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Michael Mendl

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Michael Mendl bei der Eröffnung des Boulevards der Stars, 2010

Michael Mendl (* 20. April 1944 in Lünen als Michael Sandrock;[1] † 31. Juli 2026[2] in Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Hörspiel-, Hörbuch- und Synchronsprecher. Von 1975 bis 2026 stand er in über 180 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera und wirkte in etlichen Theaterinszenierungen mit. Als Charakterdarsteller verkörperte er oftmals schwierige und zwielichtige Charaktere auf der Theaterbühne wie auch in Film und Fernsehen, wie etwa Ärzte, Psychopathen, Kriminelle, Gefängnisinsassen und hohe Funktionäre.

Herkunft und Ausbildung

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Michael Mendl wurde als unehelicher Sohn der Medizinstudentin Martha Sandrock und des katholischen Priesters Clemens Krosche geboren;[3][4][5] die Eltern hatten sich in Duisburg kennengelernt.[3] Die ersten fünf Jahre seiner Kindheit verbrachte er mit seiner Mutter und Anverwandten im Ruhrgebiet und in Leverkusen-Wiesdorf,[4] 1949 heiratete seine Mutter den österreichischen Textilingenieur Ernst Mendl, der ihn adoptierte. Die ersten Jahre verbrachte die Familie in Krefeld, bis sie Mitte der 1950er Jahre nach Ludwigshafen am Rhein zog, wo Mendls Stiefvater bei der BASF arbeitete.[5] In Mannheim besuchte Mendl ein humanistisches Gymnasium, wo er 1965 sein Abitur erlangte; im selben Jahr begann er sein Studium der Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte in Wien, was er als Interimszeit betrachtete, denn er wollte Schauspielstudent des Max Reinhardt Seminars in Wien werden. 1966 ging er dann jedoch als Student an die Folkwang-Hochschule in Essen, an der er 1969 die Bühnenreifeprüfung ablegte.[6]

Seine Schauspielerkarriere begann Mendl während seiner Schulzeit als 14-Jähriger als Statist am Nationaltheater Mannheim. Es folgten Engagements an verschiedenen Theatern in Deutschland. Er hatte Festengagements am Staatstheater Darmstadt, am Staatstheater Stuttgart und am Bayerischen Staatsschauspiel in München.

In den 1980er Jahren spielte er am Staatstheater Stuttgart unter anderem Tillmann in Die Villa von Tankred Dorst (Uraufführung 1980; Regie: Günter Krämer), Lambacher in Der staubige Regenbogen von Hans Henny Jahnn (1982; Regie: Hansgünther Heyme), George in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (1983; Regie: Thomas Schulte-Michels) und den Hauptmann in Woyzeck (1986; Regie: Jossi Wieler). Von 1988 bis 1993 war er festes Ensemble-Mitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Zu seinen Rollen dort gehörten unter anderem Garcin in Geschlossene Gesellschaft (1988), Marat in Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade von Peter Weiss (1988), Boris in Kinder der Sonne von Maxim Gorki (1989), Vater in Sechs Personen suchen einen Autor (1990), Saranieff in Der Marquis von Keith von Frank Wedekind (1991) und Burleigh in Maria Stuart (1991); alle jeweils unter der Regie von Thomas Schulte-Michels.

Er gastierte ebenfalls an den Münchner Kammerspielen (1981; als Ossip in Platonow; Regie: Thomas Langhoff) sowie am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Schauspielhaus Hamburg und an der Volksbühne in West-Berlin; außerdem war er Gast bei den Salzburger Festspielen, so als Messala in Julius Caesar (1993; Regie: Peter Stein), als Caesar in Antonius und Cleopatra (1994/1995; Regie: Peter Stein), als Schuldknecht in Jedermann (1995; Regie: Gernot Friedel) und als Landstreicher in Der Kirschgarten (1995; Regie: Peter Stein). Nach langjähriger Bühnenabstinenz kehrte er im September 2013 mit dem Thomas-Bernhard-Stück Vor dem Ruhestand im Theater in der Josefstadt in Wien auf die Bühne zurück.

