]

Wichtige Erwerbszweige der Bewohner sind Ackerbau und die Zucht von Hausrindern.[3]

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1115–1116.
Commons: Geispitzen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. VR25 auf Itinéraires romains en France (französisch) Abgerufen am 26. Februar 2010
  2. A. Gardner, M. Grodwohl: La maison paysanne du Sundgau. Alsatia, Colmar 1989, S. 107.
  3. Annuaire des commerçants von Geispitzen auf der Webseite der La Communauté de Communes du Pays de Sierentz (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive) in Französisch.