Philipp von Rodenstein

Philipp von Rodenstein (* 1564; â 21. MĂ€rz 1604 in Speyer) war ein adeliger deutscher Kleriker und von 1595 bis 1604 FĂŒrstbischof von Worms.
Herkunft und Familie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Er entstammte dem Adelsgeschlecht von Rodenstein und war der Sohn Engelhards II. von Rodenstein (1512â1568) sowie dessen zweiter Gattin Barbara von Oberstein (â 1613). Die Eltern lebten mit ihren Kindern in Dalsheim (der Vater mit seiner 1556 verstorbenen, ersten Frau schon seit 1555) und wurden spĂ€ter in der Wormser Pauluskirche bestattet, wo man ihnen ein schönes Epitaph widmete, das sich derzeit im Stadtmuseum Worms befindet.[1] In Dalsheim erinnert noch die Weinlage Burg Rodenstein an den nicht mehr vorhandenen Herrensitz der Familie. Des Bischofs Schwester Agnes von Rodenstein war verheiratet mit Christoph Lerch von Dirmstein, dem Halbbruder von Caspar IV. Lerch von Dirmstein.[2][3]
Leben und Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Philipp von Rodenstein wuchs in Dalsheim auf, vermutlich war er auch dort geboren. Nach dem frĂŒhen Tod seines Vaters bestellte man den Bruder der Mutter, Andreas von Oberstein, Speyerer Domdekan und weithin bekannter Reformer im Sinne des Konzils von Trient,[4] zu seinem Vormund.[5] 1574 wurde Rodenstein Domizellar am Domstift Worms, 1582â84 absolvierte er das Biennium an der UniversitĂ€t Ingolstadt und studierte von 1584 bis 1591 an den UniversitĂ€ten Bourges (1584â86), Löwen (1586â87), Bologna (1587â89 bzw. 1590â91) sowie Siena (1589).
1593 avancierte Philipp von Rodenstein zum Kantor, 1595 zum Kustos am Wormser Dom, den 16. September gleichen Jahres wĂ€hlte man ihn zum Bischof von Worms, welches Amt er bis zu seinem Tode, 1604, bekleidete. Als Bischof nannte man ihn Philipp I. von Rodenstein. Er war bekannt fĂŒr seinen Pflichteifer und fĂŒr seine strenge Kirchenzucht. AuĂerdem bemĂŒhte sich der Oberhirte mit groĂer Sorgfalt um den Erhalt der Kirchen und der Schlösser in seinem Bistum. In diesem Zusammenhang lieĂ er in Dirmstein die Sommerresidenz der Wormser Bischöfe erneuern und es ist dort bis heute sein Wappenstein mit Inschrift eingemauert. FĂŒr den Wormser Dom stiftete er einen neuen Hochaltar mit Weiheinschrift, der jedoch beim Dombrand von 1689 unterging.[6]
Im FĂŒrstbistum Speyer hatte Rodenstein die WĂŒrde eines Domkapitulars inne und machte mehrere Stiftungen fĂŒr den Speyerer Dom.[7] In dieser Eigenschaft vertrat er 1594, zusammen mit dem spĂ€teren Bischof Philipp Christoph von Sötern, den Speyerer Bischof Eberhard von Dienheim, als BevollmĂ€chtigter auf dem Reichstag zu Regensburg.[8]
AnlÀsslich des andauernden Wildfangstreites mit der Kurpfalz reiste Bischof Rodenstein 1597 zu Kaiser Rudolf II. nach Prag, um dort Hilfe zu erlangen. Philipp von Rodenstein starb 1604 in Speyer, wohin er sich im Auftrag des Kaisers begeben hatte um einen Reichsdeputationstag zu eröffnen.