Film und Fernsehen

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Ab 1975 wirkte Mendl auch, zunächst eher vereinzelt, in Film- und Fernsehproduktionen.[7][8][9] Erstmals vor der Kamera stand er in einer Folge der Krimiserie Der Kommissar. Es folgte 1989 eine Rolle als vorbestrafter Triebtäter Koslowski in dem Tatort-Krimi Die Neue mit Ulrike Folkerts. Sein Filmdebüt gab er 1991 unter Regisseur Gert Steinheimer neben Ulrike Kriener in einer der Hauptrollen in der schwarzen Komödie Killer. Im selben Jahr spielte er in dem Erstlingswerk von Sherry Hormann Leise Schatten (1992 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet) den Vater der Hauptfigur. In Sönke Wortmanns Kinokomödie Kleine Haie übernahm er 1992 eine kleinere Rolle als Examiner Essen. 1994 entschied er sich, nur noch als Film- und Fernsehschauspieler zu arbeiten.

Mendl spielte wiederholt intelligente Führungspersönlichkeiten mit ehrenhaftem Charakterprofil. So übernahm er etwa in dem oscar-nominierten Kinofilm Der Untergang die Rolle des Generals der Artillerie Helmuth Weidling, in Die Gustloff den Kapitän Johannsen, den Lagerarzt und Fluchthelfer Dr. Stauffer in So weit die Füße tragen (2001), den hohen Kirchenfunktionär Kardinal Monsignore Hudal in Amen (Regie: Costa-Gavras), in Karol Wojtyła – Geheimnisse eines Papstes (TV, Regie: Gero von Boehm, 2006) Papst Johannes Paul II. und unter Bernd Fischerauer in dessen dokumentarischen Spielfilmen Die Reichsgründung und Die nervöse Großmacht den ersten deutschen Kaiser ab 1871 Wilhelm I.

Ebenso verkörperte er bodenständige Charaktere wie den Bauern Moser in Es geschah am hellichten Tag (Regie: Nico Hofmann, 1997) oder den Nulf in Schlafes Bruder (Regie: Joseph Vilsmaier, 1995). In Melodramen übernahm er häufig die Rolle des charmanten Manns, so, wiederholt neben Hannelore Elsner als Spielpartnerin, in Martin Enlens Andrea und Marie als Ralf, der zwischen Pflicht und Leidenschaft laviert und schließlich von den eigenen Lügen eingeholt wird oder als Tierarzt Dr. George Hill in Mein Herz in Afrika (2007).

Mendl wirkte zudem in einigen Kinder- und Jugendproduktionen, wie 2011 in der Titelrolle in Manuel Siebenmanns Märchenadaption Der Eisenhans nach den Brüdern Grimm aus der ZDF-Filmreihe Märchenperlen und in der deutsch-österreichisch-spanischen-Koproduktion Hexe Lilli – Die Reise nach Mandolan als König Nandi.

Um den Film-Nachwuchs zu unterstützen, übernahm Mendl 2016 eine der Hauptrollen in Moritz Bolls Roadmovie Elise und verzichtete auf jegliche Gage.[10]

Viel Lob erfuhr seine Interpretation von Willy Brandt in dem Fernsehzweiteiler Im Schatten der Macht über das Leben des ehemaligen Bundeskanzlers, für die Mendl 2004 mit der Goldenen Kamera als bester deutscher Schauspieler ausgezeichnet wurde. 1997 erhielt er eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis, 1998 für den Bayerischen Filmpreis.

Mendl, der ab 2005 wiederholt in der Krimireihe Ein starkes Team gastierte, hatte in der im Februar 2026 erstgesendeten Folge Abgeschleppt seine letzte Rolle vor der Kamera. Er spielte darin Gerhard Trojetzki, den verbitterten Widersacher der alten Schule, dessen Existenz und Familienehre eng mit dem verhärteten Berliner Abschleppmilieu verknüpft sind.[11]

Hörspiele und Synchronarbeiten

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Michael Mendl betätigte sich umfangreich als Hörspiel- und Synchronsprecher. Er wirkte in zahlreichen Hörspielen, wie etwa in Krabat nach Otfried Preußler (2010 produziert vom WDR), Doktor Faustus nach Thomas Mann, in Karl Mays Der Orientzyklus[12] und 2003 in Laura Ruohonens Königin C.[13]

Als Synchronsprecher lieh Mendl unter anderem F. Murray Abraham in Forrester: Gefunden, Rob Reiner in Schlaflos in Seattle, Stellan Skarsgård in King Arthur, Timothy Dalton in Die Hure des Königs und Rolf Lassgård in Ellas Geheimnis seine Stimme. In der Serie Twilight Zone aus den 1980er Jahren sprach er den Erzähler.[14]

Darüber hinaus war er die Station-Voice des Radiosenders SDR 3 („Radio für den wilden Süden“).

Soziales Engagement

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Ab 2000 war Mendl als Mentor für das Projekt LILALU tätig. Ab 2003 engagierte er sich für Faszination Regenwald e. V. u. a. in Französisch-Guayana.[15] Über dieses Engagement entstand 2007 eine WDR-Dokumentation mit dem Titel Mein Leben am seidenen Faden. Ab 2008 war er Schirmherr des Vereins Gegen Noma-Parmed e.V. zur Bekämpfung der Kinderkrankheit Noma.[16] Ab 2011 engagierte er sich auch in verschiedenen Aktionen für das Nachbarschaftszentrum „Suppenküche Lichtenrade e. V.“ in Berlin.[17] Zudem war Mendl Botschafter der SOS-Kinderdörfer.

Privates und Tod

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Michael Mendl war 15 Jahre lang mit der Schauspielerin und Sängerin Doris Mendl verheiratet. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor. Von 1989 bis 2009 war er mit der Schauspielerin Carolin Fink (* 1966) liiert. Der Beziehung entstammen zwei Kinder; darunter die Schauspielerin Joana Mendl-Fink (* 1992).

Nachdem er 2007 eine Erkrankung an Speiseröhrenkrebs und 2012 an Darmkrebs überstanden hatte,[18] erhielt er 2025 die Diagnose Hautkrebs, in dessen Folge ihm ein Teil der rechten Ohrmuschel entfernt werden musste.[19] Mendl starb 2026 im Alter von 82 Jahren in Berlin.[20]

Fernsehserien und Fernsehreihen

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Hörspiele (Auswahl)

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Commons: Michael Mendl – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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  1. ↑ Michael Mendl Artikelanfang frei abrufbar, im Munzinger-Archiv, abgerufen am 7. September 2026 (Zugriff für angemeldete Benutzer)
  2. ↑ Details zu seinem Tod: Michael Mendl starb bereits im Juli – und war "sehr einsam". In: t-online.de. 13. September 2026, abgerufen am 13. September 2026.
  3. 1 2 Wir Wunderkinder (1/2). ZDF, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 25. Dezember 2023; abgerufen am 25. Dezember 2023.
  4. 1 2 Michael Mendl lebt als glücklicher Single in Charlottenburg. In: B.Z. 10. Oktober 2021, abgerufen am 25. Dezember 2023.
  5. 1 2 Michael Mendl im Munzinger-Archiv, abgerufen am 12. Dezember 2023 (Artikelanfang frei abrufbar)
  6. ↑ Michael Mendl. In: filmportal.de. Deutsches Filminstitut, abgerufen am 6. Februar 2022.
  7. ↑ Michael Mendl († 82). In: OFDb.de. Abgerufen am 5. September 2026.
  8. ↑ Filmografie Michael Mendl. imfernsehen GmbH & Co KG, 11. Oktober 2024, abgerufen am 5. September 2026.
  9. ↑ Michael Mendl. In: filmportal.de. Abgerufen am 5. September 2026.
  10. ↑ Gunda Meyer: "Elise" feierte Herzblut-Premiere. In: Kieler Nachrichten. 20. März 2016, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 28. November 2018; abgerufen am 24. Mai 2020.
  11. ↑ Ein starkes Team – Abgeschleppt. In: ZDF. Abgerufen am 5. September 2026.
  12. ↑ Sprecher: Michael Mendl. In: WDR 5. Archiviert vom Original am 31. Juli 2008; abgerufen am 14. September 2026.
  13. ↑ Hörspiel Königin C von Laura Ruohonen
  14. ↑ Michael Mendl. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 5. September 2026.
  15. ↑ Faszination Regenwald e. V. Engagement von Michael Mendl für den Regenwald
  16. ↑ Gegen Noma e. V. Engagement von Michael Mendl als Schirmherr des Vereins Gegen Noma e. V.
  17. ↑ Hier kocht Mendl ein Chili con Held. B.Z. vom 16. März 2011.
  18. ↑ Schauspiellegende Michael Mendl ist tot – er starb im Alter von 82 Jahren. 5. September 2026, abgerufen am 5. September 2026.
  19. ↑ So geht Michael Mendl mit dem Krebs um. In: brisant.de. 22. Dezember 2025, abgerufen am 5. September 2026.
  20. ↑ Liebling des Publikums. In: sueddeutsche.de. 5. September 2026, abgerufen am 5. September 2026.
  21. ↑ Götz-George-Preis geht an Michael Mendl. In: leadersnet.de. 27. Oktober 2024, abgerufen am 27. Oktober 2024.