Er wurde im Dom zu Worms beigesetzt und erhielt dort ein Grabdenkmal mit seiner Statue. Das Denkmal wurde zerstört, die stark beschĂ€digte Grabplatte befindet sich heute im Stadtmuseum Worms,[9] die Tafel mit der Grabinschrift existiert noch im Westchor des Domes. Darin heiĂt es u. a.:
âDem HochwĂŒrdigen FĂŒrsten und Herrn, Philipp, aus dem Geschlecht der Edlen zu Rodenstein stammend, den Dekan und Kapitel dieser Basilika im Jahre der Menschwerdung Jesu Christi, 1595, am 16. September, wegen seiner vortrefflichen Geistesgaben und VorzĂŒge, der SchĂ€rfe seines Urteils, seiner bewĂ€hrten Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Menschlichkeit, schlieĂlich wegen seiner wunderbaren Klugheit und Geschicklichkeit die GeschĂ€fte zu fĂŒhren, einmĂŒtig, mit den Stimmen aller, zum Bischof und Vorsteher der Wormser Kirche wĂ€hlten...â
Der spĂ€tere Wormser Bischof Georg Anton von Rodenstein war ĂŒber die vĂ€terliche Familienlinie (Rodenstein) der Enkel seines Cousins; ĂŒber die mĂŒtterliche Familienlinie (Oberstein) jedoch sein eigener Cousin.[11]
Galerie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- BeschÀdigtes Wappenepitaph der Eltern im Stadtmuseum Worms
- Grabstein der Schwester Agnes Lerch von Dirmstein geb. von Rodenstein (â 1617), Stadtmuseum Worms
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Wilhelm Franck: Urkundliche Geschichte der Herrn von Rodenstein und ihrer Besitzungen (1293â1671) nebst Bemerkungen ĂŒber die rodensteinischen Sagen. In: Archiv fĂŒr hessische Geschichte und Alterthumskunde, Band 11, Darmstadt 1867, S. 561â645, hier: S. 612â613; Digitalscan der Quelle
- Rudolf Vierhaus: Deutsche Biographische EnzyklopÀdie, Band 8, Seite 466, Verlag Walter de Gruyter, 2007, ISBN 3110940256; Scan aus der Quelle
- Friedhelm JĂŒrgensmeier: Das Bistum Worms von der Römerzeit bis zur Auflösung 1801. Echter Verlag, WĂŒrzburg 1997, Seiten 185â187, ISBN 3-429-01876-5.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Eintrag zu Philipp von Rodenstein auf catholic-hierarchy.org (englisch)
- Eintrag zu Philipp von Rodenstein auf gcatholic.org (englisch)
- Philipp von Rodenstein in den Datenbanken des Wissensaggregators Mittelalter und FrĂŒhe Neuzeit des Forschungsprojekts Germania Sacra
- DI 29, Worms, Nr. 607 (RĂŒdiger Fuchs); Grabplatte des Wormser Bischofs Philipp von Rodenstein im Stadtmuseum in Worms im Portal Die Deutschen Inschriften.
- DI 29, Worms, Nr. 611 (RĂŒdiger Fuchs); Epitaph des Bischofs Philipp von Rodenstein im Dom zu Worms im Portal Die Deutschen Inschriften.
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â RĂŒdiger Fuchs: Die Inschriften der Stadt Worms, Band 2 von Deutsche Inschriften, Mainzer Reihe, 1991, Seiten 354 und 464, ISBN 3882264985; 1. Ausschnitt aus der Quelle2. Ausschnitt aus der Quelle
- â Urkundenregest aus dem sich die SchwĂ€gerschaft zwischen Christoph Lerch von Dirmstein und Bischof Philipp von Rodenstein ergibt in der Deutschen Digitalen Bibliothek
- â Michael Martin: Quellen zur Geschichte Dirmsteins und der Familie Lerch von Dirmstein, 2004, Seite 154, ISBN 3980830446; Textausschnitt aus der Quelle
- â Friedrich Prinz, Georg Jenal, Stephanie HaarlĂ€nder: Gegenwart in Vergangenheit: BeitrĂ€ge zur Kultur und Geschichte der neueren und neuesten Zeit: Festgabe fĂŒr Friedrich Prinz zu seinem 65. Geburtstag. Verlag Oldenbourg, MĂŒnchen 1993, ISBN 3-486-56036-0, S. 38 Ausschnitt bei Google Books
- â Franz Xaver Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speyer, Band 2, Mainz 1854, Seite 389; Digitalscan
- â Webseite zur Weiheinschrift des Altares
- â Franz Xaver Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speyer, Band 2, Mainz 1854, Seite 433, FuĂnote 1334; Digitalscan
- â Franz Xaver Remling: Geschichte der Bischöfe zu Speyer, Band 2, Mainz 1854, Seite 438; Digitalscan
- â Webseite zur Grabplatte im Stadtmuseum
- â Scan aus der Quelle
- â Genealogische Webseite zu den GroĂeltern mĂŒtterlicherseits
| VorgÀnger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Georg von Schönenberg | Bischof von Worms 1594â1604 | Philipp II. Kratz von Scharfenstein |
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rodenstein, Philipp von |
| ALTERNATIVNAMEN | Philipp von Rothenstein |
| KURZBESCHREIBUNG | Bischof von Worms (1595â1604) |
| GEBURTSDATUM | 1564 |
| STERBEDATUM | 21. MĂ€rz 1604 |
| STERBEORT | Speyer |